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	<title>Kai Echelmeyer | Pinchekai</title>
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		<title>Mit Booten über den Amazonas – Bericht von meinem Abenteuer, eine ausführliche Anleitung und Klimaschutz im Amazonasgebiet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Nov 2023 17:46:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Südamerika]]></category>
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<p>In diesem Artikel beschreibe ich wie man mit Booten von Ecuador über die Flüsse Napo und Amazonas bis nach Peru fahren kann.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Zunächst möchte ich meine eigene Erfahrung beschreiben, die fantastisch und einzigartig war. Außerdem möchte ich natürlich ein paar Worte zum Klimaschutz im Amazonas-Gebiet verlieren.<br>Weiter unten findest du eine ausführliche Anleitung mit allen möglichen Verbindungen, die ich herausgefunden habe. Viel Spaß beim Lesen!</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Die beeindruckenden Weiten des Amazonas und die Gefahr des Kipppunktes</h2>
<!-- /divi:heading -->

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<!-- divi:paragraph -->
<p>Als mein Freund Joann aus Frankreich mir vor einigen Monaten Bilder schickte wie er mit einem Boot über den Amazonas gefahren war, war mir klar: Das will ich auch machen!<br>Auf Joanns Fotos sah man ein breites Boot auf dem Amazonas mit verschiedensten Gütern und sogar einer Kuh an Bord. Und den Amazonas zu sehen und tagelang über den Fluss zu fahren, klang für mich wie ein exotischer Traum! Der Amazonas ist immerhin der wasserreichste Fluss der Welt und hat an der Mündung mehr Wasser als die sechs nächstkleineren Flüsse zusammen! Außerdem ist das Amazonasgebiet Heimat für unfassbar viele Tiere und für eine Vielzahl von indigenen Stämmen, die vermutlich wichtigste grüne Lunge der Welt und ein absoluter Faktor in der internationalen Klimakrise.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Wenn es gelingt, den Amazonas-Regenwald besser zu schützen, sind wir im Klimaschutz einen großen Schritt weiter. Denn aktuell wird, wie ständig zu lesen ist, sehr viel Regenwald abgeholzt: für Palmöl, für Soja-Anbau (das dann an Tiere in Europa und anderswo verfüttert wird), für Viehzucht, für Bergbau (vor allem Aluminium) und in Ecuador auch zur Gewinnung von Erdöl. Gerade vor zwei Monaten hat die ecuadorianische Bevölkerung in einem Referendum für einen dauerhaften Stopp der Erdöl-Förderung im Yasuni-Park gestimmt, einem der artenreichsten Gebiete der Erde. Der ehemalige Präsident Rafael Correa hatte 2007 eine Kampagne gestartet und versprochen, das Öl im Yasuni-Park nicht anzurühren, wenn internationale Geldgeber die Hälfte des zu erwartenden Gewinnes an Ecuador zahlen würden. Die ca. 6 Milliarden US-Dollar kamen aber nicht zusammen und so gab er 2013 den Abbau frei. Nach langen Kämpfen konnten Umweltschützer*innen nun ein Referendum durchsetzen und Regierung und Öl-Konzerne haben nun ein Jahr, um sich aus dem Gebiet zurückzuziehen. Wegen der enormen wirtschaftlichen Bedeutung des Öls für Ecuador war die Entscheidung durchaus umstritten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Und auch aus Brasilien gibt es seit dem Regierungswechsel zu Inácio Lula da Silva mehr und mehr gute Nachrichten. Sein Vorgänger Jair Bolsonaro hatte den (illegalen) Raubbau am Regenwald noch stark befeuert. Unter seiner Regierung nahm die Rodung schlagartig um 70% zu, Konzerne wurden in der Rodung unterstützt und Waldbrände nur halbherzig bekämpft. Zum ersten Mal stieß der Amazonas-Regenwald mehr CO2 aus als er aufnahm.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Lula da Silva dämmt das nun bisher erfolgreich wieder ein, sodass auch die deutsche Regierung die eingefrorenen Gelder der letzten Jahre wieder freigibt. Diese internationalen Gelder sind eingeplant in Lulas Vorhaben, die Abrodung bis 2030 zu stoppen. Studien zu dem Plan bescheinigen ihm die Möglichkeit, die Abrodung um 89% zu reduzieren. Lula in seiner ersten Amtszeit und seiner Nachfolgerin Dilma Rousseff war es bis 2019 schon einmal gelungen, die Abholzung um 80% zu reduzieren. Schnelle Erfolge sind nun übrigens enorm wichtig, weil der Amazonas-Regenwald vor einem Kipppunkt steht: Aktuell sind ca. 18% des Gebietes abgeholzt. Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass bei 20 – 25% der Kipppunkt erreicht würde, bei dem der Wasser-Kreislauf des Regenwaldes kollabiert und sich das Amazonas-Gebiet Stück für Stück zu einer Savanne entwickelt. Die Folgen fürs Weltklima: nicht absehbar, aber mit Sicherheit verheerend!<br>Unter einer weiteren Präsidentschaft von Bolsonaro wäre dieser Punkt zweifelsohne erreicht worden, mit Lula gibt es nun Hoffnung. Im Parlament gibt es allerdings eine konservative Mehrheit und der Einfluss der Agrarlobby ist groß. Es bleibt also spannend, wie überall auf der Welt im Klimaschutz.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Von Ecuador nach Peru – Tag 1</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Auch politisch ist das Amazonas-Gebiet also enorm spannend und somit stand mein Plan schon seit Monaten fest. Dass ein Großteil der Reise von Ecuador nach Peru gar nicht über den Amazonas selbst, sondern über den Nebenfluss Napo geht, erfuhr ich erst später, war mir aber auch recht egal:</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Was ich jetzt gelernt habe: der Fluss Amazonas entspringt nicht in einem Gebirge, sondern entsteht in Peru aus den beiden Flüssen Marañon und Ucayali. Das gesamte Gebiet des Regenwaldes um die vielzähligen Nebenflüsse des Amazonas wird in der Regel Amazonas-Gebiet genannt und erstreckt sich in insgesamt 9 Ländern auf einer Fläche von über 6 Millionen km², etwa 18 Mal so groß wie Deutschland. Bei allen Zahlen zum Amazonas sei erwähnt, dass man teilweise unterschiedliche Angaben findet. Vieles wie z.B. die aktuell gerodete Fläche kann eben auch nur geschätzt werden.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Zurück zu meiner Reise durch den Amazonas: auch wenn die Strecke vor allem viele Peruaner*innen und Ecuadorianer*innen bereisen und ich den Umstand besonders gut fand, war ich doch froh, dass sich ein paar Freund*innen von mir entschieden, zur gleichen Zeit diese Reise zu machen. So konnten wir gemeinsam das Abenteuer angehen und es wurde auch günstiger.<br>Zusammen mit Chris und Manon aus Marseille und Natalie und Nicolas aus Deutschland machten wir uns also am Donnerstag früh morgens auf den Weg. In der Nacht zuvor hatten wir bei Alex und Samantha in der Nähe von Coca übernachtet. Freund*innen von Joann, die wahnsinnig lieb waren und uns alle fünf bei sich aufnahmen. Ich war schon einen Tag eher da und feierte mit Alex und Samantha zusammen ihren Geburtstag.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Von Coca fuhren wir um 8 Uhr mit dem Schnellboot über den Rio Napo bis nach Nueva Rocafuerte, dem letzten Dorf an der Grenze von Ecuador nach Peru. Die Fahrt mit dem Schnellboot war nicht so spannend, denn es war einfach zu schnell, um sich in Ruhe auf die Landschaft zu konzentrieren, doch so waren wir deutlich früher an der Grenze, um auszustempeln und nach Peru rüberzufahren. Das wurde uns vorher so empfohlen und war auch gar nicht schlecht, weil Nico über eine Stunde aufgehalten wurde: bei seiner Einreise von Kolumbien nach Ecuador hatte wohl jemand aus Versehen ihm die kolumbianische Staatsbürgerschaft eintragen lassen und das wollten die Beamten an der Grenze erst geändert wissen. Da der Empfang mitten im Regenwald aber dürftig ist, dauerte das einige Zeit, doch dann konnten wir mit dem nächsten Boot in ca. 30 Minuten in das erste Dorf auf peruanischer Seite fahren: Pantoja. Die Ankunft in Peru war cool. Pantoja ist ein kleines Dorf mit ein paar Hundert Einwohner*innen. Strom wird hier nur per Generator erzeugt und daher gibt es nur von 18 – 23 Uhr Elektrizität. So mussten wir also bis 18 Uhr auf die Migration warten. Die Zeit nutzten wir, um erstmal ein Bier mit den Einheimischen zu trinken und Musik zu machen. Dann gingen wir eine Runde Schwimmen und durchs Dorf spazieren und ich spielte noch eine Runde Fußball mit ein paar Kids vor Ort.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Einige entspannte Tage in der Hängematte – mitten auf dem Fluss</h2>
<!-- /divi:heading -->

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<p>Nachdem wir dann unseren Stempel bekamen, kümmerten wir uns um die Weiterfahrt für den nächsten Tag. Das Boot, von dem wir gehört hatten, dass es freitags und dienstags fährt, stellte sich als weiteres Schnellboot heraus, mit dem wir zwar in eineinhalb Tagen in Iquitos gewesen wären, in dem wir aber die ganze Zeit hätten sitzen müssen.. Zum Glück fanden wir noch ein Handelsboot, das auch am nächsten Tag Richtung Iquitos aufbrach. Die Harrison fährt unregelmäßig Güter durch das Amazonasgebiet, es war also Glück, dass sie gerade vor Ort war. Die Mitfahrt auf der Harrison war nicht nur günstiger (knapp 25 statt 70 Euro!), sondern auch viel gemütlicher und langsamer: genau das was wir gesucht hatten, um die Fahrt über den Amazonas zu genießen und die Landschaft in Ruhe zu betrachten. Und als wäre das nicht noch genug, konnten wir auch noch unsere Hängematten im Schiff aufhängen und in diesen tagsüber chillen und nachts schlafen – unser absolute Backpacker-Traum!</p>
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<p>Am nächsten Morgen um 5 Uhr standen wir wie bestellt vor der Harrison, bis es losging dauerte es aber noch eine Weile – Peru liegt eben auch in Lateinamerika 😀</p>
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<p>Insgesamt drei Tage verbrachten wir an Bord der Harrison, deren eh schon langsames Vorankommen noch durch den Wasserstand beeinflusst wurde. In einer Trockenzeit, die dank Klimawandel noch trockener ausfiel als eh schon, gab es eine Vielzahl von Sandbänken, denen wir ausweichen mussten. Tagsüber kostete das nur Zeit, nachts auch einige Nerven der Crew und tatsächlich saßen wir auch einmal kurz auf einer Sandbank fest – zum Glück aber nur kurz und wir konnten uns wieder befreien. Auf dem Hinweg nach Pantoja, so erzählte mir Edgar, der Kapitän, steckten sie einmal von 21 Uhr abends bis morgens um 4 Uhr fest. Im Januar und Februar dagegen in der Regenzeit wächst der Fluss um mehrere Meter an und die Boote können einfach durchfahren ohne sich groß Gedanken machen zu müssen. Doch ich fand die Flüsse schon so sehr wasserreich und beeindruckend!</p>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Unsere Zeit auf dem Boot verbrachten wir die meiste Zeit gemeinsam an Deck, um zu quatschen, Musik zu machen und zu spielen. Der Austausch mit den vielen Peruaner*innen und Ecuadorianer*innen machte mir Spaß und brachte mich dem nächsten neuen Land meiner Reise gleich ein ganzes Stückchen näher.</p>
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<p>Ich nutzte die Zeit außerdem noch, um Fotos auszusortieren, an meinem Blog zu schreiben und um Schlaf nachzuholen. Dabei die ganze Zeit keinen Handy-Empfang zu haben, empfand ich als extrem gut tuend!</p>
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<p>Auf dem Weg kamen wir an vielen kleine Siedlungen am Flussufer entlang. Die Menschen dort sprechen in der Regel Spanisch und eine indigene Sprache und die meisten leben von Landwirtschaft. So kam es auch einige Male vor, dass uns vom Ufer oder aus einem Kanu Waren angeboten wurden. Einmal hielt die Crew an und besorgte ein paar Stücke Fleisch fürs Essen. Der Bauer wollte allerdings nicht gegen Waren von unserem Boot tauschen, sondern nahm nur Bargeld an, was unsere Crew zu verwundern schien.<br>Am zweiten Tag morgens konnten wir für eine halbe Stunde in einem kleinen Dorf von Bord, allerdings war es gar nicht so einfach etwas zu kaufen, da wir nur Dollar hatten und kaum jemand in Sol (die peruanische Währung, 1 Euro entspricht ca. 4 Soles) tauschen wollte. Trotzdem war es wohltuend, an Land rumzulaufen und ein bisschen das Dorf zu erkunden, bevor es weiterging. Ein weiterer Landgang am Abend, der eigentlich nur zum Abendessen gedacht war, verlängerte sich doch um einige Stunden, sodass wir Zeit hatten, in eine kleine Bar mit lauter Musik zu gehen und ein bisschen mit den Locals zu tanzen, wobei die meiste Zeit nur wir am Tanzen waren.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<h2>Anaconda, Flussotter und Co</h2>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Nach insgesamt vier Tagen von Ecuador aus und drei Tagen auf der Harrison, kamen wir dann an unserem Ziel – Iquitos – an und die gemeinsamen Tage an Bord waren sehr verbindend. Ich bin noch mit einigen Kontakt und mit einem Pärchen aus Malta, Christine und Sean, reiste ich noch für ein paar Tage weiter.<br>Und die nächsten Tage waren auch nochmal super besonders: über einen Couchsurfer hatte ich einen super Kontakt für eine Dschungeltour bekommen, die nur ein Viertel von dem kostete, was mir in Ecuador angeboten wurde. Für drei Tage und mit zwei Übernachtungen fuhren Christine, Sean und ich mit zwei Guides zusammen in den Dschungel. In einem kleinen Kanu paddelten wir über einen Neben-Nebenfluss des Amazonas durch den Regenwald und konnten unfassbar viele tolle Tiere und Pflanzen sehen. Highlights waren definitiv Flussdelfine, Flussotter, kleine Kaimane und eine 4 Meter (!) lange Anaconda, die anscheinend ein paar Tage zuvor einen Kaiman gefressen hatte. Und so wurde meine fantastische Zeit im Amazonasgebiet wunderbar abgerundet.</p>
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<!-- divi:heading -->
<h2>Ausführliche Anleitung für das Bootsabenteuer</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Hier nun alles was du wissen solltest, wenn du selber mit dem Boot über den Napo und Amazonas reisen möchtest.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Zunächst ein paar grundsätzliche Dinge:</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Es kann ganz schön heiß werden, im Amazonasgebiet und es gibt viele Mücken! Also Sonnencreme ist Pflicht und die solltest du spätestens in Coca kaufen. Genauso halte ich Mückenspray für sehr wichtig. Ich hatte ein Mosquitonetz dabei und kann das schon auch empfehlen. Je nachdem aber wie schnell dein Boot fährt und wo du übernachtest, kann es sein, dass du keins brauchst.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Je nachdem wie du über die Flüsse reisen möchtest, musst du etwas Zeit einplanen. Es gibt zwei Mal die Woche die Möglichkeit, die Strecke innerhalb von 2,5 Tagen zurückzulegen, doch dann bist du mit Schnellbooten unterwegs und kannst die Landschaft nicht so sehr genießen. Wenn du wie wir mit einem Handelsboot fahren möchtest, musst du Glück haben oder evtl. ein paar Tage warten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Generell ist das „Nadelöhr“ die Strecke zwischen Pantoja und Mazán. Denn von Coca nach Pantoja und von Mazán nach Iquitos gibt es jeden Tag Verbindungen. Dazu unten genaueres.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Es ist auch möglich auf dieser Strecke zu Trampen, allerdings kann das recht lange dauern, denn die meisten Boote, die hier fahren, fahren aus kommerziellen Gründen und verlangen deshalb auch Geld. Die knapp 100 Soles auf dem Handelsschiff von Pantoja nach Iquitos waren aber auch wirklich nicht zu viel.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In den kleinen Orten entlang des Amazonas gibt es keine Bankautomaten und schlechte Wechselkurse für Dollar/Euro. Wenn du kannst, tausche am besten in Coca schon Geld, sodass du Soles bis Iquitos dabei hast.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Von Iquitos aus kann man weitere Boote finden, um den Amazonas weiter nach Kolumbien und dann Brasilien runterzufahren. Oder wenn du in Peru weiterreisen willst, kannst du von Iquitos mit einem weiteren Boot nach Yurimaguas fahren. Von Iquitos nach Yurimaguas gibt es ein Schnellboot, das ca 18 Stunden braucht (je nach Wasserstand) und 160 Soles kostet (40 Euro). Alternativ gibt es auch hier ein langsames Boot, das zwei Tage braucht, von dem ich den Preis aber nicht kenne.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Falls du in Peru eine Tour in den Regenwald machen willst, empfehle ich dir, diese nicht von Iquitos aus zu machen, sondern von Lagunas. Bei der Reiseagentur Acatupel kriegst du bestimmt einen guten Preis, wenn du meinen Namen erwähnst. Marita war super lieb und ist zu einer Freundin geworden. Ich kriege nichts für die Empfehlung, außer vielleicht eine liebe Nachricht von Marita.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>All diese Informationen sind von Oktober 2023, keine Gewähr, dass sich die Abfahrtszeiten oder Öffnungszeiten der Migration Offices nicht evtl. ändern. Also wenn es mittlerweile 2025 ist, wenn du das hier liest, dann frag am besten nochmal nach.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Von Coca nach Nueva Rocafuerte</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Wie bereits erwähnt, gibt es auf dieser Strecke jeden Tag Boote. In aller Regel starten die morgens zwischen 7 und 8 Uhr und haben feste Fahrpläne, die du in Coca herausfinden kannst. Das Ticket solltest du zur Sicherheit besser am Vortag kaufen.<br>Es gibt ein Schnellboot, das 4 – 5 Stunden bis Nova Rocafuerte braucht und uns 38 Dollar pro Person gekostet hat. Außerdem gibt es ein langsameres Boot, bei dem man die Landschaft besser genießen kann und das nur 21 Dollar kostet. Allerdings braucht dieses Boot insbesondere bei niedrigem Wasserstand recht lange (ca. 7 &#8211; 8 Stunden). In der Regel sollte man es rechtzeitig zur Migration in Nova Rocafuerte schaffen, die um 17 Uhr schließt, aber ein kleines Risiko ist dabei, wenn man am gleichen Tag noch nach Pantoja reisen möchte. Denn du musst unbedingt in Nueva Rocafuerte aus Ecuador auschecken und dir einen Stempel holen!</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Von Nueva Rocafuerte nach Pantoja</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Von Nova Rocafuerte nach Pantoja auf der peruanischen Seite ist es nur ca. 30 Minuten mit dem Boot. Die Boote haben keine festen Abfahrtzeiten, sondern können einfach vor Ort gebucht werden. Vermutlich wird dir direkt eins angeboten, wenn du in Nueva Rocafuerte ankommst. Wenn du dich bei mir meldest, kann ich dir aber auch einen Kontakt schicken.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Die Fahrer*innen nehmen ca. 50 Dollar, unabhängig davon, wie viele auf dem Boot mitfahren.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Falls du in Nueva Rocafuerte übernachten möchtest, gibt es hier günstige Unterkünfte oder auch die Möglichkeit, dein Zelt aufzuschlagen. Wenn du aber nicht gerade in den Yasuni-Nationalpark möchtest (der ist recht teuer), empfehle ich dir eher weiterzufahren nach Pantoja.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Von Pantoja nach Iquitos</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In Pantoja musst du vor der Weiterfahrt in Peru einchecken und dir auch hier einen Stempel in deinen Pass holen. In der Regel öffnet das Migration-Office allerdings erst abends ab 18 Uhr, da es im Ort nur Strom per Generator von 18 – 23 Uhr gibt. (Stand 2023)</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In Pantoja gibt es ein Hostel, in dem wir für 4 Dollar pro Person unterkommen konnten. Natürlich kannst du auch hier zelten. Am besten schaust du erst welches Boot du nimmst, evtl. kannst du auch schon auf dem Boot schlafen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Auch von Pantoja gibt es ein schnelles Boot. Dieses hat einen Fahrplan und startet (Stand Oktober 2023) freitags und dienstags früh morgens. Das Ticket kannst du am Tag vorher kaufen. Mit diesem Boot fährst du am ersten Tag bis Santa Clotilde, wo du an Land übernachtest. Am nächsten Morgen geht es um 4 Uhr weiter nach Mazán, von dort mit einem Moto-Taxi nach Indiana und dann in einem weiteren Boot weiter nach Iquitos fährst. Mit diesem schnellen Boot kommst du am zweiten Tag (dritter Tag von Coca aus) mittags in Iquitos an. Der Preis ist mit 270 Soles (ca. 70 Dollar) allerdings recht hoch und der Entspannungsfaktor gering, da du einen festen Sitzplatz auf dem Boot hast.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Für die Alternative brauchst du etwas Zeit oder Glück. Bei uns lief es super, da am gleichen Tag wie das Schnellboot auch ein Handelsschiff startete (wie oben beschrieben die Harrison). Auf der Harrison haben wir drei Tage von Pantoja bis Iquitos gebraucht. Dafür haben wir aber nur 100 Soles (ca. 25 Dollar) bezahlt, konnten uns frei auf dem langsam fahrenden Boot bewegen, die Aussicht genießen und in unseren Hängematten auf dem Boot schlafen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Von Iquitos nach Yurimaguas</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Von Iquitos gibt es keine Straße ins restliche Peru. Wenn du wie ich die Umwelt schonen und nicht fliegen möchtest, kannst du von Iquitos weiter Richtung Yurimaguas reisen. Dafür nimmst du am besten einen Bus oder ein Collectivo nach Nauta und von dort aus fahren jeden Tag Boote nach Yurimaguas. Wieder gibt es schnelle und langsame Boote. Die Schnellboote starten nachmittags ca. um 16 Uhr und kommen am nächsten Tag mittags in Yurimaguas an. Für dieses Boot habe ich 160 Soles (40 Dollar) bezahlt. Das langsame Boot braucht zwei Tage und ist wieder deutlich günstiger, da kenne ich aber den genauen Preis nicht.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Iquitos nach Coca</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Wenn du die Strecke andersrum fahren möchtest als ich, ändert sich eigentlich nicht viel. Du kannst ab Iquitos direkt ein Boot nach Pantoja suchen. Dort kannst du ausstempeln, dann mit den gleichen Booten wie oben beschrieben nach Nueva Rocafuerte fahren, einstempeln und dann gibt es ein Boot nach Coca. Die Abfahrtszeiten der Boote so rum kenne ich leider nicht. Wenn ich sie erfahre, ergänze ich sie hier.<br>Wichtig zu bedenken ist, dass man so rum insgesamt länger braucht, da man die meiste Zeit gegen den Strom fährt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ergänzung: Mein Freund Nicolas ist von Iquitos nach Coca gereist und hat folgende Infos für euch zusammengestellt:</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p><strong>Iquitos &#8211; Pantoja:</strong><br>Das Schnellboot findest du bei Transporte Vichu in der calle Maynas 360. Laut Nico fahren die dienstags und samstags und kosten 270 Soles.<br>Für die langsamen Boote gibt es kein Office und keine festen Zeiten. Im Puerto ranza hat Nico welche gefunden, die 4 Tage brauchen und 130 Soles kosten. Es gibt aber mit Sicherheit noch andere. Wenn du diese Reise machen willst, kontaktiere mich gerne ein paar Tage vorher und dann kann ich einen Freund in Iquitos fragen, ob er in nächster Zeit die Strecke fährt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p><strong>Pantoja &#8211; Nueva Rocafuerte:</strong><br>Auch in dieser Richtung gibt es keine festen Zeiten, sondern vor Ort gibt es mehrere Boote, die auf Anfrage fahren. Nico hat 15 Dollar gezahlt zusammen mit einer anderen Person, die auch 15 Dollar gezahlt hat. Wichtig zu berücksichtigen ist, dass man so rum länger braucht gegen den Strom.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<p><strong>Nueva Rocafuerte &#8211; Coca:</strong><br>Das langsame Boot für 21 Dollar fährt morgens um 6 Uhr aus Nova Rocafuerte los. Das Schnellboot startet um 12 Uhr und kostet 39 Dollar. Meines Wissens gibt es jeden Tag Boote auf dieser Strecke.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<p><strong>Wenn du dich dazu entscheidest die Reise zu machen, wirst du eine richtige tolle Zeit und fantastische Ausblicke genießen. Viel Spaß!</strong></p>
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<p></p>
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<p></p>
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		<title>Ideen und Tipps für nachhaltigeres Reisen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Oct 2023 01:22:42 +0000</pubDate>
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<p>In diesem Beitrag beschäftige ich mich mit Alternativen und Ideen für nachhaltigeres Reisen.<br>In knapp einem Jahr Reise habe ich so viele wundervolle Orte sehen können, habe neue Kulturen kennengelernt, super liebe Menschen getroffen, neue Freund*innen gefunden und unglaublich viel Neues, Spektakuläres erlebt. Kurzum, ich habe gesehen, wie <strong>wundervoll die Welt ist</strong> und auch gesehen, wie wichtig Reisen ist: Zum Einen für <strong>persönliche Entwicklung</strong>, denn beim Reisen lernt man so viel über die Welt, über Empathie und Weltoffenheit. Zum anderen aber vor allem für <strong>interkulturellen Austausch</strong> und für <strong>Völkerverständigung</strong>. In vielen Projekten, die ich besuchen und unterstützen konnte, habe ich gesehen, wie sehr Reisen auf einer persönlichen Ebene Verbindungen zwischen Menschen und Kontinenten schaffen.<br>Doch gleichzeitig habe ich auch an einigen Stellen sehen können, wie schon heute der <strong>Klimawandel unsere Welt verändert und zerstört</strong>: in Kuba war ich an einem komplett ausgebleichten Korallenriff tauchen, in Panama kam es beim Kanal zu einem enormen Rückstau, weil der Gatun-See viel weniger Wasser führt, als gewöhnlich. In vielen Ländern sind die eigentlich konstanten Regenzeiten kaum noch vorhersehbar und es gibt entweder viel weniger Regen als gewohnt oder viel mehr. Die Folgen für die Natur sind fatal.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Außerdem habe ich viele Menschen kennengelernt, die <strong>ohne spürbare Rücksicht auf die Umwelt</strong> reisen: die für 2 Wochen Urlaub einen ganzen Ozean überqueren, die von Medellin nach Bogotá (8 Stunden Bus) das Flugzeug nehmen oder die eine endlose Spur von Plastikmüll hinter sich ließen. Reisen kann enorm destruktiv sein und klassischer Tourismus ist dies heutzutage auch häufig. Doch es gibt eben auch viele Möglichkeiten, um Reisen nachhaltiger zu gestalten und viele davon habe ich auf dieser Reise ausprobiert und/oder kennengelernt und möchte euch diese hier vorstellen, damit ihr hoffentlich das eine oder andere mitnehmt. Ich freue mich auch, wenn ihr euch in den Kommentaren austauscht oder eigene Anregungen dalasst.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Dabei ist mir wichtig zu erwähnen, dass ich meine Emissionen zwar in einiger Hinsicht deutlich reduziert habe, aber natürlich auch weit davon entfernt bin, emissionsfrei zu reisen. Es geht auch nicht darum, dass ihr alle Ideen genauso umsetzt, sondern vielmehr, dass es wichtig ist, dass wir uns mit den vielen Emissionen auseinandersetzen, die Reisen verursacht und uns Mühe geben, diese deutlich zu reduzieren. Denn, dass sich die Art des Reisens verändern und nachhaltiger werden muss, da sind nicht nur wir uns (hoffentlich) drüber einig, sondern das sagt auch die Wissenschaft. Und dafür ist es wichtig, dass wir in Diskussion bleiben, uns gegenseitig austauschen und inspirieren.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ich mache mir bei zunehmenden Naturkatastrophen weltweit Sorgen um die Zukunft unseres Planeten. Ich wünsche mir, dass meine Kinder und Kindeskinder später auch noch die Chance haben, diese fantastische Welt zu erkunden und all das wundervolle zu sehen, was ich aktuell sehen darf. Doch wenn Klimaschutz so weiter geht wie aktuell, dann wird es 2063 keine Korallenriffe mehr geben, in 70 Jahren wird die Heimat von über 200 Millionen Menschen im Meer versunken sein und eine Vielzahl von Arten wird nicht mehr existieren. Die Szenarien klingen immer dramatisch, aber so ist leider eben auch die Lage beim Klimaschutz.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Um die Tipps und Ideen etwas zu sortieren, teile ich sie nach Bereichen auf: <strong>Allgemeine Tipps, </strong><strong>Transport, Unterkunft </strong>und <strong>Lebensmittel.</strong></p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Allgemeine Tipps</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Die Idee von diesem Artikel ist es selbstverständlich nicht, Emissionen zu reduzieren, um dann mehr zu reisen, sondern Emissionen zu reduzieren, um die Umwelt mit einer Reise möglichst wenig in Mitleidenschaft zu ziehen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Generell gilt vor allem auch, dass wir uns im Zweifel fragen sollten ob wir nicht etwas weglassen können: Ist dieser Flug nun nötig oder finde ich nicht auch ein schönes Ziel in Zug-Distanz? Braucht es wirklich für die ganze Reise einen Mietwagen oder komme ich nicht auch ohne aus? Muss ich 3 Länder in 4 Wochen sehen oder kann ich nicht auch länger an einem Ort bleiben? <strong>Weniger</strong> <strong>kann</strong> im Urlaub oder auf Reisen durchaus <strong>auch mehr sein</strong>, so kann man die Zeit evtl. viel mehr genießen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Dabei geht es nicht darum, emissionsfrei zu reisen und sich in allen Aspekten perfekt zu verhalten. Stattdessen geht es darum, sich den <strong>Auswirkungen vom Reisen bewusst zu sein</strong> oder zu werden und diese in Entscheidungen zu berücksichtigen, um den eigenen <strong>CO2-Fußabdruck deutlich zu reduzieren</strong>.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ich bin auch dessen bewusst, dass es ein absolutes Privileg ist, dass ich die Zeit, das Geld und die Möglichkeiten habe, diese Reise so zu gestalten, doch wäre ich bei einem Zeitraum von zB einem Monat sicher nicht nach Lateinamerika geflogen, sondern hätte z.B. Inter-Rail in Osteuropa oder so gemacht.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ganz grundsätzlich gilt auf Reisen das gleiche wie Zuhause: mit allen <strong>Ressource</strong><strong>n</strong> sollten wir <strong>achtsam umgehen</strong>. Das heißt: auf <strong>Wasserverbrauch</strong> achten, <strong>Klimaanlagen</strong> und Ventilatoren nur dann anmachen, wenn man sie auch braucht, etc.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ein weiterer Punkt ist schon vor Beginn der Reise: das <strong>Gepäck</strong>. Wenn der Koffer oder Rucksack leichter ist, schont das nicht nur den Rücken, sondern sorgt auch für weniger Energieverbrauch in den Transportmitteln. Da bin ich insbesondere durch meine Gitarre nicht so vorbildlich, wollte diesen Tipp, den ich gelesen habe, aber trotzdem mit euch teilen. Ohnehin ist das wohl nicht der Tipp, der riesige Mengen CO2 einsparen wird, allerdings einer, über den vermutlich wenige nachdenken.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Wichtiger ist da schon der nächste Tipp, den viele inklusive mir beim Thema Nachhaltigkeit auch nicht auf dem Schirm haben: <strong>Antizyklisch reisen</strong>, bzw. <strong>überfüllte Orte meiden</strong>. Gerade <strong>Massentourismus</strong> führt dazu, dass <strong>Infrastrukturen überlastet</strong> werden und irreversible Schäden an Ökosystemen entstehen. Wenn zehn Menschen pro Tag durch einen kleinen Wald laufen, ist das dem Wald und seinen Bewohner*innen vermutlich recht egal. Anders sieht das aus, wenn es Tausend sind. Dem kann man vorbeugen, wenn man nicht zur Überfüllung der Orte beiträgt, in dem man in der Low Season reist oder diese Orte meidet. Dabei ist mir natürlich bewusst, dass es Berufe gibt, bei denen es schwer ist, azyklisch zu reisen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Zu guter Letzt sollten Reisende versuchen, möglichst viel <strong>lokale und kleine </strong><strong>Läden</strong> statt große Geschäfte und Ketten zu nutzen. Das gilt für Unterkünfte, Lebensmittelläden, Souvenirs und Co. Zum Einen unterstützt man damit die Menschen vor Ort und kein riesiges Unternehmen, zum Anderen kommen so vermutlich die Produkte, Arbeitskräfte, etc. eher aus der Nähe und so wird auch die Umwelt geschont. Und z.B. in Lateinamerika ist es in den kleinen Läden häufig sogar günstiger als im Supermarkt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Transport</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Kommen wir zum Klimakiller Nr. 1 beim Transport: <strong>Fliegen</strong>. Ein Langstreckenflug von Frankfurt nach Rio und zurück emittiert ca. 3,1 Tonnen CO2-Äquivalente, nach Neuseeland sogar 6,6 Tonnen. Doch laut Wissenschaft sollte ein Mensch im Schnitt maximal 2 Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen, wenn wir die Klimaziele einhalten und die Umwelt in einem guten Zustand für kommende Generationen hinterlassen wollen. Wobei durch fehlenden Klimaschutz und dadurch folgende Umweltzerstörung der Betrag immer kleiner wird und schon jetzt Richtung 1 Tonne tendiert.<br>Das größte Einsparpotential beim CO2-Abdruck gibt es beim Fliegen. Dass wir gar nicht mehr fliegen, wäre zwar für das Klima am besten, ist aber wohl eher unrealistisch und ich sehe wie gesagt auch die Notwendigkeit des Austausches und der Völkerverständigung und da lässt sich das Flugzeug nicht immer vermeiden. Doch der Flugverkehr ließe sich stark reduzieren, wenn wir Fliegen als das sehen würden, was es ist: <strong>ein absolutes Privileg</strong>, denn ein Großteil der Menschen kann sich das gar nicht leisten. Damit ist Fliegen leider auch extrem unfair: ein Umstand, den wenige hören wollen, doch ein Fakt: eine Minderheit stößt beim Fliegen viel mehr CO2 und Äquivalente aus als ihnen eigentlich zusteht, wenn wir mit unserem Planeten und seinen Ressourcen im Einklang stehen wollen. Dass das Klima nicht schon vollends kollabiert ist, liegt vor allem daran, dass es viele Menschen weltweit gibt, die sich unseren Lebensstandard bei weitem nicht leisten und insbesondere nicht fliegen können, und deswegen viel weniger CO2 ausstoßen. Somit ist Fliegen ein starker Ausdruck der globalen Ungerechtigkeit und Teil einer <strong>imperialen/postkolonialen Lebensweise</strong> wie der Autor Ulrich Brand sie im Buch „Imperiale Lebensweise – zur Ausbeutung von Mensch &amp; Natur im globalen Kapitalismus“ beschreibt. Konsequent ist dann nur, wenn wir in Zukunft auf das Flugzeug für Urlaubsreisen verzichten. So beschreibt es auch das deutsche Umweltbundesamt in seinem Konzept für „<strong>Luftverkehr der Zukunft“.</strong><br>Kurz zu <strong>Äquivalenten</strong>, was ist damit gemeint? Beim Fliegen wird nicht nur CO2 in die Atmosphäre geblasen, das zur Erderwärmung beiträgt, sondern es gibt noch Nicht-CO2-Effekte, die beim Fliegen sogar fast 2/3 ausmachen. Am klimaschädlichsten beim Fliegen sind Kondensstreifen.<br>Wie man die Effekte durch Kondensstreifen stark reduzieren könnte, darüber schreibt mein Freund Gero <a href="https://www.dw.com/de/klimaschutz-klimaneutral-fliegen-co2-eu-wolken-airbus-boing-kerosin-luftfahrt-wasserstoff-klima/a-64922155">in diesem Artikel</a> für die Deutsche Welle.<br>Doch auch Gero kommt zu dem klaren Schluss, dass es noch lange dauern wird, bis Fliegen klimafreundlich wird und dass es daher nötig ist, <strong>Flugreisen drastisch zu reduzieren</strong>.<br>Fliegen sollte also als Privileg verstanden werden und <strong>als Ausnahme gelten</strong>. Doch was sind die Alternativen zum Fliegen: An Land ist das recht einfach, ein <strong>voll besetztes Auto</strong> ist klimafreundlicher als ein Flug, doch wirklich sparsam ist das Reisen mit <strong>Bus und Bahn</strong>. Dabei stimmen auch alle Quellen überein.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Die Schwierigkeit für CO2-Studien</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Kurzer Exkurs: Es ist manchmal schon anstrengend, dass je nach Quelle die CO2-Bilanzen von Transportmitteln auseinandergehen. Das liegt aber daran, dass zum Beispiel der zugrundeliegende Strom-Mix einen großen Unterschied bei der Berechnung machen kann. Außerdem berechnen viele Quellen nur die Transportkosten ein, die eine Fahrt von A nach B kostet. Doch selbstverständlich muss man auch einberechnen, wie viel CO2 bei der Produktion des Fahrzeugs und der Strecke ausgestoßen wird. Unabhängig davon ist Fliegen in allen Statistiken das mit Abstand schädlichste Transportmittel und <strong>Bus und Bahn</strong> die besten.<br>Mit Bus und Bahn kann es natürlich länger dauern als der Flug, doch bei vielen Strecken ist der Zeit-Gewinn beim Flieger häufig viel geringer als die Flugzeit vermuten lässt. Wenn man Anreise, Checkin, Wartezeit, Gepäckannahme, etc. einrechnet, ist ein Flug eben auch doch gar nicht so schnell. Außerdem kann man bei Reisen mit Bus oder Bahn auch noch gut einen Zwischenstopp machen und sich auf dem Weg einen anderen Ort anschauen. <strong>Über Nacht</strong> zu fahren ist außerdem eine gute Option, die ich in Bussen in Lateinamerika schon häufiger genutzt habe, denn so kann man (hoffentlich) im Bus schlafen, kommt morgens an und spart sich eine Übernachtung.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Eine andere Möglichkeit, um Fliegen zu vermeiden, ist, das <strong>Ziel anzupassen</strong>. Bei einem zweiwöchigen Urlaub steht meiner Meinung nach zum Beispiel der Nutzen in keinem Verhältnis zu den Kosten für das Klima, insbesondere nicht bei Langstreckenflügen. Und in der Nähe oder zumindest auf dem gleichen Kontinent gibt es genug schöne Reiseziele, bei denen man auch viele Menschen aus aller Welt und andere Kulturen kennenlernen kann. Übrigens etwas, dass auch sehr gut im eigenen Land und in der eigenen Stadt geht. Man muss nicht unbedingt nach Lateinamerika reisen, um Lateinamerikaner*innen kennenzulernen. Im Alltag gehen diese Möglichkeiten schnell unter, doch man kann sich eben auch mal bewusst Zeit dafür nehmen, im eigenen Land zu reisen und im eigenen Land andere Kulturen kennenzulernen. In Deutschland gibt es große Communitys von Menschen aus verschiedensten Ländern, mit denen man in Kontakt kommen und deren Kultur man kennenlernen kann. Wenn dann Freundschaften entstehen, ist es auch deutlich einfacher, sich wiederzusehen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Bei einer langen Reise auf einem anderen Kontinent kann man sich außerdem überlegen, mehr Zeit an einem Ort zu verbringen, statt ganz viele Orte kurz zu sehen. Auf meiner Weltreise von ca. 14 Monaten habe ich mich zum Beispiel ganz bewusst für einen Kontinent entschieden, statt z.B. nach Südamerika noch Asien und Afrika zu machen. So hatte ich Zeit, mich viel intensiver in die Kultur der Länder einzudenken, an tollen Orten auch mal länger zu bleiben, die Menschen besser kennenzulernen, etc. Und ganz ehrlich, auch das war zu wenig Zeit für einen so großen Kontinent! Statt also von A nach B zu hetzen, was automatisch den CO2-Abdruck erhöht, kann man also gut auch lange an einem Ort bleiben und wird trotzdem eine wunderbare Zeit haben und alles wird man eh nie sehen können. Meiner Erfahrung nach verpasst man viele tolle Erfahrungen, wenn man schon nach zwei Tagen an einem Ort wieder abhaut. Damit meine ich gar nicht, dass man nicht auch mal einen Ort kurz besuchen kann, aber vlt bleibt man am nächsten wieder länger. Auch hier gilt vor allem, sich bewusst zu machen, welche Auswirkungen jeweils eine Reise hat und das in die Überlegungen auch einzubeziehen und zu berücksichtigen. Zumal je mehr man reist, desto mehr Zeit verbringt man auch im Bus oder anderen Transportmitteln, was immer auch Zeit ist, die man nicht am Ort verbringt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong><strong>(Boot-)Hitchhiking</strong></strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Auf dieser Reise habe ich außerdem noch eine Alternative für die <strong>Überquerung von Ozeanen</strong> ausprobiert: <strong>Segelboote</strong>. Von Spanien aus bin ich auf mehreren Segelbooten über die Kanarischen Inseln und Kap Verde ich bis in die Karibik getrampt. Auch wenn Segelboote kaum Sprit bei der Fahrt verbrauchen, haben sie natürlich auch nicht unerhebliche <strong>Produktionskosten</strong>. Doch wer auf Booten mitfährt, die eh eine Reise über den Atlantik (oder auf einer anderen Route) unternehmen, produziert nahezu keinen extra CO2-Ausstoß. Wenn ihr mehr über meine Route über den Atlantik lesen wollt, findet ihr im Blog mehrere Beiträge. Hier das <strong><a href="https://pinchekai.com/?p=945">Tagebuch von der Atlantik-Überquerung</a></strong>.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Wer also länger Zeit zum Reisen hat (die braucht man fürs Segeln leider) und sich auf dem Meer einigermaßen wohlfühlt, hat so eine gute, klimaschonende Alternative und ich verspreche euch, ihr werdet<strong> wundervolle Orte</strong> sehen, vor allem auf Inseln, an die ihr sonst nie gekommen wärt!</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p><strong>Trampen</strong> ist übrigens natürlich auch an Land sehr klimafreundlich. Viel zu viele Autos fahren mit einer oder wenigen Personen durch die Gegend, da gibt es noch ein großes <strong>Potenzial zur Optimierung</strong>. Insbesondere von Deutschland bin ich die meiste Zeit getrampt, doch auch in Lateinamerika (meistens kürzere Strecken) und habe <a href="https://pinchekai.com/?s=europa&amp;lang=de">in diesem Artikel</a> einige Tipps für euch gesammelt.<br>Trampen ist nicht nur klimafreundlich, sondern auch eine tolle Art zu Reisen, da man so ganz unterschiedliche Menschen kennenlernt und viel mehr <strong>mit Locals in Kontakt</strong> kommt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Andersrum kann, wer einen <strong>Mietwagen</strong> nimmt, natürlich auch gut Menschen mitnehmen. Wobei bei einem Mietwagen natürlich auch immer die Frage, ob der nötig ist oder man nicht auch mit Zug, Bus und Trampen gut ans Ziel kommt. Ich persönlich mag es sehr gerne, die gleichen Transportmittel zu nutzen, wie die Locals und so auch mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Und wenn du auf keinen Fall auf einen Mietwagen verzichten möchtest, kannst du ja überlegen, diesen nur für einen Teil der Reise zu nutzen. Ohne Mietwagen ist dabei in den meisten Fällen wie im echten Leben ohne Auto: <strong>deutlich günstiger!</strong><br>Das gleiche gilt für <strong>Taxi</strong> oder <strong>Uber</strong>, auch hier ist die Frage, in welchen Situationen es nötig ist, sich durch die Gegend fahren zu lassen. Taxi ist meistens schneller, Bus dafür günstiger und insbesondere in den Städten sind diese meistens gut ausgebaut. Dabei noch der Hinweis, dass in Lateinamerika häufig von Taxis abgeraten wird, da es in diesen immer mal wieder zu Überfällen kommt. Uber und andere Apps sind eine gute Alternative, denn hier sind die Fahrer sicher registriert. Wenn das Taxi aber offiziell ist (und du dir da sicher bist), geht natürlich auch ein Taxi. Natürlich kommt es auch sehr darauf an, wo du bist. Ich habe gerade auf dem Land immer mal wieder inoffizielle Taxis oder Motorräder genutzt und mich dabei nie unsicher gefühlt. Und bei der Benutzung des Taxis geht nicht ein Teil des Geldes an den Konzern Uber.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Essen &amp; Getränke</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Bei Essen und Getränken kann man insbesondere gut <strong>Transportkosten</strong> und <strong>Plastikaufkommen</strong> <strong>reduzieren</strong>.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ich gebe zu, dass ich ab und zu ein europäisches Produkt wie Pesto oder italienische Nudeln zu schätzen weiß. Doch meistens versuche ich, <strong>lokale Produkte</strong> zu konsumieren und das geht zum Beispiel in Lateinamerika sehr gut, da es sehr viel frisches, regionales Obst und Gemüse gibt, das super lecker ist. Und so wie es in Deutschland nicht nötig ist, ständig Avocados zu kaufen, brauche ich auf Reisen nicht jede Woche deutsche Produkte.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Eine weitere große Umweltbelastung, gerade bei Essen und Getränken, ist <strong>Plastik</strong> – sowohl in der <strong>Produktion</strong> als auch der <strong>Entsorgung</strong>. Doch gerade hier gibt es einige einfache Dinge, die den Plastik-Verbrauch stark reduzieren können:</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Eine <strong>Trinkflasche</strong> dabei zu haben, ist ein absolutes Muss, auch um hydriert zu bleiben, wenn man gerade nirgends etwas kaufen kann. Außerdem kann man die Flasche gut mit frischem Wasser auffüllen statt jedes Mal eine neue Flasche zu kaufen. Wichtig ist natürlich, vorher zu fragen, ob das Leitungswasser trinkbar ist. Ansonsten haben aber viele Haushalte einen Filter oder einen großen Wasserbehälter, aus dem man gegen kleines Geld (meistens umsonst) Wasser bekommt. Ein weiteres praktisches Gadget ist ein eigener kleiner <strong>Wasserfilter</strong>, so kann man überall Wasser abfüllen. Auch <strong>Säfte auf der Straße</strong> kann man sich gut in die eigene Flasche abfüllen lassen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Fürs Essen sind für mich <strong>drei Gegenstände</strong> unverzichtbar: eine <strong>Brotdose</strong>, ein <strong>Löffel</strong> und ein <strong>Taschenmesser</strong>. Damit ausgestattet kann man sich vieles selber zubereiten und ohne Plastik verzehren: zum Beispiel Brot mit Avocado. Außerdem könnt ihr euch Streetfood in die Brotdose geben lassen und dieses mit dem eigenen Löffel essen, sodass ihr das viele Plastik, das dort schnell entsteht, vermeidet. Die Brotdose ist zudem praktisch, wenn ihr im Restaurant mal nicht alles aufbekommt, um dann die Reste einstecken zu können.<br>Auch sehr praktisch, aber weniger aus Umweltgründen, sind eigene Gewürze, denn die gibt es leider lange nicht in jedem Hostel.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Praktisch für Einkäufe ist natürlich auch immer ein <strong>eigener Rucksack</strong>, um <strong>keine Plastiktüten</strong> nehmen zu müssen. Auch kleine <strong>Beutel</strong> für Obst und Gemüse sind auf Reisen genauso praktisch wie Zuhause. Und so wie man kaputte Dinge Zuhause nicht direkt aufgeben sollte, sondern <strong>selber reparieren</strong> oder in ein <strong>Geschäft zum Reparieren</strong> bringen sollte, gilt das natürlich auch auf Reisen. Und in Lateinamerika ist diese Kultur noch viel verbreiteter. In jeder größeren Stadt gibt es haufenweise Handyreparaturläden, Schuster*innen, Näher*innen etc. Ein kleines <strong>Nähset</strong> dabei zu haben ist übrigens auch sehr praktisch.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Hier noch ein kleiner <strong>(Not So Fun)-Fact</strong> am Rande: Es entsteht schnell der Eindruck, dass lateinamerikanische Länder und Menschen besonders verschwenderisch sind, was Plastik angeht, weil es durch das viele Streetfood sichtbarer ist. Doch tatsächlich produzieren z.B. westliche Länder viel mehr Plastikmüll pro Kopf. Bei uns ist das Plastik nur einfach nicht so sichtbar, doch häufig werden z.B. Kleidungsstücke extra in Plastik eingepackt und auch bei Lebensmitteln ist in Europa fast alles in Plastik verpackt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Unterkunft</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Die Unterkunft ist beim Reisen einer der Haupt-CO2-Verursacher, denn ein Hotel oder Hostel wird extra für Reisende gebaut und hat häufig auch einen enormen Stromverbrauch. Hier gibt es viele Möglichkeiten, den Ausstoß zu verringern. Grundsätzlich gilt, je <strong>weniger Fläche pro Person</strong> gebraucht wird, desto besser. Ein Schlafsaal mit Hochbetten ist offensichtlich platzsparender als ein Privatzimmer. Aber auch ein kleines Zimmer deutlich besser als eine riesige Suite. Hostels sind auch ein guter Ort, um andere Reisende kennenzulernen, sich gegenseitig nachhaltige Tipps zu geben und evtl. gemeinsam zu reisen, was auch häufig Emissionen einsparen kann. Auch Trampen kann für einige eine Option sein, wenn man zusammen unterwegs ist, denn insbesondere nicht alle alleinereisenden Frauen fühlen sich dabei alleine wohl.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Und es gibt noch zwei fast klimaneutrale Optionen für Unterkünfte, die ich auf dieser Reise viel ausprobiert habe: <strong>Campen</strong> und <strong>Couchsurf</strong><strong>ing</strong>.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Beim Campen mit eigenem Zelt oder wie bei mir mit eigener Hängematte, braucht es kein aufwändig errichtetes Gebäude, höchstens Sanitäranlagen auf einem Campingplatz. Doch die meiste Zeit, insbesondere während des Boot-Trampens, haben wir mit einigen Freund*innen wildgecampt und dann gibt es gar keine Infrastruktur, die extra für uns und andere Reisende errichtet wurde. Ein weiterer Vorteil vom Campen ist, dass man nah an der Natur ist. Ich fand es fantastisch, am Strand vom Meeresrauschen geweckt zu werden oder mitten im Dschungel vom Geräusch der Grillen und Vögel.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Was selbstverständlich sein sollte, sei hier trotzdem erwähnt: Nach dem Campen sollte man aufräumen und den eigenen Müll wieder mitnehmen. Vlt könnt ihr das aber sogar noch erweitern und anderen Müll einsammeln, ganz nach dem Motto: „Den Platz sauberer verlassen, als man ihn vorgefunden hat.“</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Couchsurfing</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Doch noch viel besser gefallen hat mir <strong>Couchsurfing</strong>. Die Idee vom Couchsurfing ist erstmal ziemlich einfach und losgelöst von der App: statt in einem Hotel zu übernachten, kommt man im privaten Haus von jemandem unter, allerdings nicht wie bei AirBnB gegen Geld, sondern für einen nicht-materiellen Austausch. AirBnB kann natürlich in einigen Fällen auch nachhaltig sein, doch in den meisten Fällen sind das Wohnungen, die extra dafür gebaut, gekauft oder gemietet werden und die sonst von jemand anderem dauerhaft bewohnt werden könnten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Beim Couchsurfing kommt es nicht darauf an, ob man die Person kennt oder nicht, das Prinzip ist das „Surfen“, also Übernachten, auf einer Couch im privaten Haus. Die Couch ist in vielen Fällen auch ein Bett oder eine Luftmatratze.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Vor allem in Mexiko, aber auch in vielen anderen Ländern, habe ich Freund*innen besucht und bei ihnen übernachten können – die vermutlich schönste Form des Couchsurfings: man kennt die Gastgeber*innen schon, hat ein <strong>tolles Wiedersehen</strong>, <strong>keine Übernachtungskosten</strong>, l<strong>okale Guides</strong> und ist eben <strong>nachhaltiger als im Hostel</strong>.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Doch natürlich haben wir nicht alle an jedem Ort Bekannte, die wir besuchen können. Und dafür gibt es die App Couchsurfing und übrigens viele sehr ähnliche Apps.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Die Idee ist simpel: wer möchte, kann bei Couchsurfing sein Zuhause für Fremde zur Verfügung stellen. Diese können eine*n dann kontaktieren und einen Aufenthalt anfragen. Über <strong>Referenzen</strong> kann man sehen, welche Erfahrungen andere mit dieser Person hatten. Wenn alles passt, wird die Anfrage angenommen. Der Gast hat eine kostenlose Übernachtung, lernt eine*n Local kennen und kriegt super Tipps für vor Ort. Der*die Gastgeber*in lernt einen Menschen aus einer anderen Stadt oder einem anderen Land kennen, wird vlt auf ein Bier eingeladen oder bekocht und kann bei der nächsten Reise selber couchsurfen. Für mich eine <strong>Win-Win-Situation</strong> und ich habe bisher mit über 30 Couchsurfer*innen, die ich kennengelernt habe, nur gute Erfahrungen gemacht! Tatsächlich freue ich mich jetzt schon riesig darauf, Menschen in Köln in meinem Zimmer zu beheimaten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Übrigens habe ich nicht bei allen übernachtet, die ich kennengelernt habe. Es gibt in der Couchsurfing-App auch die Möglichkeit, sich einfach so mit Reisenden zu connecten oder Events einzustellen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Einen kleinen Nachteil gibt es bei Couchsurfing: seit Kurzem wird ein <strong>Jahresbeitrag</strong> von ca. 14 Dollar erhoben. Doch rein finanziell ist das nach spätestens zwei Übernachtungen wieder drin und all die tollen Erfahrungen, die ich durch Couchsurfing gemacht habe, sind ohnehin unbezahlbar. Wer sich das aber nicht leisten kann, kann auf einige Alternativen zurückgreifen: <a href="https://www.backpacker-reise.de/kostenlos-uebernachten-8-couchsurfing-alternativen/">Siehe Backpacker-Reise.de</a></p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p><strong>Zusammenfassend</strong> möchte ich mit diesem Artikel dazu anregen, sich intensiv mit den <strong>Auswirkungen von Reisen aufs Klima </strong>auseinanderzusetzen und diese Gedanken auch konkret in die Tat umzusetzen. Dabei geht es nicht darum, auf das zu verzichten, was einem Spaß macht, sondern im Rahmen der eigenen Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass Reisen nachhaltiger wird und auch noch möglichst viele <strong>zukünftige Generationen</strong> einen wundervollen Planeten entdecken können.<br>Der größte Hebel ist dabei zweifelsohne das Fliegen, das man durch <strong>alternative Transportmittel </strong>(Zug, Bus, Auto, Trampen) oder durch <strong>Anpassen der Reiseroute</strong> vermeiden bzw. verringern kann. Doch auch durch das <strong>Verzichten auf Mietwagen und Taxi</strong> zugunsten von Bus und Bahn, kann man viel CO2-Ausstoß reduzieren.<br>Bei Lebensmitteln ist der Clou, möglichst viel <strong>lokal</strong> zu <strong>kaufen</strong> und zu konsumieren und für die Plastikvermeidung immer <strong>Brotdose</strong>, <strong>Löffel</strong>, <strong>Messer</strong> und <strong>Trinkflasche</strong> dabei zu haben. Außerdem einen kleinen <strong>Rucksack</strong> und <strong>Obstbeutel</strong> zum Einkaufen und ein <strong>Nähset</strong> zum Reparieren.<br>Bei der Unterkunft kann man gut darauf achten, platzsparend zu wohnen und statt in eine große Hotelanlage in eine kleine Unterkunft zu gehen. Wenn man mit Einheimischen in Kontakt kommen möchte, ist <strong>Couchsurfing</strong> eine noch sparsamere Alternative und wenn man gerne in der Natur ist, sollte man über <strong>Campen</strong> nachdenken.<br>Auch hier gilt, dass man nicht die ganze Zeit Campen oder bei Couchsurfern übernachten muss, sondern das zum Beispiel mit Hostels abwechseln kann.</p>
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<p>Ich bin gespannt auf eure Rückmeldungen und freue mich über Kommentare unter dem Beitrag oder persönliche Rückmeldungen.</p>
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		<title>Geschichte und Politik Zentralamerikas: zwischen Diktaturen und amerikanischer Einflussnahme &#8211; der Kampf um die Identität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Sep 2023 21:33:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zentralamerika]]></category>
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<p>Wie bereits in meinem Artikel über unsere Highlights in Zentralamerika angekündigt, möchte ich mich in diesem Artikel ausschließlich mit der Geschichte und Politik Zentralamerikas beschäftigen.</p>
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<p>Mir ist bewusst, dass jedes Land in Zentralamerika eine eigene, erzählenswerte Geschichte hat und es viel mehr interessantes gibt, als ich in diesem Artikel für euch zusammengesammelt habe, und als ich in den jeweiligen Ländern war, habe ich mich auch noch mehr im Detail damit auseinandergesetzt.<br>Doch zum Einen glaube ich, dass es ein bisschen zu viel wäre, wenn ich von jedem dieser Länder einen einzelnen Abriss schreiben würde (ganz ehrlich, das würde doch keiner von euch alles lesen) und zum Anderen gibt es viele Parallelen und Gemeinsamkeiten in den Geschichten und heutigen Realitäten dieser Länder. Denn indigene Völker kannten ebenso wenig die heutigen Grenzen wie die Spanier*innen diese respektierten.<br>Genau diese Parallelen und Gemeinsamkeiten raus zustellen, das hat mir in der Zeit in Zentralamerika Spaß gemacht und vor allem auch geholfen, das viele Gelernte besser einzuordnen und zu behalten. Der Unabhängigkeitstag 15. September 1821 hat sich zum Beispiel eingebrannt, weil ihn sich die meisten zentralamerikanischen Ländern teilen.<br>Doch was meine ich eigentlich mit Zentralamerika? Guatemala, Belize, Honduras, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica und Panama. Ich möchte hier in diesem Fall Mexiko zumindest für die Geschichte miteinbeziehen, wenn auch in der Regel nur der Süden Mexikos zu Zentralamerika gezählt wird, da das Land und seine Geschichte eng mit den restlichen Ländern verwoben ist.<br>Die Karibik lasse ich hier bewusst außen vor, nicht weil ich sie nicht als Teil Zentralamerikas sehe, sondern weil ich nur auf einem Bruchteil der Karibik-Inseln war und die Geschichte der Dom Rep und Kubas schon einzeln beleuchtet habe. Und auch Panama und Belize werden nur am Rande auftauchen, da Panama lange Zeit zu Kolumbien gehörte und Belize überhaupt erst seit 40 Jahren ein eigenständiges Land ist, dazu später mehr.<br>Der Artikel stellt die leider vielfältigen Probleme in lateinamerikanischer Politik heraus, die auch heute noch vorherrschen, das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das allesamt spannende Länder, in denen man sich mit etwas Vorsicht sicher bewegen kann. Die Menschen in Zentralamerika, die ich getroffen habe, waren unfassbar freundlich, lebensfroh, hilfsbereit und wunderbar.<br>Wenn ich oben von Parallelen schreibe, dann möchte ich diese zuerst in der (Kolonial-)Geschichte herausarbeiten und dann in der Politik seit der Unabhängigkeit.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>(Kolonial-)Geschichte</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Wenn man in Geschichtsmuseen in Zentralamerika geht, dann bekommt man oft den Eindruck, dass die Geschichte Zentralamerikas mit der Kolonialisation beginnt, denn genau das ist das erste was in den Museen häufig (es gibt Ausnahmen) erwähnt wird. Die vielen Jahrtausende zuvor werden genauso verschwiegen wie die Gräueltaten der Spanier*innen und das viele Leid, das die Indigenen und eingeschleppte Sklaven aus Afrika aushalten mussten. Offensichtlich beginnt die Geschichte von Menschen, Zivilisationen und Städten in Zentralamerika schon viel eher und heute wissen wir, dass vieles was die Spanier*innen über die Indigenen erzählten, nicht der Wahrheit entsprach. Zum Beispiel wurden die indigenen Völker als viel barbarischer und weniger zivilisiert dargestellt, als sie es eigentlich waren, um damit die Unterdrückung und Ausbeutung zu rechtfertigen.<br>Ein gutes Beispiel für die hochzivilisierten Völker Zentralamerikas sind zweifelsohne die Maya, von denen heute noch ca. 6 Millionen in Südmexiko, Belize, Guatemala, El Salvador und Honduras leben. Sie bauten beeindruckende Tempel, entwickelten eine eigene komplexe Sprache und einen extrem genauen Kalender. In der Mathematik waren sie genauso begabt wie in Kunsthandwerk und Landwirtschaft. Wer weiß ob wir ohne die Maya heute Maisanbau oder Schokolade hätten? Und wer weiß wie weit wir heute in der Wissenschaft wären, wenn nicht vieles von dem beeindruckenden Wissen der Maya verloren gegangen wäre. Daran hatten die Spanier*innen übrigens zwar Anteil, aber die großen Hochkulturen und Städte der Maya gingen schon unter bevor die Spanier*innen jeden Steine und jede Arbeitskraft in Amerika für sich beanspruchten.<br>Es bleibt ein noch nicht komplett entziffertes Rätsel warum die Maya-Reiche untergingen, doch es verfestigt sich immer mehr eine Vermutung: der Raubbau an der Natur wurde den Maya zum Verhängnis. Für ihre immer größer werdenden Städte brauchten sie viele Rohstoffe. Starke Dürreperioden und andere Umweltereignisse führten dann zu Hungerkrisen und dem Sturz der Maya-Herrscher. Weil diese aber ihr Wissen nicht mit dem Volk geteilt hatten, um sich ihre Position als allwissende Gottheiten zu bewahren, ging viel davon verloren.<br>Doch vor, neben und nach den Maya gab und gibt es noch viele weitere indigene Völker, die aufzuzählen und näher zu betrachten, mit Sicherheit den Rahme sprengen würde, unter ihnen zum Beispiel die Olmeken, Tolteken, Azteken, Nahua und Kariben. Außerdem entstanden über die Jahrtausende einige Mischvölker, von denen heute vielleicht die Garifuna die bekanntesten sind, die aus den Kariben und westafrikanischen Sklaven entstanden und heute vor allem die Karibikküste von Zentralamerika bewohnen. Die ersten Siedler*innen erreichten Zentralamerika vor mindestens 10.000 Jahren. Vermutet wird, dass diese über Nordamerika einwanderten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Und auch wenn die zentralamerikanischen Völker teilweise untereinander immer wieder im Krieg waren, steht dies doch in keinem Verhältnis zu dem Leid, das die Spanier*innen brachten, und das all diese Völker traf, wenn auch unterschiedlich stark.<br>Bei Ankunft der Spanier*innen waren manche von ihnen in großen Zivilisationen organisiert und andere wie z.B. in Nicaragua eher durch viele eigenständige Stämme (mit einem Caciquen als Oberhaupt) charakterisiert. Sie alle hatten gemeinsam, dass sie die Ankunft der Spanier*innen und die daraus resultierenden Folgen nicht einschätzen konnten. Manche verhielten sich den Neuankömmlingen gegenüber direkt feindselig, andere freundeten sich mit diesen an, um dann später hintergangen und unterdrückt zu werden.<br>Wie schon in den Artikeln zur Dom Rep und Kuba ausgeführt, wurden die Völker zu großen Teilen ermordet, versklavt oder ausgebeutet. Viele fielen eingeschleppten Krankheiten zum Opfer und Spanien versuchte erbarmungslos, möglichst viel an Rohstoffen, Gold, etc. aus den Kolonien auszupressen.<br>In wenigen Jahrzehnten eroberten die Spanier Zentralamerika sowohl von Panama im Süden als auch von Mexiko im Norden aus. Das Vizekönigreich Neuspanien wird gegründet und bis auf Panama gehören die Gebiete aller heutigen zentralamerikanischen Staaten zu Neuspanien, während Panama zum Vize-Königreich Peru gehört (und später lange zu Kolumbien), weswegen wir Panama hier etwas ausklammern.<br>Das Vizekönigreich Neuspanien wurde in 4 Verwaltungsbezirke (Real Audiencias) aufgeteilt: Santo Domingo (ab 1511), Mexiko (1527), Guatemala (1543) und Neu-Galicien (1548, auch Guadalajara genannt). Während Santo Domingo zu Beginn für alle eroberten Gebiete zuständig war, änderte sich das mit der Gründung der weiteren Real Audiencias, sodass schließlich Santo Domingo zuständig für die Karibik war. Das Verwaltungsgebiet Mexiko entspricht dem heutigen Zentral-Mexiko, Nord-Mexiko und mehrere heutige US-Bundesstaaten unterstanden Neu-Galicien. Dem Verwaltungsbezirk Guatemala unterstanden die heutigen Guatemala, Belize, Honduras, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica, sowie der südmexikanische Staat Chiapas.<br>Die Verwaltungsbezirke sind deshalb wichtig, weil genau daraus zunächst die neuen Staaten entstanden:<br>Als erstes Land in Lateinamerika erlangte 1804 Haiti seine Unabhängigkeit. Ein entscheidender Einfluss auf die Unabhängigkeitskriege war die Französische Revolution 1789. Als von 1808 – 1814 Spanien aufgrund der Napoleonischen Kriege de facto von seinen Kolonien abgeschnitten war, weil alle Kräfte in Europa gebraucht wurden, bekamen die Unabhängigkeitsbewegungen den entscheidenden Schub.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In Zentralamerika waren es die Real-Audiencia Mexiko und Neu-Galizien die als erste ihre Unabhängigkeit ausriefen als gemeinsamer Staat Mexiko. Als im September 1810 die spanische Verwaltung der Unabhängigkeitsbewegung um Miguel Hidalgo auf die Schliche kam, sah dieser sich genötigt, in der Nacht vom 15. auf den 16. September 1810 die Unabhängigkeit Mexikos auszurufen, im kleinen Örtchen Dolores in den Bergen. Bis heute feiern die Mexikaner*innen am 15. und 16. September mit dem Grito (Schrei) den Beginn ihrer Unabhängigkeit. Bis sie diese erlangten, sollten allerdings viele Jahre ins Land streichen. Mit Hidalgos Grito begann ein blutiger Unabhängigkeitskrieg, der neben Hidalgo auch die Anführer Ignacio Allende und Juan Aldama und Tausende Aufständische das Leben. Der Unabhängigkeitskrieg endete erst im August 1821.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Die hart erkämpfte und teuer (mit Geld und vor allem Menschenleben) erkaufte Unabhängigkeit Mexikos, war allerdings nicht nur für Mexiko erkämpft. Denn vom Erfolg Mexikos angetrieben, strebte auch die Real-Audiencia Guatemala 1821 seine Unabhängigkeit an, der die Spanier dieses Mal ohne Blutvergießen zustimmten. Am 15. September 1821 (gut zu merken, wegen des Gritos in Mexiko) verkündete die Zentralamerikanische Föderation ihre Unabhängigkeit. Dies ist also der Unabhängigkeitstag von Guatemala, El Salvador, Honduras, Costa Rica und Nicaragua.<br>Allein Belize blieb bis 1981! Kolonie von England, das erst 1798 in einer Schlacht die Spanier endgültig vertrieben hatten und das Land für sich beanspruchten. Belize wurde übrigens auch im September unabhängig, aber eben erst 1981.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Die Zentralamerikanische Föderation schloss sich nach der Unabhängikeit von Spanien dem neugegründeten Staat Mexiko von Agustin Iturbide an. Doch schnell wurden ihnen klar, dass die Nachteile dieses Zusammenschlusses überwiegten und schon 1823 nach dem Sturz von Iturbide trennte man sich wieder von Mexiko (auch dies ohne Blutvergießen). Nur Chiapas verblieb als neuer Bundesstaat bei Mexiko.<br>In der Zentralamerikanischen Föderation entstanden schnell zwei Lager, die sich auch in vielen anderen lateinamerikanischen Ländern bildeten: Liberale und Konservative. Während die Konservativen naturgemäß wenig am politischen System rütteln wollten, strebten die Liberalen umgehende Reformen wie die Trennung von Staat und Kirche und Gewaltenteilung.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In den Folgejahren entwickelten sich im sehr föderal aufgebauten Staat innere Machtkämpfe und Bürgerkriege, sodass die Zentralamerikanische Föderation zwischen 1838 und 1841 zerfiel und sich die heutigen Staaten Nicaragua (1838), Honduras (1838), Costa Rica (1838), Guatemala (1839) und El Salvador (1841) gründeten. Bis heute teilen sie sich den Unabhängigkeitstag und die Farben Blau &amp; Weiß in ihren Flaggen. Nur Costa Rica ergänzte in seiner Flagge noch rot, sodass die Flaggen Zentralamerikas schwer auseinanderzuhalten sind. Heute organisieren sie sich übrigens wieder als Zentralamerikanische Integrationssystem (SICA) gemeinsam, wenn auch natürlich als unabhängige Staaten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Politik nach der Unabhängigkeit</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Die Lager, die schon in der Zentralamerikanischen Föderation entstanden, nämlich Liberale und Konservative, prägten auch die Politik nach der Unabhängigkeit. In den verschiedenen Ländern entwickelten sich unterschiedliche Parteien, doch ihre Ideen waren orientiert an den konservativen, bzw. liberalen Ideen und in vielen Ländern prägte diese Dualität bis tief ins 20. Jahrhundert das politische System, wie z.B. in Honduras oder Nicaragua. Die allermeisten politischen Konflikte in Zentralamerika nach 1821 lassen sich auf den Clinch zwischen Konservativen und Liberalen zurückführen.<br>Doch was war der Clinch genau? Im Endeffekt ging es um die Ausgestaltung der politischen Realität der neugegründeten Staaten und da konnten die Meinungen der beiden Lager kaum weiter auseinandergehen: Die Konservativen auf der einen Seite befürworteten es, die Macht in der Hand einiger weniger (Elite) zu belassen und dieser möglichst zentralisierten Elite den Zugriff auf alle Gewalten zuzugestehen. Die Privilegien von Kirche, Militär und Grundbesitzern sollten unangetastet bleiben und keine andere Religion neben Katholizismus zugelassen sein.<br>Die Liberalen setzten sich dagegen für eine klare Gewaltenteilung und die Trennung von Staat und Kirche ein. Religionsfreiheit gehörte für sie ebenso zum Programm wie freie Meinungsäußerung, Zivilehe und kostenlose, staatliche Bildung. Sie wollten außerdem die Föderalisierung vorantreiben.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Interessanterweise etablierten sich viele liberale Ideen im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts, während Konservative deutlich mehr regierten. Doch wie kommt das?<br>Das zeigt in meinen Augen zum Einen, dass viele liberale Ideen von der Bevölkerung getragen wurden und sich die konservativen Regierungen diesen beugen mussten, um an der Macht zu bleiben. Doch warum wurden dann nicht Liberale gewählt, von denen diese Ideen kamen? Die Hintergründe dafür gehen deutlich weiter und haben vor allem mit der Nähe der Konservativen zur mächtigen Elite zu tun. So kam den Konservativen der Einfluss der Elite zu Gute, um an der Macht zu bleiben. Finanzierte Wahlkampagnen, Stimmenkauf bis hin zu Fake-Wahlen waren in quasi allen Ländern Zentralamerikas Gang und Gäbe. Und wenn das nicht reichte, konnten auch mal Gewalt oder Diktatur der letzte Ausweg sein. Politisch motivierte Morde fanden meistens gegen liberale Politiker statt.<br>Und häufig mischten sich auch die USA ein, die bei liberalen Regierungen schnell Angst hatten, dass diese in den Sozialismus „abrutschen“ würden. Wie bspw. 1954 in Guatemala wo sie nach 10 Jahren der demokratischen und liberalen Reformen halfen, den Präsidenten Arbenz zu stürzen und Diktator Carlos Castillo Armas installierten.<br>Während die Konservativen vor allem Beziehungen zur kommerziellen Elite, Grundbesitzer*innen und anderen Reichen pflegten, waren die Liberalen von der Idee eher nah an den „normalen“ Bürger*innen. Doch das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die liberalen Teil der Elite waren und ihre Macht auch häufig dazu nutzten, ihre Besitze zu vermehren. Korruption war schon damals eins der zentralen Probleme in der Politik und das ist es auch heute noch.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Manifestierung der Ungleichheit</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Die bestehenden Besitzverhältnisse aus der Kolonialzeit wurde also in der Regel von der politischen Elite verteidigt.<br>So befanden sich zum Beispiel in El Salvador um das Jahr 1900 90 % der Güter des Landes in den Händen von 0,01 % der Bevölkerung. Der Großteil der Bauern war landlos und lebte in äußerster Armut. In Nicaragua nutzte insbesondere die Sogamozo-Familie während ihrer langen Familien-Diktatur mehrere Katastrophen, um ihre Besitztümer zu vermehren – ein verbreitetes Muster in Zentralamerika. So organisierten sie den Wiederaufbau nach einem Erdbeben 1931 und einem Großbrand in Managua 1936 so, dass sie ihren Grundbesitz beträchtlich vermehren konnten. Nach einem weiteren starken Erdbeben 1972 sackten sie einen Großteil der Hilfsgelder ein und verkauften sogar geschenkte Hilfsgüter, um ihr Vermögen zu vergrößern. Noch heute sind Teile der Innenstadt und die Kathedrale nicht wieder aufgebaut, wozu ein Teil der Hilfsgelder bestimmt war.<br>Hinzu kommt, dass es zahlreiche Versuche gab, Maßnahmen zu verhindern, die die Ungleichheit reduzieren sollten. Als in El Salvador 1983 durch Artikel 105 das Landeigentum auf 245 ha beschränkt wurde, versuchten Teile der Großgrundbesitzer die Reform durch Todesschwadronen zu verhindern. Prominentestes Opfer war der Erzbischof Óscar Romero.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Es dauerte lange bis „normale“ Bürger*innen eine politisch erfolgreiche Laufbahn möglich war. Und was passieren konnte, wenn sie es versuchten, zeigt das Beispiel von Jorge Gaitan in Kolumbien, aber dazu bald mehr im Rahmen der Geschichte und Politik Kolumbiens. Noch heute haben Reiche in den zentralamerikanischen Ländern deutlich bessere Chancen ein hohes Amt zu belegen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Überhaupt dauerte es bis lange nach der Unabhängigkeit bis es in Zentralamerika zum ersten Mal demokratische Wahlen gab: in Guatemala z.B. 1944.<br>Das 19. und auch 20. Jahrhundert waren geprägt von Oligarchien (Herrschaft von Wenigen), Diktaturen und Militärputschen. Regierungswechsel waren Gang und Gäbe. Den Vogel schießt eindeutig Honduras ab: von 1821 bis 1876 wechselten sich 85 Regierungen ab, in den ersten 150 Jahren des Staates Honduras gab es 125 Militärputsche. Bis heute haftet insbesondere Honduras das Image als „Bananenrepublik“ an, dabei lief es in den meisten Nachbarländern nicht viel besser, nur waren die Regierungswechsel nicht ganz so häufig.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Diktatoren (häufig konservativ aber auch liberal)</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Diktaturen waren also neben Oligarchien die gängige Regierungsform in den instabilen Ländern Lateinamerikas. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Instabilität keineswegs ein Ausdruck von Unfähigkeit der Zentralamerikaner war. Vielmehr lässt sich das unmittelbar auf die lange Herrschaft Spaniens zurückführen, die auf dem Kontinent eine Verwüstung gerade auch in politischer Hinsicht hinterließ. Über Jahrhunderte wurden die Menschen Zentralamerikas unterdrückt – ohne jegliche Möglichkeit der Selbstbestimmung. Und die Menschen, die schließlich die Unabhängigkeit erkämpften waren in der Regel ja gar keine Indigenen, denen das Land vor Ankunft der Spanier gehörte, sondern Nachkommen der Spanier oder hatten gemischte Vorfahren. Diese Situation machte es besonders schwer, eine gemeinsame nationale Identität zu entwickeln und bis heute drehen sich viele politische Kämpfe genau darum.<br>Die Vielzahl der Diktatoren macht es unmöglich bzw. langweilig, hier alle aufzuzählen, doch einige wenige seien hier kurz erwähnt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Der Konservative José Rafael Carrera y Turcios beispielsweise wurde in Guatemala kurz nach der Abspaltung von der Zentralamerikanischen Föderation populär, weil er sich erfolgreich gegen Konföderierte wehrte. 1944 wurde er im Alter von 30 Jahren Präsident von Guatemala und nutzte seine Popularität und engen Kontakte zum Militär, um seine Macht auszubauen. 1954 erklärte er sich selbst zum Präsident auf Lebenszeit in Guatemala und prägte damit wesentlich das Verständnis konservativer Machthaber in Zentralamerika. Generell lässt sich festhalten, dass die Eliten der zentralamerikanischen Ländern auch nach der Spaltung in Kontakt blieben und sich die verschiedenen politischen Prozesse stark gegenseitig beeinflussten. Die meisten politischen Konflikte der letzten beiden Jahrhunderte in Zentralamerika waren innerhalb der Staaten und kaum zwischen ihnen.<br>1865 gab Carrera das Präsidentenamt an Vicente Cerna ab, 6 Jahre später folgte ein Militärputsch durch Liberale und Justo Rufino Barrios kam an die Macht. Er trieb viele Reformen voran wie Presse- und Religionsfreiheit und die Verstaatlichung von Kirchenbesitz. Außerdem bekam Guatemala eine Verfassung. Doch eben auch die Liberalen hatten viele diktatorische Züge. Barrios träumte von der Wiedervereinigung der Zentralamerikanischen Föderation und nachdem Verhandlungen nicht vorangingen, erklärte er kurzum die Föderation für wiederhergestellt und sich selber zum Oberbefehlshaber. Weniger später starb er in kriegerischen Auseinandersetzungen mit El Salvador, die die selbst-erklärte Föderation nicht anerkannten.<br>Mit Jorge Ubico gab es in Guatemala einen weiteren liberalen Diktator. Ubico kam 1931 durch vermutlich gefälschte Wahlen an die Macht und entwickelte sich schnell zum Diktator, der Intellektuelle, Journalisten und Schriftsteller verfolgte, die seine Regierung kritisierten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In El Salvador ist insbesondere der Diktator Maximiliano Hernandez Martinez hervorzuheben, der als Verteidigungsminister 1930 einen Militärputsch nutzte, um an die Macht zu kommen. Hier zeigt sich wieder die enorme Macht, die das Militär und seine Verbündeten insbesondere im 19. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatten.<br>Auch in Costa Rica, das insgesamt eher ein positives Beispiel für eine stabile Demokratie in Zentralamerika ist, gab es einige gewaltvolle Phasen. Von 1917 bis 1919 gab es eine Militärdiktatur unter Federico Alberto Tinoco Granados, die von den USA nicht anerkannt, aber von der mächtigen United Fruit Company unterstützt wurde. Die enorme Macht der United Fruit Company und anderer Unternehmen wie Chiquita und ihre enorme Einflussnahme auf die Politik sind bei Zeiten einen eigenen Blogartikel wert.<br>Weitere „namhafte“ Diktatoren waren: <strong>Anastasio Somoza Debayle </strong><strong>und </strong><strong>d</strong><strong>er heutige Diktator Daniel Ortega</strong> in Nicaragua. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tiburcio_Car%C3%ADas_Andino">T</a>iburcio Carías Andino und Juan Manuel Gálvez in Honduras, die sich als Handlanger der United Fruit Company betätigten. Manuel Noriega, der Panama nach dem mysteriösen Tod Omar Torrijos 1981 mit der Hilfe des Militärs regierte.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Bürgerkriege</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In den letzten zwei Jahrhunderten gab es in Zentralamerika viele Bürgerkriege, die meisten entstanden aus dem Konflikt zwischen Liberalen und Konservativen, der hier nun schon mehrmals Thema war. Die Differenzen waren seit Beginn der Unabhängigkeit so groß, dass die unterlegene Partei häufig kein anderes Mittel sah, als zu den Waffen zu greifen, und andersrum die Regierungen oft zu den Waffen griffen und das Militär miteinbezogen, um die Gegenseite und die Bevölkerung unter Kontrolle zu halten. Auch bei den Bürgerkriegen sehe ich von einer vollständigen Übersicht ab und gebe nur einige Beispiele, die Motive und Verhaltensweisen der verschiedenen Parteien gut darstellen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In Nicaragua begann bereits 1856 ein erster Bürgerkrieg, bei dem die Liberalen den amerikanischen Abenteurer William Walker zu Hilfe riefen, der mit einer kleinen Privatarmee intervenierte und den Liberalen einen Vorteil verschaffte, doch zu einem hohen Preis: Walker strebte nicht nur die Macht in Nicaragua sondern in ganz Zentralamerika an. Nur die vereinten Kräfte der zentralamerikanischen Staaten konnte Walker stoppen, der später noch zwei weitere Eroberungsversuche unternahm und 1860 in Honduras hingerichtet wurde.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In Costa Rica gab es 1948 nach gewaltvollen Wahlen und Wahlbetrug einen sechswöchigen Bürgerkrieg mit etwa 2000 Toten. 1949 gab es einen Friedensvertrag und kurze Zeit später schaffte Costa Rica sein Militär ab.<br>In Guatemala begann 1960 ein blutiger Bürgerkrieg, der bis 1996 andauerte. Nach dem der liberale Präsident Jacobo Árbenz Guzmán 1954 von konservativen Kräften gewaltvoll gestürzt worden war, folgte eine konservative Militärdiktatur nach der nächsten, die alle liberalen Reformen (wie z.B. die teilweise Enteignung der United Fruit Company) rückgängig machten. Die unterdrückten Liberalen sahen 1960 keine andere Möglichkeit, als in den bewaffneten Widerstand zu gehen, der insbesondere von den indigenen Regionen des Landes ausging. Das Militär reagierte mit aller Härte und bombardierte einige Male seine eigene Bevölkerung. Es wurden paramilitärische Gruppen gegründet und insbesondere unter General Efraín Ríos Montt entwickelte sich die Bekämpfung der Aufständischen zum Genozid gegen insbesondere Indigene. Der Krieg kostete mindestens 200.000 Guatemalteken das Leben und machte über 1 Millionen zu Geflüchteten. Laut der Kommission für historische Aufklärung lassen sich für 93% der Toten Regierungstruppen und verbündete Paramilitärs verantwortlich machen, während den Guerilla-Bewegungen 3% zugeordnet werden.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Auch in El Salvador führten die starken Repressionen durch eine konservative Militärdiktatur 1980 zu einem Bürgerkrieg, der bis 1991 andauerte. Die bewaffneten Guerilla-Truppen schlossen sich unter dem Namen FMLN zusammen und kämpften gegen Regierung und Paramilitärs. 1 – 2 Millionen verließen El Salvador, viele von ihnen Richtung USA.<br>Von den mind. 75.000 Todesopfern werden 85 % Militär und regierungsfreundlichen Todesschwadronen zugeschrieben und lediglich 5% lassen sich auf die FMLN-Guerillas zurückführen. Der Bürgerkrieg endete 1992 mit dem Friedensvertrag von Chapultepec und die FMLN wurde zu einer Partei formiert, die 2009 und 2014 zwei Mal die Präsidentschaftswahlen in El Salvador gewinnen konnte.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Banden und Drogenmafia als Fortsetzung der Gewalt</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In den letzten Jahren fand die Gewalt der ideologischen Auseinandersetzungen ihre Fortsetzung in der Ausbreitung von den Banden (in einigen Ländern Maras genannt) und Drogenmafia. Wie in Mexiko, wo die Drogenkriminalität in den letzten 50 Jahren zum Hauptproblem wurde, entwickelten sich auch in Zentralamerika viele verfeindete Banden, die mit viel Gewalt um die Macht auf dem Drogenmarkt, aber auch gegen die Regierungen um die Macht kämpfen.<br>Insbesondere in El Salvador eskalierte diese Situation, sodass ich in diesem Fall El Salvador als Beispiel anführen möchte.<br>Nach dem Bürgerkrieg und Friedensabkommen von 1992 waren viele der ehemaligen Guerillas und Paramilitärs arbeitslos und schnell fanden sie das Drogengeschäft als Nische, in der ihre „Fähigkeiten“ und Vorgehensweisen hilfreich waren. Zu diesem Zeitpunkt waren in El Salvador mind. 1 Millionen Waffen im Umlauf. Hinzu kamen viele rückgeführte Salvadorianer*innen, die in den USA „gescheitert“ waren und so in ihrem Herkunftsland keine Heimat mehr vorfanden. Eben diese Heimat gaben ihnen die Maras, sodass die grausam agierenden Banden schnell Zustrom fanden. Aus einigen Berichten vor Ort habe ich gehört, dass Aufnahmerituale in die Maras häufig darin bestanden, dass das neue Mitglied in einem Kreis stand und von den Anwesenden verprügelt wurde. In anderen Banden musste man mindestens eine Person ermorden, um zur Bande zu gehören.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>So eskalierte die Gewalt in El Salvador bis sie 2015 ihren (statistischen) Höhepunkt fand, als die Mordrate in El Salvador auf über 100 Morde pro 100.000 Einwohner*innen stieg. Zwar nahm sie in den folgenden Jahren wieder etwas ab, aber die Lage blieb außer Kontrolle. Einige Salvadorianer*innen haben mir von der Zeit erzählt: Millionen von ihnen mussten Schutzgelder an die jeweilige Mara zahlen (es gab verschiedene Banden, die verschiedene Teile des Landes kontrollierten). Schutzgeld bedeutete hier aber weniger, dass die Maras einen vor anderen schützten, sondern eher, dass sie einen nicht umbrachten. Ein Taxifahrer erzählte mir zB, dass er 10 Dollar pro Woche zahlen musste, was für ihn ein Haufen Geld ist. Andere erzählten, dass es ausreichen konnte in einer anderen Stadt angetroffen zu werden, damit einen die Bande vor Ort umbrachte, weil man nicht von dort stammte.<br>2019 wurde Nayib Bukele in El Salvador zum Präsidenten gewählt. Er hatte im Wahlkampf einen rigorosen Kampf gegen die Bandenkriminaliät angekündigt. Er hatte der Bevölkerung aber verschwiegen, dass er bereits Abkommen mit den Maras hatte, dass er sie in Ruhe ließe, wenn sie sich unauffälliger und weniger mörderisch verhielten. Solche Abkommen hatten schon andere Präsidenten vor ihm versucht und auch Bukeles Versuch reduzierte die Gewalt nur eine Zeit lang. Nach einem sehr blutigen Wochenende mit über 80 Toten im März 2022 vollzog Bukele eine 180°-Wende und sagte den Maras den Krieg an. Er ließ das Parlament den Ausnahmezustand verhängen, den er erst beenden will, wenn alle Mitglideder der Maras im Gefängnis sind. Die Bedingungen in den Gefängnissen verschärfte er und ließ Tausende Menschen, die mit den Maras auch nur in Verbindung gebracht wurden, einbuchten. So erzählte man mir zum Beispiel, dass es reichte ein falsches Tattoo zu haben, das Erkennungsmerkmal einer Bande sei, um ohne Prozess ins Gefängnis gesteckt zu werden. Menschenrechtsorganisationen kritisieren Bukeles Vorgehen und schätzen, dass mind. 3000 unschuldige Menschen in Haft sitzen. Und die Bedingungen sind herabwürdigend. Bukele versprach mehrfach, dass die Bandenmitglieder in ihrem Leben „das Tagewslicht nicht mehr sehen“ werden und die Bilder, die er aus den Gefängnissen bei Social Media postete, gingen um die Welt. Relativ gesehen sitzen in keinem Land so viele Menschen im Gefängnis wie in El Salvador: 1086 pro 100.000 Einwohner*innen.</p>
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<p>Doch die Mordrate und Kriminalität gingen in El Salvador im letzten Jahr drastisch zurück! Die Schutzgelder durch die Banden fielen weg, Millionen Menschen fühlen sich wieder sicher und sehen, dass auch der Tourismus wieder Einzug in ihr Land hält. International wird das Vorgehen von Bukele stark diskutiert und es kommt zwangsläufig, die schwierige Frage auf, ob der Zweck die Mittel heiligt. Ich möchte mir hier keine persönliche Meinung erlauben, die Bevölkerung beantwortet die Frage allerdings ganz klar: Über 90% befürworten die Maßnahmen und untersützen Bukele. Seine Popularität ist so enorm, dass er sich immer stärker zum autoritären Herrscher entwickeln kann. Wie so viele zentralamerikanische Präsidenten vor ihm findet er Geschmack an der Macht und will versuchen, das Gesetz zu kippen, dass seine Wiederwahl im nächsten Jahr verhindert: In Zentralamerika ist traditionell die Wiederwahl von Präsidenten per Gesetz verboten, ein Umstand, den schon viele Machthaber nicht wahrhaben wollten. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich El Salvador in den nächsten Jahren entwickelt und wie die internationalen Reaktionen sind. Denn insbesondere die USA haben viele Interessen in El Salvador und haben sich historisch häufig in Zentralamerika eingemischt, wenn eine Entwicklung ihnen nicht gefiel. Die Entwicklungen des letzten Jahres dürften ihnen aber gefallen, da die Wirtschaft in El Salvador floriert (es gibt sehr viele US-amerikanische Unternehmen in El Salvador) und ein sichereres El Salvador ihnen evtl. ermöglicht mehr Salvadorianer abzuschieben.</p>
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<h2><strong>Einmischung der USA</strong></h2>
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<p>Nicht nur in El Salvador ist der Einfluss der USA enorm, sondern eigentlich überall in Zentralamerika gibt es viele US-amerikanische Firmen, wie z.B. Bergbauunternehmen, die sich in den letzten zwei Jahrhunderten seit der Unabhängigkeit stark breitgemacht haben, sodass in Honduras beispielsweise zu Teilen von einer kolonie-ähnlichen Abhängigkeit gesprochen wurde. Häufig wurden die nordamerikanischen Unternehmen durch großzügige Konzessionen angelockt und die US-Regierung sorgte dafür, dass die jeweiligen Machthaber von den Gewinnen der US-Konzerne profitierten oder aber anderweitige Unterstützung der USA bekamen.<br>So mischten sich die USA überall ein wo sie konnten und prägten den Verlauf der Geschichte in Zentralamerika entscheidend und zu ihren Gunsten mit.</p>
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<p>Dabei ließen sie sich keine Möglichkeit entgehen, auch militärisch in den Ländern einzugreifen, wenn dies international einigermaßen zu rechtfertigen war.<br>In Nicaragua retteten die US-Marines 1912 beispielsweise die konservative Regierung von Diaz vor den aufständischen Liberalen. Nur ein Jahr zuvor hatte Diaz Kredite in Millionenhöhe bei US-amerikanischen Banken aufgenommen und den USA zur Sicherheit die direkte Kontrolle über die Zoll-Einnahmen Nicaraguas gegeben. Die Marines blieben bis 1933 im Land und unterstützten die konservativen Regierungen gegen liberale Rebellen bis 1933 ein Friedensvertrag zwischen der Regierung und dem liberalen Anführer Augusto Cesar Sandino geschlossen wurde, der den Marines in den Jahren zuvor einige empfindliche Niederlagen verpasst hatte. Sandino und seine Leute legten die Waffen nieder, dafür verließen die USA Nicaragua (nicht ohne vorher die Nationalgarde auzubilden). Sandino und seine Generäle wurden kurze Zeit später hinterhältig ermordet und die Somoza-Familie (enge Vertraute) konnten ihre Familien-Diktatur errichten.<br>Erst 1979 wurde die Somoza-Herrschaft beendet und die liberale Bewegung „Frente Sandinista de Liberación Nacional“ (FSLN) kam an die Macht, die eine neue Verfassung schuf und deren sozialistisches Programm zunächst gut bei der Bevölkerung ankam. Doch das Eingreifen der USA ließ nicht lange warten, die spätestens seit der Truman-Doktrin im Kalten Krieg versuchten, jede auch nur sozialistisch scheinende Regierung zu stürzen, um den Einfluss Russlands einzuschränken. Mit illegalen Waffenverkäufen an den Iran erwirtschafteten die USA Geld, das sie unter Hand den sogenannten Contras in Nicaragua zukommen ließen, die gegen die sozialistische Regierung kämpfte – die sogenannte Iran-Contras-Affäre, an die sich die älteren Leser*innen hier vielleicht noch erinnern. Und der Plan ging auf, die geschaffene Instabilität (auch bedingt durch ein US-Embargo) sorgte dafür, dass die FSLN die Präsidentschaftswahlen 1990 verloren. Im Nachgang zur Iran-Contras-Affäre wurden übrigens die USA vom Internationalen Gerichtshof zu einer Geldstrafe von 2,4 Milliarden Dollar verurteilt, die die USA bis heute nicht gezahlt haben.</p>
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<p>Ein weiteres prominentes Beispiel für die Einmischung der USA ist die Mission PBSUCCESS in Guatemala. Der Sturz des oben erwähnten guatemaltekischen Präsidenten Arbenz, dessen liberale Reformen unter anderem US-Unternehmen zum Nachteil wurde, wurde wesentlich von den USA mit eingefädelt. Dafür stationierten sie Soldat*innen sowohl in Honduras als auch in Nicaragua , die ihr Territorium bereitwillig zur Verfügung stellten und unterstützten von dort aus den Militärputsch des späteren Diktators Carlos Castillo Armas. Mehrere unkenntlich gemachte Flugzeuge, die 1954 Guatemala-Stadt bombardierten, wurden im Nachhinein zweifelsfrei als US-Flugzeuge identifiziert. Auch die United Fruit Company hatte bei dem Krieg gegen die liberalen Reformen wohl ihre Finger im Spiel, da sie von diesen eingeschränkt wurden, doch im Nachhinein veröffentlichte Dokumente der CIA lassen den Einfluss der UFC doch eher gering erscheinen. Doch dazu beizeiten mehr in einem Blogartikel über die UFC, Chiquita und Co.</p>
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<p>Ein letztes von vielen weiteren Beispielen für die militärischen Interventionen der USA in Zentralamerika und daraus resultierenden wirtschaftlichen Interessen ist der Panama-Kanal. Als die USA Anfang des 20. Jahrhunderts den von Frankreich brachliegenden Bau des Kanals weiterführen wollten, stimmte Kolumbien, zu dem Panama damals gehörte, dem nicht zu. Die USA schickten kurzerhand ihr Militär nach Panama und unterstützten Panama in seiner Unabhängigkeit. Dabei sicherten sie sich gleich die gesamten Rechte und Gewinne am Kanal, die sie erst zum Jahr 2000! abgaben. Mehr dazu findest du in meinem <a href="https://pinchekai.com/?p=1584">Beitrag über Panama</a>.</p>
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<p>Kurzer Side Fact für die deutschen Leser*innen: 1878 gab es eine deutsche Militärintervention in Nicaragua nach einem Übergriff auf den deutschen Konsul in León, die sogenannte Eisenstuck<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenstuck-Aff%C3%A4re">&#8211;</a>Affäre. Dabei ging es allerdings nicht um wirtschaftliche Interessen oder langfristigen Einfluss in Zentralamerika, sondern um eine Familienfehde.</p>
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<h2><strong>Konflikte zwischen den Ländern und Zusammenschluss gegen Walker</strong></h2>
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<p>Die meisten (kriegerischen) Konflikte seit dem friedlichen Zerfall der zentralamerikanischen Föderation waren innerhalb der jeweiligen Staaten, doch es gibt auch einzelne Beispiele für Kriege zwischen den Staaten – meistens ging es um die Auslegung der Grenzen und Interessen im Grenzgebiet.</p>
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<p>1863 schloss sich Guatemala in einem Grenzkonflikt mit Costa Rica zusammen, nachdem es im Krieg mit El Salvador eine empfindliche Niederlage erlitten hatte. El Salvador holte sich Unterstützung von Nicaragua und Honduras, doch konnte das Einmarschieren von guatemaltekischen Truppen in der Hauptstadt San Salvador nicht verhindern. Guatemala verstärkte seine damalige Vormachtstellung in Zentralamerika, doch hielt San Salvador nur für kurze Zeit.</p>
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<p>Im Februar 1921 eskalierte ein Streit zwischen Costa Rica und Panama, in dem costa-ricanische Truppen den Ort Coto von Panama einnahmen, dessen Zugehörigkeit seit der Unabhängigkeit nicht geklärt war. Da Panama zu dem Zeitpunkt keine Armee besaß, wurden Polizist*innen eingesetzt, um die Invasoren zurückzudrängen. Nach einigen kleineren Kämpfen mit Todesopfern beendeten die USA den „Guerra de Coto“ genannten Krieg durch das Erscheinen des Schlachtschiffs USS Pennsylvania. Diese sogenannte Kanonenbootpolitik war vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts populär: durch das Auftreten von einem oder mehreren Kanonenbooten und damit einhergehenden Drohungen, demonstrierten überlegene Staaten wie die USA ihre Macht und in der Regel wurden Konflikte so beendet bevor die Kanonenboote tatsächlich zum Einsatz kamen. So beendete Deutschland übrigens auch die oben erwähnte „Eisenstruck-Affäre“. Costa Rica meldete in dem kurzen Coto-Krieg 31 tote Soldat*innen und ein ziviles Opfer, Panama meldete nur Verletzte.</p>
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<p>1969 kam es zum „100-Stunden-Krieg“ zwischen El Salvador und Honduras, dieses Mal kein Grenzkonflikt, sondern es ging um ca. 300.000 Kleinbauern, die aus El Salvador nach Honduras emigriert waren und der honduranischen Regierung mehr und mehr ein Dorn im Auge war. 1969 gab Honduras den Migranten 30 Tage Zeit zur Ausreise. El Salvador protestierte, vor allem auch weil das kleine Land deutlich dichter besiedelt ist als Honduras. Auf honduranischer Seite bildete sich die paramilitärische Terrorgruppe „Mancha Brava“, die vermehrt Jagd auf Salvadorianer machte. Nach einem WM-Qualifikationsspiel zwischen den beiden Ländern in Mexiko-Stadt kam es zu Ausschreitungen mit mehreren Todesopfern, in deren Folge der Krieg ausbrach, der auch „Fußballkrieg“ genannt wird. Die salvadorianischen Truppen drangen schnell weit nach Honduras vor. Doch die sich abzeichnende Niederlage von Honduras wurde durch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) verhindert, die in den Krieg eingriffen und El Salvador als Aggressor ausgemacht hatten. Das salvadorianische Militär wurde zum Rückzug gezwungen ohne dass ihre wichigste Forderung, die Einstellung der Verfolgung von Salvadorianern, erfüllt worden wäre. In den folgenden Jahren kehrten Zehntausende Salvadorianer in ihr Heimatland zurück.</p>
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<h2><strong>Unterdrückung und Tötung von Indigenen</strong></h2>
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<p>Nicht nur hatten die indigenen in Zentralamerika es schwer, da sie in der Kolonialzeit von den Spaniern beinahe ausgerottet wurden und ihre Identität (Städte, Tempel, Kulturstätten) zu Teilen zerstört wurde, auch nach der Unabhängigkeit von Spanien wurden die indigenen, die in der klaren Unterzahl waren, als solche Minderheit immer wieder unterdrückt und bekämpft. Der Ablauf war häufig ähnlich, wenngleich natürlich nicht identisch: die Landbevölkerung und insbesondere Indigenen wurden in der Politik kaum berücksichtigt (noch heute ist die Politik in Zentralamerika extrem Stadt-fokussiert). Als die Zustände unerträglich wurden, begehrten die Indigenen auf und ihre Aufstände wurden niedergeschlagen. Der Aufstand wurde dann im Nachhinein von Regierung und Militär instrumentalisiert, um die weitere Verfolgung und Ermordung von Indigenen zu rechtfertigen.<br>1881 zum Beispiel zwang in Nicaragua eine Agrarreform zur Privatisierung viele Indigene in die Zwangsarbeit, sodass sie sich mit einem Aufstand von Matagalpa aus wehrten, der von der konservativen Regierung brutal niedergeschlagen wurde.</p>
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<p>Unter dem oben erwähnten konservativen Diktator Maximiliano Hernandez Martinez gab es 1932 eine blutige Niederschlagung des Aufstandes der indigenen Pibil, was das Ende der indigenen Kulturen in El Salvador markierte! Die Pibil wurden durch das Militär ausgelöscht und es wurde berichtet, dass Menschen einzig und allein wegen Sprache oder Kleidung umgebracht wurden.<br>In Honduras war der Kampf gegen die Indigenen nicht so offen, doch insbesondere dem Bataillon 316 wurden während der konservativen Diktatur schwere Menschenrechtsverletzungen, Folter und Ermordung gegenüber Hunderten Honduranern vorgeworfen. Das Bataillon wurde unter anderem von der CIA ausgebildet.<br>Doch nicht nur konservative Kräfte unterdrückten die Indigenen. Die Sandinisten, die 1979 durch die Revolution in Nicaragua an die Macht kamen, etablierten Folter, Verschwindenlassen und Massenhinrichtungen an Miskito-Indigenen. Außerdem wurde ein allgemeines Zwangsarbeitssystem für die indigene Bevölkerung in Kraft gesetzt.</p>
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<h2><strong>Heutige Situation</strong></h2>
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<p>Zum Abschluss möchte ich noch kurz einen Überblick über die aktuelle politische Lage in Zentralamerika geben.<br>Nicht nur El Salvador driftet unter Nayib Bukele immer weiter Richtung Autokratie/Diktatur ab, sondern auch in Guatemala lässt sich in den letzten Wahlperioden eine solche Entwicklung hin zu rechtem Autoritarismus beobachten. Spannend wird zu sehen sein, wie sich Guatemala unter dem neuen, linken Präsidenten Bernardo Arévalo entwickelt. Arévalo hatte sich überraschend im August in der Stichwahl durchgesetzt, er ist der Sohn des bekannten Ex-Präsidenten Juan José Arévalo, der 1945 der erste demokratisch gewählte und liberale Präsident Guatemalas war. Gleichzeitig wurde von der Justiz vor kurzem seine Partei „Semilla“ suspendiert. Wenn dies bis zum Amtsantritt im Januar so bleibt, hat Arévalo keine Fraktion hinter sich. Hinter der Suspendierung wird die derzeit regierende, konservative, politische Elite vermutet, die als „Pakt der Korruption“ bekannt ist und einen Großteil der Justiz infiltriert hat.<br>Gleichzeitig zeigt sich in Guatemala stark die Tendenz in Zentralamerika, dass das ursprüngliche Zwei-Parteien-System mit Konservativen und Liberalen passé ist. In Guatemala gibt es aktuell 18 Parteien im Parlament.</p>
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<p>Honduras ist Stand 2023 so stark von Banden und ihrer Gewalt geprägt, dass das Ausmaß teilweise als kriegsähnlich beschrieben wird. Insbesondere deswegen gehört Honduras zu den Haupt-Herkunftsländern von Migranten in den USA, da viele verhindern wollen, dass ihre Söhne rekrutiert oder ihre Töchter sexuell missbraucht werden. Laut den Vereinten Nationen leben von den etwa 9,7 Millionen Einwohnern 400.000 als Binnenvertriebene im eigenen Land.<br>Nicaragua befindet sich seit einigen Jahren in einer Diktatur durch Daniel Ortega, der 1985 – 1990 schon einmal Präsident für die Revolutionspartei FSLN war. 2006 wurde er wieder zum Präsidenten gewählt und entwickelte das Land in den letzten Jahren zu genau der Regierungsform, gegen die er bei der Revolution noch gekämpft hatte. 2011 hätte er laut Verfassung nicht wiedergewählt werden dürfen, doch eine umstrittene Gerichtsentscheidung ließ seine erneute Kandidatur zu. 2014 ließ er dann das Verbot der Wiederwahl abschaffen und die folgenden Wahlen wurden mit großer Wahrscheinlichkeit gefälscht. Presse- und Meinungsfreiheit sind in Nicaragua stark eingeschränkt und 2018 wurden landesweite Proteste mit scharfer Munition niedergeschlagen. Da Ortega in den vergangenen Jahren gesundheitlich stark angeschlagen ist, übernimmt seine Ehefrau und Vizepräsidentin Rosario Murillo immer mehr die Regierungsgeschäfte.</p>
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<p>Doch es gibt auch ein positives Beispiel der Stabilität in Zentralamerika: Costa Rica. Nach einzelnen gewaltvollen Episoden entwickelte sich das Land in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Erfolgsgeschichte. Präsident José Figueres Ferrer ließ 1949 die Armee per Verfassung abschaffen. Grenzschutzaufgaben übernimmt seitdem die Polizei und die USA und andere amerikanische Staaten gaben durch den Interamerikanischen Vertrag über gegenseitigen Beistand (TIAR-Pakt) militärische Sicherheitsgarantien.<br>1983 verkündete Costa Rica dann die dauernde, aktive und unbewaffnete Neutralität des Landes. Daher wird Costa Rica auch die Schweiz Lateinamerikas genannt. Die Ausgaben, die seit 1949 für das Militär gespart wurden, investierte das Land insbesondere in Bildung und das Gesundheitswesen, weswegen das Land insbesondere auf diesen Gebieten einen hohen Standard entwickelt hat. Durch die politische Stabilität hat sich Costa Rica außerdem zu einem stark besuchten Land entwickelt und durch den Tourismus einen Wohlstand erreicht, von dem die anderen Länder Zentralamerikas träumen.</p>
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		<title>Mit dem Schnellboot von Panama nach Kolumbien &#8211; ohne Flugzeug</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Jul 2023 20:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nicht kategorisiert]]></category>
		<category><![CDATA[Südamerika]]></category>
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					<description><![CDATA[In diesem Artikel erkläre ich so detailliert wie möglich, wie man mit Schnellbooten von Panama nach Kolumbien reisen kann. Dabei geht es nicht ums Trampen, sondern darum, für die Boote zu bezahlen.&#160; Trampen ist definitiv auch möglich, kann aber deutlich länger dauern, vor allem weil die Strecke nicht so stark von privaten Segelbooten frequentiert wird, [&#8230;]]]></description>
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<p>In diesem Artikel erkläre ich so detailliert wie möglich, wie man mit Schnellbooten von Panama nach Kolumbien reisen kann. Dabei geht es nicht ums Trampen, sondern darum, für die Boote zu bezahlen.&nbsp; Trampen ist definitiv auch möglich, kann aber deutlich länger dauern, vor allem weil die Strecke nicht so stark von privaten Segelbooten frequentiert wird, sondern eher von touristischen Segelbooten, die 500 Dollar oder mehr kosten. Der Weg, den ich beschreibe, kostet deutlich weniger &#8211; maximal 200 Dollar, mit etwas Glück habe ich es sogar billiger bekommen.</p>



<p>Wenn du mehr über den Darién-Gap lesen möchtest und warum er gefährlich für Flüchtende ist, schau gerne hier in meinem Blog: <a href="https://pinchekai.com/?p=1527">Zum Darién-Gap</a></p>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1920" data-id="1519" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230714_142641-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-1519" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230714_142641-scaled.jpg 2560w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230714_142641-1280x960.jpg 1280w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230714_142641-980x735.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230714_142641-480x360.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw" /><figcaption class="wp-element-caption">Im Hafen von Carti</figcaption></figure>
</figure>



<h2 class="wp-block-heading">Allgemeine Ratschläge</h2>



<p>1. Es ist möglich und nicht gefährlich, man braucht nur etwas Zeit und kann ziemlich nass werden, daher ist ein Regenschutz ein Muss, würde ich sagen.<br><br>2. Die Reise sollte auf jeden Fall weniger als 200 $ kosten, mit etwas Glück und Zeit kann man sie sogar für weniger als 100 $ bekommen. Ich erkläre die Kosten weiter unten.<br><br>3. Spanisch zu sprechen hilft (wie überall in Lateinamerika), aber es geht auch ohne.<br><br>4. Die Route ist von Panama City nach Carti (San Blas Port), dann mit einem oder mehreren Booten nach Puerto Obaldia, wo man aus Panamá auscheckt. Weiter mit dem Boot nach Capurgana in Kolumbien, um den Pass erneut abstempeln zu lassen und dann mit der Fähre nach Necocli oder Turbo, von wo aus man Busse nehmen oder trampen kann.<br><br>5. Die ganze Reise kann 2 Tage dauern, wenn alles gut klappt, aber ich würde mindestens 3-4 Tage einplanen. Vor allem, wenn man versucht, Geld zu sparen.<br><br>6. Natürlich kann man auf dieser Strecke auch trampen, aber ich weiß nicht, wie lange das dauern wird, da normalerweise alle Boote entlang der Küste Geld nehmen (außer der Polizei). Zum Trampen solltest du Häfen für Segelboote aufsuchen, die sich in anderen Orten befinden.<br><br>Kommen wir nun zur Route:</p>



<h2 class="wp-block-heading">Panama City nach Carti</h2>



<p>Es gibt Jeeps, die von Panama City nach Carti 30 $ kosten.<br>Man kann aber auch mit dem Bus vom Busbahnhof Albrook für 2,5 $ nach El Llano fahren und von dort ein Taxi Collectivo nehmen oder trampen, was bei mir gut geklappt hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Carti bis Puerto Obaldia</h2>



<p>Dies ist die längste Strecke, die auch am teuersten und kompliziertesten ist, da es viele Möglichkeiten gibt:<br>Es gibt zwei verschiedene Boote, die alle 5 &#8211; 10 Tage von Carti nach Puerto Obaldia fahren.&nbsp; Wenn man sich im Voraus mit ihnen in Verbindung setzt, ist dies der einfachste Weg! Es sollte 100 $ kosten. Schreib mir gerne, wenn du die Kontakte haben möchtest. (kai-echelmeyer (at) web.de)<br>Wenn nicht über diese direkten Boote, musst du dich entlang der Küste vorarbeiten. Wenn du ein Boot nach Armila, Caledonia oder Coetupo findest, ist das perfekt, denn von diesen Orten ist es nicht weit nach Puerto Obaldia. Aber nicht jeden Tag fährt ein Boot zu diesen Zielen. Da Carti nur der Hafen ist und die Menschen auf den Inseln leben, ist eine Übernachtung dort recht teuer.<br>Aber von Carti aus ist es einfach, nach Narganá zu fahren, was schon 1,5 Stunden in die richtige Richtung ist. In Narganá waren die Leute super freundlich zu mir und das Übernachten dort ist billiger als in Carti. (Hostal Noris 15$)<br>Normalerweise halten die Boote von Carti entlang der Küste in Narganá und es gibt auch Boote, die von Narganá aus starten. Frag dich einfach durch.<br>Es kann vorkommen, dass ein Boot aus Carti nicht in Narganá anlegt. Das ist mir auch passiert. Aber dann hab ich eine noch bessere Möglichkeit gefunden.</p>



<p>Zwei billigere Optionen:<br>1. Es gibt Handelsboote, die von Dorf zu Dorf fahren. Das ist billiger, vielleicht kann man sogar per Anhalter fahren. Aber die brauchen mehrere Tage oder sogar länger als eine Woche. Wenn man Zeit hat, ist das sicher toll, denn man lernt die kleinen Dörfer entlang der Küste kennen.<br>2. Die Grenzpolizei fährt manchmal von Narganá nach Puerto Obaldia und nimmt dann auch Gäste mit &#8211; umsonst!!! Ich bin mit ihnen gefahren und habe so ca. 80 $ gespart 😍 Für diese Option fragst du dich bei der Grenzpolizei in Narganá durch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Puerto Obaldia nach Capurganá</h2>



<p>Wichtig ist, dass du dir zuerst deinen Stempel für die Ausreise aus Panamá holst! Du brauchst eine Kopie deines Passes bei der Migration, aber es gibt einen Copyshop davor.<br>Die Boote nach Capurgana brauchen etwa 20 Minuten und fahren recht häufig. Das Boot kostet 20 – 25 $ pro Person, wenn mehrere mitfahren und 40 $ für dich alleine.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Capurgana &#8211; Necocli oder Turbo</h2>



<p>Das letzte Boot!<br>Es gibt mehrere Fähren, die schnell fahren und 85.000 COP kosten.<br>Auch hier ist es wichtig, dass du zuerst deinen Stempel für die Einreise nach Kolumbien bekommst. Oft fällt der Strom aus, so dass man im Migrationsamt ein wenig warten muss.<br>Wenn du in Capurgana übernachten musst, ist das Marlin Azul ein günstiges Hostel.<br><br>Viel Spaß auf der Reise, es ist eine tolle Erfahrung und ich habe super nette Leute getroffen 😊.</p>



<p></p>



<p></p>



<div class="wp-block-comments wp-block-comments-query-loop"><h2 id="comments" class="wp-block-comments-title">2 Antworten zu &#8222;Mit dem Schnellboot von Panama nach Kolumbien &#8211; ohne Flugzeug&#8220;</h2>

<ol class="wp-block-comment-template"><li id="comment-14" class="comment even thread-even depth-1 et-pb-non-builder-comment">

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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow"><div class="wp-block-comment-author-name has-small-font-size">Marin</div>


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</div>


<div class="wp-block-comment-content"><p>Hola, hi<br />
I travel with my girlfriend since 7 months and we are crossing the Panama &#8211; Colombia border soon.<br />
Would you be able to share with us some contacts in Carti and Nagata?<br />
Muchas gracias?</p>
</div>

<div class="wp-block-comment-reply-link has-small-font-size"><a rel="nofollow" class="comment-reply-link" href="https://pinchekai.com/mit-dem-schnellboot-von-panama-nach-kolumbien-ohne-flugzeug/?replytocom=14#respond" data-commentid="14" data-postid="1543" data-belowelement="comment-14" data-respondelement="respond" data-replyto="Auf Marin antworten" aria-label="Auf Marin antworten">Antworten</a></div></div>
</div>

<ol><li id="comment-15" class="comment odd alt depth-2 et-pb-non-builder-comment">

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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow"><div class="wp-block-comment-author-name has-small-font-size">Katha</div>


<div class="wp-block-group is-layout-flex wp-block-group-is-layout-flex" style="margin-top:0px;margin-bottom:0px"><div class="wp-block-comment-date has-small-font-size"><time datetime="2024-06-18T15:18:38+00:00"><a href="https://pinchekai.com/mit-dem-schnellboot-von-panama-nach-kolumbien-ohne-flugzeug/#comment-15">Juni 18, 2024</a></time></div>

</div>


<div class="wp-block-comment-content"><p>Holaa 🌞</p>
<p>I also want to travel soon to Colombia from Panam by boat. Do you maybe want to share contacts, if you’re still in Panama? Probably it’s cheaper the more people we are 🙂</p>
</div>

<div class="wp-block-comment-reply-link has-small-font-size"><a rel="nofollow" class="comment-reply-link" href="https://pinchekai.com/mit-dem-schnellboot-von-panama-nach-kolumbien-ohne-flugzeug/?replytocom=15#respond" data-commentid="15" data-postid="1543" data-belowelement="comment-15" data-respondelement="respond" data-replyto="Auf Katha antworten" aria-label="Auf Katha antworten">Antworten</a></div></div>
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		<title>Der Darién-Gap &#8211; einzige Lücke in der Panamericana</title>
		<link>https://pinchekai.com/der-darien-gap-einzige-luecke-in-der-panamericana/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Jul 2023 19:39:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Südamerika]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><!-- divi:paragraph -->
<p>In diesem Blogbeitrag möchte ich über den Darién-Gap schreiben und wie ich ihn mit mehreren Booten entlang der Küste Panamas überbrückte, um nicht fliegen zu müssen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Denn zwischen Kolumbien und Panamá ein riesiges undurchdringbares Grenzgebiet voller gebirgigem Dschungel, sodass es keine Straße gibt, die die beiden Länder miteinander verbindet – die einzige Unterbrechung der Panamericana, jener Straße, die ganz Amerika von Alaska bis Feuerland durchquert.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Doch wichtiger, als meine persönlichen Erfahrungen auf dieser Route zu beschreiben und hoffentlich Menschen anzuregen, auf dieser oder auch anderen Strecken auf das Flugzeug zu verzichten, ist es mir, über das Grenzgebiet und seien Gefahren für flüchtende Menschen zu schreiben. Viele Menschen haben nicht den Pass oder die finanziellen Möglichkeiten wie ich, um die Grenze in Schnellbooten zu überqueren.<br>Wenn du eine genaue Beschreibung suchst, wie du mit dem Boot von Panama nach Kolumbien kommst oder andersrum, schau <a href="https://pinchekai.com/?p=1543">hier</a>.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Der Darién-Gap und die Gefahren des Dschungels für Flüchtende</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Und der Dschungel ist eben doch nicht ganz durchdringlich und jene, die keine andere Möglichkeit sehen, durchqueren ihn doch: Flüchtende, Menschen, denen die legalen Wege nach Panama verwehrt werden, in den letzten Jahren vor allem aus Venezuela, gefolgt von Haiti, Ecuador und Kolumbien, doch es gibt auch größere Zahlen von Menschen aus Asien, z.B. Indien, Bangladesch &amp; Afghanistan oder Afrika, z.B. Senegal, Kamerun oder Somalia. Gerade bei Haiti hatte ich bei der Recherche ein Fragezeichen, das Land liegt doch viel näher an den USA als der Darién-Gap. Doch viele Menschen aus Haiti waren nach dem schweren Erdbeben 2010 nach Südamerika geflüchtet, sehen sich hier aber vor immer mehr Problemen und suchen daher den Weg Richtung USA. 2021 waren es sogar ca. 60% Haitianer, die den Darién-Gap durchquerten.<br>Die Flüchtenden versuchen zu Zehntausenden, den Darién-Gap über Land zu überqueren, um von Panama dann weiter Richtung USA zu reisen (zumindest die meisten). Mal abgesehen davon, dass dann noch eine lange Reise durch Zentralamerika vor ihnen liegt und gerade an der Grenze zu den USA viele aufgegriffen und misshandelt werden, ist der Darién-Gap wohl die gefährlichste Stelle dieser Reise. Denn auf der über 100km langen Odyssee durch den Dschungel lauern nicht nur viele gefährliche Tiere wie Schlangen, fehlende Lebensmittel/Trinkwasser und Krankheiten wie Gelbfieber, sondern auch verschiedene kriminelle Banden wie Paramilitärs (z.B. Gulf-Clan), Guerillas (z.B. FARC) und Drogenbanden, die mit Menschenschmuggel Geld machen und skrupellos mit den Flüchtenden umgehen, sie bestehlen, vergewaltigen, etc.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Auch wenn es mit Sicherheit noch andere Routen gibt, ist die Hauptroute über die kolumbianische Stadt Necoclí, in der auch ich mit dem Boot ankam. Dort müssen die Flüchtenden häufig wochenlang warten, um mit dem Boot nach Acandí gebracht zu werden, wo sie die Wanderung durch den Dschungel beginnen, der sie bis nach Bajo Chiquito führt, wo sie von Hilfsorganisationen wie MSF oder UNICEF versorgt werden, wenn sie es bis dorthin schaffen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Eine Mutter berichtete, dass sie 4000 US-Dollar bezahlte, um mit ihren Kindern und Schwiegermutter durch den Dschungel geführt zu werden, doch dass der Guide sie nach zwei Tagen alleine ließ und mit dem Geld umdrehte.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Laut der Regierung Panamas durchkreuzten in 2022 ca. 248.000 Menschen den Darién-Gap, darunter über 40.000 Kinder. Vor 10 Jahren waren es noch wenige Hundert. Und in 2023 wurde die Zahl vom Vorjahr bereits Ende Juli übertroffen, so die Vize-Direktorin der panamaischen Migrationsbehörde. Nach ihren Angaben waren ca. 20% minderjährig.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) starben in 2022 mind. 36 Menschen, bei dem Versuch, den Darién-Gap zu durchqueren, doch die Dunkelzahl wird weit höher liegen, denn die meisten Menschen, die im Dschungel verloren gehen, nicht wieder auftauchen. Mit den gemeldeten Vermissten steigt die Zahl auf 137 an. Und auch das IOM selbst gibt an, dass dies nur die Registrierten seien und die Dunkelzahl um ein Vielfaches höher liegen dürfte.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Es gibt viele Artikel und auch Videos zu dem Thema, die ich gelesen habe und ich möchte euch die beiden folgenden empfehlen, falls ihr noch weiterlesen möchtet:<br><a href="https://www.cfr.org/article/crossing-darien-gap-migrants-risk-death-journey-us">https://www.cfr.org/article/crossing-darien-gap-migrants-risk-death-journey-us</a></p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p><a href="https://www.spiegel.de/ausland/migration-durch-den-darien-gap-die-mischung-aus-koerperlicher-erschoepfung-und-psychischer-belastung-ist-fatal-a-9bf25caa-5d2a-419a-ba5f-68e9eaa56a3a">https://www.spiegel.de/ausland/migration-durch-den-darien-gap-die-mischung-aus-koerperlicher-erschoepfung-und-psychischer-belastung-ist-fatal-a-9bf25caa-5d2a-419a-ba5f-68e9eaa56a3a</a></p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Mit dem Boot von Panama nach Kolumbien</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:gallery {"linkTo":"none"} -->
<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped"><!-- divi:image {"id":1517,"sizeSlug":"large","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1600" height="720" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/IMG-20230714-WA0069.jpg" alt="" class="wp-image-1517" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/IMG-20230714-WA0069.jpg 1600w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/IMG-20230714-WA0069-1280x576.jpg 1280w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/IMG-20230714-WA0069-980x441.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/IMG-20230714-WA0069-480x216.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 1600px, 100vw" /><figcaption>Mit Freunden in Nargana</figcaption></figure>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1920" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230714_142641-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-1519" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230714_142641-scaled.jpg 2560w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230714_142641-1280x960.jpg 1280w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230714_142641-980x735.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230714_142641-480x360.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw" /></figure>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1920" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230714_182245-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-1523" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230714_182245-scaled.jpg 2560w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230714_182245-1280x960.jpg 1280w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230714_182245-980x735.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230714_182245-480x360.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw" /><figcaption>Kinder in Nargana</figcaption></figure>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Das Ziel dieser Reise ist es ganz klar, nachhaltig unterwegs zu sein, deswegen bin ich mit Booten über den Atlantik getrampt, deswegen habe ich keinen Van gekauft, sondern reise per Anhalter oder im Reisebus und deswegen war für mich auch klar, dass ich von Panama nicht nach Kolumbien fliegen möchte.<br>Der Darién-Gap macht das nicht so einfach und hinzu kam noch ein gewisser Zeitdruck, um meine Schwester in Kolumbien zu treffen. Ein Boot zu suchen, mit dem ich Trampen kann, kam daher nicht in Frage, denn dafür braucht man immer Zeit und die Route von Panama nach Kolumbien ist nicht so stark befahren von privaten Segelbooten (viel von Touri-Segelbooten, die 500 Euro oder mehr kosten).<br>Zum Glück kannte ich über unsere große Hitchhiker-Community mehrere, die mit Schnellbooten entlang der Küste diese Reise schon gemacht hatten, denn eine Fähre gibt es nicht (mehr). Echt verrückt und fatal fürs Klima..</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Doch es gibt entlang der Küste Panamas einige kleine Küstenorte, die eben auch wegen des Darién-Gaps nur per Boot zu erreichen sind (einzelne evtl. noch per Flugzeug). D.h. dass die Menschen von dort mit Booten reisen und dass auch die Versorgung mit Lebensmitteln hauptsächlich über Boote funktioniert. Und wenn es Boote gibt, die entlang fahren, dann gibts auch die Möglichkeit dort mitzufahren.<br>Um an der Küste entlang zu reisen, muss man zuerst von Panama-City zum Hafen von Cartí, den man mit Jeep erreichen kann. Ich fuhr so weit es ging mit dem Bus und trampte dann den Rest bist Cartí.<br>Ich hatte vorher zwei Kontakte bekommen von Booten, die direkt von Cartí zur Grenze fahren. Allerdings fahren die nicht sehr regelmäßig und ich hätte über eine Woche warten müssen, die ich nicht hatte. Also machte ich mich auf die unbekannte Reise in der Hoffnung, Boote entlang der Küste zu finden.<br>Am ersten Tag lief es sehr gut, ich kam nicht nur von Panama-City bis nach Cartí, sondern von dort noch nach Nargana. Bei einem Boot voller Benzinkanister konnte ich mitfahren, ein Boot voller Lebensmittel hätte mich sonst auch noch mitnehmen können.<br>Nargana ist eine kleine Stadt auf zwei Inseln, die mit einer Brücke verbunden sind. Dort verbrachte ich einen sehr schönen Abend mit den Einheimischen, die super lieb waren. Durch Rumfragen hatte ich erfahren, dass am nächsten Tag ein Boot vorbeikommen müsste, dass bis eine Stunde vor der Grenze fährt. Der Rest wäre dann ein Klacks gewesen, aber das Boot hielt leider entgegen der Aussage aller Einheimischen nicht in Naraganá und fuhr vorbei. Meine einzige Chance war weg und ich ein bisschen deprimiert. Ich würde noch einen Tag in Narganá bleiben müssen und wenn ich weiter so langsam vorankomme, verpasste ich den Geburtstag meiner Schwester in Kolumbien…<br>Doch dann gab mir ein Mann einen entscheidenden Tipp: Die Grenzpolizei hat einen Stützpunkt in Narganá und fährt manchmal zur Grenze. Also ging ich dort hin und tatsächlich fuhr am nächsten Tag ein Boot zur Grenze, dass mich mitnehmen konnte. Nicht nur war ich wieder im Rennen, um rechtzeitig nach Kolumbien zu kommen, sondern ich sparte mir auch noch 80 Dollar, die ich sonst fürs Boot bezahlt hätte.<br>Am Nachmittag war ich noch auf einem Geburtstag und zwei öffentlichen Feiern in Narganá eingeladen und ich werde das Dorf in sehr guter Erinnerung halten. Der Lehrer David lud mich zu sich nach Hause ein, wo ich übernachtete und am nächsten Tag fuhr ich dann mit zwei Polizeibooten bis nach Puerto Obaldia an der Grenze. Die Fahrt hatte es wirklich in sich. Nicht nur, dass wir ordentlich von Wellen durchgeschüttelt wurden, sondern wir kamen in ein ordentliches Gewitter, wurden über 30 Minuten komplett durchnässt und der Fahrer wusste zwischenzeitlich nicht wo er hinfuhr. Doch am Ende kam ich heile, wenn auch klitschnass, in Puerto Obaldia an, konnte mir meinen Stempel abholen und mit einem weiteren Boot über die Grenze nach Capurganá fahren, den ersten Ort in Kolumbien. Dort holte ich mir den Einreise-Stempel für Kolumbien und fuhr am nächsten Tag mit einer Fähre nach Necocli und von dort mit dem Bus nach Barranquilla, wo ich eine Stunde vor dem Geburstag meiner Schwester in der Bar ankam, sodass wir gemeinsam Reinfeiern konnten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Wenn du eine genaue Beschreibung suchst, wie du mit dem Boot von Panama nach Kolumbien kommst oder andersrum, schau <a href="https://pinchekai.com/?p=1543">hier</a>.</p>
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		<title>Oh wie schön ist Panama – Paradiesische Strände, Regenwald und ein  gigantischer, problematischer Kanal</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Jul 2023 20:40:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zentralamerika]]></category>
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<p>Panama war für mich vor allem ein Durchreiseland, denn Marieke reiste aus Costa Rica zurück und schon zwei Wochen später war ich mit meiner Schwester in Kolumbien verabredet. Doch genau die Reisen waren es, die Panama so spannend machten. In diesem Beitrag schreibe ich daher einiges über den Panama-Kanal und wie ich im Segelboot durch den Kanal trampte.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Im nächsten Blogbeitrag schreibe ich dann über den Darién-Gap und wie ich mit dem Boot in 4 Tagen von Panama nach Kolumbien reiste, um nicht zu fliegen. Denn zwischen Panama und Kolumbien gibt es ein so unüberwindbares Gebirge mit Regenwald, dass es keine Straße über die Grenze gibt!<br>Wenn du dich für den Darién-Gap interessierst, findest du hier den <a href="https://pinchekai.com/?p=1527">Blogbeitrag</a>.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Zwei Paradiesische Orte in Panama</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Bevor ich zum Panama-Kanal komme, zunächst noch ein Bericht über zwei schöne Orte, die ich in Panama besuchte.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Von Costa Rica kam ich im Nordwesten über die Grenze nach Panama. Daher bot sich ein Besuch auf den Inseln von Bocas del Toro an.<br>Bocas del Toro ist der Name einer Region Panamas und ihrer Hauptstadt auf der Insel Colón. Doch Reisende nutzen den Namen meist synonym für die Inseln der Region.<br>Kurzer Exkurs: eine Insel heißt übersetzt Kolumbus, eine andere Christoph. Ich finde es erschreckend und befremdlich, dass es viele Orte in Zentralamerika gibt, die noch nach Kolumbus benannt sind, nach dem Leid, dass er und die Spanier brachten. Ein klares Zeichen, dass die Geschichte noch lange nicht aufgearbeitet ist.. Zum Beispiel heißt die Währung von Costa Rica auch Colón und es gibt eine Bus-Linie aus Guatemala, die sich Cristobál Colón nennt.<br>Zum Glück gibt es noch viele andere Inseln in der Ecke und die schönsten trugen andere Namen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ich kam an einem Donnerstag im Ort Bocas del Toro an, der für sein Nachtleben bekannt ist, und musste mich gleich entscheiden, ob ich beim legendären Filthy Friday teilnehmen möchte: Jeden Freitag findet auf drei verschiedenen Insel eine sehr populäre Party statt, die mit dem Sunday Funday in Nicaragua als beste Party Zentralamerikas (unter Touris) gefeiert wird. Die Party beginnt um 11 Uhr und man wird zu verschiedenen Locations kutschiert. Letztlich hielt mich vor allem der Preis von 45 Dollar (Getränke nicht enthalten, nur Shots) davon ab. Spannend gefunden hätte ich es schon, aber vermutlich hätte ich den Altersdurchschnitt klar gehoben 😀<br>Gleichzeitig lernte ich eine Gruppe von vier super coolen Spanier*innen kennen, mit denen ich eine Bootstour machte und dann abends so Feiern ging. Die Bootstour war super cool und wir verstanden uns bestens. Highlight war die atemberaubend schöne Insel „Zapatillos“, auf der nur die 12 Personen aus unserem Boot waren! Auf den Bootsfahrten spielte ich Gitarre, außerdem gingen wir Schnorcheln. Da das Essen super teuer war und ich keine Vorbereitungszeit hatte, teilten Ines, Monika, Azier und Pablo ihr Mittagessen mit mir. Die 4 waren echt super lieb und wir verbrachten auch am nächsten Tag noch einige Zeit zusammen!</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<p>Am zweiten vollen Tag erkundete ich die Insel Colón und machte eine wunderschöne Wanderung zum Seestern-Strand. Alle Strände auf dem Weg dorthin waren leer und paradiesisch. Nur der Seestern-Strand selber war voller Touristen, die in Booten hierher kutschiert werden. Aber dafür konnte ich echt große Seesterne sehen 🙂<br>Abends traf ich noch Alessandro aus der Schweiz, den ich in Costa Rica kennengelernt habe und nach einem zweiten langen Abend in Bocas del Toro fuhr ich am nächsten Tag weiter zum Lost &amp; Found Hostel. Das Hostel wurde vor einigen Jahren von zwei Kanadiern gestartet und liegt mitten im Regenwald auf 1250 Meter Höhe. Da ich viel Gutes über das Hostel gehört hatte und ich abgelegene Hostels wegen der familiären Atmosphäre mag, schaute ich für zwei Nächte hier vorbei und hatte eine sehr gute Zeit. Mitten im Dschungel gelegen, aber gleichzeitig in den Bergen, bietet das Hostel wirklich fantastische Ausblicke und tolle Wandermöglichkeiten. Abends essen alle Gäste gemeinsam zu Abend.<br>Am ersten Tag chillte ich im Hostel und machte eine kurze Wanderung im Regenwald und am zweiten Tag machte ich mit 4 anderen Reisenden einen Ausflug: erst zu einem wunderschönen 40m hohen Wasserfall und dann zu einem kleinen natürlichen Canyon zum Abkühlen. Am Wasserfall waren wir die Einzigen und am Canyon waren ca. 10 andere Menschen, sodass wir diese beiden wundervollen Orte sehr genießen konnten!</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1440" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DJI_0558-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-1552" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DJI_0558-scaled.jpg 2560w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DJI_0558-1280x720.jpg 1280w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DJI_0558-980x551.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DJI_0558-480x270.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw" /><figcaption>Am Wasserfall</figcaption></figure>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1440" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DJI_0584-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-1553" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DJI_0584-scaled.jpg 2560w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DJI_0584-1280x720.jpg 1280w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DJI_0584-980x551.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DJI_0584-480x270.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw" /><figcaption>Der Canyon von Gualaca</figcaption></figure>
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<p>Vom Lost &amp; Found trampte ich abends bis in die Stadt David, wo ich Alessandro ein letztes Mal traf und dann mit dem Nachtbus nach Panama-City fuhr.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Der Panama-Kanal und seine schwierige Geschichte</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Kurz nach der Ankunft der Spanier in Costa Rica und Panama, entdeckte der Offizier Vasco Nunez de Balboa den Pazifischen Ozean, den er damals „Südmeer“ nannte. So steht es in vielen Texten, ist aber natürlich Bullshit. Vor ihm hatten schon Tausende Ureinwohner*innen den Pazifik gesehen, doch sie waren halt nicht weiße Europäer*innen. Tatsächlich konnte Balboa nur durch Beschreibungen von Einheimischen zum Pazifik reisen.<br>Wie dem auch sei, schon kurze Zeit später entstand zum ersten Mal die Idee eines Kanals durch Zentralamerika. Favorisiert wurde damals aber tatsächlich eher ein Durchbruch in Nicaragua, da man dort über den Rio San Juan bis in den Cocibolca-See kommen kann und dann nur noch ca. 20km bis zum Pazifik überbrückt werden müssten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Es sollte allerdings fast 400 Jahre dauern bis die Idee eines Kanals durch Zentralamerika in Panama Realität wurde. Dass es nicht in Nicaragua passierte lag zum damaligen Zeitpunkt vor allem an Grenzkonflikten mit Costa Rica, da der Fluss San Juan beide Länder von einander trennt. Und natürlich spielten die Interessen der USA eine große Rolle, die Panama Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zur Unabhängigkeit verhalfen und dort ihren Einfluss klarer durchdrücken konnten.<br>Im Jahr 1881 begann eine französische Delegation mit dem Einverständnis Kolumbiens, zu dem Panama damals noch gehörte, die Bauten für einen Kanal. Nach dem wirtschaftlichen Erfolg des 1869 eröffneten Suez-Kanals gingen in Frankreich viele davon aus, dass es in Panama ähnlich möglich sei, einen schleusenfreien Kanal zu bauen. Doch nach vielen Diskussionen im Parlament und mehreren Investitions-Erweiterungen, mussten sie feststellen, dass es ohne Schleusen nicht ging. Zusammen mit Gustave Eiffel sollten daraufhin Schleusen gebaut werden. Doch 1889 stellten die Franzosen schließlich die Bauarbeiten nach Planungsmängeln, falscher geologischer Untersuchungen, schlechter Planung, Bestechung und zahlreichen Pannen ein. Nicht zuletzt trug auch ein Massensterben dazu bei. Mind. 22.000 Menschen starben zwischen 1881 und 1889 beim Bau an Malaria oder Gelbfieber, Krankheiten, die damals noch nicht bekannt und erforscht waren. Französische Ärzte empfahlen, dass man die Bettpfosten der Arbeiter in Wassereimer stellen sollte, doch diese Eimer wurden zu Brutstätten für die Malaria-Mücken, die die Verbreitung nur noch rasanter machten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Für 3 Äpfel und 1 Ei kauften die USA Ende des 19. Jahrhunderts die bisherigen Fortschritte von der französischen Kanal-Gesellschaft ab. Als Kolumbien sich querstellte und den USA den Kanal nicht genehmigen wollte, marschierten die USA kurzerhand in heutigen Panama ein und erklärten dessen Unabhängigkeit (natürlich ist das etwas verkürzt dargestellt, aber so in etwa waren die Zusammenhänge). Im sogenannten Hay-Bunau-Varilla-Vertrag sicherten die USA sich die uneingeschränkte Kontrolle des gesamten Kanalgebiets von ca 84.000 Hektar, die sie erst 1999 vollständig an Panama abgaben. Im Gegenzug sicherten sie Panama die Unabhängigkeit zu.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>1914 beendeten die USA die Bauarbeiten am Kanal und als erstes Schiff durchquerte ein kleiner Frachter mit dem Namen „Cristobal“ (wie auch sonst) den Kanal. Am gleichen Tag (3. August) brach der erste Weltkrieg aus, sodass die Feierlichkeiten verschoben wurden.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<!-- divi:paragraph -->
<p>Schnell wurde der Kanal sehr frequentiert und hat sich zu einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt entwickelt, die für den Welthandel unabdingbar geworden ist. Das Fehlen der Alternativen zum Kanal macht sich auch in den exorbitanten Preisen zum Durchqueren bemerkbar (allein für ein Segelboot ca. 2000 Dollar), von denen über Jahrzehnte vor allem die USA profitierten. Heute ist der Kanal die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle von Panama und sorgt dafür, dass die Hauptstadt mit ihren vielen Bankentürmen nicht wie eine klassische, zentralamerikanische Hauptstadt aussieht.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Ab durch den Kanal</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Um den Kanal zu durchqueren, muss man durch 3 Schleusen hoch in den Gatun-See, dann 82km fahren und danach wieder 3 Schleusen runter. Damit in beide Richtungen gleichzeitig Schiffe fahren können, gibt es jeweils ein Paar von Schleusen, außerdem wurden vor ein paar Jahren noch neuere Schleusen fertiggestellt, sodass es insgesamt 18 Schleusen gibt, von denen man aber wie gesagt nur 6 passiert.<br>Je nachdem zu welcher Tageszeit man den Kanal durchquert (das muss Tage vorher angemeldet werden), ankert und übernachtet man im Gatun-See und der*die Lots*in kommt am nächsten Morgen wieder an Bord. Bei Containerschiffen ist das etwas anders, die fahren in der Regel auch in der Nacht durch, zahlen dann aber auch entsprechend mehr für den Lotsen, der in der Nacht arbeitet. Denn Containerschiffe sind viel schneller als Segelboote durch den Kanal durch und bei ihnen geht es darum, möglichst schnell an einem Ort anzukommen, um Waren im Wert von enormen Summen auszuliefern.<br>Ein*e Lots*in ist übrigens Pflicht und einer der Gründe, warum es so teuer ist, den Kanal zu durchqueren. In der Schifffahrt bezeichnet Lots*in eine Person, die an Bord eines Schiffes kommt, um für eine schwierige Passage Hinweise zu geben, wie das Schiff manövrieren muss. Das kann die Einfahrt in einen großen Hafen sein oder eben auch ein Kanal.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Alles ziemlich spannend, fand ich, als ich nach Panama kam und ich wusste, dass ich versuchen will, mit einem Boot durch den Kanal zu fahren. Ich hatte zwar nicht viel Zeit, aber dafür viel Glück 🙂<br>Als ich in Panama-City ankam, stellte ich nur meine Sachen ab und fuhr in die Shelter Bay Marina, die im Gegensatz zu Panama-City an der Karibik-Seite des Kanals liegt. Der Hafen liegt recht abgelegen und war umständlich und nur per Anhalter zu erreichen (Taxi kam sowohl wegen des Preises als auch aus Umweltgründen nicht in Frage für mich).</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Als ich um 13 Uhr im Hafen ankam, brauchte ich nur eine Stunde, um ein Boot ausfindig zu machen, dass noch am gleichen Tag in den Kanal fahren wollte. Ich verstand mich gut mit dem Kapitän Henrik aus Südafrika, doch er sagte mir dann, dass er schon 5 Personen für den Kanal angemeldet hatte. Als ich aber länger am Steg mit seiner Crew sprach und mich gut mit ihnen unterhielt, überlegte er es sich zum Glück anders und es war auch im Nachhinein kein Problem, dass eine Person mehr an Bord war. Eine halbe Stunde später um 15 Uhr ging es schon los! Zusammen mit Steven, auch aus Südafrika, Louise aus England, Laura aus Frankreich und Max aus Deutschland machten wir uns auf den Weg durch den Kanal. Max und Laura sind auch mit Segelbooten über den Atlantik getrampt und wir haben einige gemeinsame Freunde. So verstanden wir uns super und hatte eine gute Zeit.<br>Die Fahrt durch den Kanal dauerte länger als ich dachte, denn die reine Fahrtzeit beträgt so ca. 8 Stunden. Wir mussten aber erst noch bestimmt 2 Stunden vor der Schleuse auf den Lotsen warten, sodass schon die Dunkelheit anbrach als wir durch die Schleusen fuhren. Die Schleusen sind definitv das spannendste am Kanal. Wir fuhren gemeinsam mit einem großen Containerschiff, einer Motoryacht und einem Segelboot durch die Schleusen. Das Containerschiff vor uns, damit es nicht von hinten auf uns draufgedrückt werden kann. Wir fuhren mit dem anderen Segelboot im Päckchen durch, d.h. dass wir uns aneinander banden. So mussten wir als das rechte von beiden Booten nur zwei Leinen von Steuerbord annehmen und das andere Boot nur von Backbord. Die Leinen werden an unserem Boot und am Rand der Schleuse angebracht, damit wir bei der starken Strömung, die durch das zuströmende Wasser entsteht, nicht gegen die Wände gedrückt werden. Bei den Containerschiffen werden diese Leinen nicht von Menschen gehändelt sondern mit großen Maschinen, die auf Schienen nebenherfahren.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-5 is-cropped"><!-- divi:image {"id":1542,"sizeSlug":"large","linkDestination":"none"} -->
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Als wir die drei Schleusen passiert hatten und ca. 30m höher waren, fuhren wir zu einer Boje, an der wir uns über die Nacht festmachten und der Lotse ging von Bord. Am nächsten Morgen sollten wir um 6:30 Uhr bereit sein und standen früh auf, wir mussten aber bis 9 Uhr warten bis der Lotse kam und dann noch die 82km durch den Kanal fahren. Also kamen wir erst gegen Nachmittag bei den Schleusen an, die uns dann runter in den Pazifik beförderten. Hier wurde uns von einer Tribüne von vielen Touristen zugeschaut und da die Strömungen beim Runterschleusen anders sind, war dieses Mal ein großes Containerschiff hinter uns, statt vor uns. Unser Ausblick über die Schleusen war phänomenal.<br>Insgesamt war die Fahrt durch den Kanal ein absolut spannendes Erlebnis und für mich als Segler wirklich ein Highlight! Schon beeindruckend, was Ingenieur*innen schon Anfang des 20. Jahrhunderts bauen konnten. Doch ein Beigeschmack beim Kanal bzgl. seiner Historie bleibt und ich finde es wichtig, das zu wissen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p></p>
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		<title>Highlights in Zentralamerika &#8211; 10 Wochen zwischen Korallen und Vulkanen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Jul 2023 04:22:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zentralamerika]]></category>
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<p>Die Zeit fliegt, nichts Neues, weder für euch noch für mich, doch irgendwie überrascht es einen dann doch jedes Mal..<br>10 Wochen ist es her, dass Marieke und ich uns in Playa del Carmen im Süden Mexikos trafen und nun endet unsere gemeinsame Zeit in Liberia, Costa Rica. Eine sehr schöne und intensive Zeit in 6 verschiedenen Ländern und ein weiterer Abschnitt meiner Reise endet. Ich bin nun seit fast 9 Monaten on the road!<br>Ich möchte in diesem Blogbeitrag unsere Highlights aus Zentralamerika und einige spannende Geschichten und Begegnungen mit euch teilen. Dieses Mal ganz ohne Politik- oder Geschichts-Exkurs. Darüber schreibe ich einen eigenen Beitrag, denn die Geschichte und jüngeren politischen Entwicklungen in Zentralamerika sind absolut spannend und ich habe viel darüber gelernt. Kleiner Spoiler zum baldigen Blogbeitrag: die USA haben sich in jedem zentralamerikanischen Land mehr eingemischt als sie sollten (meine Meinung) und der Weg von Kolonien zu stabilen Demokratien war steinig und dauert bei einigen Ländern auch noch an. Doch dazu bald ausführlich.<br>Ich habe überlegt, dass ich die Zeit in Zentralamerika nicht chronologisch erzählen möchte, da es einfach wahnsinnig viele Orte waren und ich nicht das Gefühl habe, dass ihr davon beim Lesen viel habt. Wenn ihr Reisetipps braucht, meldet euch wie immer besser persönlich bei mir.<br>Stattdessen haben Marieke und ich uns am Ende unserer Zeit hingesetzt und imaginäre Preise für Länder und Orte verteilt, wie z.B. den schönsten Wasserfall, der spektakulärste Vulkan und die größte Überraschung.<br>Ich möchte hier dennoch kurz unsere Route beschreiben, ohne groß auf die Orte einzugehen, um zu skizzieren wo wir so waren und weil vlt einige von euch schon an den Orten waren und sich freuen, sich zurückzuerinnern. Falls dich die genaue Route nicht interessiert, überspringe einfach diesen Absatz und lies ab der nächsten Überschrift weiter.<br>Vom Touri-Hotspot Playa del Carmen, wo wir uns nur wegen der Nähe zum Flughafen trafen, fuhren wir schnell weiter nach Valladolid, einer meiner Lieblingsstädte in Mexiko. Danach folgten Besuche auf den Inseln Holbox und Cozumel (für den Tauchschein). Über die Ruinen von Tulum und die Lagune der 7 Blautöne, Bacalar, ging es weiter in das kleinste Land: Belize. Nach Schnorcheln/Tauchen auf der Karibikinsel Caye Caulker und Maya-Ruinen in San Ignacio, fuhren wir weiter nach Guatemala und besuchten im Norden die Maya-Ruine Tikal und die See-Stadt Flores. Über die natürlichen Pools von Semuc Champey ging es noch ein letztes Mal nach Rio Dulce/Livingston, bevor wir den Westen von Guatemala erkundeten: die Hauptstadt, den Vulkansee Atitlán, den Surf-Hostpot El Paredón und zu guter Letzt die wunderschöne Stadt Antigua, von der aus wir auf den Vulkan Acatenango kletterten. Aus Zeitgründen skippten wir Honduras, doch besuchten in El Salvador von Santa Ana aus den gleichnamigen Vulkan und die Wasserfälle von Jacua.<br>In Nicaragua waren unsere ersten zwei Basen die Städte Leon und Granada, umgeben von spektakulären Vulkanen. Außerdem besuchten wir Ometepe, die Insel mit zwei Vulkanen, und den Surf-Ort Popoyo. Zum Abschluss mieteten wir uns ein Auto in Costa Rica und besuchten die Region um Manuel Antonio und den Monteverde Nationalpark.</p>
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<h2>Die Preiskategorien</h2>
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<p>Folgende Kategorien haben wir überlegt und dann die Preise vergeben:<br>Bestes Essen, tollste Strände, beeindruckendste Fauna, größte Überraschung, Allround-Highlight, schönste Flora, fantastischste Unterwasserwelt, freundlichste Menschen, tollste Wasserfälle, spektakulärster Vulkan, schönste Unterkunft, wunderbarste Sonnenuntergänge, beste Atmosphäre, schönste Insel, bester Transport, beeindruckendste Ausgrabungsstätte, schönste Stadt.<br>Noch eine Anmerkung: Natürlich sind das alles unsere persönlichen Eindrücke und wir haben auch nicht jede Ecke von all diesen Ländern gesehen. Wenn ihr dorthin kommt, bekommt ihr vlt andere Eindrücke, aber das ist ja beim Reisen eh normal. Beginnen wir mit der Preisverleihung:</p>
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<h2>Bestes Essen: Mexiko</h2>
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<p>Das beste Essen gibt es ohne Zweifel in <strong>Mexiko </strong>– und das mit Abstand! An jeder Ecke gibt es Streetfood und auch gute vegetarische Gerichte waren einfach zu finden. An Tacos, Quesadillas und Co kommt in Lateinamerika bisher nichts ran und auch im weltweiten Vergleich muss sich Mexikos vielfältige Küche nicht verstecken. Unser Favourite auf der Halbinsel Yucatán, die auch innerhalb Mexikos für ihr spektakuläres Essen bekannt ist, waren Panuchos. Dafür wird eine frische Tortilla mit Bohnenmus gefüllt, frittiert und dann mit Bohnenmus, Fleisch und Salat belegt. Statt dem Fleisch bestellten wir meistens Käse und wir konnten wirklich nicht genug davon bekommen!<br>Ein anderes kulinarisches Highlight waren noch die Pupusas in El Salvador – ein etwas dickerer Maisteig, der mit allem möglichen gefüllt wird und dann gebraten wird wie eine Tortilla. Meine Favourties waren mit Bohnenmus und Käse oder mit Jalapenos. In den anderen mittelamerikanischen Ländern, war es mitunter schwieriger, ein vegetarisches Gericht neben Reis mit Bohnen zu finden und wir kochten noch mehr selbst.</p>
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<h2>Tollste Strände: Mexiko &amp; Costa Rica</h2>
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<p>Ein geteilter Preis, weil wir uns nicht zwischen Costa Rica und Mexiko entscheiden konnten. In Mexiko begeisterten uns am meisten die Strände auf der Insel Holbox, doch auch Tulum hat zum Beispiel schöne Strände. Einzig und allein das viele Seegras, das angespült wird, verhindert Mexikos alleinigen Sieg. Denn Costa Rica hat dieses Problem nicht, vor allem nicht an der Pazifikküste (am Pazifik hat Mexiko auch kein Seegras und die Strände von Oaxaca finde ich persönlich noch schöner, aber da waren wir dieses Mal nicht). Insbesondere die Strände bei Uvita und Esterillos Oeste in Costa Rica gefielen uns besonders gut! Also Costa Rica lohnt sich auf jeden Fall, doch habt im Kopf, dass Costa Rica wahnsinnig teuer ist.</p>
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<h2>Beeindruckendste Fauna: Costa Rica</h2>
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<p>Wenn wir einen einzigen Orten raussuchen müssten, dann wäre es der Nationalpark um die Maya-Ruine Tikal in Guatemala. Dort sahen wir verschiedene Affenarten, Waschbären &amp; verschiedenste Vögel und man kann dort auch Krokodile entdecken.<br>Doch als Land gewinnt diese Kategorie ganz klar Costa Rica. Unsere Entdeckungen waren: 4 Affenarten, 2 Faultier-Arten, Krokodile, Schlangen, eine Tarantel, Aguti (Nagetiere), Frösche, Stab-Insekten, Kolibris und einige andere Vögel. Auch wenn die Nationalparks sich besonders gut eignen, um Tiere zu beobachten, haben wir die meisten außerhalb gefunden, weil wir durch Tipps nach ihnen gesucht haben, z.B. gibt es ein Colibri-Café in der Nähe vom Nationalpark Monteverde, wo man zig Kolibris beobachten kann während man Kaffee trinkt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Größte Überraschung: El Salvador</h2>
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<p>El Salvador stand nicht von Anfang an auf unserer Liste, vielmehr wollten wir schauen ob Zeit dafür bleibt oder nicht. Doch nach einigen Berichten von anderen Reisenden war klar, dass wir zumindest einen Zwischenstopp dort machen wollten. Und das Land hat uns wirklich absolut überzeugt! Die Natur war absolut beeindruckend. Vor allem der Vulkan Santa Ana und die sieben Wasserfälle von Jacua sind spektakulär. Von den super leckeren Pupusas habe ich bereits geschrieben. Vor allem aber waren die Menschen unfassbar nett! Mehr dazu unten.<br>Die Politik des aktuellen Präsidenten Nayib Bukele lässt sich absolut zu Recht kritisieren (werde ich auch im nächsten Eintrag), da er sehr autoritär regiert und Zehntausende vermutliche Bandenmitglieder ohne Prozess eingesperrt hat. Doch die Bevölkerung hat er dabei auf seiner Seite, denn sie fühlen sich Jahren des Terrors durch die Banden wieder sicher und müssen keine Schutzgelder mehr zahlen. Außerdem freuen sie sich über mehr und mehr Besucher*innen. In näherer Zukunft ist wohl ein guter Zeitpunkt, um El Salvador zu besuchen, da das Land noch nicht touristisiert und überlaufen ist, das ist wohl auch nur eine Frage der Zeit.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Freundlichste Menschen: El Salvador</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Insgesamt hatten wir fast ausschließlich schöne Begegnungen mit den Menschen in Lateinamerika und haben sehr viele gastfreundliche, herzliche und wunderbare Menschen getroffen.<br>Doch wie gerade schon angesprochen kamen uns die Menschen in El Salvador besonders aufmerksam, zuvorkommend und freundlich vor. Ein großer Faktor ist dabei sicherlich die dunkle junge Vergangenheit des Landes, das 2015 noch die höchste Mordrate der Welt hatte. Man merkt den Menschen die Erleichterung über das Sinken der Mordraten förmlich an und dass sie alles tun wollen, damit die Besucher*innen eine gute Impression mitnehmen und gut über das Land reden. Egal wen wir um Hilfe baten, die Menschen waren absolut hilfsbereit und baten auch oft ungefragt Hilfe an. Nicht nur, dass kein Busfahrer einen höheren Preis wegen zB unserer Backpacks aufrief als für Locals. Als ich mal den Preis falsch verstand und ihm das Vierfache gab, wies er mich daraufhin, statt sich die 2 Dollar einzustecken. Ich denke ich habe mittlerweile ein ganz gutes Radar entwickelt, wann mich jemand abzieht, anlügt oÄ (ich habe gar kein Problem damit mehr zu bezahlen als Locals, sondern eher mit Unehrlichkeit), doch in El Salvador schlug das Radar gar nicht aus. Absolute Empfehlung, wenn ihr nach Zentralamerika kommt!</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Allround-Highlight: Guatemala</h2>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Wir beiden freuten uns schon vor der Reise vor allem auf die Vulkane und Landschaften von Guatemala und wir wurden absolut nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil: die Heimat des Quetzals (paradiesischer Vogel und die gleichnamige Währung) war eindeutig das Highlight in Zentralamerika! Guatemala bietet einfach alles: spektakuläre Vulkane, die teils sogar noch aktiv sind, natürliche Pools und Wasserfälle zum Springen, ein absolut beeindruckender Canyon, fantastische Seen, Surfstrände und indigene Maya-Kultur, die weit in den Alltag reicht. Insbesondere die Wanderung auf den Vulkan Acatenango, von dem wir den Vulkan Fuego ausbrechen sehen konnten war wohl das Highlight der Reise. In Guatemala hatten wir mit Mexiko auch die coolsten Unterkünfte (inkl. einem Segelboot von Freunden). Außerdem gefiel es mir vor allem bei den Pools, Wasserfällen und Höhlen bei Semuc Champey und am Lake Atitlán seehr gut! Die Stadt Flores auf einer kleinen Insel im See „Petén Itza„ war wohl eine der schönsten Städte der Reise.<br>Ihr merkt: Guatemala absolut nicht zu verpassen!!</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Schönste Flora: Santa Elena, Costa Rica</h2>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Dieser Preis geht ohne Zweifel an den Nebelwald bei Santa Elena und Monteverde in Costa Rica. Nebelwald bedeutet, dass der Wald auf 1500 – 1800 Meter Höhe fast durchgehend von Wolken eingehüllt ist. Die Pflanzen hier sind also mehr auf Luftfeuchtigkeit als Niederschlag eingestellt und es gibt unfassbar viele Pflanzen, die auf anderen Pflanzen/Bäumen wachsen: Sekundärbewuchs. Das hat zur Folge, dass wirklich alles grün ist. Neben vielen, vielen anderen Farben in Blüten und Blättern. Ein absolut faszinierendes und empfehlenswertes Erlebnis! Und auch wenn tagsüber die Tiere gut versteckt und schwer zu finden sind, konnte ich im Nebelwald eine Nachtwanderung mitmachen und mehrere Schlangen, eine Tarantel und verschiedene spannende Insekten beobachten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Fantastischste Unterwasserwelt: Caye Caulker, Belize</h2>
<!-- /divi:heading -->

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<!-- divi:paragraph -->
<p></p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Was Costa Rica für die Tiere an Land war, war Belize unter Wasser! Wir waren an einigen Orten schnorcheln, vor allem in Belize und Mexiko. Doch am fantastischsten war es sicher auf der Karibik-Insel Caye Caulker, die zu Belize gehört. Marieke und ich waren hier gemeinsam Schnorcheln und sahen bunte Korallen aller Art, unzählige Fische, Seepferdchen, Rochen, Atlantische Tarpune und Ammenhaie (und zwar Dutzende!). Doch während manche der Tiere bei der Schnorcheltour angefüttert wurden, war es bei meinen beiden Tauchgängen anders. Hier begegneten mir die Tiere zufällig. Klar sah ich nicht so viele Haie, doch dafür war es nochmal deutlich besonderer und ein kleiner Hai folgte uns über 20 Minuten, vermutlich aus Neugierde. Die besonderste Hai-Begegnung hatte ich aber in Cozumel, Mexiko. Dort sind die Haie schwer zu finden und als ich einen entdeckte und ihn meinem Tauchlehrer zeigte, war selbst er begeistert und auch für alle anderen Taucher*innen war das das Highlight ihrer Tauchgänge.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Tollste Wasserfälle: Juayúa, El Salvador</h2>
<!-- /divi:heading -->

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<!-- divi:paragraph -->
<p>In der Nähe der Stadt Santa Ana machten wir eine Tour mit anderen Reisenden zu 7 verschiedenen Wasserfällen, dabei folgten wir dem Bach, den das Wasser formt und kletterten sogar mehrere Wasserfälle selber hoch. Zum Abschluss sprang ich von einem 5 Meter hohen Wasserfall runter und wir badeten in einem Becken am Fuße des Wasserfalls. Auch wenn der Wasserfall von Naucaya in Costa Rica als einzelner beeindruckender war, waren die vielen Wasserfälle in Jacua mit der Wanderung das tollere Erlebnis!</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Spektakulärster Vulkan: Acatenango/Fuego, Guatemala</h2>
<!-- /divi:heading -->

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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/07/DSC08096-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1440" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/07/DSC08096-980x551.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/07/DSC08096-480x270.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1024px, 100vw" /></figure>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Ein absolutes Highlight der ganzen Reise und sicherlich der spektakulärste Vulkan war der Fuego in Guatemala. In einer sehr anstrengenden Wanderung kletterten wir mit einer Gruppe von 28 Personen und 4 Guides zum Basecamp des Acatenango auf 3750m. Nachmittags dort angekommen konnten wir einen fantastischen Ausblick auf den Fuego genießen und sahen ihn über 10 Mal ausbrechen!<br>Im Basecamp bekamen wir Abendessen und sangen gemeinsam am Lagerfeuer (war auch ohne Gitarre super schön). Nach einer kurzen Nacht kletterten wir zu einem wundervollen Sonnenaufgang auf den Gipfel des Acatenango auf 3976m und genossen nochmal die Aussicht auf den Fuego bevor wir den Abstieg begonnen.<br>Auch wenn die Wanderung anstrengend war, brachte sie mich nicht so sehr an meine Grenzen wie ich dachte. Auch weil eine Extra-Wanderung in der Nacht wegen des Wetters ausfallen musste.<br>Doch das Erlebnis war einmalig und die anstrengende Wanderung schweißte unsere Gruppe zusammen, sodass wir noch mit einigen in Kontakt sind.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Schönste Unterkunft: Hotelito Perdido, Rio Dulce, Guatemala</h2>
<!-- /divi:heading -->

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<!-- divi:paragraph -->
<p>An Mariekes Geburtstag fuhren wir mit dem Boot durch den Rio Dulce und einen beeindruckenden Canyon in das Karibikdorf Livingston. Nachmittags fuhren wir dann wieder ein Stückchen in den Rio Dulce rein und übernachteten im Hotelito Perdido – im verlorenen Hotel, das direkt am Fluss mitten im Dschungel liegt. In Hängematten chillten wir am Fluss, gingen baden und genossen die Ruhe und Abgeschiedenheit. Zum Abendessen, das alle Gäste gemeinsam essen, gab es eine super leckere vegetarische Lasagne und danach ließen wir den Tag entspannt mit einem Buch ausklingen. Am liebsten wären wir noch länger geblieben.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Wundervollste Sonnenuntergänge: Popoyo, Nicaragua</h2>
<!-- /divi:heading -->

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<!-- divi:paragraph -->
<p>In Popoyo am Pazifik in Nicaragua verbrachten wir drei Tage und ich ging dort Surfen – ein verhängnisvolles Mal mit meinem Handy, aber das ist eine andere Geschichte…<br>An den drei Abenden in Popoyo sahen wir drei wundervolle Sonnenuntergänge. Einmal vom Strand, einmal von einer Bar auf einer Klippe und einmal vom spektakulären Felsen „Magnific Rock“. Jeden Abend waren die Farben anders und besonders! Von gelb über orange bis zu rot und violett war alles dabei. Ich glaube es fehlte eigentlich nur die Farbe Grün 😀</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Beste Atmosphäre: Pepos Xul-Ha</h2>
<!-- /divi:heading -->

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<p>Wir haben viele tolle Momente gehabt und viele wundervolle Menschen kennengelernt, sowohl Locals als auch viele andere Reisende! Die tollste Atmosphäre, da waren wir uns schnell einig (wie eigentlich bei allen Kategorien), hatten wir in der Unterkunft Pepos Xul-Ha in Mexiko. Südlich an die Lagune der 7 Blautöne – Bacalar – schließt sich die Lagune Xul-Ha an. Im gleichnamigen Dorf verbrachten wir ein Wochenende und hatten wundervolle Hosts. Die Unterkunft befindet sich direkt an der Lagune, doch es ist viel ruhiger als in Bacalar. Selbst idyllisch wäre noch eine Untertreibung. An diesem Ort kann selbst ich innere Ruhe finden.<br>Wir übernachteten in einer kleinen Strohhütte und hatten den direkten Blick auf die Lagune, wenn wir morgens aufstanden. Da Wochenende war, hatten die Hosts Sefa und Israel Besuch von der Familie. Wir setzten uns abends dazu und ich spielte Gitarre, Wir lachten wahnsinnig viel und hatten direkt ein paar neue mexikanische Freund*innen gefunden. Als sie am Sonntag wiederkamen, um den Tag an der Lagune zu verbringen, blieben wir viel länger als gedacht an der Unterkunft und sie baten uns eine kostenlose Übernachtung an. Die Gastfreundschaft kannte wirklich keine Grenzen und wir waren schon lange keine normalen Gäste mehr. So fühlten wir uns zumindest nicht mehr.<br>Als wir dankten ablehnten, weil wir schon eine Unterkunft in Chetumal gebucht hatten und am nächsten Tag weiter nach Belize wollten, brachten sie uns bis zu unserer Unterkunft und zeigten uns noch die Promenade von Chetumal, wo wir ein letztes Mal die super leckeren Marquesitas aßen.</p>
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<h2>Schönste Insel: Holbox, Mexiko</h2>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Alle meine Freund*innen, die schon mal auf Holbox waren, schwärmen von dieser Insel und so wollte ich auch unbedingt mal dort hin! Und sie haben nicht übertrieben. Holbox ist wunderschön und hat einen tollen Vibe. Die Insel liegt nördlich von der Halbinsel Yucatán und der bewohnte Teil ist relativ klein, sodass man zB mit dem Rad alles gut erreichen kann! Autos gibt es auf der Insel keine, doch es fahren viele Golfkarts rum.<br>Die Strände sind wunderschön und man findet auch einige, an denen nicht viel los ist. Besonders schön fanden wir Punta Cocos, wo gar kein Seegras angespült wird, wie an vielen anderen. Ganz in der Nähe findet man dann noch ein besonderes Natur-Schauspiel: bioluminiszente Kleintierchen, die im Wasser leuchten. Sehen kann man diese nur in der Nacht und ohne Mondlicht, sodass wir um 4 Uhr aufstanden und mit einem faszinierenden Anblick belohnt wurden. Wir konnten sogar in dem leuchtenden Wasser schwimmen und hatten überall am Körper immer wieder kleine leuchtende Punkte. Wirklich ein besonderes Erlebnis.<br>Man kann auf Holbox auch Schweinswale und Krokodile sehen, aber wir wollten keine der überteuerten Touren machen. Auch weil Holbox uns schon so seehr gefallen hat.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Bester Transport: El Salvador</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Das verbreitetste öffentliche Transportmittel in Zentralamerika ist der Bus, sodass wir uns hauptsächlich damit fortbewegten. Nur in Guatemala fuhren wir recht häufig in kleinen Shuttle-Bussen mit anderen Reisenden, da die Orte teilweise recht abgeschieden waren. Doch das gefiel uns beiden nicht besonders gut, lieber reisen wir günstig und mit den Locals.<br>Die bequemsten Busse hat sicher Mexiko und diese sind auch extrem gut ausgestattet. Häufig gibt es sogar WiFi. Allerdings sind die auch relativ teuer.<br>Daher gewinnt dieses Ranking El Salvador. Das Bus-System dort war sehr ausgebreitet, sodass man wirklich überall mit dem Bus hinkommt. Außerdem sind die Busse sehr verlässlich und fuhren tatsächlich zu den Zeiten los (circa), die uns gesagt wurden. Und auch die Preise waren die niedrigsten, die wir hatten. Eine Busfahrt von bis zu 2 Stunden kostete zwischen 50 und 80 Cent und die Fahrer verlangten auch niemals mehr von uns. Als ich einmal den Preis falsch verstanden hatte und mehr geben wollte, wies der Busfahrer das zurück und steckte sich das Geld nicht einfach ein.<br>Letztes Argument für die Busse in El Salvador ist das Erlebnis. Wie in vielen anderen zentralamerikanischen Ländern fahren hier auch viele Chicken Busses, ehemalige Schulbusse aus den USA und echte Oldtimer. Im Vergleich zu Guatemala fuhren die Fahrer aber deutlich entspannter und nicht so halsbrecherisch.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Beeindruckendste Ausgrabungsstätte: Tikal, Guatemala</h2>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Tikal war nicht nur die beeindruckendste Ausgrabungsstätte während dieser Reise, sondern für mich die beste, die ich je besucht habe. Und das obwohl ich schon wirklich viele Ausgrabungsstätten besucht habe, inklusive der Sonnenpyramide von Teotihuacan, die Akropolis in Athen und dem Weltwunder der Moderne Chichén Itza.<br>Tikal war eine riesige Maya-Stadt, in der bis zu 50.000 Menschen gelebt haben – irre für die Zeit! Bei der geführten Tour, die 5 Stunden lang war, haben wir viel über die Maya gelernt und es war wieder beeindruckend, wie fortgeschritten sie in Mathematik, Astronomie und Co waren, wie genau sie zB astronomische Ereignisse voraussagen konnten. Wir wären in der Wissenschaft heute mit Sicherheit deutlich weiter! Doch die Herrscher-Elite bei den Mayas behielt ihr Wissen für sich, um ihren Gott-Status aufrechtzuerhalten und so ging mit dem Zusammenbruch der großen Maya-Reiche (noch vor der Ankunft der Spanier) auch das Wissen zu großen Teilen verloren. Und so haben die über 6 Millionen Maya, die noch heute in Guatemala, Mexiko und Co leben, nur noch einen Bruchteil von dem Wissen, doch die Bräuche sind noch sehr präsent.<br>Was Tikal außerdem ausmacht, ist, dass es mitten im Dschungel liegt. Nur ein geringer Teil der Stadt ist überhaupt ausgegraben und so läuft man an einigen „Hügeln“ vorbei, die in Wahrheit bewachsene Tempel sind. Auch wegen der Natur, durch die man läuft, ist Tikal so wunderschön. Tatsächlich ist der Ort daher nicht nur Weltkulturerbe der UNESCO, sondern auch Weltnaturerbe. Das sind sonst nur 38 andere Orte weltweit.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Schönste Stadt: Valladolid, Mexiko</h2>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/07/IMG_20230426_180354-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-1470" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/07/IMG_20230426_180354-980x735.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/07/IMG_20230426_180354-480x360.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1024px, 100vw" /></figure>
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<p>Man kann an den Spaniern und der Kolonialisierung viel kritisieren, doch die Architektur der Spanier war wirklich schön, sodass die Kolonialstädte für mich meistens die schönsten Städte in zentralamerikanischen Ländern sind. Leider nutzten sie für viele Gebäude, insbesondere Kirchen, Steine aus indigenen Städten, die sie abrissen. Was mir außerdem nicht so gefällt ist, dass die Städte in der Regel komplett quadratisch aufgebaut sind, das nimmt ihnen das Spontane, Überraschende.<br>Doch das Stadtbild ist in der Regel wunderschön und vor allem sauber! Etwas das man über viele andere Orte in Zentralamerika leider nicht sagen kann, da viele Menschen keinerlei Gefühl für Umweltverschmutzung haben und ihren Plastikmüll literally dort fallenlassen, wo sie ihn nicht mehr brauchen…<br>Die Häuser sind zumindest im Zentrum von den kolonialen Städten, gepflegt und häufig in verschiedensten, satten Farben angestrichen. In einigen Städten gibt es sogar Farbkataloge, die vorschreiben, in welchen Farben ein Haus angestrichen werden kann. Auch bestimmt Architektur-Stile werden vorgeschrieben.<br>Zu diesen schönen Städten gehören für mich vor allem Granada &amp; Leon in Nicaragua und Antigua &amp; Flores in Guatemala. Doch am besten gefiel Marieke und mir die Stadt Valladolid in Mexiko. Ich war schon vorher dort und Fan der Stadt, die bunt und schön ist und viele Besonderheiten Mexikos vereint: unter anderem die Karsthöhlen Cenotes, indigene Kultur und gutes Essen!</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Wenn du bis hierher gelesen hast oder auch nur über die Bilder gescrollt hast: freut mich, dass du nun einen kleinen Eindruck von unserer Zeit in Zentralamerika bekommen hast. Es ist wirklich nur ein Bruchteil der Bilder, Geschichten, Erlebnisse und ich bin unendlich dankbar, dass ich das alles sehen, fühlen und schmecken durfte.<br>Ich kann jedes Land ohne Einschränkungen empfehlen. Bitte melde dich, wenn du Tipps möchtest 🙂</p>
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		<title>Besuche, Besuche, Besuche in Mexiko &#038; ein Herzensprojekt für Asylsuchende</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Jun 2023 04:54:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zentralamerika]]></category>
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<p>Wenn ihr über das Projekt „El Samaritano“ lesen wollt, das Asylsuchende auf dem Weg in die USA unterstützt, dann schaut weiter unten!<br>Mexiko ist für mich ein ganz besonderes Land und war deswegen auch ein besonderer Stopp dieser Reise. Mexiko ist für mich nach Hause kommen. Mexiko heißt, hunderte schöne Erinnerungen nochmal zu leben. Mexiko heißt, das beste Essen der Welt essen. Mexiko heißt, Freund*innen wiedertreffen, dich ich sehr lange nicht gesehen habe und die mir wirklich gefehlt haben. Mexiko heißt, dass ich mich so wohl fühle, wie es nur geht. Mexiko ist für mich eben Zuhause! Und das tat nach 5 Monaten auf Reisen richtig gut!</p>
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<h2><br>Mexikanische Gastfreundschaft: 4 Wochen ohne Hunger</h2>
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<p>In Mexiko muss ich mich nicht an eine neue Währung gewöhnen. In Mexiko weiß ich, was ich wo kaufen kann und wie viel es kostet. Ich kenne die Wege, die Menschen, die Geschichte und Politik. So war Mexiko auf der einen Seite Entspannung: ich konnte in Cardonal meinen Rucksack auspacken und musste ihn zwei Wochen lang nicht einpacken.<br>Cardonal ist ein kleines Bergdorf im Bundesstaat Hidalgo. Dort habe ich vor 9 Jahren einen Freiwilligendienst machen dürfen und auch wenn ich an vielen anderen Orten in Mexiko Menschen kenne und auch an einigen gelebt habe, ist Cardonal mein Zuhause in Mexiko. Und es ist nebenbei noch ein wunderschöner Ort!<br>Cardonal liegt auf 2000 Meter Höhe in den Bergen. Wälder sucht man hier vergeblich, dafür findet man verschiedenste Kakteen und fantastische Ausblicke! Die Menschen sind bescheiden und gastfreundlich, es ist nicht so touristisch wie in anderen Teilen Mexikos, sondern eher ursprünglich. Es gibt sogar noch einige Menschen, die kein Spanisch sprechen, sondern die indigene Sprache Hñahñu.</p>
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<p>Einen touristischen Ort gibt es doch und was für einen: Tolantongo und La Gloria liegen auf den beiden Seiten eines Flusses. Doch das Wasser in diesem Fluss ist nicht eiskalt wie das eines normalen Bergflusses. Es ist warm wie in der Badewanne und kommt hier aus der Erde. Dass sich ein ca. 6m breiter Fluss aus warmem Wasser bildet, ist eigentlich schon spektakulär genug, doch es gibt noch mehrere spektakuläre Höhlen zu entdecken, wunderschöne natürliche Pools und bei La Gloria ein fantastisches Naturbad in einer Felsspalte! Hier in Zelten am Fluss oder Naturpool zu übernachten ist unbeschreiblich.<br>Doch, da ich schon häufig dort war und so viele Menschen wie möglich besuchen wollte in den 4 Wochen bis Marieke dazukam, war ich dieses Mal nicht in Tolantongo oder La Gloria. Und da kommen wir auch schon zum schönen und anstrengenden Teil in Mexiko: die Besuche.<br>Das letzte Mal war ich vor viereinhalb Jahren in Mexiko, vorher waren es maximal eineinhalb Jahre zwischen meinen Besuchen. Und so waren die 4 Wochen vollgepackt mit unzähligen Besuchen bei sooo vielen Menschen, die mir viel bedeuten. Es war wundervoll und herzerfüllend! Aber es war auch anstrengend.<br>Wenig Schlaf stand übermäßigem Essen gegenüber, denn Besuche in Mexiko sind immer mit Essen verbunden. Entweder wurde für mich gekocht oder ich wurde in irgendeinem Restaurant eingeladen. Und so gab es Tage an denen ich zwei Mal frühstückte, zwei Mal zu Mittag aß und natürlich auch zwei Mal zu Abend – 6 Mahlzeiten sind schon eine Herausforderung.<br>Aber ich bin ja nicht zum ersten Mal in Mexiko 😉 Ich war also vorbereitet und aß immer so viel, dass es nicht unhöflich war und ich meinen Appetit auf dieses unfassbar leckere Essen tilgte, aber nie so viel, dass ich gar nicht mehr konnte. Hunger hatte ich trotzdem in den 4 Wochen nicht 😀 Ein Ausdruck der mexikanischen Gastfreundlichkeit und auch ihrer Kultur: ein Nein wird nur widerwillig akzeptiert, denn die Menschen denken, dass sie irgendwas falsch gemacht haben, wenn man nichts isst. Und ich will ja auch nicht, dass sie sich schlecht fühlen 🙂</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Von Dorffesten, Fruchtwein und meinem ersten Tattoo</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ich möchte und werde euch hier nicht mit einer Liste von den Namen der 19 Familien bzw. über 80 Freund*innen, die ich besucht habe, nerven. Ich zeichne ein bisschen meine Route und die Stopps, die ich gemacht habe, und erzähle von ein paar besonderen Erlebnissen. Wenn ich die Zeit finde, werde ich hier auch nochmal über 2, 3 weitere Projekte berichten. Das erste stelle ich unten vor – ein Migrantenhaus, das Menschen versorgt, die durch Mexiko in die USA reisen. Eine beeindruckende Arbeit, die ich euch gerne etwas näherbringen möchte und die ihr auch unterstützen könnt, wenn ihr wollt! Doch zunächst noch zu meinen Besuchen: als ich aus Kuba nach Mexiko kam, besuchte ich zunächst meinen Freund Eduardo in Cuernavaca, ca 2 Stunden von Mexiko entfernt. Eduardo kenne ich aus meinem Auslandssemester in Mexiko und war damals auch noch mit ihm im Urlaub an der Küste. Eduardo hat wie ich Mathematik studiert, war aber schon damals etwas alternativer als seine Studienkolleg*innen unterwegs, die mittlerweile zu großen Teilen für Google, Oracle und Co arbeiten. Eduardo begeistert sich für Jonglage und Parcour und hat vor zwei Jahren eine neue Leidenschaft entdeckt, mit der er sich ein eigenes Business aufbauen möchte: er fermentiert verschiedene Fruchtweine und die sind echt mega lecker!<br>Nach 3 Tagen bei Eduardo und seiner Mutter, blieb ich für 2 Wochen über Ostern in Cardonal, meinem Lieblingsort in den mexikanischen Bergen. Neben unzähligen Besuchen spielte ich dort auch im Kreuzweg an Ostern mit, der in Mexiko teilweise sehr aufwändig geschauspielert wird. Ich konnte mit einigen bekannten Freunden ein Konzert spielen, mehrere Dorffeste besuchen und meinen Geburtstag nachfeiern. Dass bei der Feier über 40 Freund*innen zusammen kamen, bedeutet mir die Welt. Es war einfach unfassbar schön! Übernachtet habe ich bei meiner mexikanischen Familie: Obdulia und Martin sind für mich wie Eltern und Stephanie, Nicole und Christian wie Geschwister. Doch mit meinem besten Freund Ivan und seiner Familie verbrachte ich mind. genauso viel Zeit, ich habe wohl zwei mexikanische Familien (wenn nicht sogar viele mehr) 🙂 </p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<!-- divi:paragraph -->
<p>Wie mein Freund Goyo neben den Solar-Boilern und dem Agaven-Dicksaft, die er seit Jahren herstellt, nun auch noch feinsten Schnaps brennt, ist einen eigenen Blogbeitrag wert, den ich bei Gelegenheit schreibe. Von Cardonal ging es nach einigen Tränen zum Abschied weiter nach Queretaro. Mit Cristobal, den ich bei seinem Freiwilligendienst in Deutschland kennengelernt habe (seit 7 Jahren gibt es nun endlich auch Reverse-Freiwillige, die aus Mexiko nach Deutschland kommen) besuchte ich noch in Peña de Bernal, wo wir den dritthöchsten Monolith der Welt bestaunen konnten! <br>Am nächsten Tag ging es schon weiter nach Guanajuato, wo ich vor 5 Jahren mein Auslandssemester startete und viele Freundschaften schloss. Auch, wenn viele der Freund*innen von der Uni weggezogen sind, kenne ich doch noch einige und hatte vor allem schöne Abende in den Bars. Für mich ist Guanajuato die schönste Stadt Mexikos. Sie ist bunt, chaotisch und hat unzählige Dachterrassen mit wunderbaren Ausblicken. Hier finden sich auch viele der Bars wieder, wobei ich leider feststellen musste, dass ca. die Hälfte von den guten Bars Covid zum Opfer gefallen ist. (ich spare mir hier mal einen Witz mit der mexikanischen Biermarke)</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<!-- divi:paragraph -->
<p>Das emotionalste Wiedersehen in Guanajuato war mit meiner Freundin Reyna, die extra aus Mexiko-Stadt für das Wochenende nach Guanajuato kam. Mit Reyna war ich im Auslandssemester sehr dicke und unser Wiedersehen war so schön, dass wir uns spontan entschieden uns ein gemeinsames Tattoo stechen zu lassen. Wenn ihr neugierig seid, was es wohl ist, müsst ihr euch leider gedulden bis wir uns Live sehen 😉</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Der größte Jahrmarkt Mexikos und meine mexikanische Oma</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Auf dem Weg von Guanajuato nach Guadalajara, die zweitgrößte mexikanische Stadt, machte ich noch einen Zwischenstopp in Aguascalientes. Mein Freund Daniel nahm mich mit auf ein Konzert der Band Enjambre und zur größten Feria Mexikos. Eine Feria ist ein Jahrmarkt, der zur Heiligenfeier von Städten und Dörfern ausgerichtet wird. In den meisten Orten Mexikos ist das die größte Feier des Jahres vlt noch zusammen mit dem Nationalfeiertag am 15. September. Und die in Aguascalientes ist die größte des Landes und war wirklich beeindruckend! Es gibt hunderte Essensstände, Karuselle, Kunsthandwerk, Spiele und mehrere Bühnen in der ganzen Stadt.<br>In Guadalajara, wo ich direkt am nächsten Tag in meinem Besuchs-Wahn hinfuhr, besuchte ich vor allem Studienkolleg*innen aus Guanajuato. Eben jene, die mittlerweile bei Oracle oder Walmart oder anderen arbeiten. Wirklich jedes Wiedersehen war schön, doch die mit meinen Freundschaften aus Guanajuato besonders, weil ich sie zum ersten Mal wiedergesehen habe! In Guadalajara traf ich außerdem noch einen anderen Ex-Freiwilligen und eine Nonne, mit der ich bei meinem Freiwilligendienst in Cardonal zusammengelebt habe. Damals lebte ich mit zwei Priestern und vier Nonnen. Drei der Nonnen waren relativ jung und die vierte im Bunde, Madre Esther, war damals schon alt. Jetzt ist sie es noch mehr. Doch ihr großes Herz und ihren bewundernswerten Missionsgeist (in ihrem Falle absolut positiv und nicht so aufzwingend wie bei den ursprünglichen Missionaren) hat sie nicht verloren. So hat sie sich mehrfach bei mir beschwert, dass man sie im Alter von über 80 nicht alleine das Altenheim der Nonnen verlassen lässt, in dem sie mittlerweile unterkommt. Für mich ist Madre Esther wie eine Oma und sie hat sich auch genauso dolle gefreut wie meine Oma damals, wenn ich sie besucht habe &lt;3 </p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<!-- divi:paragraph -->
<p>Nach der zweitgrößten Stadt kam dann zum Abschluss der Besuchsreise natürlich noch Mexiko-Stadt, wo ich bei Reyna für 3 Nächte unterkam und jeden Tag mehrere Freund*innen traf. So setzte ich mich extrem erschöpft, aber super glücklich in den 28-Stunden Bus nach Cancun, um Marieke zu treffen. Doch der Touri-Part im Süden Mexikos ist Teil des nächsten Blogeintrags, den ich mit unserem kurzen Besuch in Belize verbinden möchte 🙂</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Das Migrantenhaus „El Samaritano“ bei Tula, Mexiko</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Mexiko ist seit Langem ein Transitland für Menschen auf dem Weg in die USA, denn auf dem Landweg ist es unmöglich, nicht durch Mexiko zu reisen. Und während die Zahlen der Asylanträge von Mexikaner*innen in den USA in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist, laut Segob-Bericht lag sie 2022 bei nur noch 3,5 Prozent, sind die aus Zentral- und Südamerika stark gestiegen. 22,7 Prozent der Anträge kamen aus Zentralamerika, 18,7 Prozent aus Venezuela und fast alle diese Menschen reisen durch Mexiko. Es gibt zwar auch Shuttles, die Asylsuchende von Guatemala bis an die US-Mexiko-Grenze bringen, doch die ca. 1000 Dollar dafür kann kaum jemand aufbringen. In Guatemala habe ich mit jemandem gesprochen, der jahrelang diese Shuttle-Fahrten durch Mexiko machte. Wer sich die leisten kann, ist recht sicher, denn in den 1000 $ sind Schutzgelder an verschiedene mexikanische Kartelle wie die Zetas eingerechnet. Da die meisten sich dies aber nicht leisten können, müssen sie andere Wege finden, um die mindestens 2000km durch Mexiko zurückzulegen. Viele nutzen dafür die Güterzüge, die durch Mexiko fahren. Unter Mexikaner*innen und Asylsuchenden wird der Zug nur „La Bestia“ genannt, weil es so gefährlich ist, auf ihn aufzuspringen und an anderer Stelle wieder abzuspringen. Erst vor Kurzem fiel in der Nähe von Tula ein Mann aus Venezuela vom Zug und ihm mussten beide Beine amputiert werden – ein schreckliches Schicksal, das nur eines von vielen ist.<br>Hinzukommt, dass Asylsuchende in Mexiko sowohl von Banden als auch teilweise von der Polizei häufig wie Abschaum behandelt werden. All das nachdem sie schon vor Mexiko Wochen oder Monate unterwegs waren. Viele Menschen aus Venezuela überqueren zudem den extrem gefährlichen Dschungel des Darién-Gap zwischen Panama und Kolumbien, wo ihnen auch häufig Banden auflauern.<br>Um die Menschen in Mexiko zu unterstützen gibt es viele sogenannte Migrantenhäuser, die vor allem an der Zugstrecke von La Bestia liegen. Eines dieser extrem wichtigen Häuser ist das Migrantenhaus „El Samaritano“ in der Nähe von Tula.<br>Schon seit vielen Jahren unterstützen wir mit dem Verein animo e. V. „El Samaritano“ und ohne es besucht zu haben war das Projekt mir ein Herzensanliegen, da Flucht &amp; Migration seit Jahren für mich mein politischer Schwerpunkt sind.<br>Animo e. V. ist ein Verein von ehemaligen Mexiko-Freiwilligen, die sich für interkulturellen Austausch zwischen Mexiko und Deutschland einsetzen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<!-- divi:paragraph -->
<p>Als ich nun bei meinem Besuch in Mexiko endlich mal persönlich bei dem Haus vorbeifuhr, in dem schon einige Freiwillige und Freund*innen von mir in den letzten Jahren mitgeholfen haben, war ich noch deutlich beeindruckter als von den Berichten.<br>In der Nähe von Tula gibt es eine Stelle, wo der Zug regelmäßig hält oder langsamer fährt und es so die Möglichkeit, auf- und abzuspringen. Dort öffnet „El Samaritano“ Dienstag bis Sonntag die Pforten, um die Menschen zu versorgen. Ich konnte einen Tag den Ablauf mitmachen und auch ein bisschen mithelfen.<br>An dem Tag kamen ca. 15 Asylsuchende an, die meisten waren aus Honduras oder Venezuela. Als erstes bekommen die Menschen, die meistens sehr hungrig sind ein Frühstück angeboten. Nach dem Frühstück können sie sich duschen und kriegen Klamotten aus einer Kleidersammlung, falls sie neue Klamotten brauchen. Die meisten von ihnen hatten kleine Rucksäcke, in dem alles war, dass sie dabei hatten oder noch besaßen.. Selbstverständlich gibt es auch eine Apotheke, sodass die Menschen medizinisch versorgt werden können, falls nötig.<br>Wer möchte, kann sich danach ausruhen. Dabei gibt es einen Extra-Ruhebereich für Frauen und Kinder. Als alle gefrühstückt und sich gewaschen hatten, gab es Zeit, dass ich mich mit den Menschen unterhalten konnte und auch ein bisschen Musik mit und für sie machen konnte. Die Schicksale und Geschichten, die ich mitbekam, erinnerten mich häufig an Flüchtende, die ich bei Rettungsmissionen im Mittelmeer kennengelernt habe. Da waren sowohl junge Männer, die ihre Familien und teilweise sogar Ehefrau mit Kindern zurückließen, in der Hoffnung, sie aus den USA besser versorgen zu können, als auch gesamte Familien, die zusammen reisten.<br>Und leider ist auch die Art wie mit Asylsuchenden in den USA umgegangen wird ähnlich wie in Europa. In den letzten drei Jahren schoben die USA ca. 2,7 Millionen Menschen ab, davon 2,3 Millionen nach Mexiko.<br>Nach den Gesprächen aßen wir noch gemeinsam zu Mittag bevor sich die Menschen weiter auf den Weg machten. Es war schon ein bedrückendes Gefühl, ihnen hinterherzuschauen.<br>Für mich ist die Arbeit, die Schwester Luisa und so viele andere Freiwillige leisten, unglaublich wichtig und ich bin froh, dass ich mir einen besseren Eindruck verschaffen konnte.<br>Wenn ihr wie ich das Projekt unterstützen möchtet, dann würde ich mich sehr darüber freuen und ihr könnt dafür Geld auf das Konto von animo e. V. überweisen. Die Spenden gehen zu 100% an „El Samaritano“. Animo ist ein ehrenamtlicher Verein, der die extrem geringen Verwaltungskosten durch Mitgliederbeiträge trägt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>animo e. V.<br>IBAN: DE98 4006 0265 0018 4487 00<br>BIC: GENODEM1DKM</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Alternativ könnt ihr mir auch Geld per PayPal an kai-echelmeyer@web.de schicken, dass ich dann zu 100% an animo überweise.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Vielen Dank für eure Unterstützung!</p>
<!-- /divi:paragraph --></div>
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		<title>Kuba &#8211; der Versuch eines authentischen Einblicks</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 May 2023 04:30:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Karibik]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><!-- divi:paragraph -->
<p>Mit einem Besuch in Kuba verbindet man vor allem Salsa, Musik in der Straße, Rum, Zigarren, Oldtimer und kubanische Lebensfreude, so entsteht schnell ein romantisches Bild von dem Land. Und selbstverständlich gehören all diese Dinge untrennbar zu Kuba, sodass das Bild nicht komplett an der Realität vorbei geht und ich auch wegen der leckeren Cocktails und der vielen Musik eine tolle Zeit in Kuba hatte. Und die Kubaner*innen waren tatsächlich unglaublich freundlich &#8211; unglaublich vor allem, wenn man mit ihnen ins Gespräch kommt und erfährt, in welch starker Wirtschaftskrise das Land steckt und wie es den Menschen geht. Das gehört nämlich genauso zur Lebensrealität der Kubaner*innen.</p>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Ich beschreibe zunächst, wie es den Menschen aktuell geht, was ich gesehen und erlebt habe und versuche dann später durch einen Einblick in die Geschichte ein bisschen aufzuzeigen, was zur aktuellen Situation in Kuba geführt hat.<br>Eine erste Idee von der Situation in Kuba bekam ich schon vor meiner Ankunft in Santiago de Kuba im Südosten des Landes. Ich hatte vorher auf Couchsurfing einige Gastgeber*innen angeschrieben und mehr Antworten bekommen als gewöhnlich. Doch die meisten schrieben mir, dass es ihnen nicht erlaubt sei, Reisende aufzunehmen. Das darf in Kuba nur, wer offiziell eine Herberge anmeldet. So blieb mir nur ein Hostel von einem Couchsurfer (eigentlich wirklich nicht die Idee von Couchsurfing). <br>Kurz vor Abreise aus der Dom Rep bekam ich dann doch noch eine Nachricht mit dem Angebot einer Unterkunft in Santiago. Da hatte ich das Hostel aber schon gebucht und wollte die Familie auch nicht in Schwierigkeiten bringen. Margarita (Name geändert) hatte mir auf Couchsurfing geantwortet und mir sofort klar gemacht, dass sie mich als Teil ihrer kubanischen Familie sehe – so gastfreundlich wie sich das anhört war die Familie auch und ich fühlte mich sehr zuhause dort, auch wenn ich nicht in ihrem Haus übernachtete. Dennoch verbrachte ich viel Zeit mit und bei ihnen. Bereits vor meiner Ankunft bat Margarita mich, ihr einige Dinge mitzubringen, die sie in Kuba nicht bekommt. Das waren vor allem Gewürze wie Curry, Gemüsebrühe und Lorbeerblätter, aber auch medizinische Produkte. Ich bereitete ihr gerne diese Freude und steckte noch Stifte und Luftballons für die Kinder in Kuba ein, da ich gelesen hatte, dass sie sich sehr darüber freuen und dem war tatsächlich so. Häufig kamen Kinder an und fragten nach Geld oder Süßigkeiten, über einen Luftballon freuten sie sich dann sehr. <br>So reiste ich also mit ca. 3 Kilo Geschenken im Gepäck nach Kuba und fragte mich schon, ob ich evtl. Probleme am Flughafen bekommen könnte. Doch spätestens als ich in Kuba das Gepäckband sah, verflog meine Sorge, denn außer mir waren nur Kubaner*innen im Flieger, die jeweils 3 &#8211; 5 riesige Koffer dabei hatten. Vermutlich reisen sie in die Dom Rep, um von dort Dinge für ihre Familie mitzubringen und einen anderen Teil zu verkaufen. Eine Möglichkeit, um in der Krise Geld zu machen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Kuba und die Krisen</h2>
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<p>Doch was genau ist das für eine Krise aktuell? Weiter unten werde ich die Hintergründe etwas besser beleuchten, doch in der Kürze trugen ein Embargo von den USA und anderen westlichen Staaten und die Abhängigkeit von der Sowjetunion als kommunistischer Partner dazu bei, dass Kuba nach dem Zusammenbruch der UdSSR in den 1990ern eine schwere Wirtschaftskrise erlebte und sich daraufhin, immer mehr vom Tourismus abhängig machte. Dieser kam während der Pandemie für lange Zeit zum Erliegen. So fehlte ein großer Teil der Einnahmen und es folgte die nächste starke Wirtschaftskrise in den letzten Jahren.<br>Dass es nicht nur Margarita so geht, dass ihr und ihrer Familie einige Dinge unzugänglich sind, (ihnen gehts im Vergleich zu anderen Kubaner*innen noch relativ gut), kriegte ich dann schnell im Gespräch mit den Menschen mit – insbesondere durch meine Straßenmusik. Santiago ist die Heimat des kubanischen Son (ähnlich zu Salsa) und der melancholischen Gitarrenmusik Trova, sodass Musik dort eine große Rolle spielte. Umso mehr freute mich, dass ich viel positives Feedback bekam als ich mit der Gitarre durch die Straßen zog. Von kaum einem anderen Volk ist das ein größeres Kompliment. Da Santiago de Cuba weniger touristisch ist als andere Orte des Landes und ich mehr durch die Seitenstraßen ging als an den Hauptplätzen zu spielen, kam ich mit vielen Kubaner*innen ins Gespräch. Viele sagten mir die gleiche Phrase, die mir hängen blieb: „In Kuba leben wir nicht, wir überleben“. Es ist dazu zu erwähnen, dass die Region um Santiago im Südosten des Landes, fernab der Hauptstadt, wohl die ärmste Region Kubas ist. Hennoch beobachtete ich ähnliche Probleme auch in den anderen Orten, an die ich ging.<br>Alleine schon, an Lebensmittel zu kommen, ist in Kuba gar nicht so einfach, von anderen Alltagsdingen gar nicht zu sprechen. Seit der Revolution und der offiziellen Einführung des Kommunismus gibt es in Kuba die sogenannte Libretta. Übrigens, ob Kuba wirklich (noch) ein kommunistisches Land ist, darüber wird viel diskutiert und gestritten. Ich würde Kuba eher als sozialistisches Land bezeichnen, behaupte aber auch nicht, dass ich damit auf jeden Fall richtig liege.<br>Jedenfalls ist die Libretta ein kleines Büchlein, das jede Familie hat und mit der sie sich mehrere Male im Monat Lebensmittel zu einem sehr günstigen Preis in Verteilstellen der Regierung abholen können. Ein Pfund Reis kostet dort aktuell z.B. ca. 7 kubanische Pesos – ca. 4 Cent. Davon bekommt man aber nur eine rationierte Menge, die nicht ausreicht, um über den Monat zu kommen. Genauso bei anderen Lebensmitteln.<br>Um das weitere Essen zu besorgen, gibt es aktuell folgende Möglichkeiten: man geht auf dem Markt oder in privaten Geschäften einkaufen (diese sind seit Kurzem erlaubt, vorher gab es nur Geschäfte vom Staat). Dann kann man mit kubanischen Pesos bezahlen, allerdings fehlt häufig einiges und/oder man muss Stunden lang anstehen. Wenn man die Zeit nicht hat, weil man arbeitet o.Ä. kann man in Geschäften der Regierung die restlichen Dinge einkaufen, dort kann man allerdings nur mit einer Karte bezahlen. Auf dieser Karte befinden sich Convertibles Cubanos (CUC), eine neue Währung, die die Regierung zu Beginn der Pandemie geschaffen hat. Ein CUC lässt sich mit einem Euro oder einem Dollar erwerben, nicht jedoch mit Kubanischen Pesos. Übrigens empfiehlt es sich deswegen, Dollar statt Euro mit nach Kuba zu nehmen, da diese als gleichwertig behandelt werden.<br>Da man den CUC also nicht mit kubanischen Pesos erwerben kann, müssen die Kubaner*innen dafür zwangsläufig Geld mit Touristen oder anderen tauschen. So ist ein Schwarzmarkt des Geldes entstanden: Wenn ich mit meiner Kreditkarte bei einer kubanischen Bank Geld abhebe, kriege ich für einen Euro ca. 120 Kubanische Pesos. Doch auf der Straße sind es 170 – 180 Kubanische Pesos &#8211; also 50% mehr. Übrigens gibt es auf Kuba gar keine Kreditkarten, sodass Kubaner*innen, wenn sie verreisen (was überhaupt nur sehr wenige können), mit Bargeld reisen müssen.<br>Eine wirklich schwierige Situation und leider zu Teilen von der Regierung verursacht, auch wenn ich zu keinem Zeitpunkt die USA aus der Verantwortung nehmen möchte.<br>In Santiago verbrachte ich am Ende einen Tag länger als ursprünglich gedacht, weil ich mich bei Margarita und ihrer Familie so wohl fühlte und mit Freunden das Halbfinale der Baseball-Weltmeisterschaft sehen wollte. Leider verlor Kuba haushoch gegen die USA, das Halbfinale war aber schon eine Überraschung. Baseball ist in Kuba wie auch in der Dom Rep und Puerto Rico der Landessport Nummer 1.<br>Neben den Menschen und der Musik, die mir in Santiago sehr gut gefiel, begeisterten mich vor allem das spannende Rum-Museum und ein Ausflug mit meinem Freund Rauber zur Festung „Castillo del Morro“. Auch Rauber hatte ich über Couchsurfing kennengelernt und habe erst im Nachhinein herausgefunden, dass wir eine gemeinsame Freundin in Köln haben.</p>
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<p>Auf dem Weg Richtung Havanna im Westen des Landes machte ich noch einen Zwischenstopp in den Städten Sancti Spiritus und Trinidad. In Trinidad übernachtete ich wieder bei einer kubanischen Familie, dieses Mal aber in ihrer Herberge. Trinidad ist eine klassische ehemalige Kolonialstadt, mit schönen Gebäuden im Zentrum und einem wunderschönen vorgelagerten Strand, den ich zum Schnorcheln besuchte. Abends ging ich noch in eine Disko in einer Höhle, bevor ich dann am nächsten Tag weiterfuhr nach Havanna.</p>
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<!-- divi:heading -->
<h2>Havanna und die Wahlen in Kuba</h2>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>In Havanna übernachtete ich das erste Mal in einem Hostel mit vielen anderen Travellern und lernte coole Menschen kennen, mit denen ich auch einige Ausflüge machte. In Havanna selber waren die Highlights wieder das Rum-Museum von Havanna-Rum, die vielen guten Cocktails, die riesige Festung mit wundervollem Sonnenuntergang und die Fabrica de Artes: ein großes, altes Fabrikgebäude, in dem mehrere spannende Kunstausstellungen beherbergt werden und gleichzeitig abends eine Disko mit mehreren Floors und Live-Musik öffnet.</p>
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<p>Doch auch der Kontakt zu Locals kam in Havanna nicht zu kurz. Wieder eröffneten mir Couchsurfing und meine Gitarre die Möglichkeit, mit vielen Kubaner*innen ins Gespräch zu kommen. Highlight war als eine Gruppe von ca. 20 Kindern mir zuhörte. Natürlich freuten sie sich auch sehr über die Luftballons, die ich aus der Dom Rep mitgebracht hatte und ihnen danach gab. Bevor die kurze Zeit von 10 Tagen in Kuba sich schon dem Ende neigte, kam noch ein absolutes Highlight dazu: Mit den Reisenden Kaelah, Arsenna und Mario besuchte ich das Tal von Vinales, das zum einen wundervolle Blicke auf eine einzigartige Berglandschaft mit hohen aber flachen Bergen bietet und zum anderen die Heimat des kubanischen Tabaks ist, sodass wir eine Tabakfarm besuchen konnten.</p>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Dort lernten wir wie und wo kubanische Zigarren hergestellt werden und erfuhren, dass die Tabak-Landwirte, 90% ihrer Ernte zu Spottpreisen an die Regierung verkaufen müssen. Mit den übrigen 10% verdienen sie dann immer noch mehr als sie für die anderen 90 von der Regierung bekommen.<br>Die Unzufriedenheit mit der Regierung merkt man in jedem Teil des Landes, genauso wie die Resignation: Dass in Kuba Parlamentswahlen stattfanden, erfuhr ich erst zwei Tage vorher von einem Freund aus St. Maarten. Als ich meine kubanischen Freund*innen darauf ansprach, sagten sie, dass sie eh nicht wählen gehen, weil sich nichts ändert. Ich habe dann ein bisschen recherchiert und tatsächlich gab es auf die 470 Sitze des Parlaments genau 470 Kandidat*innen. Zwar müssen die Kandidat*innen mehr als 50% Ja-Stimmen bekommen, ansonsten wird aber aus der kommunistischen Partei nachgewählt, es gibt eh nur eine Partei in Kuba. Etwas positives fand ich aber auch bei meiner Recherche: Kuba hat Quoten fürs Parlament und dadurch mehr Frauen als Männer und eine große Anzahl von People of Color.<br>Doch wie hat sich dieses Land so entwickelt? Dazu möchte ich hier einen kurzen Überblick geben. Mir ist wichtig zu betonen, dass ich solche Geschichts- oder Politik-Exkurse zwar nach bestem Wissen und Gewissen schreibe, aber dass ich nicht möchte, dass dies als wissenschaftlicher Aufsatz verstanden wird. Ich versuche lediglich zusammenzufassen, was ich von Einhemischen, bei Touren und durch eigene Recherche lerne, sodass ihr ein bisschen mehr Hintergründe habt. Wenn ihr aber bis ins Detail recherchierte Geschichtszusammenfassungen wollt, gibt es viele Alternativen, eine ist die Netflix-Serie „Geheimes Kuba„, die ich aktuell schaue und sehr empfehlen kann.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Ein Ausflug in die kubanische Geschichte</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Kommen wir aber zur kubanischen Geschichte: Die größte Insel der Karibik wurde ähnlich schnell wie die Dominikanische Republik von den Spaniern entdeckt und erobert und wurde aufgrund der geographischen Lage mit der Dom Rep zum Mittelpunkt für weitere Eroberungen und Sklavenhandel während der spanischen Kolonialherrschaft in Lateinamerika. Und das obwohl die klare Anweisung der spanischen Krone zunächst gewesen war, dass Sklavenhandel verboten ist. Diese Anweisung missachteten Columbus und Co von Anfang an und unterdrückten die einheimische Bevölkerung, die übrig blieb. Denn innerhalb von wenigen Jahren waren 90% der kubanischen Bevölkerung ausgerottet – durch die Waffen der Spanier und vor allem die eingeschleppten Krankheiten. <br>Vlt kommt euch dieser Teil von anderen Ländern und evtl. sogar von anderen Blogbeiträgen von mir bekannt vor. Wie auch auf vielen anderen karibischen Inseln, brauchten die Spanier zum Anbau von Zuckerrohr und anderen Gütern Arbeitskraft und fanden diese in afrikanischen Sklaven. In den nächsten Jahrhunderten machten Sklaven teilweise über 90% der Bevölkerung aus. Nach dem revolutionären Sklavenaufstand in Haiti 1791 flüchteten viele Sklaventreiber nach Kuba und bauten auf der Insel den Zuckerrohr und Kaffee- Anbau aus, sodass die Insel gerade im 19 Jahrhundert immer reicher wurde. Ein Reichtum, von dem offensichtlich nur einige wenige profitierten.<br>Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung war verständlicherweise enorm groß und es gab eine Vielzahl von Sklavenaufständen, die allerdings allesamt erfolglos blieben.<br>So war Kuba eines der letzten Länder, die von Spanien unabhängig wurden. Und die Revolution ging dann tatsächlich von einem Sklavenbesitzer aus, der sich im Osten des Landes benachteiligt fühlte. Carlos Manuel de Céspedes gab 1868 mit dem „Grito de Yara„ den Auftakt zur Revolution, die allerdings 30 Jahre lang andauern sollte. Eine Geschichte, die mir aus einer Führung in Havanna besonders im Kopf geblieben ist, erzählt, dass die Spanier kurze Zeit nach Ausruf der Unabhängigkeit durch Céspedes dessen einzigen Sohn gefangen nahmen und drohten, diesen zu töten, wenn die Revolution nicht sofort aufhörte. Céspedes soll daraufhin geantwortet haben, dass er sich nicht nur als Vater seines Sohnes sondern aller Kubaner*innen sah und die Revolution um jeden Preis weitergehen müsse. Daraufhin exekutierten die Spanier seinen Sohn. Auch wegen dieser Geschichte bezeichnen die Kubaner*innen Cespedes als Vater der Heimat.<br>1878 wurden den Kubaner*innen einige Zugeständnisse von Spanien gemacht, worauf die Revolution vorerst zum Erliegen kam. Nach einem weiteren erfolglosen Versuch der Unabhängigkeit unter Antonio Maceo 1879 – 1880 dauerte es bis 1895, dass unter Führung des Dichters und Journalisten José Martí ein weiterer Anlauf unternommen wurde, um die vollständige Unabhängigkeit Kubas zu erlangen. <br>Als 1898 in Spanien schon öffentlich über den Rückzug aus Kuba gesprochen wurde, mischten sich die USA in den Konflikt ein, provozierten den amerikanisch-spanischen Krieg und übernahmen die Kontrolle in Kuba. Nun war Kuba zwar unabhängig von Spanien, doch dafür regierten die USA. Bevor sie Scheinregierungen zuließen, sicherten sich die USA das Recht, jederzeit militärisch in Kuba zu intervenieren, was sie in den Folgejahren mehrmals taten. Außerdem sicherten sie sich die Buchten Bahia Honda und Guantanamo, die zweitere wird heute noch von den USA militärisch verwendet.<br>In den ersten Jahrzehnten der 20. Jahrhunderts gab es in Kuba verschiedenste Regierungen, die zu unterschiedlichen Graden von den USA beeinflusst wurden, doch bis zur kubanischen Revolution 1959 blieb der Einfluss der USA enorm. Insbesondere die beiden Diktatoren Gerardo Machado und Fulgenio Batista wurden in ihren Wahlkämpfen und bei ihren Machtübernahmen stark von den USA unterstützt und gewährten ihnen dafür großen Einfluss in Kuba. Ein junger Anwalt namens Fidel Castro klagte Batista wegen seines Militärputsches vor dem Obersten Gerichtshof von Kuba an. Nachdem die Klage zurückgewiesen wurde, erklärte Castro, dass das in der Verfassung verankerte Widerstandsrecht nach Ausschöpfung aller legalen Mittel nun wirksam werde und bereitete die Revolution vor.<br>Am 26. Juli 1953 verübte er mit einer Guerilla-Truppe einen Anschlag auf die Moncada-Kaserne bei Santiago de Cuba, der fehlschlug. Nachdem Castro zwei Jahre in Haft saß, ließ Batista ihn begnadigen, weil er die Reaktionen der Bevölkerung fürchtete. Castro floh nach Mexiko ins Exil wo er Ernesto „Che“ Guevara kennenlernte. Im Dezember 1956 kehrte er mit Che Guevara und 82 Guerilla-Kämpfern zurück nach Kuba und begann vom Osten aus die Revolution, die Anfang 1959 zum Sturz Batistas führte. Castro übernahm die Macht und regierte bis 2008. Es gibt viele Theorien dazu, warum Fidel Castro und seine Leute Kuba zu einem kommunistischen Land machten. Fest steht, dass Castro ursprünglich gar nicht Kommunist war. Eine plausible Theorie von einem Guide fand ich, dass er durch den Bruch mit den USA, den die Revolutionäre anstrebten, sich der anderen Weltmacht zu der Zeit – der Sowjetunion – annähern wollte, da er so einen Weg sah, lange an der Macht zu bleiben. Ob das der Grund für den Kommunismus in Kuba war oder nicht, es funktionierte: Fidel Castro baute in Kuba eine Diktatur auf, die auch den Zerfall der Sowjetunion überdauerte. Da die Sowjetunion Kuba als wichtigen Stützpunkt in unmittelmbarer Nähe des Feindes sah, versorgten sie das Land mit allem nötigen, was leider auch dazu führte, dass Kuba seine Produktionskapazitäten für viele Produkte enorm zurückschraubte – die Abhängigkeit von der Sowjetunion war geboren und deren Zerfall stürzte Kuba in die erste schwere Wirtschaftskrise von der ich oben schreibe. Die zweite folgte dann durch Covid und die vorher geschaffene Abhängigkeit vom Kommunismus. Doch, dass Kuba wohl nur bedingt kommunistisch und sozialistisch ist, sieht man auch daran, dass Castro und die Eliten des Landes sich stark am Reichtum der Sowjetunion bereicherten. Heute sind die Söhne und Töchter Castros die reichsten Menschen im Land. In das Bild der Diktatur passt dann auch, dass nach Fidel Castro 2008 sein Bruder Raúl als Präsident Kubas folgte. Seit 2018 ist nun Miguel Diaz-Canel an der Macht. Während das öffentliche Bild Fidel Castros dem eines Diktators entspricht, wird Che Guevara noch heute verehrt und als Symbolbild für linke Gruppierungen und Revolution gesehen. Sein Konterfei findet sich auf unzähligen T-Shirts und an vielen anderen Orten. Und dass seine Ideen revolutionär waren, das lässt sich auch nicht bestreiten. Eine ähnliche Revolution wie auf Kuba wollte er auch in Bolivien durchbringen, allerdings mit weniger Erfolg. Doch wenn man sich mit der Person Che Guevaras genauer beschäftigt und mit Kubaner*innen spricht, dann zeichnet sich schnell ein anderes Bild: das eines brutalen Mörders, der nicht nur Feinde sondern auch Freunde, die sich nicht nach seinen Vorstellungen verhalten, erbarmungslos umbringt und für seinen Weg über Leichen auf beiden Seiten geht. So erzählte mir ein Freund, dass sein Großvater, der Che persönlich kannte, nüchtern immer großartig über Che sprach und die Revolution in den Himmel lobte. Doch wenn man ihm Alkohol gab, sprach er die Wahrheit über das was in der Zeit der Guerilla passierte und sprach über Che als einen grausamen Menschen. Der gleiche Freund übrigens wurde vor ein paar Jahren von der kubanischen Armee gefoltert, weil er nach 10 Jahren aus dem Militärdienst aussteigen wollte.<br>Nach all dem, was ich über Che Guevara gehört und gelesen habe, bin ich sehr skeptisch geworden über das öffentliche Bild, das von dieser Person herrscht und zweifle, ob man Che Guevara als Helden darstellen sollte. Dass sein Konterfei aber ein wichtiges Symbol für manch andere Revolution gedient hat und noch dienen kann, daran möchte ich nicht zweifeln.<br>Und mein Eindruck ist außerdem, dass eine weitere Revolution in Kuba – welcher Art auch immer – dringend nötig ist. Nach all den Gesprächen mit den Menschen denke ich, dass sie sich das eigentlich wünschen, sich aber niemand traut. Vermutlich auch, weil viele noch im Kopf haben wozu im Endeffekt die letzte Revolution geführt hat.</p>
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		<title>Dominikanische Republik &#8211; zwischen Traumstränden und Kolonialismus auf der Insel Hispaniola</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Apr 2023 18:43:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Karibik]]></category>
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<p>In diesem Blogbeitrag erwartet dich eine kleine Einführung in die Geschichte der Halbinsel Hispaniola bzw. der beiden Länder Haiti und Dom Rep. Außerdem schildere ich meine Eindrücke in dem spannenden Land, die deutlich über reinen Tourismus hinausgehen. Viel Spaß beim Lesen!<br>Als ich am 6. März in der Dominikanischen Republik ankam, war ich aus mehreren Gründen überwältigt und super happy:<br>Zum Einen hatte ich geschafft, was ich mir vorgenommen hatte: über den Atlantik bis nach Lateinamerika trampen. Zum Anderen war ich endlich dort, wo man Spanisch spricht und ich fühlte mich gleich super wohl und genoss jedes Wort, das die Dominikaner*innen sprachen. Zudem ist die Dominikanische Republik ein Land, das in vielerlei Hinsicht wunderschön und spannend ist wie ich in den nächsten 10 Tagen bestätigen konnte!<br>Heute ist die Dom Rep in aller erster Linie für ihre Strände und All Inclusive Urlaube bekannt. Den Teil mit den Stränden kann ich bestätigen, die Luxus-Ressort-Orte mied ich. Zum Glück gibt es sehr viele recht unberührte Orte und ich konnte zum Beispiel im Nordosten bei Las Galeras eine Wanderung zu 8. Stränden machen und einer war wirklich literally schöner als der andere.</p>
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<p>Doch die Dominikanische Republik ist viel mehr als nur ihre Strände voller Palmen (die übrigens ja gar nicht ursprünglich in der Karibik wachsen, aber das tun Zuckerrohr und viele andere Pflanzen ja auch nicht.)<br>Das Land ist gerade geschichtlich und politisch auch extrem spannend! Ich kam ja vorher schon von einer Insel, die auf zwei Länder aufgespalten ist – St. Martin ist sogar die kleinste. Und auch auf der Insel Hispaniola liegt neben der Dominikanischen Republik noch das Land Haiti. Die Beziehung zwischen diesen beiden Ländern ist allerdings ungleich komplizierter als auf St. Martin. Wie man sich vorstellen kann, sah das vor der Kolonialisierung noch anders aus. Wie auf vielen anderen karibischen Inseln waren vor allem die Stämme der Arawak und der Kariben auf Hispaniola beheimatet, als die Spanier um 1500 die Insel eroberten und in kurzer Zeit durch kriegerische Auseinandersetzungen und vor allem eingeschleppte Krankheiten die Anzahl der Ureinwohner*innen stark verringerten.<br>Tatsächlich war Hispaniola die erste Insel, auf der Christoph Kolumbus eine Kolonie gründete. Auf der ersten Eroberungsreise ließ er aus einem Schiffswrack seiner Flotte mit Hilfe der Arawak eine kleine Siedlung namens La Navidad bauen und 40 Spanier blieben dort. Durch Gewalt und Plünderungen brachten sie die Arawak gegen sich auf, sodass La Navidad ausgelöscht war, als Kolumbus und Co wiederkamen. Nach der zweiten Kolumbus-Reise errichtete sein Bruder Bartomoleo die Siedlung Santo Domingo, heutige Hauptstadt der Dominikanischen Republik. Wegen der geografischen Lage blieb Hispaniola der wichtigste Knotenpunkt für weitere Eroberungen des amerikanischen Kontinents und ist auch heute noch die größte Stadt in der Karibik.</p>
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<p>Während meines Aufenthalts konnte ich Santo Domingo erkunden und besuchte auch einige Kolonialgebäude und Museen. Während im kleinen Museum Cazar de Colón kein Wort über die Ausbeutung durch die Spanier verloren wird, kann man in der Casa Reales an einigen Stellen klare Kritik zum Beispiel am Charakter Kolumbus’ lesen. Insgesamt war mein Eindruck allerdings, dass die Perspektive der Ureinwohner auch in diesem Museum eher kurz kommt und ein Großteil des Platzes genutzt wird, um irgendwelche kolonialen Gegenstände zu zeigen.<br>Ansonsten hatte ich aber eine schöne Zeit in Santo Domingo. Überall in der Dom Rep spürt man Latino-Vibes in Form von Musik, Tanz und Lärm pulsieren und die Hauptstadt ist ganz klar das Herz, wo all diese Strömungen zusammenlaufen und wieder rausgepumpt werden.<br>Neben Reggaeton hört man vor allem in der Hauptstadt auch immer wieder die neue Musikrichtung Dembow, die in einem Ghetto von Santo Domingo entstanden ist. Während die bürgerliche Schicht diesen Erfolg aus dem Ghetto feiert, geht die Oberschicht auf Distanz – was Dembow für mich super sympathisch macht.<br>Doch nicht nur die Altstadt, das Nachtleben und das coole Hostel (mit eigener Bar, Darts und Billard), in dem ich war, haben etwas zu bieten. Etwas außerhalb der Stadt befindet sich ein kleiner Park mit den unterirdischen Höhlen „Tres Ojos“, die wirklich beeindruckend und empfehlenswert sind.<br>Doch was hat es nun mit der Spaltung der Insel auf sich?<br>Schnell nach der Unterdrückung der indigenen Bevölkerung begann der Handel auf der Insel zu florieren. Die Spanier beuteten die verbliebenen Arawak aus, ließen sie Gold graben und Zuckerrohr anbauen. Da die Bevölkerung durch die eingeschleppten Krankheiten etc. rasch abnahm, wurden afrikanische Sklaven nach Hispaniola verschleppt, um die Arbeitskraft zu ersetzen.<br>Die vielen teuren Güter wie Gold oder Zucker lockten in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten unzählige Piraten an. Ab 1625 siedelte sich eine handvoll von ihnen an und bat Frankreich um Unterstützung. Nach einigen militärischen Auseinandersetzungen und Hin und Her überließ die spanische Krone schließlich im Jahr 1697 Frankreich den westlichen Teil der Insel – das heutige Haiti. Spanien behielt allerdings den deutlich größeren Teil. In den folgenden Jahrhunderten litt die Bevölkerung der Insel unter ständigen Angriffen durch Piraten, Kriegen innerhalb und Besitzwechseln durch Angriffe von außerhalb. Zeitweise fiel die Insel komplett in französische Hände, ohne dass der spanische Einfluss verloren ging.<br>Ende des 18. Jahrhunderts erlangte die Insel quasi komplette Unabhängigkeit, nur um sich kurze Zeit später mit den Franzosen gegen Engländer und Spanier zu verbinden. Kurz nach dem die Sklaverei abgeschafft wurde, fielen Napoleons Truppen ein und führten sie wieder ein.<br>Im Jahr 1804 gelang Saint Domingue (dem heutigen Haiti) die Unabängigkeit. Im Laufe der Geschichte und durch die vielen Ausbeutungen und Kriege wurde insbesondere der östliche Teil enorm gebeutelt. Der Umstand, dass Haiti von den USA isoliert wurde, führte mit anderen Gründen dazu, dass Haiti sich heute in einer starken Krise befindet und enorme Armut grassiert. Das Erdbeben 2010 tat sein Übriges. Es gibt viele Banden und eine sehr hohe Kriminalität. Das Auswärtige Amt von Deutschland rät aktuell stark von Reisen nach Haiti ab und hat die Botschaft vorübergehend geschlossen. Ich entschied mich daher, nicht nach Haiti zu reisen. Ich hätte das Land gerne selber besucht und hätte es von dort aus auch kürzer nach Kuba gehabt, aber die Warnungen sind so eindringlich, dass sie kaum zu ignorieren sind.<br>Immer wieder gab es Kriege zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen oder verschiedenen Teilen der Insel.<br>Im Jahr 1844 proklamierte dann der östliche Teil seine Unabhängigkeit mit ungefähr den Grenzen von 1697. Die Dominikanische Republik war geboren, wurde allerdings gerade in den ersten Jahrzehnten ständig von Haiti angegriffen. Für einige Jahren in den 1860ern ordneten sie sich dafür wieder der spanischen Krone, um mit deren Unterstützung die Angriffe abzuwehren.<br>Anfang des 20. Jahrhunderts intervenierten dann die nahegelegenen USA in der Dom Rep wegen einer zunehmend komplizierten wirtschaftlichen Situation und hatten das Land von 1916 bis 1924 unter ihrer Kontrolle. 1871 war der Versuch, das Land den USA anzuschließen an einer Abstimmung im US-Kongress knapp gescheitert.<br>Nach einigen Jahren demokratischer Führung errichtete der General Rafael Trujillo im Jahr 1930 eine Militärdiktatur und regierte des Land mit harter Hand. 1942 führte er das Frauenwahlrecht ein, doch andere Modernisierungsversuche scheiterten.<br>Im Jahr 1937 führte Trujillo Massenhinrichtungen durch, um das Land von Haitianern zu „säubern“. Beim sogenannten Petersilien-Massaker wurden potentielle Haitianer daran erkannt wie sie das spanische Wort für Petersilie „perejil“ aussprachen.<br>Nach dem Tod Trujillos im Jahr 1961 entstanden politische Unruhen, die die USA 1965 durch einen Einmarsch beendeten und das Land zu demokratischen Wahlen führten. Seit 1965 hatte das Land 12 demokratische Präsidenten und ist seitdem eine einigermaßen stabile parlamentarische Demokratie.<br>Neben der Geschichte des Landes bzw. der Insel fand ich es total spannend die heutige Kultur zu verstehen und mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Besonders hilfreich war dabei der Besuch bei meinen Freunden Sabiel und Helena. Helena hat vor einigen Jahren einen Freiwilligendienst in San Cristobal westlich von Santo Domingo gemacht, wo Sabiel aufgewachsen ist. Mittlerweile wohnen die beiden gemeinsam in Deutschland, waren aber im März zu Besuch in der Dom Rep und ich konnte in San Cristobal vorbeischauen und bei Sabiels Familie unterkommen. Sabiel und Helena zeigten mir San Cristobal, in ihrem Garten pflückte ich zahlreiche Früchte, die ich noch nie probiert hatte, Sabiels Mutter brachte mir das verbreitete Kartenspiel Casino bei und Helenas Gastmutter zeigte mir verschiedene Tänze. Tanz und Musik sind enorm wichtig in der Dom Rep. Getanzt werden vor allem Bachata, Merengue und Salsa – ich habe mich in allen versucht.</p>
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<p>So bekam ich einen wirklich authentischen Einblick in das Leben der Dominikaner. Teil davon ist auch, dass wir genau überlegten, wann wir was mitnahmen, da es gerade in den Regionen um Santo Domingo nicht selten zu Überfällen kommt. Auch Sabiel ist das schon passiert. Wenn man aber weiß worauf man achten muss und sich an die Tipps der Locals hält, ist die Dom Rep schon ein recht sicheres Land, so war mein Eindruck.<br>Gerade in den touristischeren Regionen ist es dann sowieso nochmal sicherer, wie z.B. im Norden in Cabarete, wo ich 3 Tage zum Surfen verbrachte. Cabarete ist zum Einen als Wind-Surf-Mekka bekannt. Leider war in den Tagen, in denen ich dort war, aber kein Wind, sodass ich „nur“ Wellen surfte. Dabei machte ich aber gute Fortschritte 🙂</p>
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<p>Zum anderen ist Cabarete aber auch noch für sein Nachtleben bekannt, in das ich voll eintauchte! Die Musik in den Clubs ist allerdings wirklich extrem laut. Und nicht nur in den Clubs: Insgesamt war die Dom Rep für mich das lauteste Land, in dem ich bisher war. In den meisten Colmados – das sind kleine Läden an praktisch jeder Straßenecke, werden Boxen aufgestellt und nicht selten wird die Musik so sehr aufgedreht, dass die Verkäufer*innen einen kaum verstehen.<br>Natürlich durfte auch in der Dom Rep der Besuch in einer Rum-Distillerie nicht fehlen, sodass ich vor meiner Abreise aus dem Norden noch in Puerto Plata die Casa de Ron Macorix besuchte.<br>Insgesamt hatte ich eine sehr intensive Zeit in der Dom Rep, in der ich verschiedenen Regionen und Lebensräume des Landes kennengelernt habe und so einen guten Eindruck in das Land bekommen konnte. Die schönen Strände bleiben mir genauso in Erinnerung wie die laut, fröhliche Musik und die Menschen, die ich kennenlernen durfte. Ich wäre gerne noch länger geblieben, wollte aber auch noch Kuba besichtigen, bevor ich weiter nach Mexiko reiste.<br>Ich komme gerne wieder und kann das Land nur empfehlen! Ich gebe übrigens keine konkreten Reisetipps in meinen Blogbeiträgen, weil ich denke, dass nicht alle Leser*innen in nächster Zeit in die Dom Rep reisen werden und ich einfach Eindrücke von meinen Besuchen beschreiben möchte.<br>Wenn du aber in die Dom Rep oder ein anderes Land, in dem ich war, reist, schreib mich doch sehr gerne an. Ich gebe sehr gerne Tipps – auch personalisiert je nachdem was du suchst.</p>
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