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	<title>Suchergebnisse für &quot;europa&quot; | Pinchekai</title>
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	<title>Suchergebnisse für &quot;europa&quot; | Pinchekai</title>
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		<title>Mit Booten über den Amazonas – Bericht von meinem Abenteuer, eine ausführliche Anleitung und Klimaschutz im Amazonasgebiet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Nov 2023 17:46:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Südamerika]]></category>
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<p>In diesem Artikel beschreibe ich wie man mit Booten von Ecuador über die Flüsse Napo und Amazonas bis nach Peru fahren kann.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Zunächst möchte ich meine eigene Erfahrung beschreiben, die fantastisch und einzigartig war. Außerdem möchte ich natürlich ein paar Worte zum Klimaschutz im Amazonas-Gebiet verlieren.<br>Weiter unten findest du eine ausführliche Anleitung mit allen möglichen Verbindungen, die ich herausgefunden habe. Viel Spaß beim Lesen!</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Die beeindruckenden Weiten des Amazonas und die Gefahr des Kipppunktes</h2>
<!-- /divi:heading -->

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<!-- divi:paragraph -->
<p>Als mein Freund Joann aus Frankreich mir vor einigen Monaten Bilder schickte wie er mit einem Boot über den Amazonas gefahren war, war mir klar: Das will ich auch machen!<br>Auf Joanns Fotos sah man ein breites Boot auf dem Amazonas mit verschiedensten Gütern und sogar einer Kuh an Bord. Und den Amazonas zu sehen und tagelang über den Fluss zu fahren, klang für mich wie ein exotischer Traum! Der Amazonas ist immerhin der wasserreichste Fluss der Welt und hat an der Mündung mehr Wasser als die sechs nächstkleineren Flüsse zusammen! Außerdem ist das Amazonasgebiet Heimat für unfassbar viele Tiere und für eine Vielzahl von indigenen Stämmen, die vermutlich wichtigste grüne Lunge der Welt und ein absoluter Faktor in der internationalen Klimakrise.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Wenn es gelingt, den Amazonas-Regenwald besser zu schützen, sind wir im Klimaschutz einen großen Schritt weiter. Denn aktuell wird, wie ständig zu lesen ist, sehr viel Regenwald abgeholzt: für Palmöl, für Soja-Anbau (das dann an Tiere in Europa und anderswo verfüttert wird), für Viehzucht, für Bergbau (vor allem Aluminium) und in Ecuador auch zur Gewinnung von Erdöl. Gerade vor zwei Monaten hat die ecuadorianische Bevölkerung in einem Referendum für einen dauerhaften Stopp der Erdöl-Förderung im Yasuni-Park gestimmt, einem der artenreichsten Gebiete der Erde. Der ehemalige Präsident Rafael Correa hatte 2007 eine Kampagne gestartet und versprochen, das Öl im Yasuni-Park nicht anzurühren, wenn internationale Geldgeber die Hälfte des zu erwartenden Gewinnes an Ecuador zahlen würden. Die ca. 6 Milliarden US-Dollar kamen aber nicht zusammen und so gab er 2013 den Abbau frei. Nach langen Kämpfen konnten Umweltschützer*innen nun ein Referendum durchsetzen und Regierung und Öl-Konzerne haben nun ein Jahr, um sich aus dem Gebiet zurückzuziehen. Wegen der enormen wirtschaftlichen Bedeutung des Öls für Ecuador war die Entscheidung durchaus umstritten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Und auch aus Brasilien gibt es seit dem Regierungswechsel zu Inácio Lula da Silva mehr und mehr gute Nachrichten. Sein Vorgänger Jair Bolsonaro hatte den (illegalen) Raubbau am Regenwald noch stark befeuert. Unter seiner Regierung nahm die Rodung schlagartig um 70% zu, Konzerne wurden in der Rodung unterstützt und Waldbrände nur halbherzig bekämpft. Zum ersten Mal stieß der Amazonas-Regenwald mehr CO2 aus als er aufnahm.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Lula da Silva dämmt das nun bisher erfolgreich wieder ein, sodass auch die deutsche Regierung die eingefrorenen Gelder der letzten Jahre wieder freigibt. Diese internationalen Gelder sind eingeplant in Lulas Vorhaben, die Abrodung bis 2030 zu stoppen. Studien zu dem Plan bescheinigen ihm die Möglichkeit, die Abrodung um 89% zu reduzieren. Lula in seiner ersten Amtszeit und seiner Nachfolgerin Dilma Rousseff war es bis 2019 schon einmal gelungen, die Abholzung um 80% zu reduzieren. Schnelle Erfolge sind nun übrigens enorm wichtig, weil der Amazonas-Regenwald vor einem Kipppunkt steht: Aktuell sind ca. 18% des Gebietes abgeholzt. Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass bei 20 – 25% der Kipppunkt erreicht würde, bei dem der Wasser-Kreislauf des Regenwaldes kollabiert und sich das Amazonas-Gebiet Stück für Stück zu einer Savanne entwickelt. Die Folgen fürs Weltklima: nicht absehbar, aber mit Sicherheit verheerend!<br>Unter einer weiteren Präsidentschaft von Bolsonaro wäre dieser Punkt zweifelsohne erreicht worden, mit Lula gibt es nun Hoffnung. Im Parlament gibt es allerdings eine konservative Mehrheit und der Einfluss der Agrarlobby ist groß. Es bleibt also spannend, wie überall auf der Welt im Klimaschutz.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Von Ecuador nach Peru – Tag 1</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Auch politisch ist das Amazonas-Gebiet also enorm spannend und somit stand mein Plan schon seit Monaten fest. Dass ein Großteil der Reise von Ecuador nach Peru gar nicht über den Amazonas selbst, sondern über den Nebenfluss Napo geht, erfuhr ich erst später, war mir aber auch recht egal:</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Was ich jetzt gelernt habe: der Fluss Amazonas entspringt nicht in einem Gebirge, sondern entsteht in Peru aus den beiden Flüssen Marañon und Ucayali. Das gesamte Gebiet des Regenwaldes um die vielzähligen Nebenflüsse des Amazonas wird in der Regel Amazonas-Gebiet genannt und erstreckt sich in insgesamt 9 Ländern auf einer Fläche von über 6 Millionen km², etwa 18 Mal so groß wie Deutschland. Bei allen Zahlen zum Amazonas sei erwähnt, dass man teilweise unterschiedliche Angaben findet. Vieles wie z.B. die aktuell gerodete Fläche kann eben auch nur geschätzt werden.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Zurück zu meiner Reise durch den Amazonas: auch wenn die Strecke vor allem viele Peruaner*innen und Ecuadorianer*innen bereisen und ich den Umstand besonders gut fand, war ich doch froh, dass sich ein paar Freund*innen von mir entschieden, zur gleichen Zeit diese Reise zu machen. So konnten wir gemeinsam das Abenteuer angehen und es wurde auch günstiger.<br>Zusammen mit Chris und Manon aus Marseille und Natalie und Nicolas aus Deutschland machten wir uns also am Donnerstag früh morgens auf den Weg. In der Nacht zuvor hatten wir bei Alex und Samantha in der Nähe von Coca übernachtet. Freund*innen von Joann, die wahnsinnig lieb waren und uns alle fünf bei sich aufnahmen. Ich war schon einen Tag eher da und feierte mit Alex und Samantha zusammen ihren Geburtstag.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Von Coca fuhren wir um 8 Uhr mit dem Schnellboot über den Rio Napo bis nach Nueva Rocafuerte, dem letzten Dorf an der Grenze von Ecuador nach Peru. Die Fahrt mit dem Schnellboot war nicht so spannend, denn es war einfach zu schnell, um sich in Ruhe auf die Landschaft zu konzentrieren, doch so waren wir deutlich früher an der Grenze, um auszustempeln und nach Peru rüberzufahren. Das wurde uns vorher so empfohlen und war auch gar nicht schlecht, weil Nico über eine Stunde aufgehalten wurde: bei seiner Einreise von Kolumbien nach Ecuador hatte wohl jemand aus Versehen ihm die kolumbianische Staatsbürgerschaft eintragen lassen und das wollten die Beamten an der Grenze erst geändert wissen. Da der Empfang mitten im Regenwald aber dürftig ist, dauerte das einige Zeit, doch dann konnten wir mit dem nächsten Boot in ca. 30 Minuten in das erste Dorf auf peruanischer Seite fahren: Pantoja. Die Ankunft in Peru war cool. Pantoja ist ein kleines Dorf mit ein paar Hundert Einwohner*innen. Strom wird hier nur per Generator erzeugt und daher gibt es nur von 18 – 23 Uhr Elektrizität. So mussten wir also bis 18 Uhr auf die Migration warten. Die Zeit nutzten wir, um erstmal ein Bier mit den Einheimischen zu trinken und Musik zu machen. Dann gingen wir eine Runde Schwimmen und durchs Dorf spazieren und ich spielte noch eine Runde Fußball mit ein paar Kids vor Ort.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Einige entspannte Tage in der Hängematte – mitten auf dem Fluss</h2>
<!-- /divi:heading -->

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<p>Nachdem wir dann unseren Stempel bekamen, kümmerten wir uns um die Weiterfahrt für den nächsten Tag. Das Boot, von dem wir gehört hatten, dass es freitags und dienstags fährt, stellte sich als weiteres Schnellboot heraus, mit dem wir zwar in eineinhalb Tagen in Iquitos gewesen wären, in dem wir aber die ganze Zeit hätten sitzen müssen.. Zum Glück fanden wir noch ein Handelsboot, das auch am nächsten Tag Richtung Iquitos aufbrach. Die Harrison fährt unregelmäßig Güter durch das Amazonasgebiet, es war also Glück, dass sie gerade vor Ort war. Die Mitfahrt auf der Harrison war nicht nur günstiger (knapp 25 statt 70 Euro!), sondern auch viel gemütlicher und langsamer: genau das was wir gesucht hatten, um die Fahrt über den Amazonas zu genießen und die Landschaft in Ruhe zu betrachten. Und als wäre das nicht noch genug, konnten wir auch noch unsere Hängematten im Schiff aufhängen und in diesen tagsüber chillen und nachts schlafen – unser absolute Backpacker-Traum!</p>
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<p>Am nächsten Morgen um 5 Uhr standen wir wie bestellt vor der Harrison, bis es losging dauerte es aber noch eine Weile – Peru liegt eben auch in Lateinamerika 😀</p>
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<p>Insgesamt drei Tage verbrachten wir an Bord der Harrison, deren eh schon langsames Vorankommen noch durch den Wasserstand beeinflusst wurde. In einer Trockenzeit, die dank Klimawandel noch trockener ausfiel als eh schon, gab es eine Vielzahl von Sandbänken, denen wir ausweichen mussten. Tagsüber kostete das nur Zeit, nachts auch einige Nerven der Crew und tatsächlich saßen wir auch einmal kurz auf einer Sandbank fest – zum Glück aber nur kurz und wir konnten uns wieder befreien. Auf dem Hinweg nach Pantoja, so erzählte mir Edgar, der Kapitän, steckten sie einmal von 21 Uhr abends bis morgens um 4 Uhr fest. Im Januar und Februar dagegen in der Regenzeit wächst der Fluss um mehrere Meter an und die Boote können einfach durchfahren ohne sich groß Gedanken machen zu müssen. Doch ich fand die Flüsse schon so sehr wasserreich und beeindruckend!</p>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Unsere Zeit auf dem Boot verbrachten wir die meiste Zeit gemeinsam an Deck, um zu quatschen, Musik zu machen und zu spielen. Der Austausch mit den vielen Peruaner*innen und Ecuadorianer*innen machte mir Spaß und brachte mich dem nächsten neuen Land meiner Reise gleich ein ganzes Stückchen näher.</p>
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<p>Ich nutzte die Zeit außerdem noch, um Fotos auszusortieren, an meinem Blog zu schreiben und um Schlaf nachzuholen. Dabei die ganze Zeit keinen Handy-Empfang zu haben, empfand ich als extrem gut tuend!</p>
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<p>Auf dem Weg kamen wir an vielen kleine Siedlungen am Flussufer entlang. Die Menschen dort sprechen in der Regel Spanisch und eine indigene Sprache und die meisten leben von Landwirtschaft. So kam es auch einige Male vor, dass uns vom Ufer oder aus einem Kanu Waren angeboten wurden. Einmal hielt die Crew an und besorgte ein paar Stücke Fleisch fürs Essen. Der Bauer wollte allerdings nicht gegen Waren von unserem Boot tauschen, sondern nahm nur Bargeld an, was unsere Crew zu verwundern schien.<br>Am zweiten Tag morgens konnten wir für eine halbe Stunde in einem kleinen Dorf von Bord, allerdings war es gar nicht so einfach etwas zu kaufen, da wir nur Dollar hatten und kaum jemand in Sol (die peruanische Währung, 1 Euro entspricht ca. 4 Soles) tauschen wollte. Trotzdem war es wohltuend, an Land rumzulaufen und ein bisschen das Dorf zu erkunden, bevor es weiterging. Ein weiterer Landgang am Abend, der eigentlich nur zum Abendessen gedacht war, verlängerte sich doch um einige Stunden, sodass wir Zeit hatten, in eine kleine Bar mit lauter Musik zu gehen und ein bisschen mit den Locals zu tanzen, wobei die meiste Zeit nur wir am Tanzen waren.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<h2>Anaconda, Flussotter und Co</h2>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Nach insgesamt vier Tagen von Ecuador aus und drei Tagen auf der Harrison, kamen wir dann an unserem Ziel – Iquitos – an und die gemeinsamen Tage an Bord waren sehr verbindend. Ich bin noch mit einigen Kontakt und mit einem Pärchen aus Malta, Christine und Sean, reiste ich noch für ein paar Tage weiter.<br>Und die nächsten Tage waren auch nochmal super besonders: über einen Couchsurfer hatte ich einen super Kontakt für eine Dschungeltour bekommen, die nur ein Viertel von dem kostete, was mir in Ecuador angeboten wurde. Für drei Tage und mit zwei Übernachtungen fuhren Christine, Sean und ich mit zwei Guides zusammen in den Dschungel. In einem kleinen Kanu paddelten wir über einen Neben-Nebenfluss des Amazonas durch den Regenwald und konnten unfassbar viele tolle Tiere und Pflanzen sehen. Highlights waren definitiv Flussdelfine, Flussotter, kleine Kaimane und eine 4 Meter (!) lange Anaconda, die anscheinend ein paar Tage zuvor einen Kaiman gefressen hatte. Und so wurde meine fantastische Zeit im Amazonasgebiet wunderbar abgerundet.</p>
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<!-- divi:heading -->
<h2>Ausführliche Anleitung für das Bootsabenteuer</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Hier nun alles was du wissen solltest, wenn du selber mit dem Boot über den Napo und Amazonas reisen möchtest.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Zunächst ein paar grundsätzliche Dinge:</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Es kann ganz schön heiß werden, im Amazonasgebiet und es gibt viele Mücken! Also Sonnencreme ist Pflicht und die solltest du spätestens in Coca kaufen. Genauso halte ich Mückenspray für sehr wichtig. Ich hatte ein Mosquitonetz dabei und kann das schon auch empfehlen. Je nachdem aber wie schnell dein Boot fährt und wo du übernachtest, kann es sein, dass du keins brauchst.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Je nachdem wie du über die Flüsse reisen möchtest, musst du etwas Zeit einplanen. Es gibt zwei Mal die Woche die Möglichkeit, die Strecke innerhalb von 2,5 Tagen zurückzulegen, doch dann bist du mit Schnellbooten unterwegs und kannst die Landschaft nicht so sehr genießen. Wenn du wie wir mit einem Handelsboot fahren möchtest, musst du Glück haben oder evtl. ein paar Tage warten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Generell ist das „Nadelöhr“ die Strecke zwischen Pantoja und Mazán. Denn von Coca nach Pantoja und von Mazán nach Iquitos gibt es jeden Tag Verbindungen. Dazu unten genaueres.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Es ist auch möglich auf dieser Strecke zu Trampen, allerdings kann das recht lange dauern, denn die meisten Boote, die hier fahren, fahren aus kommerziellen Gründen und verlangen deshalb auch Geld. Die knapp 100 Soles auf dem Handelsschiff von Pantoja nach Iquitos waren aber auch wirklich nicht zu viel.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In den kleinen Orten entlang des Amazonas gibt es keine Bankautomaten und schlechte Wechselkurse für Dollar/Euro. Wenn du kannst, tausche am besten in Coca schon Geld, sodass du Soles bis Iquitos dabei hast.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Von Iquitos aus kann man weitere Boote finden, um den Amazonas weiter nach Kolumbien und dann Brasilien runterzufahren. Oder wenn du in Peru weiterreisen willst, kannst du von Iquitos mit einem weiteren Boot nach Yurimaguas fahren. Von Iquitos nach Yurimaguas gibt es ein Schnellboot, das ca 18 Stunden braucht (je nach Wasserstand) und 160 Soles kostet (40 Euro). Alternativ gibt es auch hier ein langsames Boot, das zwei Tage braucht, von dem ich den Preis aber nicht kenne.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Falls du in Peru eine Tour in den Regenwald machen willst, empfehle ich dir, diese nicht von Iquitos aus zu machen, sondern von Lagunas. Bei der Reiseagentur Acatupel kriegst du bestimmt einen guten Preis, wenn du meinen Namen erwähnst. Marita war super lieb und ist zu einer Freundin geworden. Ich kriege nichts für die Empfehlung, außer vielleicht eine liebe Nachricht von Marita.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>All diese Informationen sind von Oktober 2023, keine Gewähr, dass sich die Abfahrtszeiten oder Öffnungszeiten der Migration Offices nicht evtl. ändern. Also wenn es mittlerweile 2025 ist, wenn du das hier liest, dann frag am besten nochmal nach.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Von Coca nach Nueva Rocafuerte</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Wie bereits erwähnt, gibt es auf dieser Strecke jeden Tag Boote. In aller Regel starten die morgens zwischen 7 und 8 Uhr und haben feste Fahrpläne, die du in Coca herausfinden kannst. Das Ticket solltest du zur Sicherheit besser am Vortag kaufen.<br>Es gibt ein Schnellboot, das 4 – 5 Stunden bis Nova Rocafuerte braucht und uns 38 Dollar pro Person gekostet hat. Außerdem gibt es ein langsameres Boot, bei dem man die Landschaft besser genießen kann und das nur 21 Dollar kostet. Allerdings braucht dieses Boot insbesondere bei niedrigem Wasserstand recht lange (ca. 7 &#8211; 8 Stunden). In der Regel sollte man es rechtzeitig zur Migration in Nova Rocafuerte schaffen, die um 17 Uhr schließt, aber ein kleines Risiko ist dabei, wenn man am gleichen Tag noch nach Pantoja reisen möchte. Denn du musst unbedingt in Nueva Rocafuerte aus Ecuador auschecken und dir einen Stempel holen!</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Von Nueva Rocafuerte nach Pantoja</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Von Nova Rocafuerte nach Pantoja auf der peruanischen Seite ist es nur ca. 30 Minuten mit dem Boot. Die Boote haben keine festen Abfahrtzeiten, sondern können einfach vor Ort gebucht werden. Vermutlich wird dir direkt eins angeboten, wenn du in Nueva Rocafuerte ankommst. Wenn du dich bei mir meldest, kann ich dir aber auch einen Kontakt schicken.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Die Fahrer*innen nehmen ca. 50 Dollar, unabhängig davon, wie viele auf dem Boot mitfahren.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Falls du in Nueva Rocafuerte übernachten möchtest, gibt es hier günstige Unterkünfte oder auch die Möglichkeit, dein Zelt aufzuschlagen. Wenn du aber nicht gerade in den Yasuni-Nationalpark möchtest (der ist recht teuer), empfehle ich dir eher weiterzufahren nach Pantoja.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Von Pantoja nach Iquitos</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In Pantoja musst du vor der Weiterfahrt in Peru einchecken und dir auch hier einen Stempel in deinen Pass holen. In der Regel öffnet das Migration-Office allerdings erst abends ab 18 Uhr, da es im Ort nur Strom per Generator von 18 – 23 Uhr gibt. (Stand 2023)</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In Pantoja gibt es ein Hostel, in dem wir für 4 Dollar pro Person unterkommen konnten. Natürlich kannst du auch hier zelten. Am besten schaust du erst welches Boot du nimmst, evtl. kannst du auch schon auf dem Boot schlafen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Auch von Pantoja gibt es ein schnelles Boot. Dieses hat einen Fahrplan und startet (Stand Oktober 2023) freitags und dienstags früh morgens. Das Ticket kannst du am Tag vorher kaufen. Mit diesem Boot fährst du am ersten Tag bis Santa Clotilde, wo du an Land übernachtest. Am nächsten Morgen geht es um 4 Uhr weiter nach Mazán, von dort mit einem Moto-Taxi nach Indiana und dann in einem weiteren Boot weiter nach Iquitos fährst. Mit diesem schnellen Boot kommst du am zweiten Tag (dritter Tag von Coca aus) mittags in Iquitos an. Der Preis ist mit 270 Soles (ca. 70 Dollar) allerdings recht hoch und der Entspannungsfaktor gering, da du einen festen Sitzplatz auf dem Boot hast.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Für die Alternative brauchst du etwas Zeit oder Glück. Bei uns lief es super, da am gleichen Tag wie das Schnellboot auch ein Handelsschiff startete (wie oben beschrieben die Harrison). Auf der Harrison haben wir drei Tage von Pantoja bis Iquitos gebraucht. Dafür haben wir aber nur 100 Soles (ca. 25 Dollar) bezahlt, konnten uns frei auf dem langsam fahrenden Boot bewegen, die Aussicht genießen und in unseren Hängematten auf dem Boot schlafen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Von Iquitos nach Yurimaguas</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Von Iquitos gibt es keine Straße ins restliche Peru. Wenn du wie ich die Umwelt schonen und nicht fliegen möchtest, kannst du von Iquitos weiter Richtung Yurimaguas reisen. Dafür nimmst du am besten einen Bus oder ein Collectivo nach Nauta und von dort aus fahren jeden Tag Boote nach Yurimaguas. Wieder gibt es schnelle und langsame Boote. Die Schnellboote starten nachmittags ca. um 16 Uhr und kommen am nächsten Tag mittags in Yurimaguas an. Für dieses Boot habe ich 160 Soles (40 Dollar) bezahlt. Das langsame Boot braucht zwei Tage und ist wieder deutlich günstiger, da kenne ich aber den genauen Preis nicht.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Iquitos nach Coca</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Wenn du die Strecke andersrum fahren möchtest als ich, ändert sich eigentlich nicht viel. Du kannst ab Iquitos direkt ein Boot nach Pantoja suchen. Dort kannst du ausstempeln, dann mit den gleichen Booten wie oben beschrieben nach Nueva Rocafuerte fahren, einstempeln und dann gibt es ein Boot nach Coca. Die Abfahrtszeiten der Boote so rum kenne ich leider nicht. Wenn ich sie erfahre, ergänze ich sie hier.<br>Wichtig zu bedenken ist, dass man so rum insgesamt länger braucht, da man die meiste Zeit gegen den Strom fährt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ergänzung: Mein Freund Nicolas ist von Iquitos nach Coca gereist und hat folgende Infos für euch zusammengestellt:</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p><strong>Iquitos &#8211; Pantoja:</strong><br>Das Schnellboot findest du bei Transporte Vichu in der calle Maynas 360. Laut Nico fahren die dienstags und samstags und kosten 270 Soles.<br>Für die langsamen Boote gibt es kein Office und keine festen Zeiten. Im Puerto ranza hat Nico welche gefunden, die 4 Tage brauchen und 130 Soles kosten. Es gibt aber mit Sicherheit noch andere. Wenn du diese Reise machen willst, kontaktiere mich gerne ein paar Tage vorher und dann kann ich einen Freund in Iquitos fragen, ob er in nächster Zeit die Strecke fährt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p><strong>Pantoja &#8211; Nueva Rocafuerte:</strong><br>Auch in dieser Richtung gibt es keine festen Zeiten, sondern vor Ort gibt es mehrere Boote, die auf Anfrage fahren. Nico hat 15 Dollar gezahlt zusammen mit einer anderen Person, die auch 15 Dollar gezahlt hat. Wichtig zu berücksichtigen ist, dass man so rum länger braucht gegen den Strom.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<p><strong>Nueva Rocafuerte &#8211; Coca:</strong><br>Das langsame Boot für 21 Dollar fährt morgens um 6 Uhr aus Nova Rocafuerte los. Das Schnellboot startet um 12 Uhr und kostet 39 Dollar. Meines Wissens gibt es jeden Tag Boote auf dieser Strecke.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<p><strong>Wenn du dich dazu entscheidest die Reise zu machen, wirst du eine richtige tolle Zeit und fantastische Ausblicke genießen. Viel Spaß!</strong></p>
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<p></p>
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<p></p>
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		<title>Ideen und Tipps für nachhaltigeres Reisen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Oct 2023 01:22:42 +0000</pubDate>
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<p>In diesem Beitrag beschäftige ich mich mit Alternativen und Ideen für nachhaltigeres Reisen.<br>In knapp einem Jahr Reise habe ich so viele wundervolle Orte sehen können, habe neue Kulturen kennengelernt, super liebe Menschen getroffen, neue Freund*innen gefunden und unglaublich viel Neues, Spektakuläres erlebt. Kurzum, ich habe gesehen, wie <strong>wundervoll die Welt ist</strong> und auch gesehen, wie wichtig Reisen ist: Zum Einen für <strong>persönliche Entwicklung</strong>, denn beim Reisen lernt man so viel über die Welt, über Empathie und Weltoffenheit. Zum anderen aber vor allem für <strong>interkulturellen Austausch</strong> und für <strong>Völkerverständigung</strong>. In vielen Projekten, die ich besuchen und unterstützen konnte, habe ich gesehen, wie sehr Reisen auf einer persönlichen Ebene Verbindungen zwischen Menschen und Kontinenten schaffen.<br>Doch gleichzeitig habe ich auch an einigen Stellen sehen können, wie schon heute der <strong>Klimawandel unsere Welt verändert und zerstört</strong>: in Kuba war ich an einem komplett ausgebleichten Korallenriff tauchen, in Panama kam es beim Kanal zu einem enormen Rückstau, weil der Gatun-See viel weniger Wasser führt, als gewöhnlich. In vielen Ländern sind die eigentlich konstanten Regenzeiten kaum noch vorhersehbar und es gibt entweder viel weniger Regen als gewohnt oder viel mehr. Die Folgen für die Natur sind fatal.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Außerdem habe ich viele Menschen kennengelernt, die <strong>ohne spürbare Rücksicht auf die Umwelt</strong> reisen: die für 2 Wochen Urlaub einen ganzen Ozean überqueren, die von Medellin nach Bogotá (8 Stunden Bus) das Flugzeug nehmen oder die eine endlose Spur von Plastikmüll hinter sich ließen. Reisen kann enorm destruktiv sein und klassischer Tourismus ist dies heutzutage auch häufig. Doch es gibt eben auch viele Möglichkeiten, um Reisen nachhaltiger zu gestalten und viele davon habe ich auf dieser Reise ausprobiert und/oder kennengelernt und möchte euch diese hier vorstellen, damit ihr hoffentlich das eine oder andere mitnehmt. Ich freue mich auch, wenn ihr euch in den Kommentaren austauscht oder eigene Anregungen dalasst.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Dabei ist mir wichtig zu erwähnen, dass ich meine Emissionen zwar in einiger Hinsicht deutlich reduziert habe, aber natürlich auch weit davon entfernt bin, emissionsfrei zu reisen. Es geht auch nicht darum, dass ihr alle Ideen genauso umsetzt, sondern vielmehr, dass es wichtig ist, dass wir uns mit den vielen Emissionen auseinandersetzen, die Reisen verursacht und uns Mühe geben, diese deutlich zu reduzieren. Denn, dass sich die Art des Reisens verändern und nachhaltiger werden muss, da sind nicht nur wir uns (hoffentlich) drüber einig, sondern das sagt auch die Wissenschaft. Und dafür ist es wichtig, dass wir in Diskussion bleiben, uns gegenseitig austauschen und inspirieren.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ich mache mir bei zunehmenden Naturkatastrophen weltweit Sorgen um die Zukunft unseres Planeten. Ich wünsche mir, dass meine Kinder und Kindeskinder später auch noch die Chance haben, diese fantastische Welt zu erkunden und all das wundervolle zu sehen, was ich aktuell sehen darf. Doch wenn Klimaschutz so weiter geht wie aktuell, dann wird es 2063 keine Korallenriffe mehr geben, in 70 Jahren wird die Heimat von über 200 Millionen Menschen im Meer versunken sein und eine Vielzahl von Arten wird nicht mehr existieren. Die Szenarien klingen immer dramatisch, aber so ist leider eben auch die Lage beim Klimaschutz.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Um die Tipps und Ideen etwas zu sortieren, teile ich sie nach Bereichen auf: <strong>Allgemeine Tipps, </strong><strong>Transport, Unterkunft </strong>und <strong>Lebensmittel.</strong></p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Allgemeine Tipps</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Die Idee von diesem Artikel ist es selbstverständlich nicht, Emissionen zu reduzieren, um dann mehr zu reisen, sondern Emissionen zu reduzieren, um die Umwelt mit einer Reise möglichst wenig in Mitleidenschaft zu ziehen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Generell gilt vor allem auch, dass wir uns im Zweifel fragen sollten ob wir nicht etwas weglassen können: Ist dieser Flug nun nötig oder finde ich nicht auch ein schönes Ziel in Zug-Distanz? Braucht es wirklich für die ganze Reise einen Mietwagen oder komme ich nicht auch ohne aus? Muss ich 3 Länder in 4 Wochen sehen oder kann ich nicht auch länger an einem Ort bleiben? <strong>Weniger</strong> <strong>kann</strong> im Urlaub oder auf Reisen durchaus <strong>auch mehr sein</strong>, so kann man die Zeit evtl. viel mehr genießen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Dabei geht es nicht darum, emissionsfrei zu reisen und sich in allen Aspekten perfekt zu verhalten. Stattdessen geht es darum, sich den <strong>Auswirkungen vom Reisen bewusst zu sein</strong> oder zu werden und diese in Entscheidungen zu berücksichtigen, um den eigenen <strong>CO2-Fußabdruck deutlich zu reduzieren</strong>.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ich bin auch dessen bewusst, dass es ein absolutes Privileg ist, dass ich die Zeit, das Geld und die Möglichkeiten habe, diese Reise so zu gestalten, doch wäre ich bei einem Zeitraum von zB einem Monat sicher nicht nach Lateinamerika geflogen, sondern hätte z.B. Inter-Rail in Osteuropa oder so gemacht.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ganz grundsätzlich gilt auf Reisen das gleiche wie Zuhause: mit allen <strong>Ressource</strong><strong>n</strong> sollten wir <strong>achtsam umgehen</strong>. Das heißt: auf <strong>Wasserverbrauch</strong> achten, <strong>Klimaanlagen</strong> und Ventilatoren nur dann anmachen, wenn man sie auch braucht, etc.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ein weiterer Punkt ist schon vor Beginn der Reise: das <strong>Gepäck</strong>. Wenn der Koffer oder Rucksack leichter ist, schont das nicht nur den Rücken, sondern sorgt auch für weniger Energieverbrauch in den Transportmitteln. Da bin ich insbesondere durch meine Gitarre nicht so vorbildlich, wollte diesen Tipp, den ich gelesen habe, aber trotzdem mit euch teilen. Ohnehin ist das wohl nicht der Tipp, der riesige Mengen CO2 einsparen wird, allerdings einer, über den vermutlich wenige nachdenken.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Wichtiger ist da schon der nächste Tipp, den viele inklusive mir beim Thema Nachhaltigkeit auch nicht auf dem Schirm haben: <strong>Antizyklisch reisen</strong>, bzw. <strong>überfüllte Orte meiden</strong>. Gerade <strong>Massentourismus</strong> führt dazu, dass <strong>Infrastrukturen überlastet</strong> werden und irreversible Schäden an Ökosystemen entstehen. Wenn zehn Menschen pro Tag durch einen kleinen Wald laufen, ist das dem Wald und seinen Bewohner*innen vermutlich recht egal. Anders sieht das aus, wenn es Tausend sind. Dem kann man vorbeugen, wenn man nicht zur Überfüllung der Orte beiträgt, in dem man in der Low Season reist oder diese Orte meidet. Dabei ist mir natürlich bewusst, dass es Berufe gibt, bei denen es schwer ist, azyklisch zu reisen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Zu guter Letzt sollten Reisende versuchen, möglichst viel <strong>lokale und kleine </strong><strong>Läden</strong> statt große Geschäfte und Ketten zu nutzen. Das gilt für Unterkünfte, Lebensmittelläden, Souvenirs und Co. Zum Einen unterstützt man damit die Menschen vor Ort und kein riesiges Unternehmen, zum Anderen kommen so vermutlich die Produkte, Arbeitskräfte, etc. eher aus der Nähe und so wird auch die Umwelt geschont. Und z.B. in Lateinamerika ist es in den kleinen Läden häufig sogar günstiger als im Supermarkt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Transport</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Kommen wir zum Klimakiller Nr. 1 beim Transport: <strong>Fliegen</strong>. Ein Langstreckenflug von Frankfurt nach Rio und zurück emittiert ca. 3,1 Tonnen CO2-Äquivalente, nach Neuseeland sogar 6,6 Tonnen. Doch laut Wissenschaft sollte ein Mensch im Schnitt maximal 2 Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen, wenn wir die Klimaziele einhalten und die Umwelt in einem guten Zustand für kommende Generationen hinterlassen wollen. Wobei durch fehlenden Klimaschutz und dadurch folgende Umweltzerstörung der Betrag immer kleiner wird und schon jetzt Richtung 1 Tonne tendiert.<br>Das größte Einsparpotential beim CO2-Abdruck gibt es beim Fliegen. Dass wir gar nicht mehr fliegen, wäre zwar für das Klima am besten, ist aber wohl eher unrealistisch und ich sehe wie gesagt auch die Notwendigkeit des Austausches und der Völkerverständigung und da lässt sich das Flugzeug nicht immer vermeiden. Doch der Flugverkehr ließe sich stark reduzieren, wenn wir Fliegen als das sehen würden, was es ist: <strong>ein absolutes Privileg</strong>, denn ein Großteil der Menschen kann sich das gar nicht leisten. Damit ist Fliegen leider auch extrem unfair: ein Umstand, den wenige hören wollen, doch ein Fakt: eine Minderheit stößt beim Fliegen viel mehr CO2 und Äquivalente aus als ihnen eigentlich zusteht, wenn wir mit unserem Planeten und seinen Ressourcen im Einklang stehen wollen. Dass das Klima nicht schon vollends kollabiert ist, liegt vor allem daran, dass es viele Menschen weltweit gibt, die sich unseren Lebensstandard bei weitem nicht leisten und insbesondere nicht fliegen können, und deswegen viel weniger CO2 ausstoßen. Somit ist Fliegen ein starker Ausdruck der globalen Ungerechtigkeit und Teil einer <strong>imperialen/postkolonialen Lebensweise</strong> wie der Autor Ulrich Brand sie im Buch „Imperiale Lebensweise – zur Ausbeutung von Mensch &amp; Natur im globalen Kapitalismus“ beschreibt. Konsequent ist dann nur, wenn wir in Zukunft auf das Flugzeug für Urlaubsreisen verzichten. So beschreibt es auch das deutsche Umweltbundesamt in seinem Konzept für „<strong>Luftverkehr der Zukunft“.</strong><br>Kurz zu <strong>Äquivalenten</strong>, was ist damit gemeint? Beim Fliegen wird nicht nur CO2 in die Atmosphäre geblasen, das zur Erderwärmung beiträgt, sondern es gibt noch Nicht-CO2-Effekte, die beim Fliegen sogar fast 2/3 ausmachen. Am klimaschädlichsten beim Fliegen sind Kondensstreifen.<br>Wie man die Effekte durch Kondensstreifen stark reduzieren könnte, darüber schreibt mein Freund Gero <a href="https://www.dw.com/de/klimaschutz-klimaneutral-fliegen-co2-eu-wolken-airbus-boing-kerosin-luftfahrt-wasserstoff-klima/a-64922155">in diesem Artikel</a> für die Deutsche Welle.<br>Doch auch Gero kommt zu dem klaren Schluss, dass es noch lange dauern wird, bis Fliegen klimafreundlich wird und dass es daher nötig ist, <strong>Flugreisen drastisch zu reduzieren</strong>.<br>Fliegen sollte also als Privileg verstanden werden und <strong>als Ausnahme gelten</strong>. Doch was sind die Alternativen zum Fliegen: An Land ist das recht einfach, ein <strong>voll besetztes Auto</strong> ist klimafreundlicher als ein Flug, doch wirklich sparsam ist das Reisen mit <strong>Bus und Bahn</strong>. Dabei stimmen auch alle Quellen überein.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Die Schwierigkeit für CO2-Studien</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Kurzer Exkurs: Es ist manchmal schon anstrengend, dass je nach Quelle die CO2-Bilanzen von Transportmitteln auseinandergehen. Das liegt aber daran, dass zum Beispiel der zugrundeliegende Strom-Mix einen großen Unterschied bei der Berechnung machen kann. Außerdem berechnen viele Quellen nur die Transportkosten ein, die eine Fahrt von A nach B kostet. Doch selbstverständlich muss man auch einberechnen, wie viel CO2 bei der Produktion des Fahrzeugs und der Strecke ausgestoßen wird. Unabhängig davon ist Fliegen in allen Statistiken das mit Abstand schädlichste Transportmittel und <strong>Bus und Bahn</strong> die besten.<br>Mit Bus und Bahn kann es natürlich länger dauern als der Flug, doch bei vielen Strecken ist der Zeit-Gewinn beim Flieger häufig viel geringer als die Flugzeit vermuten lässt. Wenn man Anreise, Checkin, Wartezeit, Gepäckannahme, etc. einrechnet, ist ein Flug eben auch doch gar nicht so schnell. Außerdem kann man bei Reisen mit Bus oder Bahn auch noch gut einen Zwischenstopp machen und sich auf dem Weg einen anderen Ort anschauen. <strong>Über Nacht</strong> zu fahren ist außerdem eine gute Option, die ich in Bussen in Lateinamerika schon häufiger genutzt habe, denn so kann man (hoffentlich) im Bus schlafen, kommt morgens an und spart sich eine Übernachtung.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Eine andere Möglichkeit, um Fliegen zu vermeiden, ist, das <strong>Ziel anzupassen</strong>. Bei einem zweiwöchigen Urlaub steht meiner Meinung nach zum Beispiel der Nutzen in keinem Verhältnis zu den Kosten für das Klima, insbesondere nicht bei Langstreckenflügen. Und in der Nähe oder zumindest auf dem gleichen Kontinent gibt es genug schöne Reiseziele, bei denen man auch viele Menschen aus aller Welt und andere Kulturen kennenlernen kann. Übrigens etwas, dass auch sehr gut im eigenen Land und in der eigenen Stadt geht. Man muss nicht unbedingt nach Lateinamerika reisen, um Lateinamerikaner*innen kennenzulernen. Im Alltag gehen diese Möglichkeiten schnell unter, doch man kann sich eben auch mal bewusst Zeit dafür nehmen, im eigenen Land zu reisen und im eigenen Land andere Kulturen kennenzulernen. In Deutschland gibt es große Communitys von Menschen aus verschiedensten Ländern, mit denen man in Kontakt kommen und deren Kultur man kennenlernen kann. Wenn dann Freundschaften entstehen, ist es auch deutlich einfacher, sich wiederzusehen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Bei einer langen Reise auf einem anderen Kontinent kann man sich außerdem überlegen, mehr Zeit an einem Ort zu verbringen, statt ganz viele Orte kurz zu sehen. Auf meiner Weltreise von ca. 14 Monaten habe ich mich zum Beispiel ganz bewusst für einen Kontinent entschieden, statt z.B. nach Südamerika noch Asien und Afrika zu machen. So hatte ich Zeit, mich viel intensiver in die Kultur der Länder einzudenken, an tollen Orten auch mal länger zu bleiben, die Menschen besser kennenzulernen, etc. Und ganz ehrlich, auch das war zu wenig Zeit für einen so großen Kontinent! Statt also von A nach B zu hetzen, was automatisch den CO2-Abdruck erhöht, kann man also gut auch lange an einem Ort bleiben und wird trotzdem eine wunderbare Zeit haben und alles wird man eh nie sehen können. Meiner Erfahrung nach verpasst man viele tolle Erfahrungen, wenn man schon nach zwei Tagen an einem Ort wieder abhaut. Damit meine ich gar nicht, dass man nicht auch mal einen Ort kurz besuchen kann, aber vlt bleibt man am nächsten wieder länger. Auch hier gilt vor allem, sich bewusst zu machen, welche Auswirkungen jeweils eine Reise hat und das in die Überlegungen auch einzubeziehen und zu berücksichtigen. Zumal je mehr man reist, desto mehr Zeit verbringt man auch im Bus oder anderen Transportmitteln, was immer auch Zeit ist, die man nicht am Ort verbringt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong><strong>(Boot-)Hitchhiking</strong></strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Auf dieser Reise habe ich außerdem noch eine Alternative für die <strong>Überquerung von Ozeanen</strong> ausprobiert: <strong>Segelboote</strong>. Von Spanien aus bin ich auf mehreren Segelbooten über die Kanarischen Inseln und Kap Verde ich bis in die Karibik getrampt. Auch wenn Segelboote kaum Sprit bei der Fahrt verbrauchen, haben sie natürlich auch nicht unerhebliche <strong>Produktionskosten</strong>. Doch wer auf Booten mitfährt, die eh eine Reise über den Atlantik (oder auf einer anderen Route) unternehmen, produziert nahezu keinen extra CO2-Ausstoß. Wenn ihr mehr über meine Route über den Atlantik lesen wollt, findet ihr im Blog mehrere Beiträge. Hier das <strong><a href="https://pinchekai.com/?p=945">Tagebuch von der Atlantik-Überquerung</a></strong>.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Wer also länger Zeit zum Reisen hat (die braucht man fürs Segeln leider) und sich auf dem Meer einigermaßen wohlfühlt, hat so eine gute, klimaschonende Alternative und ich verspreche euch, ihr werdet<strong> wundervolle Orte</strong> sehen, vor allem auf Inseln, an die ihr sonst nie gekommen wärt!</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p><strong>Trampen</strong> ist übrigens natürlich auch an Land sehr klimafreundlich. Viel zu viele Autos fahren mit einer oder wenigen Personen durch die Gegend, da gibt es noch ein großes <strong>Potenzial zur Optimierung</strong>. Insbesondere von Deutschland bin ich die meiste Zeit getrampt, doch auch in Lateinamerika (meistens kürzere Strecken) und habe <a href="https://pinchekai.com/?s=europa&amp;lang=de">in diesem Artikel</a> einige Tipps für euch gesammelt.<br>Trampen ist nicht nur klimafreundlich, sondern auch eine tolle Art zu Reisen, da man so ganz unterschiedliche Menschen kennenlernt und viel mehr <strong>mit Locals in Kontakt</strong> kommt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Andersrum kann, wer einen <strong>Mietwagen</strong> nimmt, natürlich auch gut Menschen mitnehmen. Wobei bei einem Mietwagen natürlich auch immer die Frage, ob der nötig ist oder man nicht auch mit Zug, Bus und Trampen gut ans Ziel kommt. Ich persönlich mag es sehr gerne, die gleichen Transportmittel zu nutzen, wie die Locals und so auch mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Und wenn du auf keinen Fall auf einen Mietwagen verzichten möchtest, kannst du ja überlegen, diesen nur für einen Teil der Reise zu nutzen. Ohne Mietwagen ist dabei in den meisten Fällen wie im echten Leben ohne Auto: <strong>deutlich günstiger!</strong><br>Das gleiche gilt für <strong>Taxi</strong> oder <strong>Uber</strong>, auch hier ist die Frage, in welchen Situationen es nötig ist, sich durch die Gegend fahren zu lassen. Taxi ist meistens schneller, Bus dafür günstiger und insbesondere in den Städten sind diese meistens gut ausgebaut. Dabei noch der Hinweis, dass in Lateinamerika häufig von Taxis abgeraten wird, da es in diesen immer mal wieder zu Überfällen kommt. Uber und andere Apps sind eine gute Alternative, denn hier sind die Fahrer sicher registriert. Wenn das Taxi aber offiziell ist (und du dir da sicher bist), geht natürlich auch ein Taxi. Natürlich kommt es auch sehr darauf an, wo du bist. Ich habe gerade auf dem Land immer mal wieder inoffizielle Taxis oder Motorräder genutzt und mich dabei nie unsicher gefühlt. Und bei der Benutzung des Taxis geht nicht ein Teil des Geldes an den Konzern Uber.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Essen &amp; Getränke</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Bei Essen und Getränken kann man insbesondere gut <strong>Transportkosten</strong> und <strong>Plastikaufkommen</strong> <strong>reduzieren</strong>.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ich gebe zu, dass ich ab und zu ein europäisches Produkt wie Pesto oder italienische Nudeln zu schätzen weiß. Doch meistens versuche ich, <strong>lokale Produkte</strong> zu konsumieren und das geht zum Beispiel in Lateinamerika sehr gut, da es sehr viel frisches, regionales Obst und Gemüse gibt, das super lecker ist. Und so wie es in Deutschland nicht nötig ist, ständig Avocados zu kaufen, brauche ich auf Reisen nicht jede Woche deutsche Produkte.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Eine weitere große Umweltbelastung, gerade bei Essen und Getränken, ist <strong>Plastik</strong> – sowohl in der <strong>Produktion</strong> als auch der <strong>Entsorgung</strong>. Doch gerade hier gibt es einige einfache Dinge, die den Plastik-Verbrauch stark reduzieren können:</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Eine <strong>Trinkflasche</strong> dabei zu haben, ist ein absolutes Muss, auch um hydriert zu bleiben, wenn man gerade nirgends etwas kaufen kann. Außerdem kann man die Flasche gut mit frischem Wasser auffüllen statt jedes Mal eine neue Flasche zu kaufen. Wichtig ist natürlich, vorher zu fragen, ob das Leitungswasser trinkbar ist. Ansonsten haben aber viele Haushalte einen Filter oder einen großen Wasserbehälter, aus dem man gegen kleines Geld (meistens umsonst) Wasser bekommt. Ein weiteres praktisches Gadget ist ein eigener kleiner <strong>Wasserfilter</strong>, so kann man überall Wasser abfüllen. Auch <strong>Säfte auf der Straße</strong> kann man sich gut in die eigene Flasche abfüllen lassen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Fürs Essen sind für mich <strong>drei Gegenstände</strong> unverzichtbar: eine <strong>Brotdose</strong>, ein <strong>Löffel</strong> und ein <strong>Taschenmesser</strong>. Damit ausgestattet kann man sich vieles selber zubereiten und ohne Plastik verzehren: zum Beispiel Brot mit Avocado. Außerdem könnt ihr euch Streetfood in die Brotdose geben lassen und dieses mit dem eigenen Löffel essen, sodass ihr das viele Plastik, das dort schnell entsteht, vermeidet. Die Brotdose ist zudem praktisch, wenn ihr im Restaurant mal nicht alles aufbekommt, um dann die Reste einstecken zu können.<br>Auch sehr praktisch, aber weniger aus Umweltgründen, sind eigene Gewürze, denn die gibt es leider lange nicht in jedem Hostel.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Praktisch für Einkäufe ist natürlich auch immer ein <strong>eigener Rucksack</strong>, um <strong>keine Plastiktüten</strong> nehmen zu müssen. Auch kleine <strong>Beutel</strong> für Obst und Gemüse sind auf Reisen genauso praktisch wie Zuhause. Und so wie man kaputte Dinge Zuhause nicht direkt aufgeben sollte, sondern <strong>selber reparieren</strong> oder in ein <strong>Geschäft zum Reparieren</strong> bringen sollte, gilt das natürlich auch auf Reisen. Und in Lateinamerika ist diese Kultur noch viel verbreiteter. In jeder größeren Stadt gibt es haufenweise Handyreparaturläden, Schuster*innen, Näher*innen etc. Ein kleines <strong>Nähset</strong> dabei zu haben ist übrigens auch sehr praktisch.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Hier noch ein kleiner <strong>(Not So Fun)-Fact</strong> am Rande: Es entsteht schnell der Eindruck, dass lateinamerikanische Länder und Menschen besonders verschwenderisch sind, was Plastik angeht, weil es durch das viele Streetfood sichtbarer ist. Doch tatsächlich produzieren z.B. westliche Länder viel mehr Plastikmüll pro Kopf. Bei uns ist das Plastik nur einfach nicht so sichtbar, doch häufig werden z.B. Kleidungsstücke extra in Plastik eingepackt und auch bei Lebensmitteln ist in Europa fast alles in Plastik verpackt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Unterkunft</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Die Unterkunft ist beim Reisen einer der Haupt-CO2-Verursacher, denn ein Hotel oder Hostel wird extra für Reisende gebaut und hat häufig auch einen enormen Stromverbrauch. Hier gibt es viele Möglichkeiten, den Ausstoß zu verringern. Grundsätzlich gilt, je <strong>weniger Fläche pro Person</strong> gebraucht wird, desto besser. Ein Schlafsaal mit Hochbetten ist offensichtlich platzsparender als ein Privatzimmer. Aber auch ein kleines Zimmer deutlich besser als eine riesige Suite. Hostels sind auch ein guter Ort, um andere Reisende kennenzulernen, sich gegenseitig nachhaltige Tipps zu geben und evtl. gemeinsam zu reisen, was auch häufig Emissionen einsparen kann. Auch Trampen kann für einige eine Option sein, wenn man zusammen unterwegs ist, denn insbesondere nicht alle alleinereisenden Frauen fühlen sich dabei alleine wohl.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Und es gibt noch zwei fast klimaneutrale Optionen für Unterkünfte, die ich auf dieser Reise viel ausprobiert habe: <strong>Campen</strong> und <strong>Couchsurf</strong><strong>ing</strong>.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Beim Campen mit eigenem Zelt oder wie bei mir mit eigener Hängematte, braucht es kein aufwändig errichtetes Gebäude, höchstens Sanitäranlagen auf einem Campingplatz. Doch die meiste Zeit, insbesondere während des Boot-Trampens, haben wir mit einigen Freund*innen wildgecampt und dann gibt es gar keine Infrastruktur, die extra für uns und andere Reisende errichtet wurde. Ein weiterer Vorteil vom Campen ist, dass man nah an der Natur ist. Ich fand es fantastisch, am Strand vom Meeresrauschen geweckt zu werden oder mitten im Dschungel vom Geräusch der Grillen und Vögel.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Was selbstverständlich sein sollte, sei hier trotzdem erwähnt: Nach dem Campen sollte man aufräumen und den eigenen Müll wieder mitnehmen. Vlt könnt ihr das aber sogar noch erweitern und anderen Müll einsammeln, ganz nach dem Motto: „Den Platz sauberer verlassen, als man ihn vorgefunden hat.“</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Couchsurfing</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Doch noch viel besser gefallen hat mir <strong>Couchsurfing</strong>. Die Idee vom Couchsurfing ist erstmal ziemlich einfach und losgelöst von der App: statt in einem Hotel zu übernachten, kommt man im privaten Haus von jemandem unter, allerdings nicht wie bei AirBnB gegen Geld, sondern für einen nicht-materiellen Austausch. AirBnB kann natürlich in einigen Fällen auch nachhaltig sein, doch in den meisten Fällen sind das Wohnungen, die extra dafür gebaut, gekauft oder gemietet werden und die sonst von jemand anderem dauerhaft bewohnt werden könnten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Beim Couchsurfing kommt es nicht darauf an, ob man die Person kennt oder nicht, das Prinzip ist das „Surfen“, also Übernachten, auf einer Couch im privaten Haus. Die Couch ist in vielen Fällen auch ein Bett oder eine Luftmatratze.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Vor allem in Mexiko, aber auch in vielen anderen Ländern, habe ich Freund*innen besucht und bei ihnen übernachten können – die vermutlich schönste Form des Couchsurfings: man kennt die Gastgeber*innen schon, hat ein <strong>tolles Wiedersehen</strong>, <strong>keine Übernachtungskosten</strong>, l<strong>okale Guides</strong> und ist eben <strong>nachhaltiger als im Hostel</strong>.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Doch natürlich haben wir nicht alle an jedem Ort Bekannte, die wir besuchen können. Und dafür gibt es die App Couchsurfing und übrigens viele sehr ähnliche Apps.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Die Idee ist simpel: wer möchte, kann bei Couchsurfing sein Zuhause für Fremde zur Verfügung stellen. Diese können eine*n dann kontaktieren und einen Aufenthalt anfragen. Über <strong>Referenzen</strong> kann man sehen, welche Erfahrungen andere mit dieser Person hatten. Wenn alles passt, wird die Anfrage angenommen. Der Gast hat eine kostenlose Übernachtung, lernt eine*n Local kennen und kriegt super Tipps für vor Ort. Der*die Gastgeber*in lernt einen Menschen aus einer anderen Stadt oder einem anderen Land kennen, wird vlt auf ein Bier eingeladen oder bekocht und kann bei der nächsten Reise selber couchsurfen. Für mich eine <strong>Win-Win-Situation</strong> und ich habe bisher mit über 30 Couchsurfer*innen, die ich kennengelernt habe, nur gute Erfahrungen gemacht! Tatsächlich freue ich mich jetzt schon riesig darauf, Menschen in Köln in meinem Zimmer zu beheimaten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Übrigens habe ich nicht bei allen übernachtet, die ich kennengelernt habe. Es gibt in der Couchsurfing-App auch die Möglichkeit, sich einfach so mit Reisenden zu connecten oder Events einzustellen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Einen kleinen Nachteil gibt es bei Couchsurfing: seit Kurzem wird ein <strong>Jahresbeitrag</strong> von ca. 14 Dollar erhoben. Doch rein finanziell ist das nach spätestens zwei Übernachtungen wieder drin und all die tollen Erfahrungen, die ich durch Couchsurfing gemacht habe, sind ohnehin unbezahlbar. Wer sich das aber nicht leisten kann, kann auf einige Alternativen zurückgreifen: <a href="https://www.backpacker-reise.de/kostenlos-uebernachten-8-couchsurfing-alternativen/">Siehe Backpacker-Reise.de</a></p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p><strong>Zusammenfassend</strong> möchte ich mit diesem Artikel dazu anregen, sich intensiv mit den <strong>Auswirkungen von Reisen aufs Klima </strong>auseinanderzusetzen und diese Gedanken auch konkret in die Tat umzusetzen. Dabei geht es nicht darum, auf das zu verzichten, was einem Spaß macht, sondern im Rahmen der eigenen Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass Reisen nachhaltiger wird und auch noch möglichst viele <strong>zukünftige Generationen</strong> einen wundervollen Planeten entdecken können.<br>Der größte Hebel ist dabei zweifelsohne das Fliegen, das man durch <strong>alternative Transportmittel </strong>(Zug, Bus, Auto, Trampen) oder durch <strong>Anpassen der Reiseroute</strong> vermeiden bzw. verringern kann. Doch auch durch das <strong>Verzichten auf Mietwagen und Taxi</strong> zugunsten von Bus und Bahn, kann man viel CO2-Ausstoß reduzieren.<br>Bei Lebensmitteln ist der Clou, möglichst viel <strong>lokal</strong> zu <strong>kaufen</strong> und zu konsumieren und für die Plastikvermeidung immer <strong>Brotdose</strong>, <strong>Löffel</strong>, <strong>Messer</strong> und <strong>Trinkflasche</strong> dabei zu haben. Außerdem einen kleinen <strong>Rucksack</strong> und <strong>Obstbeutel</strong> zum Einkaufen und ein <strong>Nähset</strong> zum Reparieren.<br>Bei der Unterkunft kann man gut darauf achten, platzsparend zu wohnen und statt in eine große Hotelanlage in eine kleine Unterkunft zu gehen. Wenn man mit Einheimischen in Kontakt kommen möchte, ist <strong>Couchsurfing</strong> eine noch sparsamere Alternative und wenn man gerne in der Natur ist, sollte man über <strong>Campen</strong> nachdenken.<br>Auch hier gilt, dass man nicht die ganze Zeit Campen oder bei Couchsurfern übernachten muss, sondern das zum Beispiel mit Hostels abwechseln kann.</p>
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<p>Ich bin gespannt auf eure Rückmeldungen und freue mich über Kommentare unter dem Beitrag oder persönliche Rückmeldungen.</p>
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		<title>Geschichte und Politik Zentralamerikas: zwischen Diktaturen und amerikanischer Einflussnahme &#8211; der Kampf um die Identität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Sep 2023 21:33:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zentralamerika]]></category>
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<p>Wie bereits in meinem Artikel über unsere Highlights in Zentralamerika angekündigt, möchte ich mich in diesem Artikel ausschließlich mit der Geschichte und Politik Zentralamerikas beschäftigen.</p>
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<p>Mir ist bewusst, dass jedes Land in Zentralamerika eine eigene, erzählenswerte Geschichte hat und es viel mehr interessantes gibt, als ich in diesem Artikel für euch zusammengesammelt habe, und als ich in den jeweiligen Ländern war, habe ich mich auch noch mehr im Detail damit auseinandergesetzt.<br>Doch zum Einen glaube ich, dass es ein bisschen zu viel wäre, wenn ich von jedem dieser Länder einen einzelnen Abriss schreiben würde (ganz ehrlich, das würde doch keiner von euch alles lesen) und zum Anderen gibt es viele Parallelen und Gemeinsamkeiten in den Geschichten und heutigen Realitäten dieser Länder. Denn indigene Völker kannten ebenso wenig die heutigen Grenzen wie die Spanier*innen diese respektierten.<br>Genau diese Parallelen und Gemeinsamkeiten raus zustellen, das hat mir in der Zeit in Zentralamerika Spaß gemacht und vor allem auch geholfen, das viele Gelernte besser einzuordnen und zu behalten. Der Unabhängigkeitstag 15. September 1821 hat sich zum Beispiel eingebrannt, weil ihn sich die meisten zentralamerikanischen Ländern teilen.<br>Doch was meine ich eigentlich mit Zentralamerika? Guatemala, Belize, Honduras, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica und Panama. Ich möchte hier in diesem Fall Mexiko zumindest für die Geschichte miteinbeziehen, wenn auch in der Regel nur der Süden Mexikos zu Zentralamerika gezählt wird, da das Land und seine Geschichte eng mit den restlichen Ländern verwoben ist.<br>Die Karibik lasse ich hier bewusst außen vor, nicht weil ich sie nicht als Teil Zentralamerikas sehe, sondern weil ich nur auf einem Bruchteil der Karibik-Inseln war und die Geschichte der Dom Rep und Kubas schon einzeln beleuchtet habe. Und auch Panama und Belize werden nur am Rande auftauchen, da Panama lange Zeit zu Kolumbien gehörte und Belize überhaupt erst seit 40 Jahren ein eigenständiges Land ist, dazu später mehr.<br>Der Artikel stellt die leider vielfältigen Probleme in lateinamerikanischer Politik heraus, die auch heute noch vorherrschen, das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das allesamt spannende Länder, in denen man sich mit etwas Vorsicht sicher bewegen kann. Die Menschen in Zentralamerika, die ich getroffen habe, waren unfassbar freundlich, lebensfroh, hilfsbereit und wunderbar.<br>Wenn ich oben von Parallelen schreibe, dann möchte ich diese zuerst in der (Kolonial-)Geschichte herausarbeiten und dann in der Politik seit der Unabhängigkeit.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>(Kolonial-)Geschichte</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Wenn man in Geschichtsmuseen in Zentralamerika geht, dann bekommt man oft den Eindruck, dass die Geschichte Zentralamerikas mit der Kolonialisation beginnt, denn genau das ist das erste was in den Museen häufig (es gibt Ausnahmen) erwähnt wird. Die vielen Jahrtausende zuvor werden genauso verschwiegen wie die Gräueltaten der Spanier*innen und das viele Leid, das die Indigenen und eingeschleppte Sklaven aus Afrika aushalten mussten. Offensichtlich beginnt die Geschichte von Menschen, Zivilisationen und Städten in Zentralamerika schon viel eher und heute wissen wir, dass vieles was die Spanier*innen über die Indigenen erzählten, nicht der Wahrheit entsprach. Zum Beispiel wurden die indigenen Völker als viel barbarischer und weniger zivilisiert dargestellt, als sie es eigentlich waren, um damit die Unterdrückung und Ausbeutung zu rechtfertigen.<br>Ein gutes Beispiel für die hochzivilisierten Völker Zentralamerikas sind zweifelsohne die Maya, von denen heute noch ca. 6 Millionen in Südmexiko, Belize, Guatemala, El Salvador und Honduras leben. Sie bauten beeindruckende Tempel, entwickelten eine eigene komplexe Sprache und einen extrem genauen Kalender. In der Mathematik waren sie genauso begabt wie in Kunsthandwerk und Landwirtschaft. Wer weiß ob wir ohne die Maya heute Maisanbau oder Schokolade hätten? Und wer weiß wie weit wir heute in der Wissenschaft wären, wenn nicht vieles von dem beeindruckenden Wissen der Maya verloren gegangen wäre. Daran hatten die Spanier*innen übrigens zwar Anteil, aber die großen Hochkulturen und Städte der Maya gingen schon unter bevor die Spanier*innen jeden Steine und jede Arbeitskraft in Amerika für sich beanspruchten.<br>Es bleibt ein noch nicht komplett entziffertes Rätsel warum die Maya-Reiche untergingen, doch es verfestigt sich immer mehr eine Vermutung: der Raubbau an der Natur wurde den Maya zum Verhängnis. Für ihre immer größer werdenden Städte brauchten sie viele Rohstoffe. Starke Dürreperioden und andere Umweltereignisse führten dann zu Hungerkrisen und dem Sturz der Maya-Herrscher. Weil diese aber ihr Wissen nicht mit dem Volk geteilt hatten, um sich ihre Position als allwissende Gottheiten zu bewahren, ging viel davon verloren.<br>Doch vor, neben und nach den Maya gab und gibt es noch viele weitere indigene Völker, die aufzuzählen und näher zu betrachten, mit Sicherheit den Rahme sprengen würde, unter ihnen zum Beispiel die Olmeken, Tolteken, Azteken, Nahua und Kariben. Außerdem entstanden über die Jahrtausende einige Mischvölker, von denen heute vielleicht die Garifuna die bekanntesten sind, die aus den Kariben und westafrikanischen Sklaven entstanden und heute vor allem die Karibikküste von Zentralamerika bewohnen. Die ersten Siedler*innen erreichten Zentralamerika vor mindestens 10.000 Jahren. Vermutet wird, dass diese über Nordamerika einwanderten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Und auch wenn die zentralamerikanischen Völker teilweise untereinander immer wieder im Krieg waren, steht dies doch in keinem Verhältnis zu dem Leid, das die Spanier*innen brachten, und das all diese Völker traf, wenn auch unterschiedlich stark.<br>Bei Ankunft der Spanier*innen waren manche von ihnen in großen Zivilisationen organisiert und andere wie z.B. in Nicaragua eher durch viele eigenständige Stämme (mit einem Caciquen als Oberhaupt) charakterisiert. Sie alle hatten gemeinsam, dass sie die Ankunft der Spanier*innen und die daraus resultierenden Folgen nicht einschätzen konnten. Manche verhielten sich den Neuankömmlingen gegenüber direkt feindselig, andere freundeten sich mit diesen an, um dann später hintergangen und unterdrückt zu werden.<br>Wie schon in den Artikeln zur Dom Rep und Kuba ausgeführt, wurden die Völker zu großen Teilen ermordet, versklavt oder ausgebeutet. Viele fielen eingeschleppten Krankheiten zum Opfer und Spanien versuchte erbarmungslos, möglichst viel an Rohstoffen, Gold, etc. aus den Kolonien auszupressen.<br>In wenigen Jahrzehnten eroberten die Spanier Zentralamerika sowohl von Panama im Süden als auch von Mexiko im Norden aus. Das Vizekönigreich Neuspanien wird gegründet und bis auf Panama gehören die Gebiete aller heutigen zentralamerikanischen Staaten zu Neuspanien, während Panama zum Vize-Königreich Peru gehört (und später lange zu Kolumbien), weswegen wir Panama hier etwas ausklammern.<br>Das Vizekönigreich Neuspanien wurde in 4 Verwaltungsbezirke (Real Audiencias) aufgeteilt: Santo Domingo (ab 1511), Mexiko (1527), Guatemala (1543) und Neu-Galicien (1548, auch Guadalajara genannt). Während Santo Domingo zu Beginn für alle eroberten Gebiete zuständig war, änderte sich das mit der Gründung der weiteren Real Audiencias, sodass schließlich Santo Domingo zuständig für die Karibik war. Das Verwaltungsgebiet Mexiko entspricht dem heutigen Zentral-Mexiko, Nord-Mexiko und mehrere heutige US-Bundesstaaten unterstanden Neu-Galicien. Dem Verwaltungsbezirk Guatemala unterstanden die heutigen Guatemala, Belize, Honduras, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica, sowie der südmexikanische Staat Chiapas.<br>Die Verwaltungsbezirke sind deshalb wichtig, weil genau daraus zunächst die neuen Staaten entstanden:<br>Als erstes Land in Lateinamerika erlangte 1804 Haiti seine Unabhängigkeit. Ein entscheidender Einfluss auf die Unabhängigkeitskriege war die Französische Revolution 1789. Als von 1808 – 1814 Spanien aufgrund der Napoleonischen Kriege de facto von seinen Kolonien abgeschnitten war, weil alle Kräfte in Europa gebraucht wurden, bekamen die Unabhängigkeitsbewegungen den entscheidenden Schub.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In Zentralamerika waren es die Real-Audiencia Mexiko und Neu-Galizien die als erste ihre Unabhängigkeit ausriefen als gemeinsamer Staat Mexiko. Als im September 1810 die spanische Verwaltung der Unabhängigkeitsbewegung um Miguel Hidalgo auf die Schliche kam, sah dieser sich genötigt, in der Nacht vom 15. auf den 16. September 1810 die Unabhängigkeit Mexikos auszurufen, im kleinen Örtchen Dolores in den Bergen. Bis heute feiern die Mexikaner*innen am 15. und 16. September mit dem Grito (Schrei) den Beginn ihrer Unabhängigkeit. Bis sie diese erlangten, sollten allerdings viele Jahre ins Land streichen. Mit Hidalgos Grito begann ein blutiger Unabhängigkeitskrieg, der neben Hidalgo auch die Anführer Ignacio Allende und Juan Aldama und Tausende Aufständische das Leben. Der Unabhängigkeitskrieg endete erst im August 1821.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Die hart erkämpfte und teuer (mit Geld und vor allem Menschenleben) erkaufte Unabhängigkeit Mexikos, war allerdings nicht nur für Mexiko erkämpft. Denn vom Erfolg Mexikos angetrieben, strebte auch die Real-Audiencia Guatemala 1821 seine Unabhängigkeit an, der die Spanier dieses Mal ohne Blutvergießen zustimmten. Am 15. September 1821 (gut zu merken, wegen des Gritos in Mexiko) verkündete die Zentralamerikanische Föderation ihre Unabhängigkeit. Dies ist also der Unabhängigkeitstag von Guatemala, El Salvador, Honduras, Costa Rica und Nicaragua.<br>Allein Belize blieb bis 1981! Kolonie von England, das erst 1798 in einer Schlacht die Spanier endgültig vertrieben hatten und das Land für sich beanspruchten. Belize wurde übrigens auch im September unabhängig, aber eben erst 1981.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Die Zentralamerikanische Föderation schloss sich nach der Unabhängikeit von Spanien dem neugegründeten Staat Mexiko von Agustin Iturbide an. Doch schnell wurden ihnen klar, dass die Nachteile dieses Zusammenschlusses überwiegten und schon 1823 nach dem Sturz von Iturbide trennte man sich wieder von Mexiko (auch dies ohne Blutvergießen). Nur Chiapas verblieb als neuer Bundesstaat bei Mexiko.<br>In der Zentralamerikanischen Föderation entstanden schnell zwei Lager, die sich auch in vielen anderen lateinamerikanischen Ländern bildeten: Liberale und Konservative. Während die Konservativen naturgemäß wenig am politischen System rütteln wollten, strebten die Liberalen umgehende Reformen wie die Trennung von Staat und Kirche und Gewaltenteilung.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In den Folgejahren entwickelten sich im sehr föderal aufgebauten Staat innere Machtkämpfe und Bürgerkriege, sodass die Zentralamerikanische Föderation zwischen 1838 und 1841 zerfiel und sich die heutigen Staaten Nicaragua (1838), Honduras (1838), Costa Rica (1838), Guatemala (1839) und El Salvador (1841) gründeten. Bis heute teilen sie sich den Unabhängigkeitstag und die Farben Blau &amp; Weiß in ihren Flaggen. Nur Costa Rica ergänzte in seiner Flagge noch rot, sodass die Flaggen Zentralamerikas schwer auseinanderzuhalten sind. Heute organisieren sie sich übrigens wieder als Zentralamerikanische Integrationssystem (SICA) gemeinsam, wenn auch natürlich als unabhängige Staaten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Politik nach der Unabhängigkeit</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Die Lager, die schon in der Zentralamerikanischen Föderation entstanden, nämlich Liberale und Konservative, prägten auch die Politik nach der Unabhängigkeit. In den verschiedenen Ländern entwickelten sich unterschiedliche Parteien, doch ihre Ideen waren orientiert an den konservativen, bzw. liberalen Ideen und in vielen Ländern prägte diese Dualität bis tief ins 20. Jahrhundert das politische System, wie z.B. in Honduras oder Nicaragua. Die allermeisten politischen Konflikte in Zentralamerika nach 1821 lassen sich auf den Clinch zwischen Konservativen und Liberalen zurückführen.<br>Doch was war der Clinch genau? Im Endeffekt ging es um die Ausgestaltung der politischen Realität der neugegründeten Staaten und da konnten die Meinungen der beiden Lager kaum weiter auseinandergehen: Die Konservativen auf der einen Seite befürworteten es, die Macht in der Hand einiger weniger (Elite) zu belassen und dieser möglichst zentralisierten Elite den Zugriff auf alle Gewalten zuzugestehen. Die Privilegien von Kirche, Militär und Grundbesitzern sollten unangetastet bleiben und keine andere Religion neben Katholizismus zugelassen sein.<br>Die Liberalen setzten sich dagegen für eine klare Gewaltenteilung und die Trennung von Staat und Kirche ein. Religionsfreiheit gehörte für sie ebenso zum Programm wie freie Meinungsäußerung, Zivilehe und kostenlose, staatliche Bildung. Sie wollten außerdem die Föderalisierung vorantreiben.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Interessanterweise etablierten sich viele liberale Ideen im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts, während Konservative deutlich mehr regierten. Doch wie kommt das?<br>Das zeigt in meinen Augen zum Einen, dass viele liberale Ideen von der Bevölkerung getragen wurden und sich die konservativen Regierungen diesen beugen mussten, um an der Macht zu bleiben. Doch warum wurden dann nicht Liberale gewählt, von denen diese Ideen kamen? Die Hintergründe dafür gehen deutlich weiter und haben vor allem mit der Nähe der Konservativen zur mächtigen Elite zu tun. So kam den Konservativen der Einfluss der Elite zu Gute, um an der Macht zu bleiben. Finanzierte Wahlkampagnen, Stimmenkauf bis hin zu Fake-Wahlen waren in quasi allen Ländern Zentralamerikas Gang und Gäbe. Und wenn das nicht reichte, konnten auch mal Gewalt oder Diktatur der letzte Ausweg sein. Politisch motivierte Morde fanden meistens gegen liberale Politiker statt.<br>Und häufig mischten sich auch die USA ein, die bei liberalen Regierungen schnell Angst hatten, dass diese in den Sozialismus „abrutschen“ würden. Wie bspw. 1954 in Guatemala wo sie nach 10 Jahren der demokratischen und liberalen Reformen halfen, den Präsidenten Arbenz zu stürzen und Diktator Carlos Castillo Armas installierten.<br>Während die Konservativen vor allem Beziehungen zur kommerziellen Elite, Grundbesitzer*innen und anderen Reichen pflegten, waren die Liberalen von der Idee eher nah an den „normalen“ Bürger*innen. Doch das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die liberalen Teil der Elite waren und ihre Macht auch häufig dazu nutzten, ihre Besitze zu vermehren. Korruption war schon damals eins der zentralen Probleme in der Politik und das ist es auch heute noch.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Manifestierung der Ungleichheit</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Die bestehenden Besitzverhältnisse aus der Kolonialzeit wurde also in der Regel von der politischen Elite verteidigt.<br>So befanden sich zum Beispiel in El Salvador um das Jahr 1900 90 % der Güter des Landes in den Händen von 0,01 % der Bevölkerung. Der Großteil der Bauern war landlos und lebte in äußerster Armut. In Nicaragua nutzte insbesondere die Sogamozo-Familie während ihrer langen Familien-Diktatur mehrere Katastrophen, um ihre Besitztümer zu vermehren – ein verbreitetes Muster in Zentralamerika. So organisierten sie den Wiederaufbau nach einem Erdbeben 1931 und einem Großbrand in Managua 1936 so, dass sie ihren Grundbesitz beträchtlich vermehren konnten. Nach einem weiteren starken Erdbeben 1972 sackten sie einen Großteil der Hilfsgelder ein und verkauften sogar geschenkte Hilfsgüter, um ihr Vermögen zu vergrößern. Noch heute sind Teile der Innenstadt und die Kathedrale nicht wieder aufgebaut, wozu ein Teil der Hilfsgelder bestimmt war.<br>Hinzu kommt, dass es zahlreiche Versuche gab, Maßnahmen zu verhindern, die die Ungleichheit reduzieren sollten. Als in El Salvador 1983 durch Artikel 105 das Landeigentum auf 245 ha beschränkt wurde, versuchten Teile der Großgrundbesitzer die Reform durch Todesschwadronen zu verhindern. Prominentestes Opfer war der Erzbischof Óscar Romero.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Es dauerte lange bis „normale“ Bürger*innen eine politisch erfolgreiche Laufbahn möglich war. Und was passieren konnte, wenn sie es versuchten, zeigt das Beispiel von Jorge Gaitan in Kolumbien, aber dazu bald mehr im Rahmen der Geschichte und Politik Kolumbiens. Noch heute haben Reiche in den zentralamerikanischen Ländern deutlich bessere Chancen ein hohes Amt zu belegen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Überhaupt dauerte es bis lange nach der Unabhängigkeit bis es in Zentralamerika zum ersten Mal demokratische Wahlen gab: in Guatemala z.B. 1944.<br>Das 19. und auch 20. Jahrhundert waren geprägt von Oligarchien (Herrschaft von Wenigen), Diktaturen und Militärputschen. Regierungswechsel waren Gang und Gäbe. Den Vogel schießt eindeutig Honduras ab: von 1821 bis 1876 wechselten sich 85 Regierungen ab, in den ersten 150 Jahren des Staates Honduras gab es 125 Militärputsche. Bis heute haftet insbesondere Honduras das Image als „Bananenrepublik“ an, dabei lief es in den meisten Nachbarländern nicht viel besser, nur waren die Regierungswechsel nicht ganz so häufig.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Diktatoren (häufig konservativ aber auch liberal)</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Diktaturen waren also neben Oligarchien die gängige Regierungsform in den instabilen Ländern Lateinamerikas. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Instabilität keineswegs ein Ausdruck von Unfähigkeit der Zentralamerikaner war. Vielmehr lässt sich das unmittelbar auf die lange Herrschaft Spaniens zurückführen, die auf dem Kontinent eine Verwüstung gerade auch in politischer Hinsicht hinterließ. Über Jahrhunderte wurden die Menschen Zentralamerikas unterdrückt – ohne jegliche Möglichkeit der Selbstbestimmung. Und die Menschen, die schließlich die Unabhängigkeit erkämpften waren in der Regel ja gar keine Indigenen, denen das Land vor Ankunft der Spanier gehörte, sondern Nachkommen der Spanier oder hatten gemischte Vorfahren. Diese Situation machte es besonders schwer, eine gemeinsame nationale Identität zu entwickeln und bis heute drehen sich viele politische Kämpfe genau darum.<br>Die Vielzahl der Diktatoren macht es unmöglich bzw. langweilig, hier alle aufzuzählen, doch einige wenige seien hier kurz erwähnt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Der Konservative José Rafael Carrera y Turcios beispielsweise wurde in Guatemala kurz nach der Abspaltung von der Zentralamerikanischen Föderation populär, weil er sich erfolgreich gegen Konföderierte wehrte. 1944 wurde er im Alter von 30 Jahren Präsident von Guatemala und nutzte seine Popularität und engen Kontakte zum Militär, um seine Macht auszubauen. 1954 erklärte er sich selbst zum Präsident auf Lebenszeit in Guatemala und prägte damit wesentlich das Verständnis konservativer Machthaber in Zentralamerika. Generell lässt sich festhalten, dass die Eliten der zentralamerikanischen Ländern auch nach der Spaltung in Kontakt blieben und sich die verschiedenen politischen Prozesse stark gegenseitig beeinflussten. Die meisten politischen Konflikte der letzten beiden Jahrhunderte in Zentralamerika waren innerhalb der Staaten und kaum zwischen ihnen.<br>1865 gab Carrera das Präsidentenamt an Vicente Cerna ab, 6 Jahre später folgte ein Militärputsch durch Liberale und Justo Rufino Barrios kam an die Macht. Er trieb viele Reformen voran wie Presse- und Religionsfreiheit und die Verstaatlichung von Kirchenbesitz. Außerdem bekam Guatemala eine Verfassung. Doch eben auch die Liberalen hatten viele diktatorische Züge. Barrios träumte von der Wiedervereinigung der Zentralamerikanischen Föderation und nachdem Verhandlungen nicht vorangingen, erklärte er kurzum die Föderation für wiederhergestellt und sich selber zum Oberbefehlshaber. Weniger später starb er in kriegerischen Auseinandersetzungen mit El Salvador, die die selbst-erklärte Föderation nicht anerkannten.<br>Mit Jorge Ubico gab es in Guatemala einen weiteren liberalen Diktator. Ubico kam 1931 durch vermutlich gefälschte Wahlen an die Macht und entwickelte sich schnell zum Diktator, der Intellektuelle, Journalisten und Schriftsteller verfolgte, die seine Regierung kritisierten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In El Salvador ist insbesondere der Diktator Maximiliano Hernandez Martinez hervorzuheben, der als Verteidigungsminister 1930 einen Militärputsch nutzte, um an die Macht zu kommen. Hier zeigt sich wieder die enorme Macht, die das Militär und seine Verbündeten insbesondere im 19. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatten.<br>Auch in Costa Rica, das insgesamt eher ein positives Beispiel für eine stabile Demokratie in Zentralamerika ist, gab es einige gewaltvolle Phasen. Von 1917 bis 1919 gab es eine Militärdiktatur unter Federico Alberto Tinoco Granados, die von den USA nicht anerkannt, aber von der mächtigen United Fruit Company unterstützt wurde. Die enorme Macht der United Fruit Company und anderer Unternehmen wie Chiquita und ihre enorme Einflussnahme auf die Politik sind bei Zeiten einen eigenen Blogartikel wert.<br>Weitere „namhafte“ Diktatoren waren: <strong>Anastasio Somoza Debayle </strong><strong>und </strong><strong>d</strong><strong>er heutige Diktator Daniel Ortega</strong> in Nicaragua. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tiburcio_Car%C3%ADas_Andino">T</a>iburcio Carías Andino und Juan Manuel Gálvez in Honduras, die sich als Handlanger der United Fruit Company betätigten. Manuel Noriega, der Panama nach dem mysteriösen Tod Omar Torrijos 1981 mit der Hilfe des Militärs regierte.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Bürgerkriege</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In den letzten zwei Jahrhunderten gab es in Zentralamerika viele Bürgerkriege, die meisten entstanden aus dem Konflikt zwischen Liberalen und Konservativen, der hier nun schon mehrmals Thema war. Die Differenzen waren seit Beginn der Unabhängigkeit so groß, dass die unterlegene Partei häufig kein anderes Mittel sah, als zu den Waffen zu greifen, und andersrum die Regierungen oft zu den Waffen griffen und das Militär miteinbezogen, um die Gegenseite und die Bevölkerung unter Kontrolle zu halten. Auch bei den Bürgerkriegen sehe ich von einer vollständigen Übersicht ab und gebe nur einige Beispiele, die Motive und Verhaltensweisen der verschiedenen Parteien gut darstellen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In Nicaragua begann bereits 1856 ein erster Bürgerkrieg, bei dem die Liberalen den amerikanischen Abenteurer William Walker zu Hilfe riefen, der mit einer kleinen Privatarmee intervenierte und den Liberalen einen Vorteil verschaffte, doch zu einem hohen Preis: Walker strebte nicht nur die Macht in Nicaragua sondern in ganz Zentralamerika an. Nur die vereinten Kräfte der zentralamerikanischen Staaten konnte Walker stoppen, der später noch zwei weitere Eroberungsversuche unternahm und 1860 in Honduras hingerichtet wurde.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In Costa Rica gab es 1948 nach gewaltvollen Wahlen und Wahlbetrug einen sechswöchigen Bürgerkrieg mit etwa 2000 Toten. 1949 gab es einen Friedensvertrag und kurze Zeit später schaffte Costa Rica sein Militär ab.<br>In Guatemala begann 1960 ein blutiger Bürgerkrieg, der bis 1996 andauerte. Nach dem der liberale Präsident Jacobo Árbenz Guzmán 1954 von konservativen Kräften gewaltvoll gestürzt worden war, folgte eine konservative Militärdiktatur nach der nächsten, die alle liberalen Reformen (wie z.B. die teilweise Enteignung der United Fruit Company) rückgängig machten. Die unterdrückten Liberalen sahen 1960 keine andere Möglichkeit, als in den bewaffneten Widerstand zu gehen, der insbesondere von den indigenen Regionen des Landes ausging. Das Militär reagierte mit aller Härte und bombardierte einige Male seine eigene Bevölkerung. Es wurden paramilitärische Gruppen gegründet und insbesondere unter General Efraín Ríos Montt entwickelte sich die Bekämpfung der Aufständischen zum Genozid gegen insbesondere Indigene. Der Krieg kostete mindestens 200.000 Guatemalteken das Leben und machte über 1 Millionen zu Geflüchteten. Laut der Kommission für historische Aufklärung lassen sich für 93% der Toten Regierungstruppen und verbündete Paramilitärs verantwortlich machen, während den Guerilla-Bewegungen 3% zugeordnet werden.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Auch in El Salvador führten die starken Repressionen durch eine konservative Militärdiktatur 1980 zu einem Bürgerkrieg, der bis 1991 andauerte. Die bewaffneten Guerilla-Truppen schlossen sich unter dem Namen FMLN zusammen und kämpften gegen Regierung und Paramilitärs. 1 – 2 Millionen verließen El Salvador, viele von ihnen Richtung USA.<br>Von den mind. 75.000 Todesopfern werden 85 % Militär und regierungsfreundlichen Todesschwadronen zugeschrieben und lediglich 5% lassen sich auf die FMLN-Guerillas zurückführen. Der Bürgerkrieg endete 1992 mit dem Friedensvertrag von Chapultepec und die FMLN wurde zu einer Partei formiert, die 2009 und 2014 zwei Mal die Präsidentschaftswahlen in El Salvador gewinnen konnte.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Banden und Drogenmafia als Fortsetzung der Gewalt</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In den letzten Jahren fand die Gewalt der ideologischen Auseinandersetzungen ihre Fortsetzung in der Ausbreitung von den Banden (in einigen Ländern Maras genannt) und Drogenmafia. Wie in Mexiko, wo die Drogenkriminalität in den letzten 50 Jahren zum Hauptproblem wurde, entwickelten sich auch in Zentralamerika viele verfeindete Banden, die mit viel Gewalt um die Macht auf dem Drogenmarkt, aber auch gegen die Regierungen um die Macht kämpfen.<br>Insbesondere in El Salvador eskalierte diese Situation, sodass ich in diesem Fall El Salvador als Beispiel anführen möchte.<br>Nach dem Bürgerkrieg und Friedensabkommen von 1992 waren viele der ehemaligen Guerillas und Paramilitärs arbeitslos und schnell fanden sie das Drogengeschäft als Nische, in der ihre „Fähigkeiten“ und Vorgehensweisen hilfreich waren. Zu diesem Zeitpunkt waren in El Salvador mind. 1 Millionen Waffen im Umlauf. Hinzu kamen viele rückgeführte Salvadorianer*innen, die in den USA „gescheitert“ waren und so in ihrem Herkunftsland keine Heimat mehr vorfanden. Eben diese Heimat gaben ihnen die Maras, sodass die grausam agierenden Banden schnell Zustrom fanden. Aus einigen Berichten vor Ort habe ich gehört, dass Aufnahmerituale in die Maras häufig darin bestanden, dass das neue Mitglied in einem Kreis stand und von den Anwesenden verprügelt wurde. In anderen Banden musste man mindestens eine Person ermorden, um zur Bande zu gehören.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>So eskalierte die Gewalt in El Salvador bis sie 2015 ihren (statistischen) Höhepunkt fand, als die Mordrate in El Salvador auf über 100 Morde pro 100.000 Einwohner*innen stieg. Zwar nahm sie in den folgenden Jahren wieder etwas ab, aber die Lage blieb außer Kontrolle. Einige Salvadorianer*innen haben mir von der Zeit erzählt: Millionen von ihnen mussten Schutzgelder an die jeweilige Mara zahlen (es gab verschiedene Banden, die verschiedene Teile des Landes kontrollierten). Schutzgeld bedeutete hier aber weniger, dass die Maras einen vor anderen schützten, sondern eher, dass sie einen nicht umbrachten. Ein Taxifahrer erzählte mir zB, dass er 10 Dollar pro Woche zahlen musste, was für ihn ein Haufen Geld ist. Andere erzählten, dass es ausreichen konnte in einer anderen Stadt angetroffen zu werden, damit einen die Bande vor Ort umbrachte, weil man nicht von dort stammte.<br>2019 wurde Nayib Bukele in El Salvador zum Präsidenten gewählt. Er hatte im Wahlkampf einen rigorosen Kampf gegen die Bandenkriminaliät angekündigt. Er hatte der Bevölkerung aber verschwiegen, dass er bereits Abkommen mit den Maras hatte, dass er sie in Ruhe ließe, wenn sie sich unauffälliger und weniger mörderisch verhielten. Solche Abkommen hatten schon andere Präsidenten vor ihm versucht und auch Bukeles Versuch reduzierte die Gewalt nur eine Zeit lang. Nach einem sehr blutigen Wochenende mit über 80 Toten im März 2022 vollzog Bukele eine 180°-Wende und sagte den Maras den Krieg an. Er ließ das Parlament den Ausnahmezustand verhängen, den er erst beenden will, wenn alle Mitglideder der Maras im Gefängnis sind. Die Bedingungen in den Gefängnissen verschärfte er und ließ Tausende Menschen, die mit den Maras auch nur in Verbindung gebracht wurden, einbuchten. So erzählte man mir zum Beispiel, dass es reichte ein falsches Tattoo zu haben, das Erkennungsmerkmal einer Bande sei, um ohne Prozess ins Gefängnis gesteckt zu werden. Menschenrechtsorganisationen kritisieren Bukeles Vorgehen und schätzen, dass mind. 3000 unschuldige Menschen in Haft sitzen. Und die Bedingungen sind herabwürdigend. Bukele versprach mehrfach, dass die Bandenmitglieder in ihrem Leben „das Tagewslicht nicht mehr sehen“ werden und die Bilder, die er aus den Gefängnissen bei Social Media postete, gingen um die Welt. Relativ gesehen sitzen in keinem Land so viele Menschen im Gefängnis wie in El Salvador: 1086 pro 100.000 Einwohner*innen.</p>
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<p>Doch die Mordrate und Kriminalität gingen in El Salvador im letzten Jahr drastisch zurück! Die Schutzgelder durch die Banden fielen weg, Millionen Menschen fühlen sich wieder sicher und sehen, dass auch der Tourismus wieder Einzug in ihr Land hält. International wird das Vorgehen von Bukele stark diskutiert und es kommt zwangsläufig, die schwierige Frage auf, ob der Zweck die Mittel heiligt. Ich möchte mir hier keine persönliche Meinung erlauben, die Bevölkerung beantwortet die Frage allerdings ganz klar: Über 90% befürworten die Maßnahmen und untersützen Bukele. Seine Popularität ist so enorm, dass er sich immer stärker zum autoritären Herrscher entwickeln kann. Wie so viele zentralamerikanische Präsidenten vor ihm findet er Geschmack an der Macht und will versuchen, das Gesetz zu kippen, dass seine Wiederwahl im nächsten Jahr verhindert: In Zentralamerika ist traditionell die Wiederwahl von Präsidenten per Gesetz verboten, ein Umstand, den schon viele Machthaber nicht wahrhaben wollten. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich El Salvador in den nächsten Jahren entwickelt und wie die internationalen Reaktionen sind. Denn insbesondere die USA haben viele Interessen in El Salvador und haben sich historisch häufig in Zentralamerika eingemischt, wenn eine Entwicklung ihnen nicht gefiel. Die Entwicklungen des letzten Jahres dürften ihnen aber gefallen, da die Wirtschaft in El Salvador floriert (es gibt sehr viele US-amerikanische Unternehmen in El Salvador) und ein sichereres El Salvador ihnen evtl. ermöglicht mehr Salvadorianer abzuschieben.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Einmischung der USA</strong></h2>
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<p>Nicht nur in El Salvador ist der Einfluss der USA enorm, sondern eigentlich überall in Zentralamerika gibt es viele US-amerikanische Firmen, wie z.B. Bergbauunternehmen, die sich in den letzten zwei Jahrhunderten seit der Unabhängigkeit stark breitgemacht haben, sodass in Honduras beispielsweise zu Teilen von einer kolonie-ähnlichen Abhängigkeit gesprochen wurde. Häufig wurden die nordamerikanischen Unternehmen durch großzügige Konzessionen angelockt und die US-Regierung sorgte dafür, dass die jeweiligen Machthaber von den Gewinnen der US-Konzerne profitierten oder aber anderweitige Unterstützung der USA bekamen.<br>So mischten sich die USA überall ein wo sie konnten und prägten den Verlauf der Geschichte in Zentralamerika entscheidend und zu ihren Gunsten mit.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Dabei ließen sie sich keine Möglichkeit entgehen, auch militärisch in den Ländern einzugreifen, wenn dies international einigermaßen zu rechtfertigen war.<br>In Nicaragua retteten die US-Marines 1912 beispielsweise die konservative Regierung von Diaz vor den aufständischen Liberalen. Nur ein Jahr zuvor hatte Diaz Kredite in Millionenhöhe bei US-amerikanischen Banken aufgenommen und den USA zur Sicherheit die direkte Kontrolle über die Zoll-Einnahmen Nicaraguas gegeben. Die Marines blieben bis 1933 im Land und unterstützten die konservativen Regierungen gegen liberale Rebellen bis 1933 ein Friedensvertrag zwischen der Regierung und dem liberalen Anführer Augusto Cesar Sandino geschlossen wurde, der den Marines in den Jahren zuvor einige empfindliche Niederlagen verpasst hatte. Sandino und seine Leute legten die Waffen nieder, dafür verließen die USA Nicaragua (nicht ohne vorher die Nationalgarde auzubilden). Sandino und seine Generäle wurden kurze Zeit später hinterhältig ermordet und die Somoza-Familie (enge Vertraute) konnten ihre Familien-Diktatur errichten.<br>Erst 1979 wurde die Somoza-Herrschaft beendet und die liberale Bewegung „Frente Sandinista de Liberación Nacional“ (FSLN) kam an die Macht, die eine neue Verfassung schuf und deren sozialistisches Programm zunächst gut bei der Bevölkerung ankam. Doch das Eingreifen der USA ließ nicht lange warten, die spätestens seit der Truman-Doktrin im Kalten Krieg versuchten, jede auch nur sozialistisch scheinende Regierung zu stürzen, um den Einfluss Russlands einzuschränken. Mit illegalen Waffenverkäufen an den Iran erwirtschafteten die USA Geld, das sie unter Hand den sogenannten Contras in Nicaragua zukommen ließen, die gegen die sozialistische Regierung kämpfte – die sogenannte Iran-Contras-Affäre, an die sich die älteren Leser*innen hier vielleicht noch erinnern. Und der Plan ging auf, die geschaffene Instabilität (auch bedingt durch ein US-Embargo) sorgte dafür, dass die FSLN die Präsidentschaftswahlen 1990 verloren. Im Nachgang zur Iran-Contras-Affäre wurden übrigens die USA vom Internationalen Gerichtshof zu einer Geldstrafe von 2,4 Milliarden Dollar verurteilt, die die USA bis heute nicht gezahlt haben.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ein weiteres prominentes Beispiel für die Einmischung der USA ist die Mission PBSUCCESS in Guatemala. Der Sturz des oben erwähnten guatemaltekischen Präsidenten Arbenz, dessen liberale Reformen unter anderem US-Unternehmen zum Nachteil wurde, wurde wesentlich von den USA mit eingefädelt. Dafür stationierten sie Soldat*innen sowohl in Honduras als auch in Nicaragua , die ihr Territorium bereitwillig zur Verfügung stellten und unterstützten von dort aus den Militärputsch des späteren Diktators Carlos Castillo Armas. Mehrere unkenntlich gemachte Flugzeuge, die 1954 Guatemala-Stadt bombardierten, wurden im Nachhinein zweifelsfrei als US-Flugzeuge identifiziert. Auch die United Fruit Company hatte bei dem Krieg gegen die liberalen Reformen wohl ihre Finger im Spiel, da sie von diesen eingeschränkt wurden, doch im Nachhinein veröffentlichte Dokumente der CIA lassen den Einfluss der UFC doch eher gering erscheinen. Doch dazu beizeiten mehr in einem Blogartikel über die UFC, Chiquita und Co.</p>
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<p>Ein letztes von vielen weiteren Beispielen für die militärischen Interventionen der USA in Zentralamerika und daraus resultierenden wirtschaftlichen Interessen ist der Panama-Kanal. Als die USA Anfang des 20. Jahrhunderts den von Frankreich brachliegenden Bau des Kanals weiterführen wollten, stimmte Kolumbien, zu dem Panama damals gehörte, dem nicht zu. Die USA schickten kurzerhand ihr Militär nach Panama und unterstützten Panama in seiner Unabhängigkeit. Dabei sicherten sie sich gleich die gesamten Rechte und Gewinne am Kanal, die sie erst zum Jahr 2000! abgaben. Mehr dazu findest du in meinem <a href="https://pinchekai.com/?p=1584">Beitrag über Panama</a>.</p>
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<p>Kurzer Side Fact für die deutschen Leser*innen: 1878 gab es eine deutsche Militärintervention in Nicaragua nach einem Übergriff auf den deutschen Konsul in León, die sogenannte Eisenstuck<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenstuck-Aff%C3%A4re">&#8211;</a>Affäre. Dabei ging es allerdings nicht um wirtschaftliche Interessen oder langfristigen Einfluss in Zentralamerika, sondern um eine Familienfehde.</p>
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<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Konflikte zwischen den Ländern und Zusammenschluss gegen Walker</strong></h2>
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<p>Die meisten (kriegerischen) Konflikte seit dem friedlichen Zerfall der zentralamerikanischen Föderation waren innerhalb der jeweiligen Staaten, doch es gibt auch einzelne Beispiele für Kriege zwischen den Staaten – meistens ging es um die Auslegung der Grenzen und Interessen im Grenzgebiet.</p>
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<p>1863 schloss sich Guatemala in einem Grenzkonflikt mit Costa Rica zusammen, nachdem es im Krieg mit El Salvador eine empfindliche Niederlage erlitten hatte. El Salvador holte sich Unterstützung von Nicaragua und Honduras, doch konnte das Einmarschieren von guatemaltekischen Truppen in der Hauptstadt San Salvador nicht verhindern. Guatemala verstärkte seine damalige Vormachtstellung in Zentralamerika, doch hielt San Salvador nur für kurze Zeit.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Im Februar 1921 eskalierte ein Streit zwischen Costa Rica und Panama, in dem costa-ricanische Truppen den Ort Coto von Panama einnahmen, dessen Zugehörigkeit seit der Unabhängigkeit nicht geklärt war. Da Panama zu dem Zeitpunkt keine Armee besaß, wurden Polizist*innen eingesetzt, um die Invasoren zurückzudrängen. Nach einigen kleineren Kämpfen mit Todesopfern beendeten die USA den „Guerra de Coto“ genannten Krieg durch das Erscheinen des Schlachtschiffs USS Pennsylvania. Diese sogenannte Kanonenbootpolitik war vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts populär: durch das Auftreten von einem oder mehreren Kanonenbooten und damit einhergehenden Drohungen, demonstrierten überlegene Staaten wie die USA ihre Macht und in der Regel wurden Konflikte so beendet bevor die Kanonenboote tatsächlich zum Einsatz kamen. So beendete Deutschland übrigens auch die oben erwähnte „Eisenstruck-Affäre“. Costa Rica meldete in dem kurzen Coto-Krieg 31 tote Soldat*innen und ein ziviles Opfer, Panama meldete nur Verletzte.</p>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>1969 kam es zum „100-Stunden-Krieg“ zwischen El Salvador und Honduras, dieses Mal kein Grenzkonflikt, sondern es ging um ca. 300.000 Kleinbauern, die aus El Salvador nach Honduras emigriert waren und der honduranischen Regierung mehr und mehr ein Dorn im Auge war. 1969 gab Honduras den Migranten 30 Tage Zeit zur Ausreise. El Salvador protestierte, vor allem auch weil das kleine Land deutlich dichter besiedelt ist als Honduras. Auf honduranischer Seite bildete sich die paramilitärische Terrorgruppe „Mancha Brava“, die vermehrt Jagd auf Salvadorianer machte. Nach einem WM-Qualifikationsspiel zwischen den beiden Ländern in Mexiko-Stadt kam es zu Ausschreitungen mit mehreren Todesopfern, in deren Folge der Krieg ausbrach, der auch „Fußballkrieg“ genannt wird. Die salvadorianischen Truppen drangen schnell weit nach Honduras vor. Doch die sich abzeichnende Niederlage von Honduras wurde durch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) verhindert, die in den Krieg eingriffen und El Salvador als Aggressor ausgemacht hatten. Das salvadorianische Militär wurde zum Rückzug gezwungen ohne dass ihre wichigste Forderung, die Einstellung der Verfolgung von Salvadorianern, erfüllt worden wäre. In den folgenden Jahren kehrten Zehntausende Salvadorianer in ihr Heimatland zurück.</p>
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<h2><strong>Unterdrückung und Tötung von Indigenen</strong></h2>
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<p>Nicht nur hatten die indigenen in Zentralamerika es schwer, da sie in der Kolonialzeit von den Spaniern beinahe ausgerottet wurden und ihre Identität (Städte, Tempel, Kulturstätten) zu Teilen zerstört wurde, auch nach der Unabhängigkeit von Spanien wurden die indigenen, die in der klaren Unterzahl waren, als solche Minderheit immer wieder unterdrückt und bekämpft. Der Ablauf war häufig ähnlich, wenngleich natürlich nicht identisch: die Landbevölkerung und insbesondere Indigenen wurden in der Politik kaum berücksichtigt (noch heute ist die Politik in Zentralamerika extrem Stadt-fokussiert). Als die Zustände unerträglich wurden, begehrten die Indigenen auf und ihre Aufstände wurden niedergeschlagen. Der Aufstand wurde dann im Nachhinein von Regierung und Militär instrumentalisiert, um die weitere Verfolgung und Ermordung von Indigenen zu rechtfertigen.<br>1881 zum Beispiel zwang in Nicaragua eine Agrarreform zur Privatisierung viele Indigene in die Zwangsarbeit, sodass sie sich mit einem Aufstand von Matagalpa aus wehrten, der von der konservativen Regierung brutal niedergeschlagen wurde.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Unter dem oben erwähnten konservativen Diktator Maximiliano Hernandez Martinez gab es 1932 eine blutige Niederschlagung des Aufstandes der indigenen Pibil, was das Ende der indigenen Kulturen in El Salvador markierte! Die Pibil wurden durch das Militär ausgelöscht und es wurde berichtet, dass Menschen einzig und allein wegen Sprache oder Kleidung umgebracht wurden.<br>In Honduras war der Kampf gegen die Indigenen nicht so offen, doch insbesondere dem Bataillon 316 wurden während der konservativen Diktatur schwere Menschenrechtsverletzungen, Folter und Ermordung gegenüber Hunderten Honduranern vorgeworfen. Das Bataillon wurde unter anderem von der CIA ausgebildet.<br>Doch nicht nur konservative Kräfte unterdrückten die Indigenen. Die Sandinisten, die 1979 durch die Revolution in Nicaragua an die Macht kamen, etablierten Folter, Verschwindenlassen und Massenhinrichtungen an Miskito-Indigenen. Außerdem wurde ein allgemeines Zwangsarbeitssystem für die indigene Bevölkerung in Kraft gesetzt.</p>
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<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Heutige Situation</strong></h2>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Zum Abschluss möchte ich noch kurz einen Überblick über die aktuelle politische Lage in Zentralamerika geben.<br>Nicht nur El Salvador driftet unter Nayib Bukele immer weiter Richtung Autokratie/Diktatur ab, sondern auch in Guatemala lässt sich in den letzten Wahlperioden eine solche Entwicklung hin zu rechtem Autoritarismus beobachten. Spannend wird zu sehen sein, wie sich Guatemala unter dem neuen, linken Präsidenten Bernardo Arévalo entwickelt. Arévalo hatte sich überraschend im August in der Stichwahl durchgesetzt, er ist der Sohn des bekannten Ex-Präsidenten Juan José Arévalo, der 1945 der erste demokratisch gewählte und liberale Präsident Guatemalas war. Gleichzeitig wurde von der Justiz vor kurzem seine Partei „Semilla“ suspendiert. Wenn dies bis zum Amtsantritt im Januar so bleibt, hat Arévalo keine Fraktion hinter sich. Hinter der Suspendierung wird die derzeit regierende, konservative, politische Elite vermutet, die als „Pakt der Korruption“ bekannt ist und einen Großteil der Justiz infiltriert hat.<br>Gleichzeitig zeigt sich in Guatemala stark die Tendenz in Zentralamerika, dass das ursprüngliche Zwei-Parteien-System mit Konservativen und Liberalen passé ist. In Guatemala gibt es aktuell 18 Parteien im Parlament.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<p>Honduras ist Stand 2023 so stark von Banden und ihrer Gewalt geprägt, dass das Ausmaß teilweise als kriegsähnlich beschrieben wird. Insbesondere deswegen gehört Honduras zu den Haupt-Herkunftsländern von Migranten in den USA, da viele verhindern wollen, dass ihre Söhne rekrutiert oder ihre Töchter sexuell missbraucht werden. Laut den Vereinten Nationen leben von den etwa 9,7 Millionen Einwohnern 400.000 als Binnenvertriebene im eigenen Land.<br>Nicaragua befindet sich seit einigen Jahren in einer Diktatur durch Daniel Ortega, der 1985 – 1990 schon einmal Präsident für die Revolutionspartei FSLN war. 2006 wurde er wieder zum Präsidenten gewählt und entwickelte das Land in den letzten Jahren zu genau der Regierungsform, gegen die er bei der Revolution noch gekämpft hatte. 2011 hätte er laut Verfassung nicht wiedergewählt werden dürfen, doch eine umstrittene Gerichtsentscheidung ließ seine erneute Kandidatur zu. 2014 ließ er dann das Verbot der Wiederwahl abschaffen und die folgenden Wahlen wurden mit großer Wahrscheinlichkeit gefälscht. Presse- und Meinungsfreiheit sind in Nicaragua stark eingeschränkt und 2018 wurden landesweite Proteste mit scharfer Munition niedergeschlagen. Da Ortega in den vergangenen Jahren gesundheitlich stark angeschlagen ist, übernimmt seine Ehefrau und Vizepräsidentin Rosario Murillo immer mehr die Regierungsgeschäfte.</p>
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<p>Doch es gibt auch ein positives Beispiel der Stabilität in Zentralamerika: Costa Rica. Nach einzelnen gewaltvollen Episoden entwickelte sich das Land in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Erfolgsgeschichte. Präsident José Figueres Ferrer ließ 1949 die Armee per Verfassung abschaffen. Grenzschutzaufgaben übernimmt seitdem die Polizei und die USA und andere amerikanische Staaten gaben durch den Interamerikanischen Vertrag über gegenseitigen Beistand (TIAR-Pakt) militärische Sicherheitsgarantien.<br>1983 verkündete Costa Rica dann die dauernde, aktive und unbewaffnete Neutralität des Landes. Daher wird Costa Rica auch die Schweiz Lateinamerikas genannt. Die Ausgaben, die seit 1949 für das Militär gespart wurden, investierte das Land insbesondere in Bildung und das Gesundheitswesen, weswegen das Land insbesondere auf diesen Gebieten einen hohen Standard entwickelt hat. Durch die politische Stabilität hat sich Costa Rica außerdem zu einem stark besuchten Land entwickelt und durch den Tourismus einen Wohlstand erreicht, von dem die anderen Länder Zentralamerikas träumen.</p>
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		<title>Oh wie schön ist Panama – Paradiesische Strände, Regenwald und ein  gigantischer, problematischer Kanal</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Jul 2023 20:40:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zentralamerika]]></category>
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<p>Panama war für mich vor allem ein Durchreiseland, denn Marieke reiste aus Costa Rica zurück und schon zwei Wochen später war ich mit meiner Schwester in Kolumbien verabredet. Doch genau die Reisen waren es, die Panama so spannend machten. In diesem Beitrag schreibe ich daher einiges über den Panama-Kanal und wie ich im Segelboot durch den Kanal trampte.</p>
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<p>Im nächsten Blogbeitrag schreibe ich dann über den Darién-Gap und wie ich mit dem Boot in 4 Tagen von Panama nach Kolumbien reiste, um nicht zu fliegen. Denn zwischen Panama und Kolumbien gibt es ein so unüberwindbares Gebirge mit Regenwald, dass es keine Straße über die Grenze gibt!<br>Wenn du dich für den Darién-Gap interessierst, findest du hier den <a href="https://pinchekai.com/?p=1527">Blogbeitrag</a>.</p>
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<h2>Zwei Paradiesische Orte in Panama</h2>
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<p>Bevor ich zum Panama-Kanal komme, zunächst noch ein Bericht über zwei schöne Orte, die ich in Panama besuchte.</p>
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<p>Von Costa Rica kam ich im Nordwesten über die Grenze nach Panama. Daher bot sich ein Besuch auf den Inseln von Bocas del Toro an.<br>Bocas del Toro ist der Name einer Region Panamas und ihrer Hauptstadt auf der Insel Colón. Doch Reisende nutzen den Namen meist synonym für die Inseln der Region.<br>Kurzer Exkurs: eine Insel heißt übersetzt Kolumbus, eine andere Christoph. Ich finde es erschreckend und befremdlich, dass es viele Orte in Zentralamerika gibt, die noch nach Kolumbus benannt sind, nach dem Leid, dass er und die Spanier brachten. Ein klares Zeichen, dass die Geschichte noch lange nicht aufgearbeitet ist.. Zum Beispiel heißt die Währung von Costa Rica auch Colón und es gibt eine Bus-Linie aus Guatemala, die sich Cristobál Colón nennt.<br>Zum Glück gibt es noch viele andere Inseln in der Ecke und die schönsten trugen andere Namen.</p>
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<p>Ich kam an einem Donnerstag im Ort Bocas del Toro an, der für sein Nachtleben bekannt ist, und musste mich gleich entscheiden, ob ich beim legendären Filthy Friday teilnehmen möchte: Jeden Freitag findet auf drei verschiedenen Insel eine sehr populäre Party statt, die mit dem Sunday Funday in Nicaragua als beste Party Zentralamerikas (unter Touris) gefeiert wird. Die Party beginnt um 11 Uhr und man wird zu verschiedenen Locations kutschiert. Letztlich hielt mich vor allem der Preis von 45 Dollar (Getränke nicht enthalten, nur Shots) davon ab. Spannend gefunden hätte ich es schon, aber vermutlich hätte ich den Altersdurchschnitt klar gehoben 😀<br>Gleichzeitig lernte ich eine Gruppe von vier super coolen Spanier*innen kennen, mit denen ich eine Bootstour machte und dann abends so Feiern ging. Die Bootstour war super cool und wir verstanden uns bestens. Highlight war die atemberaubend schöne Insel „Zapatillos“, auf der nur die 12 Personen aus unserem Boot waren! Auf den Bootsfahrten spielte ich Gitarre, außerdem gingen wir Schnorcheln. Da das Essen super teuer war und ich keine Vorbereitungszeit hatte, teilten Ines, Monika, Azier und Pablo ihr Mittagessen mit mir. Die 4 waren echt super lieb und wir verbrachten auch am nächsten Tag noch einige Zeit zusammen!</p>
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<p>Am zweiten vollen Tag erkundete ich die Insel Colón und machte eine wunderschöne Wanderung zum Seestern-Strand. Alle Strände auf dem Weg dorthin waren leer und paradiesisch. Nur der Seestern-Strand selber war voller Touristen, die in Booten hierher kutschiert werden. Aber dafür konnte ich echt große Seesterne sehen 🙂<br>Abends traf ich noch Alessandro aus der Schweiz, den ich in Costa Rica kennengelernt habe und nach einem zweiten langen Abend in Bocas del Toro fuhr ich am nächsten Tag weiter zum Lost &amp; Found Hostel. Das Hostel wurde vor einigen Jahren von zwei Kanadiern gestartet und liegt mitten im Regenwald auf 1250 Meter Höhe. Da ich viel Gutes über das Hostel gehört hatte und ich abgelegene Hostels wegen der familiären Atmosphäre mag, schaute ich für zwei Nächte hier vorbei und hatte eine sehr gute Zeit. Mitten im Dschungel gelegen, aber gleichzeitig in den Bergen, bietet das Hostel wirklich fantastische Ausblicke und tolle Wandermöglichkeiten. Abends essen alle Gäste gemeinsam zu Abend.<br>Am ersten Tag chillte ich im Hostel und machte eine kurze Wanderung im Regenwald und am zweiten Tag machte ich mit 4 anderen Reisenden einen Ausflug: erst zu einem wunderschönen 40m hohen Wasserfall und dann zu einem kleinen natürlichen Canyon zum Abkühlen. Am Wasserfall waren wir die Einzigen und am Canyon waren ca. 10 andere Menschen, sodass wir diese beiden wundervollen Orte sehr genießen konnten!</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1440" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DJI_0584-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-1553" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DJI_0584-scaled.jpg 2560w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DJI_0584-1280x720.jpg 1280w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DJI_0584-980x551.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DJI_0584-480x270.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw" /><figcaption>Der Canyon von Gualaca</figcaption></figure>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1440" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DSC08342-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-1621" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DSC08342-scaled.jpg 2560w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DSC08342-1280x720.jpg 1280w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DSC08342-980x551.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/DSC08342-480x270.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw" /></figure>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Vom Lost &amp; Found trampte ich abends bis in die Stadt David, wo ich Alessandro ein letztes Mal traf und dann mit dem Nachtbus nach Panama-City fuhr.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Der Panama-Kanal und seine schwierige Geschichte</h2>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Kurz nach der Ankunft der Spanier in Costa Rica und Panama, entdeckte der Offizier Vasco Nunez de Balboa den Pazifischen Ozean, den er damals „Südmeer“ nannte. So steht es in vielen Texten, ist aber natürlich Bullshit. Vor ihm hatten schon Tausende Ureinwohner*innen den Pazifik gesehen, doch sie waren halt nicht weiße Europäer*innen. Tatsächlich konnte Balboa nur durch Beschreibungen von Einheimischen zum Pazifik reisen.<br>Wie dem auch sei, schon kurze Zeit später entstand zum ersten Mal die Idee eines Kanals durch Zentralamerika. Favorisiert wurde damals aber tatsächlich eher ein Durchbruch in Nicaragua, da man dort über den Rio San Juan bis in den Cocibolca-See kommen kann und dann nur noch ca. 20km bis zum Pazifik überbrückt werden müssten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Es sollte allerdings fast 400 Jahre dauern bis die Idee eines Kanals durch Zentralamerika in Panama Realität wurde. Dass es nicht in Nicaragua passierte lag zum damaligen Zeitpunkt vor allem an Grenzkonflikten mit Costa Rica, da der Fluss San Juan beide Länder von einander trennt. Und natürlich spielten die Interessen der USA eine große Rolle, die Panama Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zur Unabhängigkeit verhalfen und dort ihren Einfluss klarer durchdrücken konnten.<br>Im Jahr 1881 begann eine französische Delegation mit dem Einverständnis Kolumbiens, zu dem Panama damals noch gehörte, die Bauten für einen Kanal. Nach dem wirtschaftlichen Erfolg des 1869 eröffneten Suez-Kanals gingen in Frankreich viele davon aus, dass es in Panama ähnlich möglich sei, einen schleusenfreien Kanal zu bauen. Doch nach vielen Diskussionen im Parlament und mehreren Investitions-Erweiterungen, mussten sie feststellen, dass es ohne Schleusen nicht ging. Zusammen mit Gustave Eiffel sollten daraufhin Schleusen gebaut werden. Doch 1889 stellten die Franzosen schließlich die Bauarbeiten nach Planungsmängeln, falscher geologischer Untersuchungen, schlechter Planung, Bestechung und zahlreichen Pannen ein. Nicht zuletzt trug auch ein Massensterben dazu bei. Mind. 22.000 Menschen starben zwischen 1881 und 1889 beim Bau an Malaria oder Gelbfieber, Krankheiten, die damals noch nicht bekannt und erforscht waren. Französische Ärzte empfahlen, dass man die Bettpfosten der Arbeiter in Wassereimer stellen sollte, doch diese Eimer wurden zu Brutstätten für die Malaria-Mücken, die die Verbreitung nur noch rasanter machten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Für 3 Äpfel und 1 Ei kauften die USA Ende des 19. Jahrhunderts die bisherigen Fortschritte von der französischen Kanal-Gesellschaft ab. Als Kolumbien sich querstellte und den USA den Kanal nicht genehmigen wollte, marschierten die USA kurzerhand in heutigen Panama ein und erklärten dessen Unabhängigkeit (natürlich ist das etwas verkürzt dargestellt, aber so in etwa waren die Zusammenhänge). Im sogenannten Hay-Bunau-Varilla-Vertrag sicherten die USA sich die uneingeschränkte Kontrolle des gesamten Kanalgebiets von ca 84.000 Hektar, die sie erst 1999 vollständig an Panama abgaben. Im Gegenzug sicherten sie Panama die Unabhängigkeit zu.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>1914 beendeten die USA die Bauarbeiten am Kanal und als erstes Schiff durchquerte ein kleiner Frachter mit dem Namen „Cristobal“ (wie auch sonst) den Kanal. Am gleichen Tag (3. August) brach der erste Weltkrieg aus, sodass die Feierlichkeiten verschoben wurden.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1920" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230713_062037-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-1616" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230713_062037-scaled.jpg 2560w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230713_062037-1280x960.jpg 1280w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230713_062037-980x735.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230713_062037-480x360.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw" /><figcaption>Sonnenaufgang im Gatun-See</figcaption></figure>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1920" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230712_172928-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-1611" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230712_172928-scaled.jpg 2560w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230712_172928-1280x960.jpg 1280w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230712_172928-980x735.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230712_172928-480x360.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw" /></figure>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1920" height="2560" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230712_185620-1-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-1615" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230712_185620-1-scaled.jpg 1920w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230712_185620-1-1280x1707.jpg 1280w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230712_185620-1-980x1307.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230712_185620-1-480x640.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 1920px, 100vw" /><figcaption>Im Päckchen</figcaption></figure>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1920" height="2560" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230712_183215-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-1612" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230712_183215-scaled.jpg 1920w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230712_183215-1280x1707.jpg 1280w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230712_183215-980x1307.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230712_183215-480x640.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 1920px, 100vw" /></figure>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Schnell wurde der Kanal sehr frequentiert und hat sich zu einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt entwickelt, die für den Welthandel unabdingbar geworden ist. Das Fehlen der Alternativen zum Kanal macht sich auch in den exorbitanten Preisen zum Durchqueren bemerkbar (allein für ein Segelboot ca. 2000 Dollar), von denen über Jahrzehnte vor allem die USA profitierten. Heute ist der Kanal die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle von Panama und sorgt dafür, dass die Hauptstadt mit ihren vielen Bankentürmen nicht wie eine klassische, zentralamerikanische Hauptstadt aussieht.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Ab durch den Kanal</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Um den Kanal zu durchqueren, muss man durch 3 Schleusen hoch in den Gatun-See, dann 82km fahren und danach wieder 3 Schleusen runter. Damit in beide Richtungen gleichzeitig Schiffe fahren können, gibt es jeweils ein Paar von Schleusen, außerdem wurden vor ein paar Jahren noch neuere Schleusen fertiggestellt, sodass es insgesamt 18 Schleusen gibt, von denen man aber wie gesagt nur 6 passiert.<br>Je nachdem zu welcher Tageszeit man den Kanal durchquert (das muss Tage vorher angemeldet werden), ankert und übernachtet man im Gatun-See und der*die Lots*in kommt am nächsten Morgen wieder an Bord. Bei Containerschiffen ist das etwas anders, die fahren in der Regel auch in der Nacht durch, zahlen dann aber auch entsprechend mehr für den Lotsen, der in der Nacht arbeitet. Denn Containerschiffe sind viel schneller als Segelboote durch den Kanal durch und bei ihnen geht es darum, möglichst schnell an einem Ort anzukommen, um Waren im Wert von enormen Summen auszuliefern.<br>Ein*e Lots*in ist übrigens Pflicht und einer der Gründe, warum es so teuer ist, den Kanal zu durchqueren. In der Schifffahrt bezeichnet Lots*in eine Person, die an Bord eines Schiffes kommt, um für eine schwierige Passage Hinweise zu geben, wie das Schiff manövrieren muss. Das kann die Einfahrt in einen großen Hafen sein oder eben auch ein Kanal.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Alles ziemlich spannend, fand ich, als ich nach Panama kam und ich wusste, dass ich versuchen will, mit einem Boot durch den Kanal zu fahren. Ich hatte zwar nicht viel Zeit, aber dafür viel Glück 🙂<br>Als ich in Panama-City ankam, stellte ich nur meine Sachen ab und fuhr in die Shelter Bay Marina, die im Gegensatz zu Panama-City an der Karibik-Seite des Kanals liegt. Der Hafen liegt recht abgelegen und war umständlich und nur per Anhalter zu erreichen (Taxi kam sowohl wegen des Preises als auch aus Umweltgründen nicht in Frage für mich).</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Als ich um 13 Uhr im Hafen ankam, brauchte ich nur eine Stunde, um ein Boot ausfindig zu machen, dass noch am gleichen Tag in den Kanal fahren wollte. Ich verstand mich gut mit dem Kapitän Henrik aus Südafrika, doch er sagte mir dann, dass er schon 5 Personen für den Kanal angemeldet hatte. Als ich aber länger am Steg mit seiner Crew sprach und mich gut mit ihnen unterhielt, überlegte er es sich zum Glück anders und es war auch im Nachhinein kein Problem, dass eine Person mehr an Bord war. Eine halbe Stunde später um 15 Uhr ging es schon los! Zusammen mit Steven, auch aus Südafrika, Louise aus England, Laura aus Frankreich und Max aus Deutschland machten wir uns auf den Weg durch den Kanal. Max und Laura sind auch mit Segelbooten über den Atlantik getrampt und wir haben einige gemeinsame Freunde. So verstanden wir uns super und hatte eine gute Zeit.<br>Die Fahrt durch den Kanal dauerte länger als ich dachte, denn die reine Fahrtzeit beträgt so ca. 8 Stunden. Wir mussten aber erst noch bestimmt 2 Stunden vor der Schleuse auf den Lotsen warten, sodass schon die Dunkelheit anbrach als wir durch die Schleusen fuhren. Die Schleusen sind definitv das spannendste am Kanal. Wir fuhren gemeinsam mit einem großen Containerschiff, einer Motoryacht und einem Segelboot durch die Schleusen. Das Containerschiff vor uns, damit es nicht von hinten auf uns draufgedrückt werden kann. Wir fuhren mit dem anderen Segelboot im Päckchen durch, d.h. dass wir uns aneinander banden. So mussten wir als das rechte von beiden Booten nur zwei Leinen von Steuerbord annehmen und das andere Boot nur von Backbord. Die Leinen werden an unserem Boot und am Rand der Schleuse angebracht, damit wir bei der starken Strömung, die durch das zuströmende Wasser entsteht, nicht gegen die Wände gedrückt werden. Bei den Containerschiffen werden diese Leinen nicht von Menschen gehändelt sondern mit großen Maschinen, die auf Schienen nebenherfahren.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-5 is-cropped"><!-- divi:image {"id":1542,"sizeSlug":"large","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1920" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230713_150024-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-1542" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230713_150024-scaled.jpg 2560w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230713_150024-1280x960.jpg 1280w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230713_150024-980x735.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/08/20230713_150024-480x360.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw" /></figure>
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<p>Als wir die drei Schleusen passiert hatten und ca. 30m höher waren, fuhren wir zu einer Boje, an der wir uns über die Nacht festmachten und der Lotse ging von Bord. Am nächsten Morgen sollten wir um 6:30 Uhr bereit sein und standen früh auf, wir mussten aber bis 9 Uhr warten bis der Lotse kam und dann noch die 82km durch den Kanal fahren. Also kamen wir erst gegen Nachmittag bei den Schleusen an, die uns dann runter in den Pazifik beförderten. Hier wurde uns von einer Tribüne von vielen Touristen zugeschaut und da die Strömungen beim Runterschleusen anders sind, war dieses Mal ein großes Containerschiff hinter uns, statt vor uns. Unser Ausblick über die Schleusen war phänomenal.<br>Insgesamt war die Fahrt durch den Kanal ein absolut spannendes Erlebnis und für mich als Segler wirklich ein Highlight! Schon beeindruckend, was Ingenieur*innen schon Anfang des 20. Jahrhunderts bauen konnten. Doch ein Beigeschmack beim Kanal bzgl. seiner Historie bleibt und ich finde es wichtig, das zu wissen.</p>
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<p></p>
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		<title>Besuche, Besuche, Besuche in Mexiko &#038; ein Herzensprojekt für Asylsuchende</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Jun 2023 04:54:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Zentralamerika]]></category>
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<p>Wenn ihr über das Projekt „El Samaritano“ lesen wollt, das Asylsuchende auf dem Weg in die USA unterstützt, dann schaut weiter unten!<br>Mexiko ist für mich ein ganz besonderes Land und war deswegen auch ein besonderer Stopp dieser Reise. Mexiko ist für mich nach Hause kommen. Mexiko heißt, hunderte schöne Erinnerungen nochmal zu leben. Mexiko heißt, das beste Essen der Welt essen. Mexiko heißt, Freund*innen wiedertreffen, dich ich sehr lange nicht gesehen habe und die mir wirklich gefehlt haben. Mexiko heißt, dass ich mich so wohl fühle, wie es nur geht. Mexiko ist für mich eben Zuhause! Und das tat nach 5 Monaten auf Reisen richtig gut!</p>
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<h2><br>Mexikanische Gastfreundschaft: 4 Wochen ohne Hunger</h2>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>In Mexiko muss ich mich nicht an eine neue Währung gewöhnen. In Mexiko weiß ich, was ich wo kaufen kann und wie viel es kostet. Ich kenne die Wege, die Menschen, die Geschichte und Politik. So war Mexiko auf der einen Seite Entspannung: ich konnte in Cardonal meinen Rucksack auspacken und musste ihn zwei Wochen lang nicht einpacken.<br>Cardonal ist ein kleines Bergdorf im Bundesstaat Hidalgo. Dort habe ich vor 9 Jahren einen Freiwilligendienst machen dürfen und auch wenn ich an vielen anderen Orten in Mexiko Menschen kenne und auch an einigen gelebt habe, ist Cardonal mein Zuhause in Mexiko. Und es ist nebenbei noch ein wunderschöner Ort!<br>Cardonal liegt auf 2000 Meter Höhe in den Bergen. Wälder sucht man hier vergeblich, dafür findet man verschiedenste Kakteen und fantastische Ausblicke! Die Menschen sind bescheiden und gastfreundlich, es ist nicht so touristisch wie in anderen Teilen Mexikos, sondern eher ursprünglich. Es gibt sogar noch einige Menschen, die kein Spanisch sprechen, sondern die indigene Sprache Hñahñu.</p>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Einen touristischen Ort gibt es doch und was für einen: Tolantongo und La Gloria liegen auf den beiden Seiten eines Flusses. Doch das Wasser in diesem Fluss ist nicht eiskalt wie das eines normalen Bergflusses. Es ist warm wie in der Badewanne und kommt hier aus der Erde. Dass sich ein ca. 6m breiter Fluss aus warmem Wasser bildet, ist eigentlich schon spektakulär genug, doch es gibt noch mehrere spektakuläre Höhlen zu entdecken, wunderschöne natürliche Pools und bei La Gloria ein fantastisches Naturbad in einer Felsspalte! Hier in Zelten am Fluss oder Naturpool zu übernachten ist unbeschreiblich.<br>Doch, da ich schon häufig dort war und so viele Menschen wie möglich besuchen wollte in den 4 Wochen bis Marieke dazukam, war ich dieses Mal nicht in Tolantongo oder La Gloria. Und da kommen wir auch schon zum schönen und anstrengenden Teil in Mexiko: die Besuche.<br>Das letzte Mal war ich vor viereinhalb Jahren in Mexiko, vorher waren es maximal eineinhalb Jahre zwischen meinen Besuchen. Und so waren die 4 Wochen vollgepackt mit unzähligen Besuchen bei sooo vielen Menschen, die mir viel bedeuten. Es war wundervoll und herzerfüllend! Aber es war auch anstrengend.<br>Wenig Schlaf stand übermäßigem Essen gegenüber, denn Besuche in Mexiko sind immer mit Essen verbunden. Entweder wurde für mich gekocht oder ich wurde in irgendeinem Restaurant eingeladen. Und so gab es Tage an denen ich zwei Mal frühstückte, zwei Mal zu Mittag aß und natürlich auch zwei Mal zu Abend – 6 Mahlzeiten sind schon eine Herausforderung.<br>Aber ich bin ja nicht zum ersten Mal in Mexiko 😉 Ich war also vorbereitet und aß immer so viel, dass es nicht unhöflich war und ich meinen Appetit auf dieses unfassbar leckere Essen tilgte, aber nie so viel, dass ich gar nicht mehr konnte. Hunger hatte ich trotzdem in den 4 Wochen nicht 😀 Ein Ausdruck der mexikanischen Gastfreundlichkeit und auch ihrer Kultur: ein Nein wird nur widerwillig akzeptiert, denn die Menschen denken, dass sie irgendwas falsch gemacht haben, wenn man nichts isst. Und ich will ja auch nicht, dass sie sich schlecht fühlen 🙂</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Von Dorffesten, Fruchtwein und meinem ersten Tattoo</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ich möchte und werde euch hier nicht mit einer Liste von den Namen der 19 Familien bzw. über 80 Freund*innen, die ich besucht habe, nerven. Ich zeichne ein bisschen meine Route und die Stopps, die ich gemacht habe, und erzähle von ein paar besonderen Erlebnissen. Wenn ich die Zeit finde, werde ich hier auch nochmal über 2, 3 weitere Projekte berichten. Das erste stelle ich unten vor – ein Migrantenhaus, das Menschen versorgt, die durch Mexiko in die USA reisen. Eine beeindruckende Arbeit, die ich euch gerne etwas näherbringen möchte und die ihr auch unterstützen könnt, wenn ihr wollt! Doch zunächst noch zu meinen Besuchen: als ich aus Kuba nach Mexiko kam, besuchte ich zunächst meinen Freund Eduardo in Cuernavaca, ca 2 Stunden von Mexiko entfernt. Eduardo kenne ich aus meinem Auslandssemester in Mexiko und war damals auch noch mit ihm im Urlaub an der Küste. Eduardo hat wie ich Mathematik studiert, war aber schon damals etwas alternativer als seine Studienkolleg*innen unterwegs, die mittlerweile zu großen Teilen für Google, Oracle und Co arbeiten. Eduardo begeistert sich für Jonglage und Parcour und hat vor zwei Jahren eine neue Leidenschaft entdeckt, mit der er sich ein eigenes Business aufbauen möchte: er fermentiert verschiedene Fruchtweine und die sind echt mega lecker!<br>Nach 3 Tagen bei Eduardo und seiner Mutter, blieb ich für 2 Wochen über Ostern in Cardonal, meinem Lieblingsort in den mexikanischen Bergen. Neben unzähligen Besuchen spielte ich dort auch im Kreuzweg an Ostern mit, der in Mexiko teilweise sehr aufwändig geschauspielert wird. Ich konnte mit einigen bekannten Freunden ein Konzert spielen, mehrere Dorffeste besuchen und meinen Geburtstag nachfeiern. Dass bei der Feier über 40 Freund*innen zusammen kamen, bedeutet mir die Welt. Es war einfach unfassbar schön! Übernachtet habe ich bei meiner mexikanischen Familie: Obdulia und Martin sind für mich wie Eltern und Stephanie, Nicole und Christian wie Geschwister. Doch mit meinem besten Freund Ivan und seiner Familie verbrachte ich mind. genauso viel Zeit, ich habe wohl zwei mexikanische Familien (wenn nicht sogar viele mehr) 🙂 </p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<p>Wie mein Freund Goyo neben den Solar-Boilern und dem Agaven-Dicksaft, die er seit Jahren herstellt, nun auch noch feinsten Schnaps brennt, ist einen eigenen Blogbeitrag wert, den ich bei Gelegenheit schreibe. Von Cardonal ging es nach einigen Tränen zum Abschied weiter nach Queretaro. Mit Cristobal, den ich bei seinem Freiwilligendienst in Deutschland kennengelernt habe (seit 7 Jahren gibt es nun endlich auch Reverse-Freiwillige, die aus Mexiko nach Deutschland kommen) besuchte ich noch in Peña de Bernal, wo wir den dritthöchsten Monolith der Welt bestaunen konnten! <br>Am nächsten Tag ging es schon weiter nach Guanajuato, wo ich vor 5 Jahren mein Auslandssemester startete und viele Freundschaften schloss. Auch, wenn viele der Freund*innen von der Uni weggezogen sind, kenne ich doch noch einige und hatte vor allem schöne Abende in den Bars. Für mich ist Guanajuato die schönste Stadt Mexikos. Sie ist bunt, chaotisch und hat unzählige Dachterrassen mit wunderbaren Ausblicken. Hier finden sich auch viele der Bars wieder, wobei ich leider feststellen musste, dass ca. die Hälfte von den guten Bars Covid zum Opfer gefallen ist. (ich spare mir hier mal einen Witz mit der mexikanischen Biermarke)</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/06/IMG-20230413-WA0027.jpg" alt="" class="wp-image-1361" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/06/IMG-20230413-WA0027.jpg 1024w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/06/IMG-20230413-WA0027-980x735.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2023/06/IMG-20230413-WA0027-480x360.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1024px, 100vw" /><figcaption>Pe<strong>ñ</strong>a de Bernal</figcaption></figure>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Das emotionalste Wiedersehen in Guanajuato war mit meiner Freundin Reyna, die extra aus Mexiko-Stadt für das Wochenende nach Guanajuato kam. Mit Reyna war ich im Auslandssemester sehr dicke und unser Wiedersehen war so schön, dass wir uns spontan entschieden uns ein gemeinsames Tattoo stechen zu lassen. Wenn ihr neugierig seid, was es wohl ist, müsst ihr euch leider gedulden bis wir uns Live sehen 😉</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Der größte Jahrmarkt Mexikos und meine mexikanische Oma</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Auf dem Weg von Guanajuato nach Guadalajara, die zweitgrößte mexikanische Stadt, machte ich noch einen Zwischenstopp in Aguascalientes. Mein Freund Daniel nahm mich mit auf ein Konzert der Band Enjambre und zur größten Feria Mexikos. Eine Feria ist ein Jahrmarkt, der zur Heiligenfeier von Städten und Dörfern ausgerichtet wird. In den meisten Orten Mexikos ist das die größte Feier des Jahres vlt noch zusammen mit dem Nationalfeiertag am 15. September. Und die in Aguascalientes ist die größte des Landes und war wirklich beeindruckend! Es gibt hunderte Essensstände, Karuselle, Kunsthandwerk, Spiele und mehrere Bühnen in der ganzen Stadt.<br>In Guadalajara, wo ich direkt am nächsten Tag in meinem Besuchs-Wahn hinfuhr, besuchte ich vor allem Studienkolleg*innen aus Guanajuato. Eben jene, die mittlerweile bei Oracle oder Walmart oder anderen arbeiten. Wirklich jedes Wiedersehen war schön, doch die mit meinen Freundschaften aus Guanajuato besonders, weil ich sie zum ersten Mal wiedergesehen habe! In Guadalajara traf ich außerdem noch einen anderen Ex-Freiwilligen und eine Nonne, mit der ich bei meinem Freiwilligendienst in Cardonal zusammengelebt habe. Damals lebte ich mit zwei Priestern und vier Nonnen. Drei der Nonnen waren relativ jung und die vierte im Bunde, Madre Esther, war damals schon alt. Jetzt ist sie es noch mehr. Doch ihr großes Herz und ihren bewundernswerten Missionsgeist (in ihrem Falle absolut positiv und nicht so aufzwingend wie bei den ursprünglichen Missionaren) hat sie nicht verloren. So hat sie sich mehrfach bei mir beschwert, dass man sie im Alter von über 80 nicht alleine das Altenheim der Nonnen verlassen lässt, in dem sie mittlerweile unterkommt. Für mich ist Madre Esther wie eine Oma und sie hat sich auch genauso dolle gefreut wie meine Oma damals, wenn ich sie besucht habe &lt;3 </p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<!-- divi:paragraph -->
<p>Nach der zweitgrößten Stadt kam dann zum Abschluss der Besuchsreise natürlich noch Mexiko-Stadt, wo ich bei Reyna für 3 Nächte unterkam und jeden Tag mehrere Freund*innen traf. So setzte ich mich extrem erschöpft, aber super glücklich in den 28-Stunden Bus nach Cancun, um Marieke zu treffen. Doch der Touri-Part im Süden Mexikos ist Teil des nächsten Blogeintrags, den ich mit unserem kurzen Besuch in Belize verbinden möchte 🙂</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Das Migrantenhaus „El Samaritano“ bei Tula, Mexiko</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Mexiko ist seit Langem ein Transitland für Menschen auf dem Weg in die USA, denn auf dem Landweg ist es unmöglich, nicht durch Mexiko zu reisen. Und während die Zahlen der Asylanträge von Mexikaner*innen in den USA in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist, laut Segob-Bericht lag sie 2022 bei nur noch 3,5 Prozent, sind die aus Zentral- und Südamerika stark gestiegen. 22,7 Prozent der Anträge kamen aus Zentralamerika, 18,7 Prozent aus Venezuela und fast alle diese Menschen reisen durch Mexiko. Es gibt zwar auch Shuttles, die Asylsuchende von Guatemala bis an die US-Mexiko-Grenze bringen, doch die ca. 1000 Dollar dafür kann kaum jemand aufbringen. In Guatemala habe ich mit jemandem gesprochen, der jahrelang diese Shuttle-Fahrten durch Mexiko machte. Wer sich die leisten kann, ist recht sicher, denn in den 1000 $ sind Schutzgelder an verschiedene mexikanische Kartelle wie die Zetas eingerechnet. Da die meisten sich dies aber nicht leisten können, müssen sie andere Wege finden, um die mindestens 2000km durch Mexiko zurückzulegen. Viele nutzen dafür die Güterzüge, die durch Mexiko fahren. Unter Mexikaner*innen und Asylsuchenden wird der Zug nur „La Bestia“ genannt, weil es so gefährlich ist, auf ihn aufzuspringen und an anderer Stelle wieder abzuspringen. Erst vor Kurzem fiel in der Nähe von Tula ein Mann aus Venezuela vom Zug und ihm mussten beide Beine amputiert werden – ein schreckliches Schicksal, das nur eines von vielen ist.<br>Hinzukommt, dass Asylsuchende in Mexiko sowohl von Banden als auch teilweise von der Polizei häufig wie Abschaum behandelt werden. All das nachdem sie schon vor Mexiko Wochen oder Monate unterwegs waren. Viele Menschen aus Venezuela überqueren zudem den extrem gefährlichen Dschungel des Darién-Gap zwischen Panama und Kolumbien, wo ihnen auch häufig Banden auflauern.<br>Um die Menschen in Mexiko zu unterstützen gibt es viele sogenannte Migrantenhäuser, die vor allem an der Zugstrecke von La Bestia liegen. Eines dieser extrem wichtigen Häuser ist das Migrantenhaus „El Samaritano“ in der Nähe von Tula.<br>Schon seit vielen Jahren unterstützen wir mit dem Verein animo e. V. „El Samaritano“ und ohne es besucht zu haben war das Projekt mir ein Herzensanliegen, da Flucht &amp; Migration seit Jahren für mich mein politischer Schwerpunkt sind.<br>Animo e. V. ist ein Verein von ehemaligen Mexiko-Freiwilligen, die sich für interkulturellen Austausch zwischen Mexiko und Deutschland einsetzen.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<!-- divi:paragraph -->
<p>Als ich nun bei meinem Besuch in Mexiko endlich mal persönlich bei dem Haus vorbeifuhr, in dem schon einige Freiwillige und Freund*innen von mir in den letzten Jahren mitgeholfen haben, war ich noch deutlich beeindruckter als von den Berichten.<br>In der Nähe von Tula gibt es eine Stelle, wo der Zug regelmäßig hält oder langsamer fährt und es so die Möglichkeit, auf- und abzuspringen. Dort öffnet „El Samaritano“ Dienstag bis Sonntag die Pforten, um die Menschen zu versorgen. Ich konnte einen Tag den Ablauf mitmachen und auch ein bisschen mithelfen.<br>An dem Tag kamen ca. 15 Asylsuchende an, die meisten waren aus Honduras oder Venezuela. Als erstes bekommen die Menschen, die meistens sehr hungrig sind ein Frühstück angeboten. Nach dem Frühstück können sie sich duschen und kriegen Klamotten aus einer Kleidersammlung, falls sie neue Klamotten brauchen. Die meisten von ihnen hatten kleine Rucksäcke, in dem alles war, dass sie dabei hatten oder noch besaßen.. Selbstverständlich gibt es auch eine Apotheke, sodass die Menschen medizinisch versorgt werden können, falls nötig.<br>Wer möchte, kann sich danach ausruhen. Dabei gibt es einen Extra-Ruhebereich für Frauen und Kinder. Als alle gefrühstückt und sich gewaschen hatten, gab es Zeit, dass ich mich mit den Menschen unterhalten konnte und auch ein bisschen Musik mit und für sie machen konnte. Die Schicksale und Geschichten, die ich mitbekam, erinnerten mich häufig an Flüchtende, die ich bei Rettungsmissionen im Mittelmeer kennengelernt habe. Da waren sowohl junge Männer, die ihre Familien und teilweise sogar Ehefrau mit Kindern zurückließen, in der Hoffnung, sie aus den USA besser versorgen zu können, als auch gesamte Familien, die zusammen reisten.<br>Und leider ist auch die Art wie mit Asylsuchenden in den USA umgegangen wird ähnlich wie in Europa. In den letzten drei Jahren schoben die USA ca. 2,7 Millionen Menschen ab, davon 2,3 Millionen nach Mexiko.<br>Nach den Gesprächen aßen wir noch gemeinsam zu Mittag bevor sich die Menschen weiter auf den Weg machten. Es war schon ein bedrückendes Gefühl, ihnen hinterherzuschauen.<br>Für mich ist die Arbeit, die Schwester Luisa und so viele andere Freiwillige leisten, unglaublich wichtig und ich bin froh, dass ich mir einen besseren Eindruck verschaffen konnte.<br>Wenn ihr wie ich das Projekt unterstützen möchtet, dann würde ich mich sehr darüber freuen und ihr könnt dafür Geld auf das Konto von animo e. V. überweisen. Die Spenden gehen zu 100% an „El Samaritano“. Animo ist ein ehrenamtlicher Verein, der die extrem geringen Verwaltungskosten durch Mitgliederbeiträge trägt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>animo e. V.<br>IBAN: DE98 4006 0265 0018 4487 00<br>BIC: GENODEM1DKM</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Alternativ könnt ihr mir auch Geld per PayPal an kai-echelmeyer@web.de schicken, dass ich dann zu 100% an animo überweise.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Vielen Dank für eure Unterstützung!</p>
<!-- /divi:paragraph --></div>
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		<title>Dylan ist hier! – Campen im karibischen Paradies von Martinique und Rum vom Feinsten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Feb 2023 14:09:00 +0000</pubDate>
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<p>„Dylan ist hier!“ Als wir auf Martinique ankamen, wurde ich überflutet von Informationen. Klar: 16 Tage lang auf dem Atlantik kam der einzige Input von 6 Mitsegler*innen (abgesehen vom täglichen Wetterupdate von meinem Kumpel Lennart).<br>Auf einmal empfange ich Nachrichten aus über 2 Wochen, schaue nach ob Lützerath noch steht (nein…) und werde überflutet von Gedanken und Eindrücken. Doch eine Nachricht bleibt hängen und beschreibt meine Zeit auf Martinique schon sehr gut: <strong>„Dylan ist hier!“</strong><br>Dylan kenne ich bereits aus Gibraltar. Auch er ist über den Atlantik getrampt und ist schon ca. einen Monat auf Martinique, als wir ankommen. Ich habe mit ihm außerdem auf Lanzarote einen Roadtrip gemacht und empfinde ihn als richtigen Freund, obwohl wir uns noch gar nicht lange kennen. Dylan ist seit ca. 8 Jahren auf Reisen. Er war in vielen Ländern, arbeitet immer so lange als Kellner bis er wieder genug Geld für seinen sparsamen Lebensstil hat und lebt dann ca. 1,5 Jahre im Einklang mit sich und der Natur. Von Dylan kann man viel über das Leben lernen. Vlt werde ich auch mal so in mir ruhen, wahrscheinlich aber doch nicht – ich kenne mich ja.</p>
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<h2>Alte Bekannte und neue Gesichter</h2>
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<p>Wie Dylan sehe ich viele andere Hitchhiker wieder, die ich während der Reise kennengelernt habe und es ist jedes Mal eine Riesen-Freude! „Wir haben es geschafft!! Zum letzten Mal haben wir uns auf der anderen Seite des Atlantiks gesehen und jetzt sind wir tatsächlich in der Karibik – kaum zu fassen!<br>Nicht nur andere Tramper treffe ich wieder, sondern auch einige andere Segler*innen, die ich aus den Häfen der Kanaren oder Kap Verden kenne. So habe ich schon nach zwei Tagen das Angebot, nach Kolumbien zu segeln. Auch wenn ich Carlos und Liliana total gerne mag, geht mir das zu schnell und ich lehne dankend ab – was mir nicht leicht fällt, denn viele Hitchhiker suchen lange nach einer Möglichkeit, aufs Festland zu kommen. Gute Entscheidung kann ich mittlerweile sagen! Denn die Zeit auf Martinique war fantastisch. Außerdem hätte ich mich ungern so schnell von Jakob verabschiedet und weiß mittlerweile dass ich lieber erst nach Mexiko und von dort nach Chile reisen möchte und nicht andersrum. <br>Und ich habe viele neue Gesichter kennengelernt auf Martinique. Die meisten Tramper haben schon von mir gehört und dass ich immer meine Gitarre dabei habe – ein schönes Gefühl, dass von den vielen gemütlichen Gitarren-Abenden offensichtlich sehr positiv erzählt wird! Auch in Martinique habe ich viel Gitarre gespielt und einiges Geld für ein lokales Projekt sammeln können. Genaueres dazu bald in meinem Blogbeitrag zu Straßenmusik. Vor allem habe ich mit der Musik aber viele coole Leute kennengelernt, mit denen ich auch einige Male etwas unternommen habe. Wie viele tolle Begegnungen und Bekanntschaften ich in Martinique gemacht habe, zeigte sich spätestens an meinem letzten Abend. <br>Ich lud alle, die ich auf der Insel kannte, ein. Zunächst trafen wir uns für die Happy Hour in der Hafen-Bar „L’Annexe“ und später baute ich meinen Verstärker samt Mikrofon auf und wir starteten im Hafen eine kleine Open Stage. Nachdem ich ein paar Lieder zum Besten gegeben hatte, schnappten sich die verschiedensten Menschen die Gitarre, das Mikro oder brachten andere Instrumente ins Spiel und es entwickelte sich eine unvergleichliche Stimmung. Den Abend werde ich mit Sicherheit nicht vergessen und bin dankbar für die vielen tollen Begegnungen und Erlebnisse!</p>
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<h2>Ankommen im Karibisches Paradies</h2>
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<p>Doch nochmal von Anfang: Was habe ich auf Martinique erlebt? Alleine das Ankommen war schon ein tolles Erlebnis. Wir erreichten die Insel bei Nacht und beim Aufwachen sahen wir auf einmal eine hügelige, grüne Insel mit paradiesischen Stränden! Jakobs und mein erster Landgang war an einem Strand, wo wir mit einigen Französ*innen picknickten. <br>Wenn man 16 Tage auf dem Wasser war, dann ist alles ein Erlebnis: das erste Bier, frisches Brot mit Käse und überhaupt die Füße auf festem Grund. Das Wackeln an Bord stört mich nie, doch am Strand entlang zu rennen und sich mal wieder so richtig zu bewegen, war genial! Und da liefen mir gleich Jack und Jill über den Weg, mit denen ich fast den Atlantik überquert hätte – die Segel-Welt ist klein! Vermutlich, weil mich sich einfach nicht weit vom Boot weg bewegt, wenn man schon eins hat 😀<br>In den folgenden zwei Tagen halfen Jakob und ich Familie Baici, die Beso del Viento aufzuräumen und zu säubern und fanden einen runden Abschluss auf dem Katamaran, der uns all den Weg über den Atlantik getragen hatte. Nach all dem, was wir mit Baicis und Peter erlebt hatten, war ein würdiges Abschiedsgeschenk natürlich ein Teil davon.<br>Vom Boot ging es für uns direkt in das Hitchhiker-Camp vor Ort, in dem Dylan und ein paar andere schon einiges hergerichtet hatten. Mitten im Dschungel ca. 10 Minuten vom Hafen von Le Marin entfernt konnten wir Zelt und Hängematte aufschlagen und hatten eine Basis für die nächsten zwei Wochen. Zu Beginn waren wir noch eine kleine Runde und mit der Zeit kamen immer mehr Hitchhiker an. Gemeinsam wurde das Camp immer gemütlicher gemacht und aufpoliert. So gibt es in der Mitte ein großes Wohnzimmer, wo Planen gespannt, Stühle, ein Tisch, Regale und eine Kochstelle aufgestellt bzw. improvisiert sind. Da der Ort abgelegen war, kam niemand Fremdes vorbei.<br>Ich habe noch nie so viele Nächte hintereinander in einer Hängematte geschlafen, doch es war fantastisch. Ich fand es super gemütlich und schlief mitten im Dschungel zwischen zirpenden Grillen und dem Meeresrauschen ein. So wurde die Hängematte eingepackt als ich mit Jakob, Sarina, Clara und Remi einen Roadtrip für drei Tage um die Insel startete. An einem Abend gönnten wir uns ein Airbnb, an den anderen schliefen wir in Hängematten direkt am Strand! Allerdings immer überdacht, denn es regnete jeden Tag mehrmals. Zwar nur kurz, dafür aber unangekündigt und abrupt.<br>Ich erspare euch die genaue Route und die Namen unserer Ziele – sowohl bei dem Roadtrip als auch der restlichen Zeit, in der Jakob und ich noch einige Ausflüge machten. Es gibt genug Travel-Blogs, die Tipps zu Martinique geben. Falls ihr mal hierher kommt, meldet euch gerne bei mir und ich sende euch personalisierte Tipps!<br>Jedenfalls haben wir eine mega coole Wanderung durch den Dschungel gemacht und die schönsten Pflanzen gesehen. Wir haben Kokosnüsse zerschlagen, Eidechsen und Vogelspinnen gesehen und waren an unzähligen, paradiesisch schönen Stränden mit kristallklarem Wasser und konnten locker 10 Meter weitschauen. So sah ich beim Schnorcheln unfassbar viele wunderschöne Fische und Korallen in allen Formen und Farben.</p>
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<h2>Rum, Rum, Rum!</h2>
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<p>Immer wieder ein Highlight waren die Rum-Distillerien auf Martinique. Jakob und ich haben mit Sarina insgesamt 4 davon besichtigt. Auf Martinique und einigen anderen Karibik-Inseln wurde lange Zeit Zuckerrohr angebaut, um Zucker zu erzeugen und diesen zu exportieren. Meistens oder eigentlich immer durch die Ausbeutung von Sklaven, die die körperlich extrem anstrengende Arbeit verrichteten. Doch zum Kolonialismus und zur Sklaverei schreibe ich bald einen extra Beitrag.<br>Als die Zuckerrübe in Europa verbreitet wurde und der Bedarf an Zucker aus der Karibik einbrach, disponierten viele um und begannen, in größerem Stil Rum zu destillieren. Und was für einen Rum!<br>Wir haben natürlich in jeder Destillerie fleißig probiert. Am besten hat mir der Rum von JM im Norden geschmeckt, die spannendste Besichtigung gab es bei Clement inkl. Museum.<br>Was ich vorher gar nicht wusste ist, dass Zuckerrohr ursprünglich gar nicht in der Karibik und nicht mal in der Nähe vorkommt. Zuckerrohr stammt aus dem asiatischen Raum, vermutlich China. Dort fand es erst den Weg ins Persische Reich und von dort nach Europa. Die Spanier brachten Zuckerrohr dann erst mit der Kolonialisierung nach Zentral- und Südamerika.<br>Ein weiteres Highlight war der Besuch der Hauptstadt Fort-de-France, in der wir etwas Karneval mitnahmen. Da ich den Hauptkarneval in Martinique leider verpasst habe, konnte ich so eine Woche vorher schon einen guten Eindruck vom Karneval bekommen. Wir sahen sowohl die Wahl einer „Karnevals-Königin“ als auch einige Paraden durch die Stadt. Musik und auch einfach Krach sind wichtige Elemente im Karneval von Martinique. So hatten einige Menschen ihre Autos so frisiert, dass am Auspuff unglaublich laute Explosionen entstanden. Zuerst nervte mich das sehr und auch mit etwas Abstand finde ich das noch merkwürdig, verstehe aber, dass dieser Krach einfach dazugehört und habe gehört, dass die Autos vorher extra überprüft und zugelassen werden.<br>Insgesamt hatte ich auf Martinique eine tolle Zeit, bin sehr dankbar für die vielen Erlebnisse und habe das Gefühl, einen guten Zeitpunkt für den Absprung Richtung Norden gefunden zu haben. Mit Simon hatte ich eine wunderbare Überfahrt über Guadeloupe nach St. Martin, aber das ist eine andere Geschichte.</p>
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		<title>Trampen über den Atlantik – Allgemeine Tipps und spezielle Hinweise zu Gibraltar, Kanaren, Kap Verde und Karibik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Feb 2023 23:27:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Atlantik]]></category>
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<p>In den letzten Monaten bin ich auf mehreren Segelbooten mitgefahren und so trampend von Europa über den Atlantik in die Dominikanische Republik gekommen. In diesem Blogbeitrag möchte ich mit euch meine Erfahrungen und Tipps zum „Trampen“ über den Atlantik teilen, insbesondere dazu wie man ein Boot findet.<br>Meine Tipps teile ich in 6 Unterpunkte: Tipps zur Atlantiküberquerung, Tipps zur Suche nach einem Boot, Hinweise zu Gibraltar, Hinweise zu den Kanaren, Hinweise zu Kap Verde und Hinweise zur Karibik. Wie auch immer, es gibt kein Richtig oder Falsch und jeder wird seine eigenen Methoden finden. Ich freue mich auch, wenn ihr eure Erfahrungen in den Kommentaren unten mitteilt!</p>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Erstmal ganz grundsätzlich: statt mit dem Flugzeug mit dem Segelboot zu reisen ist eine deutlich umweltschonendere und abenteuerlichere Art, den Atlantik zu überqueren. Für mich ist es eine absolute Freiheit auf einem Segelschiff mitten im Meer zu sein und um mich herum nur Wasser zu sehen. Auf diese Art kriegt man auch einen anderen Eindruck davon, wie groß unsere Erde ist und zu welch großem Teil sie aus Wasser besteht.<br>Natürlich solltest du dir schon gut überlegen, ob diese Art des Reisens die richtige für dich ist und es ist auch nicht schlimm, wenn sie es nicht ist. Nicht alle können sich vorstellen lange Zeit auf so engem Raum zu sein und ich habe auch schon von Menschen gehört, für die die Atlantiküberquerung nicht gut war. Manchen wird z.B. schnell schlecht und dann ist ein Segelboot nicht unbedingt der passendste Ort. Mach dir klar, dass diese Art des Reisens nicht so planbar ist. Du weißt nicht wann und wie du wohin ein Schiff findest. Und du wirst mehrere Wochen lang auf einem Boot sein, von dem du nicht runter kannst.<br>Wenn du dir das aber vorstellen kannst, dann glaube ich, dass du eine fantastische Zeit haben wirst! Und lass dir gesagt sein, dass es viele andere Menschen gibt, die schon so gereist sind oder gerade so reisen. Allein in Gibraltar waren wir bei meiner Abreise ca. 20 Suchende vor Ort und in Las Palmas de Gran Canaria waren teilweise über 100 gleichzeitig! Von 19 bis über 50 Jahre sind verschiedene Altersgruppen vertreten, die meisten sind aber zwischen 20 und 30. Und es gibt Menschen aus verschiedensten Ländern, die meisten europäisch, die sich entschieden haben, das gleiche Abenteuer zu versuchen wie ich. Manche haben es auch schon mal gemacht. Und man trifft auch viele Familien, die die Atlantiküberquerung mit ihren Kindern machen – aber nicht trampend sondern auf dem eigenen Boot 😉</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2022/11/IMG_20221108_182033-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-571"/><figcaption>Sonnenuntergang auf dem Atlantik</figcaption></figure>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1079" height="913" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2022/11/signal-2022-11-14-122714_002-1.jpeg" alt="" class="wp-image-570" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2022/11/signal-2022-11-14-122714_002-1.jpeg 1079w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2022/11/signal-2022-11-14-122714_002-1-980x829.jpeg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2022/11/signal-2022-11-14-122714_002-1-480x406.jpeg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1079px, 100vw" /><figcaption>Besuch von Delfinen</figcaption></figure>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1920" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2022/11/IMG_20221103_183511-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-567" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2022/11/IMG_20221103_183511-scaled.jpg 2560w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2022/11/IMG_20221103_183511-1280x960.jpg 1280w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2022/11/IMG_20221103_183511-980x735.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2022/11/IMG_20221103_183511-480x360.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw" /><figcaption>Im Hafen von La Linea De La Concepción</figcaption></figure>
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<!-- divi:heading -->
<h2><br><strong>Tipps zur Atlantiküberquerung</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Das Wichtigste, das du beachten solltest, ist der Zeitraum, zu dem Segelboote den Atlantik überqueren, denn das passiert nicht das ganze Jahr über. Besonders im Sommer ist Hurricane-Saison und nur Lebensmüde überqueren da mit einem Segelschiff den Atlantik.<br>Die beste Zeit ist ab Anfang/Mitte Oktober auf die Kanaren und ab Ende Oktober/Anfang November von den Kanaren Richtung Karibik. Mindestens bis Januar/Februar geht die Saison der Atlantiküberquerung, sodass man nicht direkt im Oktober starten muss.<br>Die Route über die Kanaren fahren eigentlich fast alle, da auf dieser Route die Winde am besten sind. Von Portugal/Spanien bis auf die Kanaren sind es je nach Boot und Wind 4 – 8 Tage, wenn alles gut läuft. Ein guter Ort zum Suchen ist in La Linea bei Gibraltar, dazu schreibe ich unten meine Erfahrung. Weitere Häfen, von denen ich gehört habe, die ich aber nicht selbst abgecheckt habe sind Cádiz in Spanien und Faro und Lissabon in Portugal.<br>Wer idealen Wind von hinten haben möchte, fährt von den Kanaren weiter über Cap Verde und dann in die Karibik, doch die Route ist ein bisschen länger, sodass viele direkt von den Kanaren fahren. <br>Es gibt eine große Regatta, die aktuell 3-mal im Jahr von den Kanaren Richtung Karibik startet: die ARC. Das ist aus verschiedenen Gründen interessant für Tramper: Erstens fahren einfach sehr viele Boote gleichzeitig los. Zweitens gibt es sowohl vorher auf Gran Canaria als auch später in der Karibik Begleit-Programm und ich stelle mir vor, dass man dort gut Yachties kennenlernen kann. Und drittens ist die ARC begleitet, sodass man schneller und einfacher Unterstützung bekommt, wenn etwas passiert. Allerdings war mein Eindruck in Las Palmas dieses Jahr, dass quasi alle Boote für die ARC schon voll waren, sodass es schwer war, ein Boot dort zu finden. Die meisten planen die Crew für die ARC mind. ein halbes Jahr vorher.<br>Dieses Jahr ist die erste ARC+ über Cap Verde am 6. November gestartet. Die Haupt-ARC startete am 20. November ab Las Palmas und dann gibt es noch eine späte im Januar. Hier findest du alle Infos zur ARC: <a href="https://www.worldcruising.com/arc/event.aspx">https://www.worldcruising.com/arc/event.aspx</a></p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2><strong>Tipps zur Suche nach einem Schiff</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Es gibt ein paar Eigenschaften, die hilfreich sind, wenn du ein Boot finden möchtest, doch ich glaube das Wichtigste ist, dass du offen bist und dich traust, Menschen anzusprechen.<br>Wenn du schon Segelerfahrung hast, ist das hilfreich. Die meisten, die ich bisher getroffen habe, hatten aber kaum bis gar keine und haben trotzdem ein Boot gefunden! Überhaupt haben quasi alle ein Boot gefunden, die geduldig genug waren.<br>Sprachen sind auch hilfreich, insbesondere weil es wichtig ist, Menschen im Hafen anzusprechen und es auf ihrer Muttersprache oftmals einfacher ist. In La Linea sind vor allem viele deutsche und französische Crews aufgebrochen. Das ändert sich aber natürlich auch. Und auf den Kanaren ist es gerade schon deutlich diverser und z.B. sind auch viele skandinavische Boote unterwegs.<br>Ansonsten gibt es viele Fähigkeiten, die man mitbringen kann, und natürlich ist es bei jeder Crew auch anders, was sie sich wünschen. Für mich war es sehr hilfreich, dass ich meine Gitarre dabeihabe und Musik machen kann und dass ich kinderlieb bin, da beide Boote in Gibraltar, mit denen ich im engeren Austausch war, Kinder an Bord haben. Bei vielen anderen ist das aber natürlich auch anders. Sowohl im persönlichen Gespräch als auch auf Aushängen, versuchst du am besten deine Stärken herauszuarbeiten. Sei aber ehrlich. Hier nun aufgelistet ein paar Tipps:</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:list -->
<ul><li>Wenn du in Südspanien bist, <strong>such nach einem Schiff Richtung Kanaren</strong>. Da fast alle über die Kanaren fahren, kannst du hier auch gut nach einem Schiff über den Atlantik suchen und es ist gut, erstmal vom europäischen Festland wegzukommen. Falls dein Boot dann weiter in die Karibik fährt, könnt ihr schon mal eine Woche lang abchecken, ob ihr auch länger zusammenfahren wollt und dann entscheiden 😊</li><li><strong>Sprich Menschen an – alle!</strong> Wie auch beim normalen Trampen, funktioniert die Suche viel besser im persönlichen Gespräch als mit einem einfachen Papp-Schild. Mein Tipp ist, dass du auch mit Menschen quatschst, die dir sagen, dass sie dich nicht mitnehmen können. Je mehr Kontakte du in den Häfen hast, desto besser. Du kannst sie auch darum bitten, dir Bescheid zu geben, wenn sie was hören. Ich hab vielen auch eine kleine Visitenkarte mit meinem Kontakt gegeben, die können sie dann einfach weitergeben, wenn sie jemanden treffen, der oder die Platz hat.</li><li><strong>Sei freundlich und nicht zu direkt.</strong> Versuch mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Erkundige dich nach ihrem Schiff, nach ihren Plänen, etc. Fall nicht mit der Tür ins Haus, wenn es anders geht. Ich habe meistens auch nicht gefragt „Könnt ihr mich mitnehmen auf die Kanaren bzw. in die Karibik?“, sondern „Habt ihr von Booten gehört, die auf die Kanaren fahren oder die den Atlantik überqueren?“. Darauf können alle antworten ohne sich unter Druck gesetzt zu fühlen.</li><li><strong>Gehe in verschiedene Häfen.</strong> Falls es mehrere Häfen in deiner Nähe gibt, steuere alle mal an. Sprich mit den Menschen und dem Personal und anderen Trampern und du findest schnell raus, welche Häfen am vielversprechendsten sind. In Gibraltar gab es einen Hafen, wo mir das Personal sagte, dass alle Schiffe für den Winter blieben. Dann kann man sich das gut sparen.</li><li><strong>Mache Aushänge</strong>. Drucke einen übersichtlichen! DINA4-Zettel, auf dem du dich vorstellst und deine Vorteile für eine mögliche Crew herausarbeitest. Sei ehrlich, nimm ein freundliches Foto und gebe deinen Kontakt an. Auch wenn die meisten ihr Boot im persönlichen Gespräch finden, ist das wenig Aufwand und kann nicht schaden. Hänge den Zettel überall da auf, wo sich Yachties aufhalten, also im Hafenbüro, im Waschhaus oÄ.</li><li><strong>Bring nicht dein ganzes Zeug mit in den Hafen</strong>. Es ist manchmal hilfreich, nicht im allerersten Moment als Tramper aufzufallen. Ich hatte das Gefühl, dass die Menschen eher mit einem ins Gespräch kommen, wenn sie das Gefühl haben, dass man „natürlich“ in den Hafen gehört.</li><li><strong>Sprich mit den Menschen, wenn sie Zeit haben.</strong> Wenn sie gerade ankommen, haben sie zB immer total viel zu tun und empfinden dich dann evtl. eher als Störung. Ansonsten sind die meisten aber echt superfreundlich!<br>Gut geht es, wenn du auf den Steg mit den Booten kommst. Ich habe das wann immer möglich gemacht. Wichtig ist, dass du dann nicht nervst, sondern entspannt rumläufst und dich mit den Leuten unterhältst. Und den Steg im Zweifel verlässt, wenn du darum gebeten wirst.</li><li><strong>Versuch es auch online</strong> auf Seiten wie „findacrew.net“, „crewbay.com“, etc. und in Facebook-Gruppen wie „Atlantic Crossing East -&gt; West 2022/2023“, „Crew Finder“, „Atlantic Ocean Crew“ oder „Sailboat Crewfinder Worldwide“. Auf vielen Karibischen Inseln gibt es jeweils eine Facebook-Gruppe für Yachties, in Martinique heißt sie z.B. &#8222;Martinique Cruisers&#8220;.</li><li>In der App <strong>Navily </strong>kannst du Boote anschreiben, die die App benutzen. Navily versorgt Segler*innen mit vielen hilfreichen Infos zu Häfen und Ankerplätzen, weswegen das viele nutzen! Eigentlich sollte man ein Boot haben, um sich dort anzumelden, aber du kannst die Infos zum Boot einfach weglassen.</li><li><strong>Wenn du gerne schwimmst oder irgendwo ein Dinghy herbekommst,</strong> kannst du auch mal zu den Booten vor Anker raus und die Leute dort direkt ansprechen. Sonst schau wo die Beiboote im Hafen anlegen, wenn die Crew an Land geht, und sprich sie dort an.</li><li><strong>Bring Zeit mit.</strong> Irgendwie klar, aber ich zumindest wurde doch irgendwie schnell ungeduldig. Die Art wie wir reisen lässt eben keine Zeitplanung zu.</li><li><strong>Mach auch mal Pause.</strong> Geh wandern, erkunde deine Umgebung, geh in ein Museum. Zu verkrampft zu suchen, wird dir nicht gut tun und schneller bist du dadurch auch nicht unbedingt. Es ist auch ok, ein paar Leute mal nicht anzusprechen.</li><li><strong>Nimm nicht einfach jedes Boot! </strong>Auch wenn du dich schon ein wenig unter Druck fühlst oder von deiner Suche enttäuscht bist, nimm nur eine Gelegenheit wahr, bei der du dich mit dem Boot, dem*der Skipper*in und der Crew wohlfühlst! Du wirst lange, lange Zeit mit ihnen zusammen sein und es gibt auch Boote, die nicht wirklich sicher sind. Frag also nach ihrer Erfahrung, ihrer Ausrüstung und so weiter. Wenn möglich versuch, schon im Hafen einige Zeit mit ihnen zu verbringen, dann kannst du immer noch herausfinden, wenn es nicht passt oder ob du dich nicht sicher fühlst.</li><li><strong>Sei lieb zu den anderen Trampern</strong>, freu dich mit ihnen, wenn sie ein Boot finden. Erstens haben sie es verdient, zweitens wird der Kontakt zu ihnen dir hilfreich sein.</li><li><strong>Gib nicht auf!</strong> Du kannst das schaffen, definitiv! Du wirst Leute treffen, die dir was anderes sagen &#8211; ignorieren! Ich hab viel mehr Menschen getroffen, die gesagt haben, dass das eine gute Route ist und dass man auf jeden Fall Mitfahrgelegenheiten findet zwischen Oktober und März. Also wirst du auch eine finden &lt;3</li></ul>
<!-- /divi:list -->

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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1440" src="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2022/11/IMG_20221122_105027-edited-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-689" srcset="https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2022/11/IMG_20221122_105027-edited-scaled.jpg 2560w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2022/11/IMG_20221122_105027-edited-1280x720.jpg 1280w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2022/11/IMG_20221122_105027-edited-980x551.jpg 980w, https://pinchekai.com/wp-content/uploads/2022/11/IMG_20221122_105027-edited-480x270.jpg 480w" sizes="auto, (min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 2560px, 100vw" /></figure>
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<p>Weitere Tipps findest du in diesem Beitrag: <a href="https://www.theoceanpreneur.com/crewing/how-to-find-a-sailboat-ride-boat-hitchhiking-tips/">https://www.theoceanpreneur.com/crewing/how-to-find-a-sailboat-ride-boat-hitchhiking-tips/</a></p>
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<!-- divi:heading -->
<h2><br><strong>Hinweise zu Gibraltar</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ich schreibe zur Einfachheit von Gibraltar. Gemeint sind sowohl Gibraltar als auch La Linea de La Concepcion auf spanischer Seite. In beiden Städten gibt es Häfen, von denen aus regelmäßig Boote Richtung Kanaren starten.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:list -->
<ul><li>Häfen. Der vielversprechendste Hafen, in dem sich auch die meisten Tramper aufhalten, ist „La Alcaidesa“ in La Linea de La Concepción. Die meisten, die ich kenne, haben dort ihr Boot gefunden. Leider darf man eigentlich nur als Yachtie auf die Stege, doch es ergeben sich manchmal Möglichkeiten auf die Stege zu gehen. Gerade seit gestern versucht das Hafenpersonal die Tramper dort fernzuhalten, aber ich hoffe das klärt sich bald.<br>Zettel aufhängen kannst du am Eingang, im Waschhaus, im Toilettenhaus und an der Cafetería. Ins Toilettenhaus kommt man nur mit einer Karte, manchmal hat einer von den Trampern eine und kann sie dir leihen, ansonsten kannst du auch hinter jemandem hineinschlüpfen.<br>Rechts nebenan gibt es noch einen privaten Yacht-Hafen. Dort kommst du nicht zu den Schiffen, aber kannst an der Anmeldung einen Aushang auslegen.<br>In Gibraltar gibt es zwei Häfen: Ocean Village und Queensway Guay. Im ersten, der direkt hinter der Grenze ist, liegen hauptsächlich Boote, die dort überwintern. Es lohnt sich also eher nicht, dort viel Zeit zu verbringen, wobei ein Kumpel von mir mit seinem Aushang dort Erfolg hatte. Das Personal ist total freundlich, hängt deinen Zettel im Waschhaus auf und kann dir vlt sagen, ob überhaupt gerade Boote da sind, die nur ein paar Tage bleiben.<br>Vielversprechender ist Queensway Guay. Dort starten regelmäßig Boote Richtung Kanaren. Eher etwas schickere Boote, denn der Hafen ist deutlich teurer als auf spanischer Seite (dafür ist Sprit günstiger). Hier kannst du im Hafenbüro einen Zettel aufhängen und wenn du in die Toilettenanlage kommst, gibt es auch dort ein Schwarzes Brett. Um in das Haus oder auch auf die Stege zu kommen, brauchst du einen Code. Tausche dich mit den anderen Trampern aus, meistens hat jemand den Code, wenn er nicht gerade geändert wurde.<br>Es gibt weiter Richtung Algeciras noch mehr Häfen und ich kann nicht sagen, ob die auch einen Versuch wert sind. Ich habe aber meistens auch von den Einheimischen gehört, dass „La Alcaidesa“ am vielversprechendsten ist.</li><li>Unterkunft. Es gibt direkt beim Hafen „La Alcaidesa“ ein Wäldchen, das „Dschungel“ genannt wird und wo einige Tramper campen. Ansonsten gibt es in La Linea ein günstiges Hostel mit dem Namen „La Esteponera“, wo du für 16 Euro ein Einzelzimmer bekommst.</li><li>Unterhaltung. Auch wenn du nicht campst, geh mal im Dschungel vorbei. Der Austausch mit den anderen Trampern ist sehr hilfreich und wir haben einige schöne Abende miteinander verbracht.<br>In La Linea gibt es im Zentrum einige coole Bars an der Plaza Cruz Herrera. In Gibraltar ist freitags und Samstag Karaoke im Hendrix Pub.</li></ul>
<!-- /divi:list -->

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<!-- divi:heading -->
<h2><br><br><strong>Hinweise zu den Kanaren</strong></h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ich bin nicht auf allen Kanarischen Inseln gewesen und habe eigentlich nur in Las Palmas de Gran Canaria gesucht – dem Hauptspot zum Suchen nach Booten. Im Austausch mit Trampern, Hafenmitarbeitenden und Segler*innen habe ich aber einiges weiteres erfahren.<br>Wer vom europäischen oder afrikanischen Festland Richtung Kanaren segelt, kommt in der Regel erstmal bei Lanzarote, der vorgelagerten Insel La Graciosa oder Fuerteventura an. Die meisten, die Richtung Cap Verde oder Karibik starten, beginnen aber auf Gran Canaria, Teneriffa oder La Gomera. Hier ein paar Hinweise zu den verschiedenen Inseln, nächste Tage berichte ich noch etwas ausführlicher was ich auf den Inseln besichtigt habe.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:list -->
<ul><li><strong>La Graciosa</strong>: Ist eine kleine Insel, die vor Lanzarote liegt. Viele ankern hier, wenn sie auf den Kanaren ankommen – auch weil auf Lanzarote die Häfen in der Hauptsaison meistens überfüllt sind. Einen Ausflug ist La Graciosa allemal wert, ich fands super schön! Aber nach einem Boot über den Atlantik, solltest du hier eher nicht suchen. Je nachdem ob Fähre für dich ok ist, kannst du easy nach Lanzarote kommen oder vlt einfach warten bis dein Segelboot dorthin fährt.</li><li><strong>Lanzarote</strong>: Hier gibt es vor allem zwei Häfen, von denen ich weiß, dass sie es wert sind, dort zu suchen. Zum Einen in der Hauptstadt Arrecife und zum anderen in der Marina Rubicon bei Playa Blanca im Süden. Hier kannst du vor allem nach Booten suchen, die auf die anderen Inseln fahren, aber mit Glück findest du hier auch ein Boot, dass danach weiter in Richtung Karibik fährt. Manche (so wie ich), sind aber auch mit einer Fähre nach Gran Canaria gefahren, um dort zu suchen.<br>In Playa Blanca gibt es ganz in der Nähe vom Hafen aktuell ein Camp, wo einige Tramper gemeinsam übernachten. Wenn du dich mit ihnen austauschst, wirst du schnell davon mitbekommen.</li><li><strong>Gran Canaria</strong>: In der Hauptstadt Las Palmas startet nicht nur die ARC, sondern auch andere Regattas. Aus der großen Marina Las Palmas starten sehr viele Boote Richtung Karibik, sodass du hier mit Sicherheit gute Chancen hast. Natürlich führt das aber auch dazu, dass hier sehr viele nach einem Boot suchen. Ich habe das aber vor allem als schön empfunden, weil sich das hier weniger als Konkurrenz anfühlt, sondern man sich gegenseitig unterstützt und wenn man hört, dass jemand ein Boot gefunden hat, gibt das Zuversicht, dass man das selbst auch schaffen kann!<br>Die Sailor&#8217;s Bay Bar in der Marina ist ein Hotspot für Segler, daher ist es gut, sich dort aufzuhalten und mit den Leuten zu sprechen. Auch hier sind die Anlegestellen nur mit Karte zugänglich, aber man kann manchmal mit anderen hineingehen.<br>Das Museum zu Christoph Columbus in Las Palmas finde ich nicht empfehlenswert, auf die Kathedrale kannst du aber gut hoch für 2 Euro und das Kanarische Museum ist sehr gut.<br>Ich war in Las Palmas in den Hostels Lua Lua, Kyo und Atlas und kann alle drei empfehlen. Am besten hat es mir im Atlas-Hostel gefallen, denn das Hostel bietet auch einen Geflüchteten Unterkunft und es gibt einige gemeinsame Veranstaltungen und Projekte! <br>Ein paar Nächte hab ich auch am Strand Alcaravaneras im Zelt gepennt, dort gibt es gerade eine große Community, die sich organisiert und es ist mega schön!</li><li>Wenn du nicht auf Gran Canaria suchen willst, kannst du auch noch überlegen, ob du nach Teneriffa oder La Gomera fährst. Im Hafen von Santa Cruz Teneriffa starten viele Boote und man kann dort gut suchen. San Sebastian de La Gomera ist zwar eher kleiner, aber dafür ein absoluter Transithafen, wo viele einen letzten Stopp vor der Überfahrt machen. Und was du auf jeden Fall machen kannst, ist Boote auf Teneriffa und La Gomera auf Navily anzuschreiben.</li></ul>
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<h2>Hinweise zu Kap Verde</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Es gibt 7 bewohnte Kap Verdische Inseln, aber nicht alle haben Häfen. Der Ausgangspunkt für die meisten Atlantik-Überquerungen ist Mindelo auf der Insel Sao Vicente, weil dort der westlichste Hafen ist. Dort war ich 2 Wochen und habe viele Tramper dort getroffen. Von Kap Verde ein Boot über den Atlantik zu finden, ist definitiv auch möglich und mein Eindruck war, dass diejenigen von uns, die dort gesucht haben, ähnlich schnell etwas gefunden haben wie auf den Kanaren oder in Gibraltar.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:list -->
<ul><li>Die <strong>Boote </strong>befinden sich quasi alle im Hafen von Mindelo oder dort vor Anker. Zum Suchen macht es also auch nur dort Sinn. Das ist natürlich ganz praktisch, dass das so zentriert ist.<br>Die Bar im Hafen heißt Floating Bar und ist ein sehr guter Ort, um Skipper*innen und Crew kennenzulernen! Wenn du an ein Dinghy kommst oder gerne schwimmst, lohnt es sich mit Sicherheit, auch zu den Booten vor Anker zu gehen. Ansonsten legen aber praktisch alle Dinghys direkt bei der Floating Bar an.</li><li><strong>Unterkunft</strong>: Es gibt in Mindelo meines Wissens nach kein Camp und es empfiehlt sich auch nicht, dort wild zu campen. Mehrere Personen haben davor gewarnt! Wie es außerhalb von Mindelo aussieht, kann ich nicht sagen, da mag es gehen.<br>Am entspanntesten ist es natürlich wenn du wie ich auf einem Boot bist, ansonsten gibt es aber auch mind. ein gutes Hostel, in dem Tramper unterkamen.</li><li><strong>Essen:</strong> Es gibt einige Foodtrucks in der Stadt, die günstige und sehr leckere Sandwichs haben. Vor allem das mit Ei fanden wir genial gut! Die besten und nähesten Foodtrucks findest du bei der Praca Nova. Für Cachupa, das traditionelle Essen, empfehle ich das Restaurant La Pergola, das auch einige vegetarische Optionen hat. Für Pizza ist U Sabor eine gute Adresse!</li><li><strong>Unterhaltung</strong>: Die Museen der Stadt haben mich nicht so umgehauen, die Natur ist aber echt schön. Man kann an der Ostküste der Insel einige schöne Strände finden. Am Strand von Sao Pedro gibt es viele Schildkröten, die allerdings von den Locals angefüttert werden. Mit den Schildkröten zu schwimmen war allerdings ein ziemliches Highlight!<br>Am besten gefallen hat uns die Nachbarinsel Santo Antao, zu der man easy mit der Fähre kommt und auf der man wunderschön wandern kann!<br>Ansonsten gibt es sehr viel Live-Musik in Mindelo und wenn du unserer Regel folgst, wirst du eine gute Zeit haben: Wenn du Musik hörst, folge ihr, bis du dort ankommst!</li></ul>
<!-- /divi:list -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Hinweise zur Karibik</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>In der Karibik gibt es insbesondere bis Mai sehr viele Boote, die von Insel zu Insel oder auch zum Festland fahren, sodass Trampen dort auch gut geht! Das kommt aber natürlich sehr auf die Insel an, je größer die Insel bzw. der Hafen desto höher stehen natürlich die Chancen, ein Boot zu finden. Ich denke aber erstmal, wo man mit dem Segelboot hinkommt, kommt man auch wieder weg.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:list -->
<ul><li>Je weiter die Saison voranschreitet, desto mehr Boote fahren Richtung Festland, um sich vor der Hurrikan-Saison zu schützen. Spätestens ab Mai sollte es gut möglich sein, ein Boot zum Festland zu finden. Vorher bleiben die meisten Boote auf den Inseln und so kann man vor allem zwischen den Inseln gut trampen. Natürlich findet man aber zu jeder Zeit Boote, die zum Festland fahren. Nur evtl. nicht so viele.</li><li>Große Häfen und gute Möglichkeiten gibt es auf jeden Fall in Le Marin auf Martinique und auf St. Martin/St. Maarten. Ich war nur auf einigen Karibikinseln und kann daher nicht zu allen etwas sagen. Mit Sicherheit gibt es noch andere Inseln und Häfen, die gut funktionieren. Auf Grenada gibt es z.B. auch viel Boots-Traffic.</li><li>Zu den einzelnen Inseln findest du Reise-Berichte in meinen weiteren Blogbeiträgen, schau gerne rein und sonst melde dich mit deinen Fragen jederzeit gerne bei mir!</li></ul>
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		<title>Kap Verde &#8211; ein Land das keiner kennt (aber kennen sollte)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Jan 2023 01:41:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Atlantik]]></category>
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<p>In diesem Blogbeitrag erzähle ich nicht nur von dem, was wir auf Kap Verde erlebt haben, sondern möchte euch das Land näherbringen und was ich darüber lernen durfte &#8211; es lohnt sich!<br>Ich gebe zu, auch für mich war Kap Verde nur ein Name, den ich mal gehört hatte, bevor ich hierher kam. Mit viel Kramen in den hintersten Ecken meiner grauen Zelle wäre mir vlt noch eingefallen, dass die Inselgruppe zu Westafrika gehört. Doch auf meiner Reise, die mich vor allem durch Mittel- und Südamerika führen soll, war Kap Verde allenfalls ein Zwischenstopp. Nach meinem ursprünglichen Plan wäre ich wohl von den Kanaren am liebsten direkt in die Karibik gefahren. (Dann fährt man zwar auch erstmal Richtung Kap Verde biegt aber kurz vorher ab und lässt sich von den Passatwinden rüberblasen)<br>Für viele Segler*innen ist Kap Verde aber ein gelegener Zwischenstopp, um die lange Überfahrt über den Atlantik noch einmal zu unterbrechen, durchzuschnaufen, Reparaturen durchzuführen, Proviant aufzustocken. Und als mir klar wurde, dass ich meinen ursprünglichen Zeitplan eh durch die Pfeife rauchen konnte, wurde das Land interessant für mich. Ich entschied mich ganz bewusst, wieder zu Familie Baicis auf das Boot zu gehen und mit ihnen den Zwischenstopp auf Kap Verde zu machen. Mittlerweile hatte das Land nämlich doch mein Interesse geweckt: auch weil ich zum Ende meiner Zeit auf den Kanaren anfing, Portugiesisch zu lernen.</p>
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<h2>Kap Verde &#8211; ein Mischung aus portugiesischen und westafrikanischen Einflüssen mit viel Musik und Tanz</h2>
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<p>Bevor die Kapverdischen Inseln Mitte des 15. Jahrhunderts von verschiedenen portugiesischen Seefahrern entdeckt wurden, waren sie unbewohnt. Diogo Gomes taufte sie auf den Namen &#8222;Ilhas de Cabo Verde&#8220; (Inseln des Grünen Kaps) und begann mit der Besiedlung. Keine Ahnung wie er auf den Namen kam, der mir wenig passend vorkommt: die meisten Vulkaninseln sind eher braun als grün und es wächst alle paar Meter mal ein Kaktus. Vlt stand er auf dem Vulkankrater auf der Insel Santo Antao, die wir auch besucht haben, als er sich den Namen ausdachte: Dort im Krater wird nämlich viel Gemüse angebaut und Santo Antao ist tatsächlich sehr grün &#8211; zumindest im Nordwesten. Die Insel wird auch der Garten von Kap Verde genannt und liegt übrigens ganz im Westen der Inselgruppe.<br>Nach der Besiedlung der Inseln begann Portugal schnell, den Sklavenhandel nach Kap Verde zu bringen. So war das Land für mehrere Jahrhunderte ein Zwischenstopp für Sklaventransporte nach Amerika und es entstand über die Jahrhunderte eine Kultur, die zum Einen durch portugiesische Einflüsse gepägt ist, aber auch viel von verschiedenen westafrikanischen Kulturen aufgesogen hat. Nicht zuletzt findet man hier auch viele Parallelen zu Brasilien.<br>Insgesamt besteht Kap Verde aus 9 bewohnten Inseln und 16 weiteren kleinen Inseln und liegt ca. 570 Kilometer von der westafrikanischen Küste entfernt. Die Inseln werden in die windzugewandten und die windabgewandten Inseln unterteilt. Wir liegen mit dem Boot in der Stadt Mindelo auf der Insel Sao Vicente, die genauso wie Santo Antao zu den windzugewandten Inseln im Westen gehört. Mindelo hat den einzigen, richtigen Yachthafen von Kap Verde, vermutlich genau wegen der Lage im Westen als gutem Standort für die Atlantiküberquerung.</p>
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<p></p>
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<h2>Cesaria Evora und Amilcar Cabral &#8211; zwei Ikonen in Kap Verde</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Das Land ist seit 1975 unabhängig von Portugal und hat sich zu einem der stabileren und wohlhabenderen Länder Afrikas entwickelt. Armut ist hier dennoch noch ein großes Thema und man wird in der Straße auch von vielen Personen angesprochen, die einen um Geld oder etwas zu Essen bitten. Ca. 90% der Lebensmittel müssen importiert werden, ein großer Teil der Fischerei wird an ausländische Flotten abgegeben. Der Tourismus ist im Kommen und beträgt heute ca. 10% des Bruttosozialprodukts.<br>Das wohl wichtigste Gesicht der kapverdischen Unabhängigkeitsbewegung war Amilcar Cabral. Als Sohn kapverdischer Eltern wuchs er zunächst im heutigen Guinea-Bissau und später in Kap Verde auf. Nach längerem Aufenthalt und Ausbildung in Lissabon kehrte er nach Guinea-Bissau zurück und organisierte ab den 60er-Jahren die Unabhängigkeitsbewegung der beiden Länder, die nicht zuletzt wegen ihm eng miteinander verbunden war. Nachdem die Portugiesen mehrmals versucht hatten, ihn zu töten, kam er 1973 bei einem Attentat ums Leben als sich Teile der eigenen Partei gegen den starken kapverdischen Einfluss in Guinea-Bissau richteten. So erlebte er selber die Unabhängigkeit Kap Verdes nicht mit. 15 Jahre lang herrschte in dem westafrikanischen Land de facto eine Ein-Parteien-Diktatur mit gescheiterten, blutigen Putschversuchen &#8211; bis 1990 eine Verfassungsänderung zu einer Demokratisierung des Landes führte und die Opposition schlagartig 78% bekam. Vorher hatte sie bei jeder Wahl angeblich 5,5% erreicht.<br>Kap Verde ist eine parlamentarische Republik mit einem direktgewählten Präsidenten als Staatsoberhaupt. Das Parlament besteht aus einer Kammer mit 72 Abgeordneten &#8211; das sollte man mal dem deutschen Bundestag sagen 😀 Allerdings ist Kap Verde auch sehr klein und hat insgesamt nur knapp 500.000 Einwohner*innen. Die Hauptstadt Praia ist mit 125.000 Einwohner*innen zwar die größte Stadt, doch Mindelo als zweitgrößte Stadt mit 70.000 Einwohner*innen gilt als das kulturelle Zentrum des Landes. Vermutlich auch, weil Cesaria Evora aus Mindelo kam und nach ihrer Karriere ihr Leben hier ausklingen ließ. Die Kapverdierin gilt als Begründerin und wichtigste Stimme der Morna &#8211; der traditionellen Musik auf Cap Verde. Morna wird mit Gitarren „Cavaquinho“ (kleine viersaitige Gitarre), Geige und einer 10-saitigen Gitarre gespielt. Die Stimmung der Morna ist melancholisch, sie beruht vor allem auf Gedichten von Eugénio Tavares’, der als Begründer einer eigenen Literatur der Kapverden gilt.<br>Cesaria Evora stammt aus einer Musiker-Familie und machte ihr ganzes Leben Musik in den Bars und Restaurants von Mindelo. Mit 47 bekam sie ihren ersten Plattenvertrag und wurde in kürzester Zeit zum Weltstar. Sie gewann einen Grammy, spielte Welttourneen und schwang sich zur unangefochtenen Ikone von Kap Verde auf. Es ist unmöglich, Mindelo zu besuchen, ohne ihrem Konterfey an jeder zweiten Straßenecke zu begegnen. Ich mag die Musik sehr gerne. Hört doch mal rein, findet ihr auf jeder gängigen Musikplattform.</p>
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<!-- /divi:image --><figcaption class="blocks-gallery-caption">Cesaria Evora</figcaption></figure>
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<h2>Unsere Zeit auf Kap Verde: Musik, Schildkröten, Musik, Natur und Musik</h2>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Die Bedeutung von Musik in Cap Verde wurde uns ab dem Moment klar, in dem wir unser Boot im Hafen verließen und uns aufmachten, um die Stadt zu erkunden! Überall tönte laute und leise Musik &#8211; aus Lautsprechern oder live mit Instrumenten und Gesang. Gleich am ersten Abend spielte ich in einer kleinen Bar spontan Musik und alle begannen, mit uns zu tanzen. Auch wenn ich nicht so viel Musik gemacht habe, wie auf den Kanaren, hatte ich die Gitarre doch einige Male in der Hand.<br>Schon am ersten Abend entstand so bei uns eine Regel, die sich mein Kumpel Arnaud ausgedacht hat, den ich hier wiedertraf: wann immer wir Musik hören, müssen wir ihr folgen und schauen wo sie herkommt. So haben wir schon viele tolle Orte entdeckt und gute Begegnungen gehabt.<br>Vermutlich war vor allem der erste Abend so intensiv, weil wir vorher 8 Tage auf dem Wasser waren und dann plötzlich in ein fremdes Land mit anderer Währung, anderem Essen und anderer Kultur geschmissen waren &#8211; ein wundervolles Gefühl! Allein anderes Geld in der Hand zu haben, eine SIM-Karte besorgen zu müssen und eine andere Sprache um sich herum zu hören, tat unfassbar gut! Das war für mich das erste Land außerhalb Europas auf dieser Reise und ich freue mich wahnsinnig auf die vielen Länder, die ich noch erkunden darf.<br>Ich genoss es deshalb sehr, hier einfach durch die Stadt zu ziehen, neue Bars und Restaurants kennenzulernen, an Straßenständen Sandwiches zu essen (Jakobs und mein Favorite war das EI-Sandwich für 80 Cent), Portugiesisch zu quatschen und überall Musik zu hören. Mindelo ist wirklich eine farbenfrohe, bunte, begeisternde Stadt, die zu Recht das kulturelle Zentrum des Landes ist. Das Wetter hier ist übrigens sehr konstant &#8211; tagsüber hatten wir ca. 25° und in der Nacht 20°. In der Sonne wurde es manchmal sehr warm, abends hatte ich durch den Wind ab und zu auch mal eine lange Hose an.</p>
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<!-- /divi:image --><figcaption class="blocks-gallery-caption">Wiedersehen!</figcaption></figure>
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<p>Nicht nur Arnaud traf ich hier wieder, den ich in Gibraltar kennenlernte und mit dem ich schon Lanzarote und Gran Canaria erkundet habe. Noch viele andere Boots-Tramper habe ich hier wiedergetroffen. Fast jeden Tag kommt wieder ein Boot mit jemandem an, den oder die ich aus Gibraltar oder Las Palmas kenne. Das ist echt eine tolle Community und es ist immer wieder richtig schön, die bekannten Gesichter wiederzutreffen! So haben Jakob und ich uns immer wieder mit anderen Trampern getroffen und immer eine gute Zeit gehabt. Natürlich verbrachten wir aber natürlich auch viel Zeit mit Familie Baici und insbesondere mit den Kids machten wir mehrere Ausflüge. Zwei Mal waren wir Schwimmen am Strand in Mindelo und haben viel geplantscht, gespielt und Sandburgen gebaut.<br>Ein absolutes Highlight war unser gemeinsamer Besuch im Süden von Sao Vicente, am Strand von Sao Pedro: dort lebt eine ganze Kolonie von Schildkröten. Mit einem Boot konnten wir rausfahren und mit den Schildkröten schwimmen. Teilweise waren bis zu 20 Schildkröten um uns herum und berührten uns vorsichtig. Die Tiere sind einfach unfassbar majestätisch und können wenn sie wollen richtig schnell schwimmen. Meistens wollen sie das aber nicht und schwimmen ganz gechillt durchs Wasser. Ein fantastischer Anblick, den ich nicht vergessen werde!</p>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Ein weiteres Highlight für Jakob und mich war der Besuch auf der Nachbarinsel Santo Antao. Wie oben kurz angedeutet ist die Insel im Nordwesten sehr grün und genau dort machten wir eine lange Wanderung inklusive Übernachtung in Hängematte und Zelt im Wald. Was uns bei Nacht noch wie Erdnüsse aussah, die auf dem Boden lagen, entpuppte sich am nächsten Tag als Kaffebohnen &#8211; wir hatten in einem kleinen Kaffeewäldchen unser Nachtlager aufgeschlagen 🙂<br>Am nächsten Morgen schauten wir uns so fasziniert eine Bananenstaude an, dass uns die Familie, die nebenan wohnte, ansprach und zum Frühstück einlud. Generell sind die Menschen hier wahnsinnig offen, lieb und gastfreundlich! Auf Santo Antao ist beim Trampen kein Auto an uns vorbeigefahren, als wir den Daumen raushielten!!</p>
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<!-- /divi:image --><figcaption class="blocks-gallery-caption">Santo Antao</figcaption></figure>
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<p>Entlang der Küste ging es dann zurück nach Porto Novo im Osten der Insel und von dort aus nahmen wir die Fähre zurück nach Mindelo. Auf dem Weg lernten wir einen Guide aus Mindelo kennen, der gerade zum Heimaturlaub auf Santo Antao gewesen war: Elvis. Durch ihn konnte ich nochmal einiges über Kap Verde erfahren und es war spannend zu sehen, wie er lebt. Seine Mutter kocht sehr gut!</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Ich bin wirklich froh, so viel Zeit gehabt zu haben, dieses Land kennenzulernen und die beiden Inseln zu erkunden. Nun freue ich mich aber auch, bald weiterzureisen und bin schon gespannt, von welchem Land ich euch als nächstes berichten werde!</p>
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		<title>Atlantik-Überquerung Teil 2 &#8211; jetzt aber wirklich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Dec 2022 16:47:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Atlantik]]></category>
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<p>Den zweiten Teil der Atlantik-Überquerung mache ich nach einigem Hin und Her wieder mit Familie Baici und bin sehr froh darüber, da wir uns blendend verstehen!<br>Nachdem ich schon abfahrbereit auf dem Boot von Jack und Jill aus Texas war, verzögerte sich die Abfahrt durch Krankheit und Wetter mehrmals, sodass ich dann entschied, wieder auf dem Katamaran mitzufahren, auf dem ich schon so gute Erfahrungen gemacht habe. Mein Kumpel und Schulfreund Jakob ist als Boat-Hitchhiker auch auf die Kanaren gekommen und kann auch bei uns mitfahren &#8211; das ist natürlich mega cool, diese Erfahrung gemeinsam zu machen. Ab Cap Verde kommt dann noch Peter, ein Freund der Familie, dazu, über den ich noch nicht mehr weiß &#8211; bin gespannt und freue mich. Das heißt von Cap Verde bis in die Karibik werden wir dann zu siebt sein!<br>Hier lest ihr mein Tagebuch von der Überfahrt von Gran Canaria bis nach Cap Verde, viel Spaß beim Lesen.</p>
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<p>Tag 1:<br>Heute sind wir endlich losgesegelt. Nachdem ich lange in Gran Canaria war, ist es schön, jetzt wieder auf dem Wasser zu sein 😊<br>Die letzten Tage waren sehr anstrengend mit all den Vorbereitungen und wir haben wenig geschlafen, deswegen sind alle heute früh ins Bett. Auch weil es ab jetzt wieder Nachtschichten gibt: im Vergleich zur Fahrt von Gibraltar auf die Kanaren sind wir mit Jakob nun eine Person mehr für die Wachen. Daher machen wir 2,5 Stunden Schichten 😊<br>Ich bin gerade von 3 &#8211; 5:30 Uhr dran. Wobei ich etwas zu spät kam:<br>Meine Uhr ist auf die deutsche Zeit zurückgesprungen (+1) kurz bevor der Wecker klingeln sollte, sodass er gar nicht geklingelt hat. Als ich hochgeschreckt bin und mich tausend Mal bei Jakob entschuldigt habe, hat er gar nicht verstanden warum, weil ich nur 15 und nicht 75 Minuten zu spät war 😃<br>Zum Abendessen hab ich Vegane Mac and Cheese gemacht, ein tolles Rezept von meiner Freundin Lioba. Scheint allen gut geschmeckt zu haben, was mich freut. Denn Baicis essen schon gerne Mal Fleisch (wenn auch nicht ständig), während Jakob und ich in Deutschland vegan kochen. (er ist definitiv konsequenter als ich, auf der Reise isst Jakob vegetarisch und ich auch mal Fleisch)<br>Ich lerne jetzt noch etwas Portugiesisch und freue mich dann, wieder zu schlafen 😊 aber nicht ohne nochmal 5 Minuten aus Jakobs und meinem Fenster die Leuchtalgen zu bewundern 😍 das hab ich heute Abend schon mit den Kids aus ihrer Koje gemacht </p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Tag 2:<br>Ich bin richtig glücklich aufgewacht heute. Nach meiner Nachtschicht und den anstrengenden letzten Tagen hab ich bis halb 12 geschlafen und mein erster Blick war auf das sonnengeflutete, offene Meer &#8211; was will man mehr 😃<br>Zum Frühstück hab ich Guacamole und Obstsalat gemacht, zusammen mit dem letzten frischen Brot und spanischem Käse war das sehr fein (Schweizer Wort für lecker) 😊<br>Heute Nachmittag haben wir das Segel gewechselt und fahren jetzt mit einem Vorwindsegel. Die Windrichtung ist relativ konstant und auch die Windstärke ist ok, auch wenn sie etwas abgenommen hat und ein bisschen mehr Wind schön wäre.<br>Nach einem wundervollen Sonnenuntergang hab ich Gitarre gespielt und wir haben gesungen. Später hab ich noch mit Siro und Stella Eile mit Weile gespielt &#8211; eine Schweizer Version von Mensch Ärgere Dich Nicht.<br>Durch unser 2,5h Schichtsystem hat man die Schichten immer anders, das ist ganz cool 😊<br>Gerade muss ich noch bis halb 2 und dann Falle ich todmüde ins Bett. Die Zeit während der Wache nutze ich für Portugiesisch. Bin gespannt wie viel ich schon kann wenn wir auf Cap Verde ankommen 😊</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Tag 3:<br>Heiligabend auf dem Atlantik fühlt sich an wie in einer Paralellwelt, aber einer sehr schönen!<br>Ich habe das Gefühl, gar nicht in Worten beschreiben zu können wie besonders es ist, auf offenem Meer mit einem Boot unterwegs zu sein und nur vom Wind angetrieben zu werden. Aufzuwachen mit einem Blick übers Meer und in den Schlaf gewogen zu werden von den wogenden Wellen 😊<br>Und das auch noch an Weihnachten mit einer neuen Familie &#8211; ich gehöre mittlerweile dazu sagen Baicis ☺️<br>Wir haben heute morgen richtig Speed gemacht und bis zu 10 Knoten Geschwindigkeit erreicht 😍<br>Seit Nachmittag ist aber Pause und wir tuckern mit 3 Knoten über den Atlantik.<br>Wir haben Plätzchen gebacken, Gitarre gespielt und gesungen und hatten ein sehr leckeres und schönes Abendessen.<br>Geschenke gab es natürlich auch. Jakob und ich haben den Kids ein Spiel geschenkr (genau das wollte Stella unbedingt schon mal haben, guter Zufall ✌🏻) und Silke &amp; Fedi Glas-Strohhalme fürs Schiff. Ich habe Rocher und einen Anhänger von Stella bekommen ☺️☺️<br>Vorher hab ich gedacht, dass ich mich an Weihnachten vlt nach Hause wünsche, aber gerade habe ich das Gefühl am genau richtigen Ort zu sein 🥰<br>Kleines Manko: wir hatten eben einen Kabelbrand 😮 zum Glück haben Baicis einen Rauchmelder im Motorraum angebracht, der uns frühzeitig gewarnt hat. Ist nichts schlimmeres passiert, aber wir sind nicht sicher ob wir den Generator noch nutzen können 😱</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Tag 4:<br>Hab heute nochmal lange geschlafen, nachdem ich in meiner Schicht den Sonnenaufgang gesehen habe. Gibt wohl keinen schöneren Ort als auf dem Ozean die Sonne auf- und untergehen zu sehen. Es ist nichts im Weg und man kann am Horizont genau beobachten wie der Leuchtball auftaucht und nach vielen Stunden der Erleuchtung wieder verschwindet 😊<br>Wir sind jetzt noch mehr von der Sonne abhängig, da unser Generator nach dem Kabelbrand nicht mehr funktioniert. Zur Not könnten wir aber den normalen Motor anmachen zur Stromgewinnung. Solange die Sonne aber zuverlässig ballert, ist das nicht nötig 😊<br>Fedi und Siro haben heute morgen 2 Fische gefangen als ich geschlafen hat. Es ist zum Running Gag geworden, dass man mit mir keine Fische fangen kann. Es wird sogar gemunkelt dass ich die Fische vorwarne 😃<br>Ein sehr großer Schwarm Delfine kam auch vorbei &#8211; pünktlich zu Weihnachten. Bin aber nicht sicher, ob denen das Fest so wichtig ist 😃</p>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Tag 5:<br>Der zweite Weihnachtstag war ganz anders als der erste. Der Wind hat stark zugenommen, wir haben bis zu 30 Knoten Wind 😳 haben also die Segel gerefft (Segelfläche verkleinert) und sind trotzdem noch sehr schnell: bis zu 11 Knoten 💪<br>Mit Wind kommt Welle, sodass wir ordentlich durchgeschaukelt werden und Teile der Crew seekrank sind. Vor allem die Kids hats erwischt.<br>Mir machts Spaß wenn es ein bisschen actionreicher ist und sich das Boot ordentlich bewegt, aber es war schon schöner als wir die letzten Tage alle fit an Deck waren, entspannt kochen und backen konnten. Den Cookie-Teig, den die Kids und ich gestern vorbereitet haben können wir aktuell nicht backen. Durch den Kabelbrand im Generator und die fehlende Stromproduktion bei wolkigem Himmel, müssen wir erstmal Strom sparen. Außerdem wackelt es zu sehr.<br>Leider funktioniert das Internet über Satellitentelefon, das ich noch im Hafen eingerichtet habe, nicht, sodass wir keine aktuelleren Wetterdaten haben. Aber wir haben eben ein französisches Boot in der Nähe angefunkt und die meinten, dass sich das Wetter heute Nacht beruhigen soll.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

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<p>Tag 6:<br>Heute morgen sah es so aus, als würde sich die Vorhersage der Franzosen bewahrheiten, aber mittlerweile wurden wir eines besseren belehrt. Der Wind bleibt sehr stark, die Wellen wurden noch größer.<br>Heute Nacht sind mehrere Fliegenge Fische an Bord gesprungen/geschwemmt worden. Wir haben sie eingefroren und verfüttern sie beim nächsten Delfinbesuch. Die anderen haben auch schon einige fliegende Fische gesehen, ich hatte noch nicht das Glück. Die &#8222;Flügel&#8220; von den toten Fischen sehen aber echt spektakulär aus. Bin gespannt wie sie damit &#8222;fliegen&#8220;.<br>Da das Wetter so schwierig bleibt und Strom knapp ist, ist erstmal kein Kochen möglich. Wir essen also hauptsächlich Müsli, Bagel mit Avocado und frisches Obst. Von letzterem haben wir noch ganz viel, da waren wir optimistisch beim Einkauf 😃<br>Ich bin heute mit den Grammatik-Lektionen durch, die ich mir für die Fahrt bis Cap Verde gedownloaded habe, macht Spaß und freue mich schon, es anzuwenden. Außerdem hab ich schon einige Folgen Netflix geschaut (Designated Survivor, wirklich spannend), Mundharmonika geübt, Fotos aussortiert, ein Lied für die Crew geschrieben und mit einem Hörbuch Astrologie gelernt. Sehr passend, weil der Sternenhimmel hier einfach umwerfend ist!!<br>Gemeinsam hören wir viel Musik, die Kids sind große Fans von einer spanischen Band geworden, die ich auch vor kurzem erst entdeckt habe: La Pegatina. Und Das Lumpenpack finden sie auch sehr cool 😃 von denen hab ich ihnen einige Songs auf der Gitarre vorgespielt.</p>
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<!-- divi:paragraph -->
<p>Tag 7:<br>Die Wellen sind noch höher geworden während des Tages und wir wurden echt ordentlich durchgeschaukelt und etwas vom Kurs abgebracht. Den Kids geht&#8217;s aber wieder gut und so haben wir viel gescherzt heute 😊<br>Am Großsegel hats eine Konstruktion zerrissen, die Fedi in Las Palmas improvisiert hatte. Zum Glück kamen die Ersatzteile in letzter Minute doch noch an (wir sind dafür sogar noch ein Stückchen umgedreht als wir schon aus Las Palmas gestartet waren). So können wir die Teile auf Cap Verde einbauen. Bis dahin fahren wir nur mit Vorsegel.<br>Heute habe ich die fliegenden Fische auch gesehen und wie viele! Mega beeindruckend und cool zu sehen 😍<br>Gegen späten Abend haben die Wellen etwas abgenommen und ich habe Pasta gekocht. Die erste warme Mahlzeit seit 3 Tagen hat sehr gut getan 😊 wir freuen uns alle riesig auf ein Restaurant in Mindelo 😍 morgen kommen wir an &#8211; allerdings wohl leider erst im Dunkeln.<br>Am Freitag kommt Peter dazu, das siebte Crew-Mitglied für die Überfahrt in die Karibik ☺️</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Tag 8:<br>Wir sind gerade vor Anker in Mindelo auf Sao Vicente und sind gut angekommen. Morgen können wir in den Hafen und freuen uns schon alle aufs Land! Heute wurde das Wetter wieder etwas besser und wir haben nochmal einige Delfine gesehen und Schwärme von fliegenden Fischen 🙂<br>Wir wissen noch nicht, wie lange wir auf Cap Verde bleiben werden, aber ich halte euch auf dem Laufenden. Erstmal freue ich mich jetzt auf das erste Land außerhalb Europas und die vielen Eindrücke, die uns erwarten. Insbesondere Silvester soll in Mindelo wahnsinnig groß und toll sein. Ich werde berichten.</p>
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<p>Euch allen einen guten Rutsch und alles erdenklich Gute für 2023!</p>
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		<title>Trampen durch Europa &#8211; zu Klischees und Tipps</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Echelmeyer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Dec 2022 13:16:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
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<p>In diesem Blogeintrag möchte ich euch von meinen Erfahrungen beim Trampen durch Europa erzählen. Ich schaue mir außerdem mal ein paar Klischees zum Trampen an und weiter unten gibt es dann noch einen Abschnitt mit Tipps, falls ihr auch mal trampt!</p>
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<p></p>
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<!-- divi:heading -->
<h2>Vom Münsterland bis Südspanien</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Am 10. Oktober bin ich in meiner Heimatstadt Emsdetten gestartet. 25 Autos und 3597 Kilometer später bin ich in La Linea de la Concepción bei Gibraltar angekommen und hab auf dem Weg durchs Mitfahren 41 Menschen und einen Hund kennengelernt. Mit dem Hund war wohl die anstrengendste Fahrt (wenn auch eine der schönsten), da er gehaart hat und sehr kuschelbedürftig war.<br>Meine längste Mitfahrt war fünfeinhalb Stunden mit der Britin Sarah von Genf bis kurz vor Marseille. Die kürzeste Fahrt war für 3 Minuten mit Thanh, einem Vietnamesen, der mich ins Zentrum von Winterthur mitgenommen hat.<br>Für mich war das Trampen eine super tolle Erfahrung und Möglichkeit zu reisen und ich werde es sowohl während der Reise als auch danach mit Sicherheit weiterhin machen. Durchs Trampen wird der Weg zum Ziel und man lernt die Umgebungen, in denen man unterwegs ist, ganz anders kennen als wenn man zu einem (Bus-)Bahnhof fährt und beim nächsten wieder aussteigt. Vor allem aber lernt man Menschen kennen, die man sonst niemals kennenlernen würde. Ich bin beispielsweise bei einem Russen mitgefahren und konnte mit ihm über den Krieg in der Ukraine sprechen. In diesem Blogbeitrag beschreibe ich die Begegnung länger. Genauso beschreibe ich dort zwei weitere tolle Begenungen, mit einer Britin aus der Schweiz, mit der ich in Südfrankreich deutsche Musik sang und mit Mattia und Didi, die mich aufgenommen haben, als ich bei Lausanne gestrandet bin.<br>Ich finde die Verbindung, die man beim Trampen hat, auch besonders, weil beide Seiten einer/einem Fremden vertrauen. Teilweise sind auch gerade dadurch intensive &amp; vertraute Gespräche entstanden, dass wir wussten, dass wir uns wohl nie wiedersehen. Eine Frau hat mir von ihrer Trennung nach 35 Jahren Ehe erzählt, in anderen Kontexten hätte sie das vlt eher nicht gemacht.<br>Natürlich muss das aber auch nicht so sein. Ich bin zum Beispiel bei einem Mann mitgefahren, der mir keine einzige Frage gestellt hat, nicht mal, nachdem ich meinem Cousin am Telefon von der Reise erzählt habe und er mithörte. Auf meine Fragen ging er interessanterweise aber ausführlich ein 😀<br>Man trifft beim Trampen sowohl Menschen, mit denen man die gleichen Ansichten teilt, wie mit Fabian aus Hessen, der seit Jahren Seenotrettung unterstützt, als auch Menschen, die sehr verquere Meinungen haben, wie Josef, der zwar selber als Pole in Deutschland lebt, aber meinte, dass wir ein Problem mit Ausländern hätten und dass in der Schule mehr erzählt werden solle, was Hitler gutes gemacht hat.<br>Ich habe Menschen getroffen, die noch nie jemanden mitgenommen haben und auf der anderen Seite David, der selber schon Tausende Kilometer in Europa und Australien getrampt ist und wenn er auf der Autobahn Zeit hat, an jeder Raststätte kurz runterfährt, um zu schauen, ob dort Tramper stehen – Ehrenmann!</p>
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<!-- divi:paragraph -->
<p></p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>Du willst Trampen? Das macht doch heute niemand mehr…?</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Mir wurde vorher viel gesagt, dass heute ja kaum noch jemand trampt und ich habe auch bisher selten Menschen gesehen, die trampen. Und tatsächlich hab ich auch als Tramper den Eindruck bekommen, dass heutzutage nur wenige Menschen diese Fortbewegungsmöglichkeit wählen. Vor 20/30 Jahren war das ja anscheinend noch absolut Gang und Gäbe. Ich interpretiere das so, dass erstens die Möglichkeiten der Fortbewegung in den letzten Jahrzehnten deutlich vielzähliger geworden sind, die Menschen generell mehr Geld haben und dass aber auch dass das Vertrauen in andere gesunken ist. Ich bin gespannt, wie das in 20 Jahren ist.<br>Bin gespannt, was ihr dazu denkt und ob ihr mir zustimmt.</p>
<!-- /divi:paragraph -->

<!-- divi:heading -->
<h2>In der Schweiz nimmt dich kaum jemand mit, in Frankreich ist das viel einfacher</h2>
<!-- /divi:heading -->

<!-- divi:paragraph -->
<p>Dieser Aussage muss ich alleine schon widersprechen, weil mir so pauschale Aussagen suspekt sind. Unabhängig davon hab ich aber teilweise ganz andere Erfahrungen gemacht. Es mag sein, dass Trampen in einigen Ländern verbreiteter ist, z.B. Frankreich, und man durch ein Langzeitexperiment herausfinden würde, dass in Frankreich 17% mehr Autos anhalten. Und in anderen Ländern ist die Skepsis schon größer: In Spanien und der Schweiz hatte ich zum Beispiel das Gefühl.<br>Aaaaber in beiden Ländern hab ich ähnlich gut, Mitfahrgelegenheiten gefunden wie in Frankreich, teilweise sogar deutlich schneller. In der Schweiz habe ich meistens keine 5 Minuten gewartet! (Einmal kam ich allerdings auch gar nicht weg, in Frankreich aber auch einmal).<br>Am Ende kommt es viel mehr darauf an, wo man steht, wie man sich verhält, wer gerade unterwegs ist, etc. Häufig wird man eh eher von ausländischen Reisenden mitgenommen, da die ähnliche Routen fahren und näher dran sind, am Tramping-Lifestyle.</p>
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<p></p>
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<h2>Tipps fürs Trampen</h2>
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<p>Falls du dir vorstellen kannst, zu Trampen, erstmal nur Mut: Trau dich, das wird gut werden! Natürlich kann das auch mal anstrengend sein, aber wenn du Lust drauf hast, dann wird dich das Trampen auch nicht enttäuschen. Damit das Trampen entspannter wird, hier ein paar Tipps:</p>
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<ul><li>Das Wichtigste zuerst: <strong>Du brauchst Zeit</strong>. Klingt banal, ist eigentlich auch klar, aber ich bin dann doch manchmal sehr ungeduldig gewesen. Und das Wesen vom Trampen ist ja, dass man eben nicht planen kann, wann man wo genau ankommt.<br>Am entspanntesten ist es, wenn du gar kein klares Ziel für einen Tag hast, sondern einfach schaust, dass du so weit kommst, wie möglich. Klar ist aber auch, dass man zum einen ja manchmal einfach ein Ziel hat, weil eine Unterkunft gebucht oder eine Freundin informiert ist, die man besucht, und man zum anderen sich dann doch überlegt wie weit man wohl kommt.<br>Dann plane am besten doppelt so viel Zeit ein, wie man sonst mit dem Auto brauchen würde. Das ist eine gute Faustregel. Es kann auf jeden Fall auch schneller gehen, in Einzelfällen war es bei mir aber sogar mal länger, weil ich irgendwo stand, wo ich einfach nicht wegkam.</li><li><strong>Informiere dich über die Route</strong>. Schau nach, welche Route man mit dem Auto fahren würde, um zu deinem Ziel oder in die Richtung zu kommen und update dich mehrmals am Tag. Vlt gibt es ja zB eine Vollsperrung auf dem Weg und niemand fährt da lang, wo du lang willst.</li><li>Stell dich an einen Ort, an dem <strong>Autofahrer*innen dich gut sehen und anhalten können</strong> und in die richtige Richtung fahren. Je mehr andere Routen es für die Autos gibt, desto weniger wirst du mitgenommen.</li><li><strong>Sprich Menschen an</strong>. Am besten funktioniert es dort, wo du mit den Menschen sprechen kannst. So kriegen sie einen kurzen (hoffentlich) sympathischen Eindruck von dir und müssen sich nicht innerhalb von Sekunden entscheiden. Ich wurde auch mal von Personen mitgenommen, die mir erst abgesagt haben, weil sie danach an der Tankstelle noch Zeit hatten, sich umzuentscheiden. Wenn sie an dir vorbeifahren, ist das nicht so einfach möglich.</li><li>Versuche, <strong>freundlich zu wirken und gut erkennbar</strong> zu sein. Sonnenbrillen und bis ins Gesicht gezogene Hüte sind zB keine gute Idee!</li><li><strong>Raststätten sind ideal!</strong> Dort kannst du die Menschen ansprechen und sie fahren alle in die gleiche Richtung! Steig deswegen auch am besten an Raststätten raus, falls sich irgendwann deine Wege von denen des Autos trennen. Woanders kommst du in der Regel deutlich schlechter weg. Es kann auch mal eine Option sein, mit einem Bus oder Zug aus der Stadt rauszufahren und zu einer Raststätte zu laufen. Wichtig: es gibt einen Unterschied zwischen Raststätten und Rasthöfen, denn an letzteren können die Menschen in unterschiedlichste Richtungen fahren.</li><li><strong>Male ein Schild – vlt!?</strong> Es gibt Diskussionen unter Trampern ob Schilder helfen oder es besser ist Menschen direkt anzusprechen. Wenn du keine Möglichkeit hast, die Menschen anzusprechen und es dort wo du stehst mehrere Routenoptionen für die Autos gibt, geht an einem Schild aber kein Weg vorbei. Ich habe auch gerne an Raststätten eines genutzt, wenn ich Leute angesprochen haben. Dann haben sie visualisiert, was du ihnen sagst.</li><li><strong>Check die Seite hitchwiki.org</strong>. Dort findest du für ganz viele Städte Tipps, wie du rein und raus trampen kannst. Informiere dich dann aber nochmal, ob die dort angegebenen Verbindungen noch so existieren, teilweise ist das etwas veraltet.</li><li><strong>Bleib flexibel</strong>. Wenn jemand nicht da lang fährt, wo du geplant hattest, dich deinem Ziel aber näherbringen würde, ist es durchaus ne Überlegung wert, bei ihm oder ihr mitzufahren.</li><li><strong>Gib nicht auf, aber überlege Alternativen.</strong> Es kann leider sein, dass du mal länger warten musst und je nach Tagesform vlt total demotiviert bist. Schau zwischendurch mal ob und wie spät es noch Alternativen wie Bus oder Bahn geben könnte, damit du zur Not anders ans Ziel kommst. Ich war dadurch manchmal auch entspannter, wenn ich wusste, dass es noch eine Alternative gäbe, wenn’s gar nicht geht.</li><li><strong>Mach dein Ding.</strong> Du kannst gerne die Hälfte meiner Tipps ignorieren. Jede*r findet die eigene Weise zu trampen 😊</li></ul>
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